Wellensittiche und Bandfinken sind, wenn eingewöhnt, recht ausdauernde Stubenvögel und können in einem ungeheizten Zimmer überwintert werden. Als Futter erhallen sie Weißhirse, Glanzsamen und andere mehlige Sämereien, nebst etwas Grünzeug, zu Zeiten auch ein Eierfuttergemisch. Beide Vogelarten nisten leicht und zu jeder Jahreszeit in bis auf das Flugloch geschlossenen Nistkästen.
Wie soll mau i« Winter die Vögel füttern?
Nicht im Schnee; das Futter geht zum großen Teil verloren und wird naß. Man verberge in einem Gebüsch ein Brettstückchen und auf dieses streue man Futter. Mangelt Gebüsch in der Nähe, so stelle man das Brett sonst wohin, aber man gebe acht auf Katzen. Wenn man neben das Brett einige Reiser oder Dornen steckt, so können die Vögel leicht entfliehen, wenn die Katze ihnen nachstellt. Als Futter reiche man nie Brot, weiches schon gar nicht. Wenn Brot naß wird, wird es sauer und Vögel gehen daran zugmnde. Das beste, d. h. zuträglichste Futter ist: Hanfsamen, gebrochene Haferkörner, Nußkerne, Sonnenblumen- oder Kürbiskerne, kleine Stückchen Speck.
Wie macht man heruntergekommene Pferde schnell wieder leistungsfähig?
Bei einem heruntergekommenen Pferde muß vor allem ein allmählicher und vorsichtiger Uebergang zu Kraftfuttermitteln stattfinden, damit Verdauungs- und andere krankhafte Störungen vermieden werden. Nach dem Hafer sind die Ackerbohnen das geeignetste Kraft- und Körner- futter, von welchem man schweren Zugpferden bis zm Hälfte der Körnerration in geschrotetem Zustande mit Häcksel und dem zu verfütternden Hafer vorlegen kann. Auch eine geringe Beigabe von Leinsamen tut insofern gute Dienste, als dadurch die Körperfülle und der Glanz der Haare gefördert werden.
Kleiesütterung bei Pferden.
Die Kleiefütterung ist immer mit größter Vorsicht vor- zunehmen. Pferden, welche stark arbeiten müssen, gebe man Kleie nie, und bei leichter Arbeit gebe man sie höchstens in kleinen Portionen, neben dem Hafer höchstens 1 Kilogramm pro Tag und Kopf, da sonst die Fütterun leicht schädlich auf die Verdauung wirkt. Gerade die reiche Eiweißmenge, sowie der große Gehalt an Holzfaser machen die Kleie zu einem schwer verdaulichen Futter und reduzieren ihren Nährwert bedeutend. Die Pferde werden nach starker Kleiefütterung schlaff und kraftlos, schwitzen leicht, und die Verdauung sinkt auf ein Minimum. Die Beimischung der Kleie zum Getränk, oder wenn sie sonst naß gefüttert wird, kann des ferneren dadurch verhängnisvoll werden, wenn man sie recht gut durchknetet und mischt. Bleiben trockene Ballen zurück, so können dieselben leicht Kolikanfälle verursachen, wenn sie unzer- kleinert in den Magen gelangen.
Zum Tränken des Milchviehes.
Das Getränke sei möglichst verschlagen, weshalb es im Winter, wenn irgend durchführbar, etwas anzuwärmen ist. Ein jäher Trunk eiskalten Wassers vermag allein schon den Milchettrag einer Kuh zu verringern. Gesellt sich zu demselben, wie leider nicht selten, noch die Wirkung eines kalten Luftzuges, so vermag diese Doppelwirkung den Milchertrag in einer Weise zu schädigen, daß der Nachteil nicht nur ein augenblicklich merklicher, sondern ein durch Tage und Wochen hindurch fühlbarer und anhaltender werden kann.
Haltung und Pflege der Zuchtschweine.
Um bei soen heutigen hohen Futtermittelpreisen, Löhnen und sonstigen Unkosten aus der Schweinehaltung eine Rente herauszuwirtschaften, muß der Tierhalter sein Augenmerk auf alles richten, was seinen Tieren von Nutzen sein könnte, und er muß alles ab- zuwenden suchen, was eine Schädigung seines Bestandes im Gefolge haben kann. Mit einer rationellen Fütterung muß die Pflege der Gesundheit und der Widerstandskraft Hand in Hand gehen.
Die furchtbarsten Feinde der Schweinehaltung, die Seuchen, haben schon manchem sowohl durch die direkt zugefügten Verluste wie auch durch die veterinärpoli- zeilichen Maßregeln die ganze Schweinezucht und -Haltung verleidet. Da die Leistungsfähigkeit der Schweinefleischproduktton auf einem lebhaften Tieraustausch zwischen den verschiÄwnen Kategorien der Schweinehalter, nämlich den Ferkelzüchtern, den Läuferhaltern und den Mästern beruht, so find wir schon aus diesem Grunde gegen eine Seucheneinschleppung ziemlich machtlos; es muß also jeher Schweinohalte damit rechnen, daß trotz Beachtung aller vorgeschriebenen veterinärpolizeilichen Maßregeln seine Tiere der Aufnahme von Seuchenbakterien ausgesetzt sein können. Durch regelmäßigen Weidegang im Sommer und ständigen Aufenthalt in freier Luft, auch im Winter,
jaben wir aber die Gewähr, die Gesundheit der Tiere o zu stählen, daß die Seuchenbakterien wenigstens zum 'eil einen Widerstand an dem durch naturgemäße Lebensweise erstarkten Körper finden. Schweineseuche und Rotlauf — und speziell der letztore — sind ja tatsächlich in allen Zuchten mit ausgesprochenem Weidebetrieb unbekannte Krankheiten. Auch gegen die Tuberkulose ist die gesteigerte Widerstandskraft einer durch den Aufenthalt in frischer Luft gestählten Lunge das beste Schutzmittel; natürlich dürfen alle übrigen Vorsichtsmaßregeln wie Vermeidung undiätischer Futtermittel, Sterilisieren der Molkereirückstände bezw. der verfütterten Kuhmilch, nicht außer Acht gelassen werden, da die Tuberkulose beim Schwein fast ausnahmslos von den Berdauungsorganen auszugehen pflegt. Eben- o darf man es bei den vorerwähnten Seuchen nicht .in direkten Bekämpfungsmitteln, wie Schutz- und Heilimpfung, fehlen lassen. Jedenfalls werden bei einer Seuche diejenigen Tiere am wid-irstandsfapigsten sein, die naturgemäß gehalten und abgehärtet sind, und spe- iell das Weideschwein wird aus diesem Grunde den Aiffteckungskrankheiten am erfolgreichsten Widerstand bieten.
Wo Weidogang nicht durchführbar ist, soll man den 'ieren wenigstens freien Auslauf und Bewegung in rischer Luft bieten, auch im Winter, denn Kälte chadet keinem Schwein. Ist das Wetter den Tieren nicht zusagend, so suchen die Ausläufer von selbst den chützenden Stall bald wieder auf. Wenn wirtschaftliche Verhältnisse auch den täglichen Auslauf nicht zulassen, muß man für einen genügenden Luftausgleich im Stalle orgen, denn schlechte Lust in den Ställen ist auch bei kältester Außentemperatur zu vermeiden, Natürlich darf keine Zugluft herrschen, da dem Schwein Zugluft überaus schädlich ist, und dadurch besonders bei Ferkeln und Sauen Krankheit, Siechtum und Verlust herbeigeführt wird. Besonders durch Offenstehenlassen der Stalltüren beim Füttern, Ausdüngen usw. ist die Ge- ähr der Zugluft vorhanden: ohne Unkosten und Mchr- arbeit kann man sich in diesem Falle dagegen schützen, indem man eine bis zum Boden reichende Plane vor den Eingang hängt. Aber auch die Jaucheabflußrinnen und -Oeffnungen find oft eine Quelle stetiger Zugluft; urch einen kommunizierenden Abfluß — nämlich daß tändig Jauche im Abfluß die Luft abschließt — kann man dieses Uebel beseitigen.
Allerlei
Rostflecke an Messern.
Bei Messern findet man oft Rostflecke vor, deren Ent- ernung große Schwierigkeiten macht. Doch Petroleum erleichtert das Säubern der Messer. Man reibt dieselben mit Petroleum ein und scheuert sie mit heißem, feinem weißen Sande ab. Auch heiße Steinkohlenasche ist hierbei mit Erfolg zu verwenden. Letztere ist sogar vorzu- ziehen, da selbst der feinste Sand auf feinen Stahlklingen Spuren hinterläßt. Gertrud.
Blutungen zu stillen.
■ Als einfaches Mittel, Blutungen zu stillen, welche von Schnittwunden herrühren, verwendet man Jodoformgaze. Diese wird fest um die verletzte Stelle gewickelt. Besser noch als Jodoformgaze wirkt Watte. Diese wird in heißes Wasser getaucht und auf die Wunde gelegt. Bald wird vas Bluten aufhören. Das Wasser muß aber so heiß ein, daß man es kaum ertragen kann. Käte.
Rüche und Reller.
Geschmorter Putenbraten.
Ein nicht zu fetter Puter wird sauber vorbereitet, und der Kröpf mit folgender Masse gefüllt. Etwa ein Pfund Kalbfleisch und das Innere des Puthahns, wie Leber, Herz, Magen und Lunge werden durch die Fleischmaschine gelassen. Auch etwas vorher eingeweichte Semmel und einige Zwiebeln dreht man mit durch. Nun würzt man mit etwas Salz und Pfeffer, mischt das Ganze gut durcheinander und stopft die Füllung in den Kröpf, wenn nötig auch in den Leib des Puthahns. Der Kröpf wird dann zugenäht und die Brust mit geräucherten Speckscheiben belegt. Den Puter bratet man nun in ein wenig Butter leicht an, deckt ihn zu und läßt ihn bei gelindem Feuer im eigenen Fett schmoren. Ist der Puter weich, so legt man ihn auf die Bratenschüssel, zieht die Sauce mit zwei bis drei Eigelb ab und gießt ste über den Braten.
Der erste Abstich der Jungweiue.
Nachdruck verboten.
Die 1912er Weine probieren sich, wie im allgemeinen vorauszusehen war, sehr sauber und frisch. Sie zeigen allerdings eine vorerst noch etwas unangenehme Härte — wenigstens für verwöhntere Gaumen —, doch darf man nicht vergessen, daß der Säureabbau noch lange nicht be
endet ist. Die Zeit des ersten Abstiches rückt heran, und weil dieser Zeitpunkt von besonderer Bedeutung für saure= reiche Weine ist, seien einige wichtige Momente nachstehend kurz beschrieben.
Da die Gärung tm allgemeinen sehr glatt verlaufen ist, wird — entsprechend den Erfahrungen von Wissenschaft und Praxis — der tüchtige Küfer die Weine auch ein- ois zweimal nach der Hauptgärung aufgerühtt haben. Dadurch werden die säurezerfetzenden Bakterien (Micro- occus malolacticus) nochmals kräftig mit den Säuren des Weines in Verbindung gebracht und können weitere Prozente davon ausfüllen. Es ist aber im Monat Dezember, also nach der Gärung, sehr leicht möglich, daß Der schon ruhige Wein nochmals plötzlich ein starkes Entweichen von Kohlensäure beobachten läßt. Das ist nicht etwa nochmals Gärung, sondern nur die Folge der Säurezerstörung durch diese Bakterien. Man muß daher wissen, Dass beim Zerstören von 1 Gramm Apfelsäure diese sich teilt in 0,67 Gramm Milchsäure und 0,33 Gramm Kohlensäure, welch letztere entweicht. Also ein Drittel der Apfel- äuremenge wird auf diese Weise dem Weine entzogen. Man soll daher, vorausgesetzt, daß die erst gärvoll gefüllten Fässer inzwischen richtigerweise spundvoll gefüllt wurden, den langen Faßspunden nicht fest einschlagen, sondern nur lose aufsitzen lassen, da das Faß sonst bei starkem Jnnendruck Not leiden kann.
Selbstverständlich kann das Entweichen von Kohlensäure nach der Hauptgämng die Ursache auch in tatsächlich vorhandener Nachgärung haben, wobei noch unvergorener Zucker in Alkohol und Kohlensäure übergeführt wird. Es würde dann aber wohl eine sehr reiche Zuckerung oder eine schleppende Gärung vorliegen. Im übrigen ist auch zu beachten, daß stark gezuckerte Weine an sich weniger Säure verlieren, letztere aber doch nicht so sehr bemerkbar wird, weil der Alkohol sie verdeckt. Für den Küfer usw. ist ein einfacher Weg zur Feststellung von Kohlensäure bezw. deren Entweichen folgender: Man füllt Wein aus mittlerer Faßhöhe in eine Weinflasche und stellt diese in ein warmes Zimmer. Nach Verlauf einer halben Stunde schüttelt man sie ordentlich, damit die etwa überschüssige Kohlensäure entweicht. Sodann wird die Flasche mit einem neuen Korken dicht verschlossen und 24 Stunden in das warme Zimmer (15 bis 17° Celsius) gestellt. Hiernach wird die Flasche vorsichtig geöffnet. Steht der Kork unter Druck, und steigen Blasen auf, so ist sicher, daß im Weine noch eine leichte Gärung stattfindet, und er noch nicht reif zum ersten Abstich ist. Es liegt dann hier keine Kohlensäurebildung durch Zersetzung von Apfelsäure vor.
Die säurereichen 1912er Weine benötigen zum normalen Säureabbau durch diese Bakterien vor allen Dingen auch eine genügend hohe Kellettemperatur, welche mit 13 bis 15° Celsius nach der Hauptgämng gegeben ist.
Bevor man zum Abstich schreitet, muß man sich jedoch auch vergewissern, ob die Weine luftbeständig sind, d. h. nicht umfallen, trübe oder gar braun wechen. Um dieses festzustellen, füllt man Wein aus mittlerer LnShöbe in ein gewöhnliches Trinkglas ein und stellt je ein solches Glas unbedeckt in ein sehr warmes Zimmer und eines von mäßiger Temperatur (14 bis 15° Celsius). Hält der Wein nach Ablauf von 24 Stunden auch in dem Glase im warmen Zimmer seine normale Farbe, dann hat man nichts zu befürchten. Ist er braun (rahn) geworden, dann ist er nicht luftbeständig. In solchem Falle wäre es aber ein grober Fehler, wollte man mit einer Schönung oder Filtration nachhelfen. Hier ist zu beachten, daß in solchen Weinen Stoffe sind, die im alkohol- reichen Weine sich gelöst hatten, bei Zutritt von Luft aber wieder unlöslich werden und sich ausscheiden. Man hat bei solchen nicht luftbeständigen Weinen die Wahl zwischen zwei Behandlungsatten. Die erste ist ein Abstich unter Zutritt von viel Luft, wobei der Wein braun wird, diese Farbe sich aber durch Ueberpumpen in ein stark geschwefeltes Faß sich später wieder verliert. Bei den säurereichen 1912er Weinen ist diese Behandlung jedoch nicht zu empfehlen, da der Säureabbau notleiden würde. Bei der zweiten Behandlungsart wird der Wein beim Abstich direkt in das andere Faß übergepumpt, erhält also wenig Luftzutritt und wird nicht braun. Das nunmehrige Faß erhält mit Rücksicht auf den sehr erwünschten Säureabbau nur wenig Schwefel.
Es muß also beachtet werden, daß nicht eher zum Abstich geschritten wird, bis über diese Momente Klarheit herrscht. Es bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung, daß der abzustechende Wein überhaupt normal vergoren ist. Dies mit der Geschmacksprobe immer sicher festzu stellen, erfordert Uebung. Man sei aber gerade bei den 1912er Weinen nicht zu übereifrig und warte liebet etE länger. Man wird dadurch erreichen, daß 1. die Weine völlig vergoren sind; 2. die Bakterien lange Zeit zum Säureabbau haben; 3. die Weine sicher luftbeständig werden. Man beachte aber weiterhin hinsichtlich des Säureabbaues, daß 1. höhere Kellettemperatur sowohl vor als auch nach dem ersten Abstich (etwa 15° Celsius) diesem förderlicher ist als niedere Temperatur; 2. der Säureabbau i auch nach dem ersten Abstich noch weitergeht, sofern man das neue Faß nur schwach einschwefelt; 3. jeder Eingriff mittels Schönen, Filtrieren auch einen Verlust an Säure abbauenden Bakterien im Gefolge hat, also zu vermeiden ist.