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Ludwig Funk» Buch druckerei, Hersfeld.

Nr. 6

Hersfeld

1913

Arbeitslalender.

Von M. Dankler.

Der Winter dieses Jahres gleicht im großen und ganzen seinem Vorgänger, nur ist durch die abnorm milde Witterung die Vegetation noch weiter fortgeschritten und an geschützten Stellen beginnen Hecken- und Beeren­sträucher allgemein auszutreiben. Gut ist das nicht, denn Spätfröste werden um so größern Schaden anrichten, aber zu ändern ist es auch nicht. Dagegen muß man wohl seine Maßregeln treffen. Die Wintervorräte an Knollen und Gemüsen müssen ständig kontrolliert werden. Die Kartoffeln werden umgelesen und von den Schößlingen befreit. Wer diese Schößlinge wachsen läßt, verliert nicht nur den besten Gehalt der Kartoffel, sondern auch ganz bedeutend an Gewicht und dadurch am Verkaufspreis. Gemüse darf bei offenem Wetter gar nicht mehr gedeckt werden, es hat sich in milden Gegenden am besten ohne jeglichen Schutz erhalten.

Der Ackerboden ist so voll Wasser gesogen, daß jeder Regen beinahe Pfützen und Lachen zurückläßt. Hier müssen besonders die Wasserfurchen ständig kontrolliert unb das Waffer zum Abzüge gebracht werden. Läßt sich dieses durch Gräben nicht erreichen, so muß für eine durchgreifende Drainage gesorgt werden. Sobald der Boden genügend aufgetrocknet ist, werden die Felder zur Frühlingssaat vorbereitet. Für die Winterfelder erweist sich das Abeggen in der Regel als 'eine vorzügliche Maß­nahme. Bei günstiger Witterung beginnt gegen Ende des Monates der Anbau des Hafers. Wo Vogelfraß droht, wird derselbe d. h. das Saatgut gefärbt. Bei der Hafersaat ist auf gut ausgereiftes Saatgut zu achten, welches meist neu zu beschaffen ist.

Auf d e n W i e s e n ist die Düngung zu beendigen, doch kann noch immer Thomasmehl und Kali ausgestreut werden. Es dient zugleich zur Gesundhaltung des Vieh­standes. Auch Jauche kann noch gefahren werden. Kahle Stellen werden nachgesät. Als ein vorzüglicher Wiesen- dünger kommt auch Peruguano in Frage, doch muß immer noch etwas Kali zugefügt werden. Alle 3—4 Jahr erfolgt eine tüchtige Kalkung der Wiesen.

Weinbau. Der Weinbergbesitzer hat jetzt die Haupt­arbeitszeit. Das Einbringen und Verteilen des Kompostes und Düngers, wenn es im Februar nicht schon geschehen konnte, muß im März gemacht werden. Die Weinstöcke in Spalier- und Hauswänden werden aufgedeckt. Das Beschneiden der Reben, sowie das Anpfählen muß bis Ende des Monats beendet sein. Bei Neurottungen wird das Land planiert, eingeteilt und abgesteckt. In manchen Gegenden ist das Bepflanzen neuanzulegender Weinberge schon im März möglich. Das Ausbessern mit Setzreben hat jetzt zu geschehen. Die Vermehrung durch Ableger­senker und Stecklinge und das Pfropfen der Reben wird hauptsächlich jetzt gemacht. Man sorge frühzeitig für richtige Bindeweide, als bestes Bindematerial für Reben, da später die Weiden nicht mehr zum Binden zu ver­wenden sind.

Kellerwirtschaft. Eine gründliche Reinigung der Kellerräume, Kellereigeräte und öfteres Lüften der Keller muß noch im März erfolgen.

Im Gemüsegarten werden die Beeteinteilungen, nachdem das rigolte Land geebnet ist, gemacht. Neue Spargelbeete werden angelegt, die Erdbeerbeete werden gereinigt und gelockert, die Erdbeeren verpflanzt. Die Frühkartoffeln werden gesteckt. Die Mistbeete werden für weitere Anssaaten hergerichtet. In warmen Kästen wird neu angebaut. Frühes oder mittelfrühe« Weiß- und Blau- kraut, Wirsing, Kohlrabi, Porree, Sellerie, Kopfsalat, Rettig, Artischocken, Gurken. Nach der Düngung werden im Freiland angebaut: Gelbe Rüben, Petersilie, Schwarz­wurzeln. Spinat usw.

Im Obstgarten ist im März das Putzen der Bäume zu beendigen. Steckreiser werden gesteckt und junge Wildlinge gepflanzt. Die frühtreibenden Obstsorten werden gepfropft. Nüsse und Kerne von Steinobst müssen gesteckt werden. Die Winterumhüllungen von Aprikosen, Pfirsich usw. werden entfernt. Sollte noch Frost ein­treten, so ist es doch gut, die empfindlichen Bäume wieder mit Decken zuzuhängen. Im März werden sehr viele Obstbäume gepflanzt; sollen diese gut gedeihen und auch in späteren Jahren reiche Früchte tragen, so muß auf eine richtige Pflanzung großes Gewicht gelegt werden. Das Pflanzloch darf vor allem nicht zu klein sein, damit sich die Wurzeln gut ausbreiten und vermehren können; man macht sie deshalb in der Regel 1,50—2 Meter im Geviert und wenigstens 80 Zentimeter tief. In die Grube hinein gibt man den Dünger. Es ist jetzt auch Zeit, die Krone der jungen Obstbäume durch einen sach­gemäßen Schnitt zu formen.

Im Pferde st alle werden jetzt die Ställe geweißt. Die Pferde müssen wegen des Haarwechsels häufiger als sonst geputzt, ebenso auch besser gefüttert werden. Die Stuten fohlen ab und haben leicht verdauliche Nahrung ig. Bei gutem Wetter kann man Stuten und Fohlen ,^.mden lassen; man sei aber dabei vorsichtig, daß sie sich nicht erkälten und Druse bekommen. Sobald die Stuten rostig werden, sind sie zum Beschäler zu bringen. Man achte darauf, daß der rossigen Stute die Eisen von den Hufen abgenommen werden, ebenso dem Hengst, weil sie sich sonst leicht zu Schaden schlagen.

Im Rindvieh st alle tritt im Monat März der Haarwechsel ein. Tiere, die zur Mast bestimmt sind, müssen ganz ruhig gehalten werden. Sind sie genug gemästet," so werden die Ochsen verkauft. Besondere Auf­merksamkeit ist den neugeborenen und kalbenden Tieren zu schenken. Sind die Absatzkälber 7 Wochen alt, so gebe man ihnen statt Vollmilch nur Magermilch; jedoch kann man sie mit Hafer und Leinmehl vermischen. Das Jungvieh ist fleißig auf den Mistring zu treiben. Etwa noch vorhandene Hackfrüchte werden dem Nutzvieh zum Dürrfutter gefüttert.

Im Schweine st alle sorge man besonders gut für die Mutterschweine, welche einer guten, aber leicht verdaulichen Nahrung bedürfen. Die Ferkel müssen ab- aewöhnt werden. Wenn die jungen Schweine so weit sind, daß sie selbst Futter aufnehmen, muß für warme Nahrung gesorgt werden, da sonst leicht Durchfall entsteht. Auch ist für Bewegung im Freien Sorge zu tragen. Die zur Mast bestimmten Schweine werden kastriert und die Zuchtferkel ausgesucht. Auch Mutterschweine, die ihre Jungen einmal gefressen haben, sind am besten zu mästen, da sie sich diese Untugend schwer abgewöhnen.

Schafzucht Die Schafe werden auf trockene Wiesen ausgetrieben, vorher müssen sie aber gefüttert und getränkt werden. Sind Lämmer vorhanden, so müssen die Mutter­schafe sich in der Nähe des Stalles aufhalten; während ihrer Abwesenheit von den Lämmern sollen letzte langsam an das Fressen gewöhnt werden und gebe mau ihnen zu diesem Zwecke ganz feines Wiesenheu. Jetzt ist es auch an der Zeit, die Bocklämmer zu verschneiden.

Geflügelzucht. Im März legen die Hühner schon fleißig, es beginnt aber auch die Zeit, daß sie Brutlust zeigen. Man sucht gute Glucken und setzt sie aus 10—14 Eier, je nach der Größe der Hennen. Täglich müssen die­selben Körner und frisches Wasser bekommen. Die aus­schlüpfenden Kücken sind vor Nässe und Kälte sorgfältig zu schützen. Sie müssen anfangs Fleischabfälle, Gvitnfutter und gehacktes Ei erhalten. Der Bruteierversand beginnt auch im Monat März; jedoch soll mau nie Eier ver­schicken, die über 14 Tage alt sind. Die Gänse und Enten werden ebenfalls zur Brüt angesetzt. Die ersten jungen Tauben werden flügge.

I Die Bienen fliegen bei günstigem Wetter oft stunden­lang aus. Das Tränken und Futtern muß noch fortgesetzt werden, da sie auf dem Felde noch nichts finden. Man stellt daher in der Nähe des Stockes ein Gefäß auf, das mit lauwarmem Wasser gefüllt ist und mit Spänen oder Moos bedeckt ist. Weiter vom Stande nehme man die Mehlfütterung vor, welche die Feinde der Bienen abhält. Schwache Stämme werden vereinigt. Der Honiggebrauch steigt auf 2 Kilo bei einem Volk, da der Brutansatz sich bedeutend vergrößert. Die Bruträume sind mit Kunst­waben oder fertig ausgebauten Tafeln zu erweitern.

Vicia Faba-, Bich- oder Ackerdoyne und Blattläuse.

Das Auftreten und Ueberhandnehmen von kleinen Ungezieferarten, welche unter Umständen ganze Kultur­flächen ruinieren können, ist in den allermeisten Fällen auf Kulturfehler zurückzuführen.

Wenn wir irgend eine Pflanzengattung mit Erfolg kultivieren wollen, dann müssen wir uns vor allem mit den Eigentümlichkeiten betreffender Individuen vertraut machen, und diese möglichst zu berücksichtigen suchen. Von Natur aus sind diese Pflanzen nicht geschaffen, um von so kleinen Lebewesen zum Absterben gebracht werden zu können, denn sonst wären diese schon längst von der Bildfläche verschwunden. Nur da können solche Zerstörer gedeihen und in unglaublich kurzer Zeit zu solchen Legionen anwachsen, w> ihnen eine gute Nährstelle ge­boten ist. Solche bereitet der Kultivateur selbst, indem er die Eigentümlichkeiten betr. Individuen nicht kennt, oder sie nicht respektiert.

Die Vieh-, Pferde-, Sau- oder Ackerbohne stammt aus dem Orient, deshalb gedeiht sie nur in warmen Sommern bei uns. Das lehrt uns, daß sie zum mög­lichen guten Gedeihen mindestens außer einem guten, nahrhaften Boden, auch eine mögliche warme Lage haben will.

Weil ihr ganzer Aufbau viel Saft enthält, benötigt sie auch einen guten Grad von Feuchtigkeit. Diese kann man geben, wenn die Aussaat zweckmäßig vorgenommen wird. Man sähe nicht erst Ende März oder Anfang April und nicht mit der Sähmaschine. Bei solcher Aussaat liegen die Samen zu flach in der Erde, gehen rasch auf, und von der schon herrschenden Wärme be­günstigt, wachsen die Pflanzen schnell in die Höhe, ohne sich genügend erstarkt zu haben. Die Folge davon ist, daß sie bei gintretenber Trockenheit bald Not leiden und kränkeln. Der äußerst feine Geruchsinn des kleinen Ungeziefers verrät ihnen bald, daß hier der Tisch für sie gedeckt, der Willkomm' für sie bereitet ist. Bei ihrer fabelhaften Vermehrungsfähigkeit haben sie bald Ueber- Hand genommen, die etwa eingetretene trockene Wärme hilft mit, den Saft aus der Pflanze zu ziehen, die Wurzeln liegen nicht sehr tief, so kommt es, daß das üppige Feld, lauter Mumien ähnliche dürre Stauden sind. Die vorhandenen Läuse finden keine Nahrung mehr. Der Hunger macht sie schwach, ein leichter Lustzug hebt die beflügelten und befruchteten Weibchen weg. Meist herrscht zu solcher Zeit Ostwind wie im Sommer 1911. Und so sieht man tagelang, Tag und Nacht die ungeheuren Massen von diesem Ungeziefer die ganze Luft voll davon von Ost nach West jagen. Was irgend genießbares gu besetzen ist, das kann man als knüppeldick besetzt finden. Das ist die Folge der späten, flachen Aussaat in Gemein- schaft trockener Wärme. Wird nun aber im Gegensatz der geschilderten Aussaat verfahren, dann ist mindestens der Ungezieferplage vorgebeugt. Man sähe Ende Februar oder Anfang März trotz leichten Schnee unb Frost, indem man den Samen ausstreut und etwa 5 Zoll tief unter- pflügt, bei geeigneter Zeit eggt und waltt. Der Samen