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Herchlder Kreisblatt
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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 149. Sonnabend, den 14. Dezember 1913.
Die heutige Nummer umfaßt 14Seiten.
Erstes Blatt
Ämllkh« teil.
HerSseld, den 4. Dezember 1912.
WMe BelmtMW.
Einkommensteuerveranlagung für das
Steuerjahr 1913.
Auf Grund deS § 25 des EinkommensteuergesetzeS wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige im Kreise HerSseld ausgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar 1913 biS S0 Januar 1913 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind.
Die oben bezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Aus Verlangen werden die vorgeschriebenen Formulare (benen zugleich die maßgebenden Bestimmungen beigcsügt find) von heute ab im AmtSlokale deS Unterzeichneten kostenlos ver- obsolgt.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber aus Gesahr deS Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinem AmtS- lokal, LandrotSamtSgebäude Zimmer No. 10 während der GeschäftSstunden von 10 bis 12 Uhr zu Protokoll entgegen» genommen.
Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß § 31 Absatz 1 deS Einkommen» steuergesetzeS neben der im Veranlagung?- und Rechtsmittelverfahren endgültig festgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozent zu derselben zu entrichten.
Willentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuer- «klärung sind im § 72 deS Einkommensteuergesetzes mit Strase bedroht.
Gemäß § 71 deS Einkommensteuergesetzes wird von Mit- gliedern einer in Preußen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der aus sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, welcher aus Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur aus solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empsangenen GeschäftSgewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß § 71 o. a. D. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahr nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist eine, die nähere Bezeichnung deS empfangenen Geschäfts- gewinnS aus der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen.
ES wird empfohlen, mit der Abgabe der Steuererklärung nicht biS zu den letzten Tagen zu warten, sondern die Erklärungen möglichst frühzeitig innerhalb der sestgesetzten Frist e i n z u s e n d e n.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- VeranlagungsKommission.
I. B.:
Fenn er, Steuersekretär.
HerSseld, den 9. Dezember 1912.
An die sämtlichen Schulvorstände deS Kreises.
Unter Hinweis aus meine Verfügung vom 6. Mai dS. JS., I. 5588, — abgedruckt im KreiSblatt Nr. 56 — mache ich darauf aufmerksam, daß in dem auszunehmenden und mir vorzulegenden Protokoll über die im Monat Dezember diese- JahreS vorzunehmende Besichtigung der Schule besonders zum Ausdruck zu bringen ist, ob und g. F. welche Arbeiten und mit welchem Kostenpunkte im Rechnungsjahre 1913 am Schulgebäude auSzuführen sind und, daß das Protokoll von sämtlichen SchulvorstandS-Mitgliedern, insbesondere von dem Stelleninhaber (Lehrer) unterschrieben sein muß.
I. I. Nr. 13986. Der Landrat.
I. V.:
vr. D i e tz v. B a y e r, RegierungS-Reserendar
HerSseld, den 9. Dezember 1912.
Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 4. November d. JS., I. A. Nr. 7251, KreiSblatt Nr. 137, bringe ich auf Grund deS Beschlusse- de- Krei-au-schuffe- vom 6. d. MtS. zur weiteren Kenntnis, daß die in jener Bekanntmachung ausgesührten Personen gemäß § 17 deS Preußischen Au-sührungS-Gesetze? zum Bichseuchengesetz vom 25. Juli
1911 (G. S. S. 149) auf die Dauer von 3 I a h r e n und zwar sür die Jahre 1913 biS incl. 1915 als SchiedSmänner gewählt worden find.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
I. V.:
Dr. Dietz v. Bayer, RegierungS-Reserendar.
I. A. Nr. 8878.
Bekanntmachung.
Aus Grund der Beschlüsse deS Gesamt-BorstandeS und Ausschusses unserer Anstalt vom 23. November und 8. Dezember vor. JS. wird in
Rotenburg sür die Kreise Rotenburg, HerSfeld, Weisungen und Homberg eine BersicherungS-Kontrollstelle vom 1. Januar k. JS. ab errichtet.
Mit der Führung dieser Stelle ist unser SekretariatS- beamter Schmidt beauftragt worden, welchem für die Dauer seiner dortigen Amtsführung die Dienstbezeichnung
„Landesversicherung S-Jnspektor" zusteht.
Diesem Beamten liegt als Hauptaufgabe seiner neuen AmteS ob, die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Beiträge sür die Invaliden- und Hinterbliebenen-Verficherung aller verficherungSpflichtigen Personen seines Kontrollstellen- bezirkS zu überwachen. Daneben ist ihm außer anderem noch die Ueberwachung der MarkenverkausSstellen und der Rentenempfänger übertragen, sowie die Unterstützung der OuittungS- karten-ÄuSgabestellen empsohlen. Er wird mindestens an einem, noch näher zu bestimmenden Werktage einer jeden Woche in feinem Amtszimmer während der gewöhnlichen Dienststunden für AuSkunstjuchende zu sprechen sein und außerdem an anderen Orten seines KontrollstellenbezirkS, soweit nötig, auch Sprechtage in Verbindung mit der Ausübung der Kontrolle abhalten.
Der LandeSversichnungr-Jnspcktor wird sich bemühen, sein Amt so zu führen, daß er nicht nur als Kontrollbeamter betrachtet, sondern alS gern gesehener Ratgeber bei Arbeitgebern und Versicherten begrüßt wird.
Die VersicherungS-Kontrollstelle ist Organ unserer Anstalt und besitzt die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde. Caffel, den 23. Juli 1912.
LandeSversicherungSanstalt Hessen-Nassau. Der Vorstand. Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau.
* ♦
HerSfeld, den 11. Dezember 1912.
Wird veröffentlicht.
I. V. Nr. 3680.
Königliches Verficherungsamt.
I. A.:
W e f j e l, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 11. Dezember 1912.
Unter dem Schafbestande deS Gastwirt- Adam Hochhaus zu Holzheim ist die Räude amtlich festgestellt worden.
I. 14260. Der Landrat.
I. V.:
Dr. D i e tz v. Bayer, RegierungS-Reserendar.
Der Saatenstand Anfang Dezember 1913. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
BegutachtungSziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 — mittet, 4 — gering, 6 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt schast rc. sowie des Innern oom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — l b 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
noten
für den
Staat
meg.-Bez. ‘ Cassel
(M 70 KC
Winterweizen ,
2,9
3,1
13 2
Sommerweizen .
Wintersprlz (Dinkel) .
2,7
Winterroggen .
2,9
2,9
4 1
Sommerroggen .
Sommergerste .
Hafer . Erbsen
Ackerbohnen
Wicken
Kartoffeln .
Zuckerrüben
WinterrapS u. -Rübsen
2,9
3,0
4 1
Flachs (Lein) .
Klee.....
2,5
2,1
1 5
Luzerne
Wiesen mit künstlicher
Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen . Kutterrüben
Kgl. Preuß. Statistisches LandeSamt. Evert, Präsident.
Belanntmachmlg.
Von dem
Gem«ind<-W<g
Artikel 42, Band 1, Blatt 30, Parzelle 167/121 sind 22 qm entzogen worden, die durch Landwirt Gg. August Peter durch Kauf erworben wurden. Einsprache kann innerhalb 2 Wochen bei dem Unterzeichneten erhoben werden.
Gershaufe«, den 11. Dezember 1912.
Die Wege-Polizei:
Faulhabe r.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
DaS preußische Abgeordnetenhaus hat den Wassergesetzentw u r f in dritter Lesung angenommen. Damit ist ein große- gesetzgeberisches Werk, zu dessen Vorbereitung und Fertigstellung viele Jahre «forderlich waren, seinem Abschluste entgegengeführt worven. Die rastlose Arbeit und der mühevolle Fleiß, die von zahlreichen Kräften für daS Zustandekommen des schwierigen Werkes ausgewandt worden find, erscheinen unbedingten LobeS und der höchsten Aner» kennung würdig. Trotz mancher Aenderungen und Ber- besterungen, die der Gesetzentwurf während seiner parlamentarischen Durchberatung erfahren hat, ist doch die Grundgestalt, in der er seinerzeit auS dem Schoße der Regierung hervorging, wesentlich unüa? u , blieben. ES ist gelungen, die mittlere Linie zu finden, auf der Die vielfach widerstreitenden Interessen von Landwirtschaft und Industrie zum AuSgleich gebracht werden konnten. So darf mit Zuvaficht erhofft werden, daß da- langersehnte Wafsergesetz zum Segen der preußischen Monarchie und bamit Gesamtdeutschland- wirken wird.
Eine Frage der inneren Wirtschaft-- und Verkehr-politik, die schon mehrfach die parlamentarischen Körperschaften beschäftigt hat, stand auch während der BerichtSwoche zu erneuter Verhandlung; eS ist die- die Frage der Verkehrsschwierigkeiten im rheinisch-westfälischen Industriegebiet. AuS der Entstehung solcherSchwinig- keiten der preußischen Eisenbahnverwaltung einen Borwurf machen zu wollen, erscheint absolut unangängig. Die Schwierigkeiten erklären fich auS dem enormen Aufschwünge und der rapiden Entwicklung unsneS Wirtschaftslebens, die niemand vorauSahnen konnte. Handel und Industrie sind von der Schnelligkeit und Größe dieser Entwicklung ebenso überrascht worden wie die VerkehrSverwaltung. Um ein Bild von bet Riesenhastigkeit der aussteigenden Konjunktur zu geben, sei nur an die eine Tatsache erinnert, daß im Eisenbahnbetriebe von 1906 biS 1912 eine Mehreinnahme von 650 Millionen Mark erzielt worden ist. Mit der Promptheit und Energie, die unsere Eisenbahnverwaltung auSzeichnen, find auch von ihr alsbald außerordentliche Mittel ergriffen worden, um den außerordentlichen Umständen gerecht zu werden. ES ist nicht bloß eine beträchtliche Erweiterung des großen BauprogrammS von 1906 inS Auge gesaßt worden, sondern eS soll auch bei den Anlagen, die bereits im Bau begriffen find, die Bauleistung erheblich gesteigert werden. Endlich wird geplant, daS Ruhr- revier an geeigneten Stellen mit Reservoirs zur Aufnahme bet großen Wagenmaffen zu umgeben, die nicht in den Rangier- bahnhöfen ausgenommen werden können. Von allen bieten Maßnahmen steht eine gründliche und dauernde Abhilfe bet hervorgetretenen VerkehrSfchwierigkeiten zu erwarten.
Unter den Ereignissen der auswärtigen Politik, die uns« heutiger Wochenbericht zu verzeichnen hat, steht die S r n e u e - rung deS Dreibünde- obenan. Der zwischen Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien bestehende Bündnisvertrag ist ohne jede Aenderung auf weitete zwölf Jahre verlängert worden. Die Tatsache dieser Erneuerung kommt niemanden überraschend, zumal daS Sxposs des Grafen Berchtold sowie die Ausführungen beS italienischen MinisterS deS Aeußern di San Guiliano und die Erklärungen unseres Reichskanzlers von Bcthmann Hollweg im Reichstage erst kürzlich vor aller Welt festgestellt haben, daß fich die leitenden Staatsmänner der verbündeten Mächte über Ziele und Wege der Dreibundpolitik in vollkommener Uebereinstimmung befinden. Bemerkenswert ist nur der für die formelle Erneuerung gewählte Zeitpunkt. Daß dies gerade im gegenwärtigen Moment geschehen ist, legt den Schluß nahe, daß damit die Solidarität der Dreibundmächte und ihr festes Zufammenstchen gegenüber allen auS der BolkankrifiS fich ergebenden Konsequenzen scharf betont und unterstrichen werden sollte. Die Auffassung wird auch in der ausländischen Preffe vertreten. So schreibt beispielsweise der Pariser „TempS" : „Durch die Erneuerung b»S Dreibundes wird nicht die geringste Aenderung herbeigesührt. Sicher ist nur daS eine, daß die Dreibundmächte durch die vorzeitige Erneuerung deS Vertrages ihre Solidarität in der gegenwärtigen Krisis bekräftigen wollten." Hoffentlich wird diese Solidarität-bezeugung eine wohltätige, die Frieden-- tendenzen fördernde Wirkung haben. E- entspricht bieS durchaus dem innersten Wesen und obersten Aufgaben de-