lelt den srühsten Morgenstunden bei der Prinzessin August Wilhelm in dem Palais >n Wilhelmstraße. Der Kaiser, welcher heute mittag oe, beitt Prinzen und der Prinzessin Eitel Friedrich in Pot?di gespeist hatte, traf heute abend in Berlin ein und besuch:. :>zessin August Wilhelm.
Bei dir Z«s a ' l iuipommerfchenReichS- t a g S w a h l k r e ^>p»Laucnburg für den verstorbenen konservativen 9’ ^neten Will ist der konservative Kandidat v Boehn 15528 Stimmen gewühlt worden, die Kon- ^tüath .wen also diesen Wahlkreis behauptet. Bon den fei* -tiderer Parteien aufgestellten Kandidaten erhielten .chew (Fort. VolkSP.) 6701 und Sickfeldt (Soz.-Dem. ‘-»ol Stimmen, ein polnischer Zählkandidat erhielt 305 Stimmen.
Der Plan der Aufhebung der Regentschaft in Bayern durch Proklamierung deS neuen Prinz-Regenten Ludwig zum König ist vorläufig vertagt worden. Der Prinz- Regent erklärt in einem Handschreiben an den Ministerpräsident v. Hertling, er wünsche in Hinblick auf die wegen der Regent- schaftsSrage durch das Land gehende Bewegung, daß zurzeit von irgendwelchen Maßnahmen behufs Beendigung der Regentschaft abgesehen werde.
DaS Ersuchen deS ReichSschatzamtS vom 7. Oktober 1912 an die Bundesregierungen und die einzelnen Zweige der Rcichr- Verwaltung, bei Gehalts- und Lohnzahlungen neben ReichSbanknoten und ReichSkassenscheinen in weiterem Umfange als bisher Silbermünzen zu verwenden, begegnet, wie halbamtlich mitgeteilt wird, in der Presse nach wie vor einer völlig unrichtigen Auffassung. Man bringt dieses Ersuchen mit der finanziellen MobilmachungSbercitschast in Zusammenhang und spricht sogar von MeinungSver» schiedrnheiten, die zwischen dem ReichSschatzamt und der Militärverwaltung hinsichtlich deS MaßeS der Silberprägungen beständen. Tatsächlich handelt eS sich bei der getroffenen Maßnahme, wie der ReichSschatzsekretär in seiner EtatSrede vom 4. d. M. auSgesührt hat, nur darum, einerseits daS Silbergeld der ihm im Zahlungsverkehr zukommenden Zweckbestimmung voll zu erhalten, andererseits aber auch tunlichst genau daS Bedürfnis nach Eilbermünzen festzustellen, zumal da diese Feststellung für die künftige Bemessung der Silber- prägungen nicht entbehrt werden kann. Dabei ist die Heeresverwaltung nur insoweit beteiligt, alS auch die ihr unterstehenden Kassen zu der stärkeren Verwendung von Silbermünzen bei GchaltS- und Lohnzahlungen mitherangezogen werden müssen. Die Wirkungen der Maßnahme sind übrigens bereits insofern bemerkbar, als eS zum Teil hierauf zurückzusühren ist, daß die Bestände der ReichSbank neuerdings eine fortschreitende Verminderung ausweisen. Sollte die Vermindung andauern, so werden die Silberprägungen dem anzupassen sein.
Die andauernde Geldnot P e r f i e n S, die eS der Regierung unmöglich macht, allen Verpflichtungen gegen ihre Untertanen gerecht zu werden, hat den B a ch t i a r c n den Gedanken eingegeben, durch die Gefangennahme deS General- schotzmeisterS die Bezahlung ihrer auSstehenden Forderungen zu erzwingen. AuS Teheran wird gemeldet: Bachtiaren überfielen den Generalfchatzmeister Mornard, verwundeten einen Gendarmen und schleppten Mornard zum Ministerpräsidenten Samsam eS Saltaneh. Hier verlangten die Bachtiaren Geld. Der belgische Gesandte erwirkte MornardS sofortige Freilassung.
Ueber daS Attentat aus den Vizekönig von Indien wird noch auS Delhi gemeldet: Eine genaue Untersuchung deS Elefantensitzes ergab, wie wunderbar Lord HardingeS Rettung war. Die hohe Lehne, gegen welche sich der Vizekönig lehnte, ist total zertrümmert. Die Bombe scheint von der gewöhnlichen Form gewesen zu fein, enthielt aber Grammophonnadeln und Schrauben. Einige davon blieben in den Helmen deS Königlichen SchützenregimentS, daS Spalier bildete, stecken. Als die Bombe explodierte, tief Lady HardingeS: „Bist du verletzt?" Der Vizekönig antwortete: „Ich bin wohl, der Zug soll weitergehen." Die Gemahlin erklärte jedoch, daS sei unmöglich; hinter ihnen liege ein toter Mann. Hierauf hielt der Elefant an, und der Vizekönig fiel plötzlich ohnmächtig um. Man konnte ihn nur mit großer Mühe vom Elefanten herunterbringen. Die Leute vom Stab zogen ihre Röcke auS, um ihn herabzuheben. ES heißt, daß viele Verhaftungen vorgenommen wurden. — Insgesamt sind dreizehn Personen durch die aus den Vizekönig geworfene Bombe verletzt worden, darunter eine Frau, die sich in dem Hause befand, auS dem die Bombe geworfen wurde.
Der greife Präsident deS japanischen StaatSrats, Fürst N a m a g a t a, der seinem Kais-rhausc und seinem Vaterlande biS in die letzte Zeit hinein die wertvollen militärschen und politischen Dienste geleistet hat, ist gestern Gegenstand eineS MordanschlagS gewesen, der zum Glück erfolglos blieb. Der Täter nahm sich daS Leben.
Wt Provinz m. Nacdbargebiel.
* (Ein Rückgang dcS Besuchs der land- wirtschastlichenWinterfchuleninKurhefsen.) Die landwirtschaftlichen Winterschulen KurhessenS werden in diesem Winter von insgesamt 339 Schülern besucht, gegenüber 406 bezw. 390 in den beiden vorhergehenden Jahren. ES wird angenommen, daß eS sich bei diesem Rückgang der Schülerzahl um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Zum großen Teil dürste dieser aus die außerordentlich ungünstige Herbstwitterung zurückzusühren sein, die nicht nur die Landwirte finanziell schwer geschädigt, sondern auch manchen jungen Landwirt, der für den Besuch der Winterschule in Betracht gekommen wäre, bis spät in den Herbst und Winter hinein in der elterlichen Wirtschaft unentbehrlich gemacht hat. Aus die einzelnen Anstalten verteilen sich die Schüler wie folgt: Eschwege 28 (gegen 37 im vorigen Winter), Fritzlar 33 (31), Fulda 41 (51), Gelnhausen 11 (24), HerSseld 23 (29), HofgeiSmar 48 (51), Marburg 54 (69), Melsungen 26 (38), Rodenberg 47 (47), Ziegenhain 28 (29). Der Heimat nach stammen 310 Schüler auS Kurhessen, auS anderen Preuß schen Provinzen 19 und auS den übrigen deutschen Staaten 10.
§ Hersfeld, 27. Dez. Die ordnungsmäßige Bestellung der NeujahrSbriefe ist nur dann gesichert, wenn die Auffchrist der aufgelieferten Sendungen die genaue Angabe der Wohnung enthält. Bei Postsendungen nach Berlin ist <8 erforderlich, außer d r WohnungSangabe auch die Bezeich- nung deS PostbezirkS N„ S., SW. usw. zuzusetzen. ES liegt im eigenen Interesse deS Publikums, wenn eS nach diesen Bestimmungen verfährt. Da in den letzten Tagen deS Monats erfahrungsgemäß ein sehr starker Andrang zu den Postfchaltern stattfindet, ist eS für da» Publikum zweckmäßig, den Einkauf von Marken nicht erst in den letzten Tagen vor Neujahr vor- zunehmen. ES läßt sich alsdann nicht vermeiden, daß daS Publikum trotz der vermehrten Personal» vor den übersüllten Schaltern warten muß.
):( HerSfeld, 27. Dezember. Bei Vergebung der Ar- besten zur Herstellung der Wasserleitung Sorga-
KathuS wurde für LoS I, II und IV der Firma W. R. Rosenberg und für Los III der Firma Hrch. G e s i n g hier der Zuschlag erteilt.
):( Hersfeld, 27. Dezember. Herrn Oberlehrer Kühnemuth am hiesigen Gymnasium wurde der Titel „Professor" verliehen.
):( Hersfeld, 27. Dezember. Der am vorigen Sonnabend in einem benachbarten Dorfe wegen Spionage- Verdachts verhaftete Unteroffizier aus Ulm wurde dort nach kurzer Untersuchung wieder auS der Haft entlassen, da sich der Verdacht als unbegründet erwies. Der auf so unangenehme Weise in seinem WeihnachtSurlaub gestörte Unteroffizier hat nunmehr denselben wieder angetreten.
Gersfeld, 21. Dez. Der Plan zur Erbauung eines komfortablen UnterkunftshauseS auf der Wasserkuppe liegt fertig da. Zu der Finanzierung deS Unternehmens haben zwei begüterte Freunde der Rhön in Fulda und WieSbaden 30 000 Mk. und srrien Grund und Boden (25 000 qm.) gestiftet. Ein Fonds mit 8000 Mk. ist vom Rhönklub an- gesammelt. Die Ausführung deS Planes kommt schlüsselfertig auf 55 000 Mk. zu stehen. Demnach sind noch 17 000 Mk. aufzubringen. ES ist bei dem Bau u. a. eine Schutz- Halle vorgesehen, in der etwa 100 Wanderer bequem unterstehen können bei Unwetter, Uebernachten können je 24 Gäste. Master-quartiere sind nicht vorgesehen. Die GesellschaftSräume nehmen 84 qm. ein in dem 15:15 Mtr. großen massiven Gebäude. DaS HauS kommt an eine geschützte Stelle etwa 130 Mtr. entfernt vom jetzigen SchutzhauS in der Richtung nach GerSfeld zu. Die elektrische Beleuchtung soll von GerS- seld auS geschehen, eine elektrische Pumpe soll die Wasserversorgung bewerkstelligen. Bei bet Unwahrscheinlichkeit, eine Restschuld von etwa 17 000 Mk. zu dem Bau eineS neuen UnterkunftShauses aus der Waste,kuppe durch freiwillige Beiträge decken zu können, wird man zu dem AushilsSmittel der unverzinslichen Anteilscheine von 2 und 50 Mk. greifen müssen.
Schmalnau (Rhön), 21. Dezember. Ein bedauerlicher Unglücksfall, der den Tod eineS Mannes zur Folge hatte, ereignete sich heute auf dem Wege von Schmalnau nach Thalau. Der 58jährige Landwirt Schäfer von Schmalnau wollte einem anderen Landwirt durch Vorspann seiner Pferde aus der steilen Straße eine Gefälligkeit erweisen. Plötzlich schlug eines der Pferde aus und traf den Landwirt Schäfer so heftig in die Magengegend, daß der Tod alsbald eintrat, Hanau, 23. Dezember. In die Bijouteriefabrik von WeiShaupt Söhne wurde in vergangener Nacht ein schwerer Einbruch verübt. Den Dieben fiel der Musterkoffer eines Pforzheimer Reisenden in Die Hände, aus dem sie Gold- warcn im Werte von 30 000 Mark stahlen.
Hanau, 26. Dezember. Am heutigen Tage sind 229 Typhuskranke des Eisenbahn-Regiments Nr. 3 in Lazarett- Behandlung, darunter befinden sich 12 Schwerkranke. Die Zahl der Todesfälle hat sich seit der letzten Meldung nicht vermehrt. ES find bis jetzt vier Mann gestorben.
DT. Frankfurt a/M., 26. Dezember. DaS Frankfurter Schützenfest wird, wie jetzt feststeht, einen bedeutenden Ueber, schuß haben, ganz bestimmt 100 000 Mk. Die Bilanz hätte schon längst gezogen werden können, wenn nicht einige Prozesse zu führen gewesen wären, so mit dem Erbauer deS „Alt—Frankfurts" und mit einem Bretzelbuben, dem die anfängliche Erlaubnis zum Bretzelverkausen wieder entzogen wurde und der 2400 Mk. Entschädigung verlangte.
Casfel, 23. Dezember. Gestern abend traf mit dem Frankfurter Perjonenzuge ein Transport von 16 Gefangenen, die wegen schwerer EinbruchSdiebstähle, Mordversuchs usw. steckbrieflich verfolgt waren und in Hessen und Süddeutschland verhaftet wurden, auf dem hiesigen Oberstadtbahnhose ein. Die Gefangenen wurden in daS hiesige LandgerichtS-GesängniS übergeführt.
§ Alsfeld, 27. Dezember. Den Zuschlag zur Aus- führung der am 9. 11. d. JS. verdungenen Erd-, BöschungS- pp. Arbeiten zu LoS 5 der Neubaustrecke Niederaula- Alsf-Id, erhielt der Tiefbauunternehmer Heinrich Thiemann in Soest i. W. Dadurch sind die Bauarbeiten auf der ganzen Neubaustrecke bis zur Hardtmühle im Gange.
Eisenach, 23. Dezbr. Erfroren aufgefunden wurde bei dem Rhönort HilderS die Landwirtsfrau Abe auS Frankenheim, dem höchstgelegenen Orte des Eisenacher Oberlandes. Sie wollte Einkäufe besorgen, setzte sich ermüdet am Wege nieder und wurde infolge der Kälte vom Tode überrascht.
Aus dem Westerwald, 22. Dez. In Hirschberg bei Herborn trank am Freitag abend ein zwei Jahre alter Knabe die zum Reinigen deS WafchkesselS bestimmte Salzsäure. DaS Kind starb trotz sofortiger ärztlicher Hilse.
Streifen, 23. Dezember. Der Gutsbesitzer und Landwirt Ch,. Sure in Uffeln stürzte beim Herunterweifen von Viehfutter durch die Bodenluke auf die Schcunentenne, brach daS Genick und war auf der Stelle tot.
Erfurt, 27. Dez. Der Kassierer der Gewerbebank in Tennstädt Ropte wurde am ersten Feiertag in seiner Wohnung tot ausgefunden. Eine klaffende Wunde an der Stirn war augenscheinlich durch einen wuchtigen Schlag mit einem harten Gegenstand vermsacht. DaS Geld, daS Ropte in der Wohnung aufbewahrt hatte, war verschwunden.
Weiffenfels, 26. Dez. Niedergebrannt find gestern abend die Nebengebäude (Niederlagen, Bindungen usw.) der Färberei, Wäscherei und Reinigungsanstalt Rogosch (Vorsitzenden deS Deutschen FärberbundeS). Drei Pferde, sowie 75 Stück Geflügel kamen in den Flammen um, auch verbrannte eine Spezialmaschine. Die Werkstätten blieben von Feuer verschont, deshalb ist der Betrieb nicht gestört. An der Brandstätte sand man später die verkohlten Ueberreste eines achtjährigen Knaben, des SohneS eines Kutschers, dem beim Füttern einer Ziege die Stadaterne zu Boden gefallen war, wodurch der Brand entstand. Der arme Kleine konnte sich nicht mehr retten und mußte in den Flammen elend um- kommen.
Orkanartige Stürme.
Hamburg, 26. Dezbr. Durch den starken Sturm der vergangenen Nacht wurde zum Teil erheblicher Schaden an- gerichtet. Die Feuerwehr wurde fortgesetzt zur Hilfeleistung herbeigerufen. DaS Dach der Lustschiffhalle bei Fuhlsbütte wurde teilweise abgcdeckt. Die Feuerwehr war annähernd sieben Stunden in Tätigkeit, um b.n Schaden notdürftig auS- zubessern. Die in der Halle untergebrachten Flugzeuge sind unbefchädigt. Der Sturm, der inSbejondere zwischen 12 und 1 Uhr außerordentliche Stärke angenommen hat, richtete auch im Hafen und auf der Unterelbe bedeutenden Schaden g«. Eine Anzahl kleinerer Fahrzeuge ist gesunken oder gestrandet. Die Besatzungen wurden in allen Fällen gerettet. Ein Dock von Blohm lind Voß wurde mit den Ankern vertrieben. Bei BrunShausen ist eine deutsche Jacht gestrandet.
GreisSwald, 26. Dezember. Auch in Vorpommern
hat der Orkan in der vergangenen Nacht großen Schaden angerichtet. ES wurden Fernsprechleitungen zerstört, Lichtmafien umgeworfen. Dächer beschädigt. Die alte GreifSwalder Marienkirche hat stark gelitten.
London, 26. Dezbr. Ein heftiger Sturm hat zahlreiche SchiffSunsälle herbeigeführt, namentlich in Devon und Cornwall, wo die Stürme mit heftigem Gewitter verbunden waren. Zwei Paffagierdampfer und andere Fahrzeuge sind gestrandet. Die meisten Telegraphen- und Telephonverbindungen sind unter- brochen.
Letzte ßaehriebten.
Berlin, 27. Dezember. Die WeihnachtStage diefe» Jahres überftiegen noch die der vergangenen Jahre in Bezug auf ihre anormale Wärme, die sich bei Tag und Nacht in der Nähe von 10 Grad Celsius hielt. Die diesjährigen WeihnachtStage sind damit die wärmsten, die Berlin feit den Jahren 1848 und 1878 erlebt hat.
Paris, 26. Dezember. AuS Mogador wird unter dem 25. dS. Mts. gemeldet: Die Kolonne Brulard hat gestern abend 10 Uhr die Kolonne Maffoutier nach heftigen Kämpfen befreit. Diese war in ausgezeichneter Verfassung und hat keine weiteren Verluste alS die bereits gemeldeten zu verzeichnen. In der Umgebung der KaSbah wurden zahlreiche Leichen von Feinden gesunden. Die Verluste der Franzosen betragen 10 Tote und 30 Verwundete. Die Nachricht von der Befreiung erregte in Mogador unter der Bevölkerung große Freude.
PariS, 26. Dezember. Zu der Frage betreffend Adrianopel meldet der Londoner Berichterstatter deS „TempS", daß in gewissen Finanzkreisen folgende Lösung angeregt werde. Adrianopel und seine Umgebung würben der Türkei verbleiben.
Da diese aber außerstande sei, die von Bulgarien geforderte Kriegsentschädigung zu zahlen, so würde Bulgarien daS Recht erhalten, Adrianopel samt Umgebung so lange zu besetzen, bis die Kriegsentschädigung bezahlt worden sei. Dieser AuSweg würde der Türkei gestatten, wenigstens den Anschein zu wahren, daß sie ihren Standpunkt behauptet habe.
DT. Belgrad, 26. Dez. Der Gemahlin deS deutschen Gesandten in Belgrad, v. Greisinger, ist ein eigenartiges Mißgeschick passiert. AlS sie aus dem Wochenmarkt von Semlin, der Belgrad am linken Donauufer gegenüberliegenden ungarischen Grenzstadt, ihre WeihnachtSeinkäuste besorgte, wurde sie von der ungarischen Polizei alS angebliche Spionin SerbienS verhaktet. Nach längerem Kreuzverhör auf der Polizeiwache und einer Rückfrage in Belgrad wurde Frau von Greisinger mit der Bitte um Entschuldigung für den Mißgriff wieder aus freien Fuß gesetzt.
Peter-burg. 27. Dezember. Gegenüber den in der Presse verbreiteten Gerüchten, der österreichisch-ungarische Botschaster habe dem Minister deS Aeußern erklärt, die österreichischen Rüstungen seien gegen Rußland gerichtet, wird offiziell mitgeteilt, daß der Minister keine derartige Erkärung von dem österreichisch-ungarischen Botschafter erhalten hat.
DT. New Aork, 26. Dezember. Seit Jahren hat
New Jork zum ersten Mal weiße Weihnachten erlebt. Seit Montag schneit eS ununterbrochen und die Plätze der Stadt wie die Dächer der Häuser find 30 bis 50 Zentimeter hoch mit Schnee bedeckt, während in den Straßen ununterbrochen Schneepflüge und eine Armee von Schneeschauflern tätig sind.
Der Bahn-, Schiffs- und Postverkehr an der ganzen atlantischen Küste erleidet große Verzögerungen. Am Dienstag setzte außerdem dichter Nebel ein, sodaß 5 große transatlantische Dampfer nicht die Einsahrt in den Hafen wagen können.
Der Dampfer „Merion" der Amerikan-Line und der englische Dampfer „Oceano" find infolge beS starken NebelS aus hoher See zusammengestoßen. Beide erlitten ziemlich ernste Be- schädigunzen, konnten aber mit eigener Kraft den Hafen auf- fuchen. Der Pafsagierdampfer „Turriolbo," der mit Besuche«» deS Panama-KanalS nach New-Dork zurückkehrte, geriet am Dienstag früh in einen Blizzard. Die Takellage und baS Steuer waren in wenigen Augenblicken mit dicken Eiskrusten überzogen. DaS hilflos treibende Schiff strandete an der Küste von Ntw.S)erfiy. Nach mühevollen Versuchen gelang eS einem Regierung-kutter, die 57 Passagiere bei heftigem Schneesturm an Bord zu nehmen. Sie hatten einen jchreckenS- vollen heiligen Abend verlebt.
K o n st a n t i n o p e l, 27. Dezember. Au- Sedil Bohr in den Dardanellen wird dem Marineministerium berichtet, baß das griechische Unterseeboot „Delphin" bei einem der letzten Seegefechte von einem türkischen Geschoß getroffen wurde und nahe den Dardanellen untertauchte, ohne wieder
auszutauchen. Drei griechische Torpedoboote suchten da- Unterseeboot wieder aufzufinden.
London, 26. Dezember. DaS Btfinden deS Vizekönig» Lord Hardinge in Delhi ist zufriedenstellend. Er ist frei von Fieber und wird in 14 Tagen, spätestens in 3 Wochen seine Tätigkeit wieder ausnehmen können. Im Staat-sekretariat für Indien betrachtet man die Lage in Indien mit einer gewissen Unruhe. Man erkennt zwar an, daß daS Land ruhig ist, glaubt jedoch, daß diese Ruhe nur oberflächlich ist und daß in der Tiefe deS Volkes von neuem gegen die britische Regicrnng gewühlt wird. Zahlreiche Eingeborenen- zeitungcn finden für daS Attentat Worte der Entschuldigung, wenngleich sie dieses tadeln.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a. M. Wetterausfichten für Gonnadeud den 88. Dezbr.
Mild, zunächst trüb, regnerisch, später ausklärend, böige Südwestwinde.