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[H| Obst- u. Gartenbau g

Sollen mehr Apfel oder anderes Obst angepflanzt »erden?

In Äpfeln ist ja die Konkurrenz vorhanden, aber unsere deutschen Äpfel werden, weil sie teilweise von Qualität besser sind, in der Zukunft mehr gekauft werden, wenn nur ein genügendes Quantum guter, marktfähiger Ware an den Markt gebracht wird, woran es leider bisher sehr gefehlt hat, weil die deutsche Land­wirtschaft im allgemeinen den Obstbau zu sehr vernach­lässigt hat. Es ist dahr bei der Auswahl der Sorten bei Neuanlagen vs« vornherein Bedacht darauf zu nehmen, daß nur wenige Sorten, die für die betref- fernen Bodenverhältnisse und Lagen passend sind, die eine möglichst vielseitige Verwertung in sich schließen, gut, aber nicht unregelmäßig tragen und die den Wün­schen der Konsumenten angepaßt sind, angebaut werden. Seim Obstbau als Nutzkultur, und diese sollte der Land­mann doch bei seinen Anpflanzungen nur ausschließlich imAuge haben, muß all und jedeSortenspielerei, müssen möglichst alle Sonderwünsche des Besitzers zurücktreten, um auch wirklich marktfähiges Obst in genügenden Mengen produzieren zu können.

Die Keimkraft der Gemüsesämereien.

Die Zeit ist gekommen, in welcher für den Bedarf an Eemüsesämereien gesorgt werden muß. Es empfiehlt sich, die Samenbestellung zeitig zu bewerkstelligen, weil einesteils die Aufträge bei den Handlungen sich später­hin zu sehr häufen und deshalb leicht Unregelmäßig­keiten eintreten können, andernteils aber auch nicht die Möglichkeit gegeben ist, den Samen auf seine Keim­fähigkeit zu prüfen, was man wegen der Vorteile für die Praxis nicht unterlassen sollte. Auch wer noch Rest­bestände an Sämereien aus Vorjahren besitzt oder selbst erbauten Samen verwenden will, wird immer gut tun, die Keimprobe zu unternehmen, um sich zu überzeugen, in welchem Umfang der alte Same noch keimfähig ist, oder um Gewißheit zu erlangen, ob die eigne Zucht gute Frucht verspricht.

Die Keimfähigkeit hängt nicht nur vom Alter, son­dern auch von der Reife des Samens ab, auch kommt viel auf die Aufbewahrung an. Große Wärme und Feuchtigkeit setzen die Keimfähigkeit herab, bei trockner und kühler Aufbewahrung bleibt die Keimfähigkeit langer erhalten. Die Angaben über die Dauer der Keimfähigkeit von Sämereien sind also nicht als abso­lut maßgebend anzunehmen, sondern immer nur unter Berücksichtigung aller bringenden Umstände. Weil man diese aber bei gekauften Samen nicht kennt und bei eigner Samenernte zuweilen gezungen ist, bei ungün­stigem Wetter und ohne Gewähr für Vollreife zu ernten, wird die Keimprobe unter allen Umständen am Platze sein. Das Verfahren ist einfach. Von den zur Verwendung kommenden Samen wird eine Anzahl — am besten 100 — abgezählt und in Töpfe oder flache Kästen mit Namensbezeichnung ausgesät. Man hält die Kästen feucht und warm, für gewöhnlich werden die Gefäße mit den Samen in der Nähe des Ofens aufge­stellt. Sind die Samen aufgegangen, wozu in der Regel nur einige Tage erforderlich sind, so braucht man nur die Pflänzchen zu zählen, um zu wissen, wie hoch sich die Keimfähigkeit in Prozenten Belauft. Wiegt man eine kleine Menge der Samenkörner ab und zählt sie, so gewinnt man unter Berücksichtigung der erprobten Keimkraft und voraussichtlicher Witterungseinflllsse und Tierschäden ein annähernd sicheres Maß für die Aussaat.

Wird die Samenprobe rechtzeitig vorgenommen und erweisen sich die Sämereien dabei nicht brauchbar ge­nug, so hat man immer noch Gelegenheit, besseren Sa­men anzuschaffen und kommt nicht in die Verlegenheit, Zeit und Mühe vergeblich aufgewendet zu haben. Das Ankeimen der Samen in wollenen Lappen, welche in laues Wasser getaucht sind und dann beständig feucht und warm gehalten werden, ist weniger empfehlens­wert, weil dadurch kein so sicheres Ergebnis erzielt wird, als durch das Aussäen in Erde. Samen-Keimappa- rate sind ihrer Kostspieligkeit wegen nicht für den Gartenliebhaber, so notwendig sie auch dem Samen- händler sind.

Die Dauer der Keimkraft der Gartensämereien ist äußerst verschieden. Die geringste Keimkraft hat wohl der Same der Kerbelrübe, der nur ein halbes Jahr I keimfähig bleibt. Unwesentlich ist es ferner für den | Gemüsezüchter nicht, zu wissen, wie lange die Samen t zur Aussaat tauglich sind, wie lange sie sich also keim­fähig erhalten. Daher geben wir nachstehend eine Zu­sammenstellung der verschiedenen Gartensämereien nach ihrer Keimkraft. Es behalten die Keimfähigkeit 1 bis | 2 Jahre: Gartenmelde, Pastinake, Schwarzwurzel, Zuckerwurzel, Rapontika, Kümmel, Lavendel, Pim- pinelle, Zwiebel, Schalotte und Wermut. 2 bis 3 Jahre bleiben keimfähig: Mähren, Mangold, Salatrübe, Spi­nat Feldsalat, Zichorien, Endivie, Sellerie, Basilikum, Bohnenkraut, Boratsch, Dill, Süßkerbel, Körbelkraut,

Tomate, Majoran, Melisse, Petersilie, Petersilien- wurzel, Porre, Portulak, Rhabarbar und Waldmeister. Drei bis 4 Jahre bleiben keimfähig: Bohnen, Puff­bohne, Erbse, Herbstrübe, Kohlrabi, Meerkohl, Rosen­kohl, Sauerampfer, Radies, Rettich. 4 bis 5 Jahre bleiben keimfähig: Grünkohl, Kopfkohl, Schnittkohl, Wirsing, Blumenkohl, Kresse, Kopfsalat, Schnittsalat und 6—8 Jahre behalten Kürbis, Gurke und Melone ihre Keimfähigkeit.

Etwas über Aprikosen.

Der Anbau von Aprikosen wird dort immer lohnend sein, wo die Vorbedingungen gegeben sind, die diese herrliche Frucht an den Boden sowohl als auch an die Lage des Gartens stellt. In gut gelockerten, bindigen, kräftigen Böden und geschütztenLagen gedeihenAprikosen besonders gut, während sie dort, wo der Boden im Früh­jahr oder Herbst an Nässe leidet, niemals befriedigende Ernten bringen. Aprikosen werden entweder als Halb- oder Hochstamm gezogen, sie eignen sich jedoch auch zur Zucht an Spalieren an Westwänden. Südwände kom­men weniger in Betracht, weil hier in Rücksicht auf die heiße, geschlossene Sonnenlage das Aroma der Aprikosen leiden und der Wert der Früchte dadurch vermindert werden würde. Die Reifezeit der Aprikosen fällt in die Monate Juli und August.

Als besonders empfehlenswerte Sorten seien hier die nachstehenden genannt:

Aprikosevon Breda reift Ende Juli und eig­net sich vorzüglich zum Einmachen. Es ist eine seine, nie mehlig werdende Frucht.

Aprikose von Nancy

Aprikose von Nancy. Eine wenig empfind­liche Sorte, die Mitte August reift und sehr große, saft- reiche Früchte bringt. Sie eignet sich für jeden Boden und wird nie mehlig.

Deutsche runde Aprikose ist außerordentlich widerstandsfähig und von großer Fruchtbarkeit. Die runden Früchte zeichnen sich durch aromatischen Wohl­geschmack aus und reifen im August. Am Spalier so­wohl als auch freistehend bringt der Baum gute Erträge.

Wahre große 'Frühaprikose. Der sehr wachsende und widerstandsfähige Baum bringt große, längliche und schöngefärbte Früchte von aromatischem Wohlgeschmack. Die Sorte reist im August.

Diese Sorte sowohl wie die Syrische Aprikose sind inbezug auf den Geschmack die beiden -edelsten Sorten. Die Syrische Aprikose ist frühreifend, bringt aber nur kleine Früchte.

Die Perlzwiebel.

Die Perlzwiebel ist die kleinste Frucht, die im Ge­müsegarten geerntet wird. Schon der Name sagt, daß die Größe einer Perle nicht überschritten wird. Trotz­dem verlangt diese Art viel Sorgfalt und Pflege, na­mentlich einen reinen, unkrautfreien Acker. Wird das Jäten versäumt oder nur mangelhaft ausgeführt, so nimmt das Unkraut überhand und die feinen Pflänzchen gehen zugrunde. Ein magerer Gartenboden genügt; ist derselbe zu naß, so schießen die Perlzwiebeln ins Kraut, ohne Wurzeln anzusetzen, ist er zu sandig, so ist die Be- wurzelung erschwert und der Knollenansatz sehr fraglich. Eine Stallmistdüngung ist unbedingt zu verwerfen, auch jede andere Nährstoffzufuhr ist nach der Pflanzung zu unterlassen, weil hierdurch die Ausreife der Knollen verzögert wird. Die Ernte wird in der Regel im Juli vorgenommen, und die Knollen weisen dann einen mehr säurehaltigen Geschmack auf; später geerntete Knollen stehen in dieser Beziehung nach.

Sobald die Bodenwärme neun bis zehn Grad auf; weist, was wohl Ende April und Anfang Mai der Fall ist, wird die Aussaat vorgenommen. Letztere kann so­wohl in Reihen, als auch in Breitsaat erfolgen. Da einerseits die Zwiebelpflanzung viele tierische Feinde hat, die Keimfähigkeit des Zwiebelsamens andererseits sehr gering ist, muß man ziemlich dich säen. Die Reihen­saat ist der Breitsaat vorzuziehen, da sie die Reinigungs- arbeiten, nämlich das mehrmalige Jäten und Behacken erleichtert und auch ein gleichmäßiges Verziehen der Lauchtriebe ermöglicht.

Unter günstigen Witterungsverhältnissen wird die Reife der Perlzwiebelknollen zu rechter Zeit, also im Juli, erfolgen. Man erkennt die Reife an den gelbwer­

denden Stengeln, sowie an der grausilberflimmernden, sehr dünnen Schale und dem milchweißen Fleisch der Zwiebel. Das Umknicken der Stengel, das bei den ge­wöhnlichen Zwiebeln gemacht wird, ist bei den Perl­zwiebeln nicht nötig. Die reifen Zwiebeln werden aus- geriffen, auf trockenem Lager dünn ausgebreitet und in der Sonne getrocknet. Nachher werden die Zwiebeln gereinigt und auf den Markt gebracht. Sollen die Knollen überwintert werden, so sind sie an einem trocke­nen und luftigen Orte aufzubewahren. Da die Zwie­beln leicht schimmeln und dann nicht mehr verwertet werden können, darf man sie nicht in Kisten oder Säcken aufbewahren.

Perlzwiebeln sind ausdauernde Pflanzen; dieses macht sich sogar in unangenehmer Weise bemerkbar, wenn man die Beete in anderer Weise benutzen will. Die in der Erde zurückgebliebenenKnollen treiben näm­lich im nächsten Frühjahr wieder aus und find dann schwer auszurotten. Man gräbt die abgeernteten Beete gleich nach der Ernte um; zeigen sich im Frühjahr auch dann noch frische Triebe, so läßt man dieselben eine Zeit­lang ruhig wachsen. Bricht man nun die Ackerkrume auf, so ersticken die Pflanzen in ihrem eigenen Saft.

Geflügelzucht

Die Mehrzahl der jungen Hühner,

Enten und Gänse gehen ein, weil sie sich vielfach auf dem Boden erkälten und davon Gicht und Durchfall be­kommen; viele fallen auch den zahlreichen Feinden des Geflügels zum Opfer. Eine entsprechend große Kiste, auf der Vorderseite mit Drahtgitter oder Lattenver- schlag abgeschlossen und auf dem Boden mit warmer Streu von Heublumen bebeeft, ist geeignet, solche Schä. den zu verhüten.

Wenn junges Geflügel in den ersten Lebenstagen längere Zeit der Erwärmung unter der Henne entbehren muß, so fällt es selbst an Sommertagen leicht in eine toten- ähnliche Erstarrung, und tatsächlich tritt der Tod ein, wenn diese Erstarrung nicht rechtzeitig bemerkt und durch Erwärmung für Wiederbelebung Sorge getragen roirb. Solche Fälle sind wegen deren großen Empfind­lichkeit, namentlich bei jungen Puten häufig, welche in den ersten Lebenstagen außerordentlich dumm sind und oft die Mutter nicht finden, selbst wenn sie dicht da­neben steht. Es sollte daher bei Puten in so zartem Alter abends, nachdem die Henne zur Nachtruhe sich festgesetzt hat, stets nachgesehen werden, ob die Jungen untergekrochen sind.

Hühnerdiphtheritis.

Diese Krankheit, die alljährlich ganze Bestände da- hinrafft, entsteht meistens durch Erkältung infolge schroffen Temperaturwechsels oder infolge Einwirkung naßkalten Wetters. Bei einzelnen hochwertigen Tieren kann man eine Heilung versuchen; minderwertige Tiere aber schlachte man sofort und kann sie, wenn die Krank. Heit erst im Beginn ist, noch gut als Fleisch verwerten. Etwa schon abgemagerte oder eingegangene Tiere ver­grabe man entweder tief oder verbrenne sie. Stellungen, Freß- und Trinkgeschirre sind sauber zu reinigen (des­infizieren), der Laufplatz ebenso (am besten tief um- ackern) und das noch ganz gesunde Geflügel anderwärts unterzubringen. Mit Verdächtigen verfahre man wie mit Kranken. Das meiste müssen aber Witterungs- und Temperaturwechsel zum Stillstand der Seuche tun, sonst zieht sie oft monatelang in demselben Hof herum, hin und wieder eines oder mehrere Opfer fordernd, die wohl meist die Schwächlinge und Zurückgebliebenen, oft aber gerade recht wertvolle Tiere bilden.

Vertilgung von Ungeziefer bei Hühnern.

Geflügel, welches wenig Auslauf hat, muß vom Un­geziefer meist viel leiden. Die Vertilgung dieser Plage- geister hat sich einesteils auf die Stellungen und Unter­schlupfe der Hühner, anderteils auf die „Leidtragenden" selbst zu erstrecken. Die Stallräume, die Schuppen usw. sind am besten mit Karbolineum anzustreichen, nachdem alles alte verbrennbare Gerümpel, das sich oft genug in den Schlupfwinkeln der Hühner anhäuft, die Sitz- stangen, alte Nester usw. dem Nachwinter geopfert wer­den. Ritzen und Fugen sind gut zu verschmieren. Den Hühnern wird ein flacher Kasten mit trockenem Sand oder Asche, unter welche %, bis ^ Teil Insektenpulver und Schwefelblüte gemischt ist, an einen vor Nässe ge­schützten Ort gestellt. Jedes Huhn wird wöchentlich ein» bis zweimal mit einem Gemisch aus bestem Insekten­pulver und Schwefelblüte eingepudert.

Die Aylesbury- und Rouen-Enten haben annähernd gleiche Größe und wo die Verhältnisse günstig liegen, rentiert sich auch deren Zucht. Die Ayles. bury-Ente ist weiß und zeichnet sich vor der buntfarbenen Rouen-Ente noch durch Frühreife und durch Abgehärtet- sein aus. Das Fleisch ist ebenso schmackhaft als das ge­wöhnlicher Landenten. Letztere können- gemästet ein Ge­wicht von 2% bis 3 Kg. erreichen.