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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 151, Donnerstag, den 19, Dezember 1913*

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 13. Dezember 1912.

Der hiesige Ziegenzucht-Verein hält am 29. d. MtS. Nachmittags 3V2 Uhr im Saale deS KaiserhosS hier einen Vertrag über daS ThemaDie Ziege unter besonderer Be­rücksichtigung ihrer Zucht und Pflege".

Die Interessenten deS Kreises mache ich auf diesen lehr­reichen Vortrag aufmerksam.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

I. V.

Dr. Dietz v. Bayer, RegierungS-Rtserendar.

I. A. No. 9359.

An der Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Garten­bau zu Geisenheim a. Rhein finden im Jahre 1913 folgende UnterrichtSkurse statt: 1. Oeffentlicher ReblauSkursuS in der Zeit vom 13. bis 15. Februar. 2. ObstbaukurfuS in der Zeit vom 17. Februar bis 1. März. 3. BaumwärterkursuS in der Zeit vom 3. bis 15, März. 4. PflanzenschutzkursuS in der Zeit vom 15. bis 17. Mai. 5. ObstbaunachkursuS in der Zeit vom 14. bis 19. Juli. 6. BaumwärternachkursuS in der Zeit vom 21. bis 26. Juli. 7. ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 28. Juli bis 2. August. 8. ObstverwertungSkurfuS für Männer in der Zeit vom 4. bis 14. August. 9. AnalysenkursuS in der Zeit vom 29. Juli bis 9. August. 10. HefekuisuS in der Zeit vom 11. bis 23. August.

DaS Unterrichtshonorar beträgt: Für den KurfuS 1: Nichts. Für den KursuS 2 und 5: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am NachkursuS (Nr. 5) teil- nehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk. Für den KursuS 3 und 6: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 Mk. und wenn sie nur am NachkursuS (Nr. 6) teilnehmen

5 Mk. Für den KursuS 4: Preußen und Nichtpreußen 10 Mk. Für den KursuS 7: Preußen 6 Mk. und Nicht- preußen 9 Mk. Für den KursuS 8: Preußen 10 Mk. und Nichtpreußen 15 Mk. Für den KursuS 9 und 10: Preußen je 20 Mk., Nichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für GebrauchSgegenstände, (Reagentien pp.) u. 1 Mk. für Bedienung kommen.

Anmeldungen sind zu richten: bezüglich der Kurse 2, 3, 5 biS 8 an die Direktion der Königl. Lehranstalt, bezüglich des KursuS 4 an den Vorstand der Pflanzenpathologischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt, bezüglich deS KurfuS 9 an den Vorstand der önochemifchen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt und bezüglich deS KurfuS 10 an den Vorstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt.

Wegen Zulassung zum ReblauSkursuS (Nr. 1), wollen sich Personen auS der Provinz Hessen-Nassau an den Herrn

Derrbe des Millionärs.

Roman von Clara Rheinau.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sechzehntes Kapitel.

Selbst ein Percy Walford liebte eS nicht, sich inS Ge­sicht einen Lügner nennen zu hören, und das unangenehme Lächeln deS jungen Herrn wurde ein wenig gezwungen. Aber er hatte nicht erwartet, baß Sir Elliot die Neuigkeit gleichmütig ausnehme, ja dies war tatsächlich eine Ent­täuschung für ihn gewesen. UeberdieS fühlte er sich seiner Sache so sicher, daß er sich gestatten konnte, ruhig zu bleiben.

ES ist ganz begreiflich, daß Sie meinen Aussagen keinen Glauben schenken," sagte er gelassen,ich zählte darauf. Er heiratete sie vor zwei Jahren in Amerika und wenige Monate später trennten sie sich in San FranciSko."

»Und wer ist die Dame, die Sie meinem Enkel aufzu- halfen gedenken?" fragte Sir Elliot geringschätzig.Wie kommt eS, daß Sie über Herrn MervynS Geschichte besser unterrichtet sind, alS er selbst I Ist sie eine Freundin von Ihnen?" .

Eine Freundin!" Percy zuckte die Achseln.Mein werter Herr, auf eine solche Ehre kann ich keinen Anspruch erheben I Ich trat die Dame kürzlich in einem Restaurant am Strand in Begleitung einiger Bühnenkünstler und -Künstlerinnen. Zufällig erzählte sie mir, daß sie um ihre eigenen Worte zu gebrauchen irgendwo in der Welt einen TauchennichtS von Gatten habe, und daß sie Diesem gern einmal begegnen würde. Sie tat mir leid, denn sie schien in dürftigen Verhältnissen und schenkte mir ihr Ver­trauen mehr, alS mir angenehm war. Im Lause der Unterhaltung nannte sie auch den Namen deS Gatten. Es wird schwerlich zwei Lionel Arthur MervynS auf Erden geben, und da ich weiß, daß Ihr Enkel im Begriff ist, Fräulein Barker zu heiraten, hielt ich eS für meine

Oberpräsidenten in Cassel, Nichtpreußen an ihre Landesregie­rung wenden.

Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kostenfrei zu beziehenden Satzungen. Die Direktion.

nichtamtlicher Ceil.

Der Balkankrieg.

Die beiden Londoner Konferenzen.

Den Arbeiten der Botschafterkonferenz darf mit Zuversicht entgegcngksehen werden. Wahrscheinlich wird eS gelingen, die Frage, die für die Einigkeit der Großmächte bedrohlich werden konnte, friedlich zu schlichten. Daraus läßt die Vorgeschichte der Konferenz schließen. Oesterreich-Ungarn und Italien haben sich bereit erklärt, auch über den von Serbien beanspruchten Platz an der Adria zu diskutieren, aber nur mit der Ein­schränkung, daß ein freier AuSgang für den serbischen Handels­verkehr nach der Adria ohne serbische Territorialhoheit an der albanischen Küste gesucht werden soll. Die anderen Mächte sind auf diese Beschränkung deS Programms ringegangen, was besagt, daß sich auch Rußland nur für die wirtschaftlichen Bedürfnisse Serbiens einsetzen wird. In Belgrad scheint auch schon eine Ernüchterung eingetreten zu sein; denn dort erklärt man jetzt, sich den Entschließungen der Großmächte fügen zu wollen. Kommt also die Botschafterkonferenz alsbald mit der albanischen Frage inS Reine, so ist die Hariptschwierigkeit für die Geltendmachung der gemeinsamen Interessen der Groß­mächte gegenüber den politischen und wirtschaftlichen Ver­änderungen auf der Balkanhalbinsel beseitigt.

Nicht so günstig steht eS vorläufig mit der Friedens­konferenz der Balkandelegierten. Hier heißt daS große X Adrianopel. Nach bulgarischen Aeußerungen wäre die Ab­tretung dieser Festung eine conditio sine qua non jür den Friedensschluß. In der ersten Sitzung der Sobranje in Sofia kam schon Verstimmung darüber zum Ausdruck, daß daS bul­garische Heer seinen SiegeSzug nicht bis nach Konstantinopel fortgesetzt habe. Ein Verzicht auf Adrianopel würde der Regierung deS Zaren Ferdinand erst recht Gegnerschaften in seinem Lande, daS so viele Blutopfer gebracht hat, hervor- rufen. Aus der andern Seite berufen sich die Türken darauf, daß Adrianopel nicht erobert sei, daß eS den einzigen Schutz- wall für den Rest der europäischen Türkei bilde, und daß die Mohammedaner nichts so schwer empfinden würden als den Verlust dieser ersten, mit vielen Heiligtümern auSgestatteten Residenz der türkischen Sultane. Außerdem hat der erfolg­reiche Widerstand deS türkischen HeereS an der Tschataldscha» linie die Hoffnung genährt, daß bei Fortsetzung deS KriegeS ein Vorstoß nach Adrianopel glücken könnte.

Wie dieser Gegensatz gelöst werden wird, ist noch ganz

Pflicht, sie vor dem Geschick zu bewahren, daS ihrer wartet."

Mit schlecht verhehlter Ungeduld hatte Sir Elliot diese Rede angehört. Jetzt lächelte er ironisch und machte mit ver­ächtlicher Miene eine Handbewegung, alS ob er eine lästige Rauchwolke von sich abwehren wolle.

Also mein Enkel ist an eine Person verheiratet, die ver­mutlich der Bühne angehört und ihre Privatangelegenheiten an einem öffentlichen Ort einem Manne anvcitraut, den sie zum erstenmal sieht, und Sie fühlen sich berufen, Fräulein Barker vor dem ihr drohendenGeschick" zu retten. Mit andern Worten, Sie sagen mir, daß mein Enkel ein Schurke feil Ich bin sehr verbunden für Ihre nette Erzählung, mein Herr; wenn ich mehr Sinn für Humor hätte, würde ich sie noch besser zu schätzen wissen. So aber bebaute ich, Ihnen guten Abend wünschen zu müssen! Meine Zeit ist sehr in Anspruch genommen."

Walford bewegte sich nicht, sein Lächeln wurde wieder unverschämt und er sagte:Ich wiederhole, Sir, daß ich nicht erwarte, Glauben bei Ihnen zu finden. Natürlich ist eS peinlich, zu entdecken, daß man seine Liebe und sein Ver­trauen verschwendet hat. Würden Sie wohl Ihren Enkel hierher bitten lassen. Seine Antwort wird vielleicht anders lauten, alS die Ihrige."

Sir Elliot blickte Percy forschend an und wurde nach­denklich. Bisher hatte er WalfordS Erzählung für eine reine Erfindung gehalten, jetzt sah er, daß bet Mann im Ernst gesprochen. Dennoch war sein Glaube an dem hübschen, gescheiden, liebenswürdigen jungen Herrn, bet seines Enkels Namen gestohlen, nicht im geringsten erschüttert. Mit stolzer Miene wandte er sich von seinem Besucher ab und klingelte. Ganz richtig," sagte er,ich werde meinen Enkel rufen lassen. Doch verstehen Sie mich wohl, weil ich nicht im entferntesten daran zweifle, sondern nur, um Ihnen jeden Vorwand zu nehmen, diese lächerliche Geschichte weiter zu verbreiten."

Percy verneigte sich.

Nehmen Sie eS, wie Sie wollen, Sir. Mein

buntel. Sir Edward Grry hat in seiner Begrüßungsrede die versöhnliche Ausgabe der Frieden-delegierten gepriesen und von einer Politik der Mäßigung gesprochen, ohne die kriegerische Gewinne keinen Wert für die künftigen Generationen hätten. DaS klingt wie eine Mahnung an die Adreffe der bisherigen Sieger, gilt aber auch für die Türken, die sich vor Ueber- schätzung ihrer Widerstandskraft hüten sollten. Der Geist und die Schulung eines HeereS läßt sich eben nicht in wenigen Wochen aus einem Zustand der Verwahrlosung wieder in die Höhe bringen.

Wiedersprechende Siegesmeldungen.

Ueber den gestrigen Kampf zwischen der türkischen und griechischen Flotte am Eingang der Dardanellen liegen jetzt die ersten amtlichen Meldungen von beiden Seiten vor. Wieder schreibt jeder Teil sich selber den Sieg zu eine Art von Berichterstattung, über deren Wertlofigkeit kein Wort weiter zu verlieren ist.

Athen, 1.7, Dezember. Der Ches deS ägäischen Ge­schwaders, Konteradmiral KunduriotiS, meldet, daß die türkische Flotte gestern Morgen gegen 10 Uhr sich anschickte, auS den Dardanellen zu dampfen. Ihr fuhr die griechische Flotte sofort entgegen mit dem AdmiralschiffAweroff" an der Spitze. Sie näherte sich dem Feinde bis aus 3000 Meter und beantwortete dessen Feuer heftig. Noch «inständige« Kampse wendete die türkische Flotte und dampfte unter dem Schutze deS Forts Scdduhl bahr in die Dardanellen. Um 3 Uhr nachmittags versuchten seindliche Torpedoboote einen erneuten Durchbruch, wurden aber sofort von einigen kleinen griechischen Schiffen zurückgewiesen. Die griechischen Kriegs­schiffe erlitten, soweit bekannt, keinen Schaden. Ein Fähnrich und 4 Matrosen wurden verwundet.

Konstantinopel, 17. Dezember. Zu dem gestrigen Seegefecht wird noch folgendes Telegramm des Kommandanten der Flotte an den Generalissimus offiziell mitgeteilt: Der griechische PanzerkreuzerAweroff" wurde von drei oder 4 Geschossen getroffen, wodurch seine 24-Zentimeter-Geschütze der Vorderseite und 19-Zentimctcr-Gejchütze der Rückseite zum Schweigen gebracht wurden. Die anderen seindlichen Schiffe zogen sich nach Abgabe einiger Schüsse zurück. Die Schlacht dauerte sodann mit demAweroff" fort, der schließlich mit den anderen griechischen Kriegsschiffen in der Richtung nach dem PiräuS absuhr. Die türkischen Kriegsschiffe haben keine Beschädigungen erlitten.

Im Gegensatz zu den türkischen Berichten über daS See« gesecht stehen auch die Aussage der Passagiere deS russischen DampfersJerufalem", der die Dardanellen kurz nach dem Kampse zwischen der griechischen und der türkischen Flotte passierte. Sie haben nach einem Telegramm auS Athen dem Gouverneur von TenodoS berichtet, daß zwei türkische Schiffe schwer beschädigt worden feien. ES bestätigte sich, daß die griechischen Schiffe keinen Schaden erlitten haben.

Athen, 17. Dezember. Ueber den gestrigen Zusammen«

einziger Wunsch ist, Fräulein Barker den nötigen Schutz zu sichern."

Sir Elliot gab dem eintretenden Diener den Austrag, Herrn Lionel Mervyn zu ihm zu bitten. Er war jetzt wieder vollkommen ruhig. Natürlich hatte ihn die unerwartete Be­schuldigung seines Lieblings erregt, aber die ganze Sache war so unglaublich, daß man sie wahrlich nicht so ernst zu nehmen brauchte. Seine noch immer stattliche Gestalt hoch ausgerichtet, die eine Hand auf daS KaminsimS gestützt, stand er regungslos, und Percy stand notgedrungen ebenfalls, da Sir Elliot ihm keinen Stuhl angeboten hatte.

Schon nach wenigen Sekunden wurde die Türe rasch ge­öffnet und Lionel erschien in Begleitung JjaS.

Sie wünschten mich zu sprechen, Großvater," sagte er lebhaft. Und dann erblickte er den Besucher, der ihn mit boshafter Miene beobachtete. Jsa machte eine Bewegung, alS ob sie daS Zimmer wieder verlosten wolle, war aber zu stolz, um davon zu laufen.

Wie kam Percy Walford hierher? Warum hatte der Großvater Lionel rufen lassen? So fragte sie sich.

Sie laS daS Unheil in PercyS Blicken, und ihr Herz fing heftig zu pochen an.

Jsa, liebes Kind, ich möchte mit Lionel allein sprechen," sagte Sir Elliot.Er wird sehr bald wieder bei Dir sein."

Mit Lionel allein sprechen, wiederholte daS junge Mädchen und blickte befremdet von Sir Elliot auf Walford.Du bist nicht allein, Großvater. Wenn Dein Besucher bleiben kann, warum soll ich gehen?"

Weil ich Dir Kummer «sparen möchte, daS ist alles. Entferne Dich, meine Liebe."

Allein Lionel ergriff ihre Hand.

Was mich angeht, geht auch sie an," sagte er.Bitte. Großvater, losten Sie Jsa bleiben, wenn sie eS wünscht, Wir haben vermutlich keine Geheimnisse zu verhandeln."

Percy freute sich im stillen über LionelS Selbstvertrauen. Rücksichten auf Jsa kannte er nicht, und ihre Anwesenheit mußte die Niederlage seines Feindes bedeutend peinlicher für biejen machen.

Sie haben recht, Fräulein Barker," bemerke er mit