Ludwig Funk « Kuchdruckerei. Hersfeld.
Wr. 3
Hersfeld
1813
Die Vaunrpflege im Winter.
Von Cornelius Frey.
Mit dem Pflanzen der Obstbäume bezw. Anlage von Obstgärten ist es nicht allein getan, die Obstbaumpflege wird immer noch zu viel vernachlässigt und gerade dadurch wird oft nur zu sehr gesündigt. „Pflege sein, Er bringt es ein!" ein Sprichwort, aber ein Wahrwort.
nicht quetschenden Baumscheere sollen Zweige, mit einer Ungeziefers nicht hindern. Nach beendigter Reinigung einfachen Hand- (Fuchsschwanz-) Säge dünnere, mit. erfolgt das Bestreichen der Bäume mit Kalk, einer ein verstellbares Blatt besitzenden Bogensäge. Es wird hierzu aus gelöschtem, möglichst altem, mürbem stärkere Aeste beseitigt werden, b) Größere Schnitt- Kalk ein dünner Brei oder eine dicke Milch bereitet, die
Hat auch der Winter seinen Einzug gehalten, so ist noch lange nicht gesagt, daß damit auch eine absolute Ruhepause für den Baumzüchter eingetreten ist, es gibt auch während dieser Zeit mildere Tage, wo wir noch diverse Baumarbeiten ausführen können.
Kommen wir zunächst an das Ausputzen der Obst- bäume im Winter.
Diese Arbeit kann, wenn durch sie hauptsächlich die (Entfernung alles abgestorbenen, alt und unfruchtbar gewordenen Holzes bezweckt werden soll, an milden Wintertagen gut ausgeführt werden.
Zu beherzigen ist hierbei, einen Obstbaum nicht durch sinnloses Drauflosschneiden zu schädigen.
Also hinaus an solchen Tagen mit Leiter, Säge, Schnitzmesser und Teertopf und daran gegangen an's Ausputzen! Alle dürren, alle kranken und alle sich K kreuzenden Aeste müssen fallen. Weg muß ferner alles, was zu weit herunterhängt. Diese herabhängenden Aeste sind eigentlich nur Schmarotzer- für den Baum. Sie tragen wenig oder gar nichts, weil sie zu stark beschattet sind und der Saftstrom ja doch immer nach oben strebt. Die Krone ist lichter zu stellen. Jeder Baum kann ja nur eine bestimmte Zahl von Aesten ernähren und mit Tragholz bekleiden. Von zwei in Frage kommenden Aesten muß immer der schwächere in die Säge fallen. Man darf natürlich nicht glauben, das ganze Winterreisig herabholen zu müssen, nein auch hier gilt das Sprichwort: „Allzuviel ist ungesund".
Der Obstbaumliebhaber kann nur dann als wirklicher Sachverständiger bezeichnet werden, der gelernt hat zu seinem und seiner Bäume Bestem mäßig und korrekt auszuputzen. Letzteres beides geschieht, wenn a) man beim Ausputzen sich eines möglichst glatten Schnittes befleißigt. Nie sind, was leider fast allgemein beobachtet werden kann, häßlich aussehende Astoder Zweigstumpfe stehen zu lassen, denn solche neu sich entwickelnde Triebe wachsen selten regelrecht schön. , Wasserschosse bilden sich in Abstumpfwinkeln besonders gern, da der nach den letzteren strömende Nährsaft sich einen Ausweg suchen muß. Aus diesem Grunde sind ' Abstumpfwinkel auch besonders häufig die Entstehungs- , Herde für Holz- und Rindenkrankheiten, so die des Obst
wunden müssen, ebenso wie kleinere, vom Rande aus nach der Mitte zu mit dem Messer nachgeglättet und nachdem man sie etwas hat abtrocknen lassen, verstrichen werden. Bei Wunden erstgenannter Art geschieht das mit warmem Steinkohlenteer wegen dessen Wundbasis zum Absterben bringenden Kreosotgehalts weit weniger gut als mit einer Mischung von Lehm und strohfreiem Kuhdünger. Kleinere Wunden aber verstreicht man mit dem in jeder renommierten Baumschule käuflichen, allgemein bekannten kaltflüssigen Baumwachs am vorteilhaftesten. Erfolgt ein Verstreichen frischgeschnittener Wunden nicht, so tötet in kalten Wintern schon sehr bald der Frost das durch die Wunde bloßgelegte Holz, oft bis zu erheblicher Längenausdehnung nach der Astoder Zweig-Ursprungsstelle hin. Rotfäule des Holzes stellt sich häufig ein, Holzinsekten siedeln sich ebenso wie Baumschwämme u. dgl. überall da an, wo Schnittwunden unbedeckt blieben. Nur in warmem, lockerem Boden und bei schnell und stark wachsenden Obstarten resp. Obstsorten dürfen Baumwunden, ohne daß die betreffenden Bäume dadurch benachteiligt werden möchten, unverstrichen bleiben. Will man sich, was immer das Vorteilhafteste ist, selbst davon überzeugen, ob die an den eigenen Bäumen durch Ausputzen derselben hervorgebrachten Wunden verstrichen werden müssen, so stelle man vorerst kleine Versuche nach dieser Richtung hin an. Alle Wasserschosse, d. h. alle sehr dünn und lang in die Höhe getriebenen, meist blattärmeren und unfruchtbaren Obstbaumruten sind beim Ausputzen gänzlich auszuschneiden, wie solches mit etwa vorhandenen Misteln und den sogenannten, beim Steinobst häufigen, durch einen Pilz hervorgerufenen „Hexenbesen", mit Baumschwämmen usw. ebenfalls geschehen soll. Nur Wasserschosse, welche man in Fruchtholz umzuwandeln gedenkt, werden am Baume stehen gelassen. Es ist gut bei alten, völlig verwilderten Bäumen nicht auf einmal gänzlich auszuputzen, sondern damit denselben nicht
zu viele Wunden zugefügt, sie nicht zu sehr erschöpft die Ausputzarbeit auf einige Jahre zu ver-
werden, teilen.
Das
Arbeit
Abkratzen der Bäume ist eine notwendige
sich gerade noch mit einem breiten Maurerpinsel anstreichen läßt. Diese gut durchgerührte Mischung wird auf den Stamm und an die stärkeren Aeste ziemlich dick
aufgetragen. Vorteile des sammen:
1. er tötet
Ein Württemberger Bäumwart faßt die Kalkes in folgenden sechs Punkten zu-
den Rest der Moose, Flechten und Pilze,
baumkrebses mit Vorliebe. Vertrocknen, was in der Reges zu geschehen pflegt, stehen gebliebene Aststumpfe, so geben sie der Baumkrone ein sehr unschönes Aussehen. Zu nahe am Stamm soll man Aeste und Zweige aber auch nicht wegschneiden, und zwar hat eine richtige Schnittfläche nach unten zu sich ca. 1 Zentimeter hoch über der Zweigbasis zu erheben, um nach oben glatt nach dem Zweige zu verlaufen. Will man beim Absägen starker Aeste vermeiden, daß, was so häufig vor- kommt, die halb durchgesägten durch ihr Eigengewicht niedergedrückten Aeste beim Abbrechen große, schwer heilende Schlitzwunden am Baume verursachen, so sägt man zuerst nicht von oben, sondern von unten in den Ast ein und letzteren von oben dann ganz durch. Besser ist es noch, man schneidet den Ast anfangs nur bis auf den Stumpfüberbleibsel von 40 bis 50 Zentimeter Länge zurück, entfernt durch ein zweites Durchsägen des Astes den Stumpf ganz. Nur mit einer scharfen,
,______ und hat man hierzu, wenn nicht schon
im Herbst geschehen, bei feuchter Witterung im Winter, ebenfalls Zeit. Daß der Baum durch Erfrieren Schaden ■ leidet, braucht man nicht zu befürchten, wenn man das. Abscharren nicht übertreibt. Ein zu starkes Abkratzen mit einem ungeeigneten Instrumente kann eher zum
Schaden als Nutzen für den Baum werden. Bei jungen Bäumen mit glatter Rinde ist das Abkratzen überflüssig.! Vereinzelte Ansätze von Moos und Flechten bürstet man besser mit einer Wurzelbürste bei feuchtem Wetter ab. Bei alten Bäumen, welche abgestorbene Rindenborke haben, hat das Abkratzen mit dem Baumkratzer mehr Berechtigung. Aber auch da muß man Maß und Ziel kennen und besonders in der Nähe neuer Ueber- wallungen der Rinde vorsichtig zu Werke gehen. Viele Krebserkrankungen sind auf zu starkes Abkratzen zurück- zuführen.
Um die unter der Rinde abgelagerten Schädlinge- ; eier vollständig vernichten zu können, legt man Pack-! leinwand um den Stamm, bevor das Abkratzen beginnt. Das Abfallende wird gesammelt und verbrannt. So umständlich dies erscheinen mag, so notwendig ist es, denn das Liegenlafsen würde die Weiterentwicklung des
: welche beim Abscharren nicht entfernt wurden; 2. er erleichtert das Ablösen und Abfallen der abgestorbenen Rindenteile, welche nach dem Abscharren an Stämmen und Aesten hängen blieben; 3. er verhindert die Insekten, ihren Aufenthalt in den Rindenrissen zu nehmen; 4. er erschwert das Ausschlüpfen der Eier und Auskriechen der Larven; 5. er hemmt die weitere Entwicklung und das Aufkommen der Pilze, Moose und Flechten; 6. er schützt den Baum vor Kälte und Wärme, so daß bei angestrichenen Bäumen keine Frost- und Brandplatten zu befürchten sind. Joh. Böttner gibt in seinem Praktischen Lehrbuch den Rat, einen jungen Baum, der noch nicht getragen hat, dagegen nicht anzu- kalken, da das Kalken hier keinen Nutzen, je nach Umständen und je nach der Beschaffenheit des Kalkens und nach der Zartheit des Baumes für denselben sogar schädlich werden könnte. Wer die grelle weiße Farbe nicht liebt, kann etwas Ruß zusetzen und sie auf einen ihm zusagenden Grund abtönen. Auch Jauche, als Ersatz von Wasser bei der Zubereitung, Lehm, Mistbeeterde, Kuhmist können als Zugabe die Farbe und Schärfe des frischen, reinen Kalkes mildern.
Auch Baumvergüngungen lassen sich bei milder Witterung noch ganz gut vornehmen. Die beste Zeit hierzu sind aber die Herbstmonate. Das Verjüngen oder Abwerfen besteht in einem starken Rückschnitt sämtlicher Aeste auf ein bis zwei Drittel ihrer Länge und wird nur dann vorgenommen, wenn der Baum ein ungenügendes Wachstum zeigt und infolge Erschöpfung nicht mehr fruchtbar ist; wenn die Baumkrone teilweise ihre Aeste einbüßte und die Herstellung des Gleichgewichts nur durch den Rückschnitt möglich ist; wenn die sich schlecht entwickelt hat und im Schnitt in der Jugend vernachlässigt wurde; wenn der Stamm nicht stark genug ist, die Krone zu tragen; wenn durch Hagelschlag das
Fruchtholz zu Grunde gegangen und die Aussicht auf Neubildung nicht vorhanden ist. Bei ungenügendem Wachstum, Gelbsucht und dürren Spitzen kann eine gleichzeitig starke Düngung nur von Vorteil sein. Zum Verjüngen sollte man nur dann greifen, wenn man überzeugt ist, daß nicht, Nahrungsmangel schuld ist an einem der vorgenannten Fehler, weil sonst der erwartete Erfolg auf sich warten läßt.
Eine Düngung der Obstbäume wird vorzüglich bei gefrorenem Boden vorgenommen. Im Frühjahr vom ersten Trieb bis zur Blätterausbildung unterläßt man besser dieselbe. Um einen Obstbaum zu düngen. gräbt man nahe am Ende der Krone einen 30 Zentimeter tiefen Graben, oder man bohrt in gewissen Abständen Löcher, in die man den Dünger bringt. Tragbaren Bäumen dient als Dung eine Mischung von ein Drittel Abtrittsdünger und zwei Drittel Wasser. Auch Stallmist und Kompost sind sehr vorteilhaft. Junge Bäume erhalten meist Pfuhl. Von Kunstdünger nehme man 1 Kilogramm Thomasmehl, 2 Kilogramm Kainit und 0,5 Kilogramm Chilisalpeter, bei schwachen, jungen Bäumen entsprechend weniger.