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0 Obst- u. Gartenbau Q

Die drei gefürchtetsten Feinde der Tomatenkultur von Wilh. J. Goverts, Mölln (Lbg.).

Von den wichtigsten 32 Schädlingen (20 tierischen und 12 pflanzlichen) sind von ersteren: der Kolorado­käfer (s. Abb.), von letzteren — den pflanzlichen — die Kartoffelkrankheit, während von den Krankheiten, die nicht durch Organismen, — die also weder durch tie­rischen noch pflanzlichen Einfluß entstehen — die Mo­saikkrankheit die gefürchtetsten der Tomatenkultur find.

Beginnen wir zuerst mit dem tierischen Schädling.

Der Koloradokäfer (Potato — bug der Amerikaner) gehört zu der Gattung Leptinotarsa de Say, welche zu der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) gerechnet wird.

Abb. 1: Colorado-Käfer — Leptinotarsa Undecimleata. de Say a) Eierhäuschen, b) auszekrochene Larven, c) u. d) dieselben erwachsen, e) erwachsener Käfer. (Potato-bug).

Der Käfer führt den wissenschaftlichen Namen: Leptinotarsa (Ehrysomela) Undecimlineata de Say. Er erreicht eine Länge von 10 mm, während die größte Breite in der Mitte 7 mm beträgt. Von schmutzig gelb­brauner Farbe mit rötlichem Widerschein, ist sein Rücken halbkreisförmig und sein etwas glänzender Körper unbehaart. Die Flügeldecken sind lederfarbig gelb, an der Naht schwarz und jede der Flügeldecken ist mit fünf schwarzen Längsstrichen versehen. Vorder- und Hinterland des Halsschildes haben einen schmalen schwarzen Strich; am Halsschild sind ferner elf Flecken, deren mittelster der Größte ist und die Form eines „V“ hat. Schwarz gefärbt sind die fünf verdickten Endglieder der Fühlhörner, ferner am Kopf die Augen und zahl­reiche, in Querreihen angeordnete Punkte und Flecken, sowie an den Beinen die Kniee und die viergliedrigen Füße.

Lebensweise: Nach Verlauf von 12 bis 14 Tagen setzt das begattete Weibchen seine sehr zahlreichen rot­gelben Eier zu je 12 bis 20 an die Unterseite der Nährpflanzen — in diesem Falle der Tomaten (So- lanum Lycoperficum, L. Lycoperficum Esculentum, Will.) — Die Eierablage dauert 14 Tage. Männchen wie Weibchen fressen das Laub an. Die aus den Eiern (700 bis 1200 Stück) entstehenden geflügelten Larven find 12 mm groß, haben einen birnförmigen Umriß, find weichhäutig und orangegelb bis rot. Nach etwa 20 Tagen verpuppen sich die Larven in der Erde, wo­raus sich nach 10 Tagen der Käfer der zweiten Gene­ration entwickelt. Dieses geschieht etwa Mitte Juni. Die Larven scheiden große Mengen schwärzlichen, schmutzigen Kotes aus.

Geschichte: Ursprünglich lebt dieser Käfer auf Solanum Rostratum, Dunal in Mexiko, kam aber 1850 nach Colorado, woher er den Namen hat und wo er schädigend 1865 am Kartoffelbau auftrat. Er wanderte ostwärts nach der atlantischen Küste und breitete sich zugleich soweit nach Norden und Süden der Ver­einigten Staaten aus, daß er ein Drittel derselben und Cüdkanada befiel. Seine Ausbreitung geschah längs der Eisenbahnen und Flüsse; Schwärme, von den im Spätsommer dort herrschenden Winden flogen nach den Oststaaten, ja, es wird erzählt, daß biefe Flüge Eisen­bahnen zum Entgleisen brachten. Nach Norden zu hatte der Koloradokäfer sehr bald Kanada erreicht, doch das Klima zog hier eine Grenze seiner Ausbreitung, und ebenfalls nach Süden, wo die Temperatur von ca. 38° Eier und Larven zum Sterben brächte. Nach Westen bildete lange Zeit das Felsengebirge ein unüberwind­liches Hindernis, welches jedoch neuerdings vom Käfer an mehreren Stellen überflogen wurde.

Als der Käfer 1875/76 in den atlantischen Küsten, stüdten Nordamerikas in so ungeheueren Massen auf­trat, wurde sein baldiges Erscheinen in Europa in Aus­sicht gestellt. Bereits 1876 fand man bebende Käfer auf von Newyork nach Bremerhaven fahrenden Dampf­schiffen, 1877 wurde ein Käfer auf einem von Texas kommenden und in Liverpool landenden Schiffe gefun- den. Im gleichen Jahre — vermutlich durch Schiffe eingeschleppt — wurde er auf Kartoffelfeldern um Mühlheim a. Rhein entdeckt, und ein stärkerer Befall zeigte sich zugleich bei Torgau, wo er 1887 wieder er­

schien. Mitte August 1901/02 zeigte sich der Käfer in einigen Hausgärten von Dockarbeitern in Tilbury (England).

Schaden: Der Käfer bevorzugt hauptsächlich die Kartoffeln, zartblätterige Sorten zicht er den rauh­blätterigen solange wie möglich vor — wie er über­haupt Solaneen (Tomaten) am liebsten befällt, den­noch geht er in seiner nicht zu stillenden Freßlust an die Blätter des Buchweizens, an die Blätter von Gänse­fuß» und Knötericharten, Johannisbeerblätter usw., selbst Disteln verschmäht er nicht.

Die Hauptursache der großen Schädlichkeit liegt in der ungeheuren Fruchtbarkeit des Koloradokäfers, nach­dem die eine Pflanze völlig kahl gefressen ist, fliegen die Käfer auf die benachbarten.

Feinde: Die Larven von Marienkäferchen (Coc- cinella) und die Vertreter der Familie der Schnell- fliegen (Tachinicae) nähren sich von den jungen Kolo­radokäfern, ferner wird dem ausgebildeten Insekt von Mord- und Raubwesen, Raubkäfern usw. nachgestellt. Von höheren Tieren beteiligen sich an der Vernichtung dieser Schädlinge: Erdkröten, Krähen, Wachteln und Enten.

Gegenmittel: Trotz dieser vielen Feinde ist dennoch die Möglichkeit vorhanden, daß viele Käfer, Larven und Puppen am Leben bleiben. Absammeln und Ver­brennen derselben ist ein Mittel der Ausrottung, Be­stäuben mit Schweinfurter Grün mittelst Blasebalgs hat sich bewährt.

Besser als beide Mittel ist folgendes Verfahren: Absuchen der sich oberirdisch befindlichen Käfer und Larven, das befallene Laub und Kraut abstcheln, in Erdlöcher schütten und schichtweise mit Benzol über­gießen, die Löcher mit Erde füllen, feststampfen. Nun wird der Boden tief umgegraben und nach Larven, Puppen und Käfern durchsucht und die gefundenen Or­ganismen auf diesen Haufen geschmissen, worauf aber­mals Benzol übergossen wird und dann angezündet.

Der gefürchtetste Parasit aus dem Pflanzenreich ist der Erzeuger der Kartoffelkrankheit, hervorgerufen durch Phytophthora Jnfestans, de Mont./de Bary.

Der bekannte Erreger geht auch auf die Tomaten über und erfolgt nach Inspizierung der Frucht eine Ver- gelbung der Oberhaut derselben, auf die eine Braun­färbung des darunter liegenden Fruchtfleisches folgt. Das Laub erkrankt dabei an Krautfäule. Man be­merkt auf den Blättern der Tomaten die charakteristi­schen schwarzen Flecke, welche sich sogar auf die Zweige und Früchte ausbreiten. Am schnellsten werden junge Triebe vom Pilz befallen. Diese Flecke vergrößern sich namentlich bei feuchtwarmer Witterung ungemein. Die Organe der Pflanze trocknen ein und die Früchte ver- faulen.

Geschichte: Auch diese Krankheit ist ein Geschenk Amerikas und zwar Südamerika ist es, wo der Pilz die siederblätterigen und Ausläufer bildenden Solanen- arten: Solanum Stolonifera, Schl. S. Utile, Kl. usw. Heimsucht. In Europa wurde er von Montagne urd gleichzeitig von Frl. Liberi 1845 an kranken Kartoffeln beobachtet. Ersterer nannte ihn Botrytis Jnfestans, letztere B. Davastatrix. Viele Mykologen hatten sich mit diesem Pilz beschäftigt, sie stellten ihn zur Familce der Perenosporaceen, doch war es de Bary, der die Ent- wickelungsgeschichte, auf die hier wegen Raummangels nicht näher eingegangen werden kann, genauer studierte. Es ist sicher, daß die Krankheit 1843 auch in Nord­amerika auftrat und die Einführung derselben durch die Kartoffeln stattgefunden hat, die schon der Begleiter von Walter Raleich, Thomas Herriott, von Virginien nach Irland 1586 brächte. Das Mycel des Parasiten ist ausdauernd, nur wurde die Krankheit mangels Mikroskops nicht erkannt.

Gegenmittel: Im Sommer bespritze man mit Borde - laiser Brühe (2 bis 3 Kilo Kupfersulfat mit 2 Kilo Kalk auf 100 Liter Wasser. Bespritzte Früchte werden vor dem Verkauf sauber abgewaschen.

Die erste Bespritzung erfolgt nach dem ersten Ver­setzen der Sämlinge und wiederholt sich alle 20 Tage bei feuchtem Wetter am Morgen. Bei so behandelten Tomatenpflanzen ist weder ein Wiederauftreten noch ein Neu-Erscheinen der Phytophahora zu befürchten. Nebenbei bemerkt, ruft eine andere Art — Phytoph­thora Omnivora, de Barx — die Braunfäule der To­maten hervor. Dieser Pilz erzeugt ganz dasselbe Krank- Heitsbild wie eben genannte Art.

Gegenmittel: So bald wie möglich nach der Ernte der letzten Früchte — etwa Mitte September — wird sämtliches Kraut verbrannt. Die Spalierstangen wer- den langsam durchs Feuer gezogen, um die anhaftenden Sporen zu töten. Wenn das Land feucht ist, wird das­selbe tief umgegraben. Werden die Pflanzen größer, wird mit 2 % Bordelaiser Brühe gespritzt. Ratsam ist es, die Samen vor der Aussaat durch 1- bis 2 stündiges Einlegen in 10% Kupfervitriollösung zu beizen.

Den Schluß dieser kleinen Abhandlung macht die Mosaikkrankheit. Sie wird weber durch tierischen noch pflanzlichen Einfluß hervorgerufen. Die Mosaikkrank­heit befällt hauptsächlich Tomaten, die in Mistbeeten

oder Treibhäusern gezogen werden. Sie stellt sich un­vermittelt im Juni bei plötzlichem Eintritt heißer, stark sonniger Witterung ein. Blätter wie Stengel weisen bunt durcheinander gewürfelt normal grüne und gelbe Flecken auf. Erstere wachsen viel kräftiger, wie letztere und rufen eine blafigwellige Beschaffenheit der Blatt- fläche hervor. Später zerschlitzen die Blätter (siehe Ab­bildung 2). Im Stadium des Anwachsens zeigen die

Tomaten niemals Buntblätterigkeit; ebenso bleiben die unteren, vom Boden 50 cm entfernteren Blätter der Pflanzen von der Krankheit verschont. Folgt auf eine Hitzeperiode feuchtes Wetter, so werden die Tomaten- blätter durch den Pilz Cladosporium Fulvum, Eall. Cooke sehr stark beschädigt. Die Mosaikkrankheit wirkt ansteckend und zwar zeigen Feldpflanzen schärfer um­grenzte und intensiver gelb gefärbte Flecke, als solche die im Mistbeet gezogen.

Ursache: Durch allzu grelles Sonnenlicht ist die Mosaikkrankheit hervorgerufen.

Gegenmittel: Alle erkrankten Tomatenpflanzen, die diese Fleckigkeit zeigen, sind auszureitzen und der An­steckungsgefahr wegen zu verbrennen. Die übrig blei­benden Gesunden werden unter mit Kalkmilch und Blau bestrichene Fenster gesetzt.

Geschichte: Diese Krankheit ist erst neuerdings be­obachtet worden, und zwar im März 1901 bezw. 1902 gleichfalls in den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, 1910 wurde sie verheerend von Fräulein Dr. Westerdijk in Holland angetroffen und zwar in an Gewächshäusern gezogenen Tomaten. Der Schaden, welcher die ganze Ernte zerstört, ist ziemlich stark. Die Züchter nennen dann die Pflanzen „bunt geworden".

In welcher Weise und wo geschieht die Bermehrung durch Anhäufeln?

Durch Anhäufeln vermehrt man hauptsächlich alle Gewächse, welche sich am Boden stark verzweigen, wie Quitten, Paradiesäpfel, Feigen, Pflaumen, Haselnüsse, Johannis- und Stachelbeeren. Man schneidet die Mut­terpflanzen bis auf den Boden zurück und bezweckt hier­durch die Entwicklung einer großen Anzahl von Trie­ben. Sobald dieselben eine Länge von 20 Zentimeter haben, werden dieselben mit Erde angehäufelt, und zwar derart, daß dieselben 10—15 -Zentimeter in die Erde kommen. Diese Triebe werden dann über den Sommer Wurzeln machen, so daß man dieselben im Herbst vom Mutterstamme trennen kann.

Das Aufputzen älterer Bäume

kann im zeitigen Frühjahr oder Ende Juni nach Be­endigung des ersten Safttriebes geschehen. Dabei sind zu entfernen alle dürren und kranken Aeste, die Wasser- schösse, Aeste, die zu weit herabhängen und insbesondere alle sich reibenden und kreuzenden Aeste. Es hat so oft zu geschehen, als es nötig erscheint, bei jüngeren Bäu­men in der Regel alljährlich. Ferner müssen die Bäume von Mosen, Flechten und der abgestorbenen Rinde ge­reinigt werden. Dadurch wird eine Unmenge schäd­licher Insekten und Larven vertilgt, welche insbesondere im vorigen Jahre zahlreich vertreten waren. Diese außerordentlich wichtige Arbeit wird bei etwas feuchter Witterung vorgenommen und sollten hierauf die Stämme mit Kalkmilch überstrichen werden.

Hochstämmige Stachel- und Johannisbeeren

sehen sehr hübsch aus und lassen sich deshalb auch ganz gut in kleineren Hausgärten, wo jeder Raum nutz­bringend verwendet werden soll, als Schmuckstücke ver­wenden. Ein hübscher gerader Pfahl, woran sie befestigt sind und eine gut geformte, mit Früchten behangene Krone werden diese Hochstämme in jedermanns Augen als vollwertige Zierde gelten lassen.

Etwas über die Durchschnittserträge der Obstbäume.

Die Durchschnittserträge der Obstbäume werden meist sehr niedrig angegeben, dies könnte anders fein, doch braucht man nicht lange zu suchen, um die Grund­ursachen des niedrigen Obstertrages festzustellen. Sie liegen weniger in klimatischen und Bodenverhältnissen, als in den Besitzern und Pächtern selbst: