Sie standen am Fuße der terraffe, und fie blickte ihm mit einer Leidenschaft in dir Augen, die ihm daS heiße Blut in die Wangen trieb. Er wich ihren Blicken auS, er glaubte, ersticken zu müssen. Er, der verwegene Abenteurer, der falsche Erbe, hatte auch die Liebe, die ganze Liebe der edeln Enkelin Sir ElliotS gewonnen I Er saßte nach seinem Kopfe, dann aber beherrschte er sich wieder.
,3$ werde Dir stets ein guter Gatte sein — ich schwöre eS Dir," sagte er mit heiserer Stimme. Und Jsa war befriedigt von dieser Antwort.
AlS fie im Hause verschwunden war, blieb er, die Augen zu Boden gesenkt, noch eine Weile wie angewurzelt stehen. Und als er endlich aufschaute, erschien sein Gesicht bleich und verzerrt im Sonnenschein. An seinen Wimpern schimmerte eS leucht, als er, leise stöhnend, mit der Hand darüber fuhr.
„Bei Gott, eS ist eine Schmach! Solch ein gutes Kind! Sie liebt mich innig, und ich — ich verdiene die Peitsche."
AlS Lionel später am Tage Sir Elliot die freudige Nachricht mitteilte, zeigten seine schönen Züge keine Spur von Erregung mehr. Der ernste Augenblick war wie ein Blitz am dunkeln Himmel verschwunden, der Leichtsinn hatte wieder die Oberhand gewonnen. Sein Lachen klang froh und heiter, als ob keinerlei Schuld sein Gewisten beschwere. Er hatte vcisp:ochen, gut gegen Jsa zu sein, und gedachte, sein Wort zu haften. Im übrigen wäre es zu spät zur Umkehr gewesen, selbst wenn er Verlangen darnach getragen hätte.
„Und schließlich, warum sollte ich auch?" fragte er sich in seinem alten Uebermut. Der alte Herr wünscht diese Heirat, sie trägt zu meiner Sicherheit bei, und Jsa wird nie «fahren, warum ich um ihre Hand warb. Sie ist ein liebes charaktervolles Mädchen, eS wird mir nicht allzuschwer werden meine Rolle durchzuführen."
Sir Elliot war natürlich hoch erfreut über die Erfüllung seines Herzenswunsches. Er wußte gar nicht, waS er alles Jsa zuliebe tun sollte, und bestellte gleich in den ersten Tagen einen HochzeitSschmuck, um den eine Herzogin sie hätte beneiden können. Der Hochzeitstag selbst war noch nicht bestimmt, denn Jsa bat immer wieder errötend: „Ich muß noch ein wenig Zeit haben — ein klein wenig Zeit. Es ist alles so rasch gekommen."
EineS TageS begleitete Lionel seine schöne Braut eine Strecke WegeS noch Denelodge zu, wo fie ihre Freundin Mary besuchen wollte. AlS fie fich auf der Landstraße mit einem zärtlichen Händedruck von einander getrennt hatten, blieb er noch einige Minuten stehen und blickte ihr nach. ES schienen angenehme Gedanken zu sein, die seinen Sinn durchkreuzten, ein Lächeln umspielte seine Lippen.
Kaum hatte er fich wieder heimwärts gewandt, als ein lauter Ruf fein Ohr erreichte. Auf einem Acker zur Rechten stand ein Bauer und winfte und schrie, als ob er ihn vor einer Grsohr warnen wollte. WaS sollte dieS bedeuten?
In der nächsten Sekunde wußte er ek. Ein großer, zottiger Hund mit schaumbedecktem Maul und blutunterlaufenen
Druck und Versag von Lu
Augen rannte hinter ihm aus der Landstraße daher, und zum erstenmal in seinem Leben fühlte Lionel fich von einer namenlosen Angst erfaßt. Kalter Schweiß trat auf feine Stirne, aber trotzdem machte er keinen Versuch zu fliehen. Er blieb ruhig stehen, die Zähne aus einander gebissen, die Muskeln gespannt, und erwartete den Angriff. Rasch wie der Blitz hatte er mit eiserner Hand daS wütende Tier um den Hals gepackt und mit fast übermenschlicher Kraft erwürgt. Dann schleuderte er den Kadaver beiseite und lief, ohne daS Blut von seinen Händen abzuwischen, in rasender Eile den Weg zurück — den Weg, von dem der Hund gekommen war, und den Jsa eingeschlagen hatte. Er war bis auf die Lippen erblaßt, sein Atem kam stoßweise, er schien halb von Sinnen vor Angst.
Endlich erblickte er die weibliche Gestalt, nach der seine Augen überall ausschauten. Sie stand an einem Tor ange- lehnt, totenbleich, mit zersetztem Kleid, eine blutende Wunde an dem zarten Handgelenk.
„Jsa!" riet Lionel außer sich und umschlang daS junge Mädchen mit beiden Armen, „Du bist verletzt! DaS Tier hat Dich gebissen. Mein Gott, warum war ich nicht an Deiner Seite I"
„Nein, nein, ich bin nicht gebissen worden," schluchzte Jso, „ich kroch noch rechtzeitig durch Die Hecke, und an den Zweigen riß ich mich blutig, daS ist alles."
„So bist Du gerettet, mein Liebling! O Gott, ich danke Dir!" sagte Lionel mit tiefer Bewegung.
Jetzt entdeckte Jja daS Blut an feinen Händen und ein Zittern befiel sie.
„Aber Du", keuchte sie „Du, Lionel!"
„ES ist nichts, mein Liebling, ich erwürgte ihn. — Ich fürchtete, er habe Dich gebissen, und — und war toll vor Angst."
Der Cyniker, der die Frauen nur als ein Spielzeug betrachtet, der Abenteurer, der ein tieferes Gefühl bis jetzt nicht gekannt hatte, beugte sein Haupt und das Herz, daS so lange unter dem Wust von Leichtsinn und Gewissenlosigkeit schlajend gelegen, erwachte plötzlich zu voller Liebe.
„Jsa!" murmelte er ergriffen, ihre Hand an seine Lippen führend, „Jsa wie liebe ich Dich!"
Dreizehnter Kapitel.
Nach dem eben «lebten Schrecken fühlte Jsa keine Lust, ihren beabsichtigten Besuch in Denelodge abzustatten. Ihre Nerven waren erschüttert, und fie ging gerne in LionelS Be- gteitung nach Hause zurück.
„Warum liefst Du nicht ebenfalls vor dem Hunde weg?" fragte fie. „Hattest Du keine Zeit mehr? O Lionel, wenn er Dich gebissen hätte I"
„ES kam mir gar nicht in den Sinn, zu fliehen," ent. gegnete er einfach und bet Wahrheit gemäß.
„Du dachtest nur an andere! Wie gut und tapfer Du bist!"
„Nein, ich dachte nur an Dich, mein Liebling. Reiche »g Funks Buchdruck««, HerSfekd. Berimtwortlicher Redakteur
mit keine Sorbeten, die ich nicht betbiene. Ich war in einet Wut, daß ich einen Löwen mit meinen Händen hätte erwürgen können."
Trotz der Erschütterung, die sie durchgemacht, fühlte Jsa sich unendlich glücklich. Jetzt, da die Gesahr gut vorüber war, hätte sie um keinen Preis den entsetzlichen Moment ungeschehen gemacht. Denn LionelS furchtbare Angst und Erregung hatten ihr besser als Worte bewiesen, wie tief und aufrichtig er sie liebte.
(Fortsetzung folgt.)
vermischtes.
— Die Riesenunterschlagungen deS BankierS Jdman von der Volksbank in TammeSfortS haben in ganz Finnland großes Aussehen erregt, da der betrügerische Bankier ein sehr angesehener Bürger und im Besitze verschiedener Ehren- unb Vertrauen-ämter war. Dir unterschlagenen Gelder belaufen sich aus über 5 Mill. Mk. Der Direktor der TammerS- forter Fililale der Nordbank Suelmann, der durch die Fälschungen JdmanS um mindestens 24000 Mk. geschädigt wurde, hat sich erschossen.
— Winnip eg, 9. Dez. Die Verhaftung deS Berliner Bankräubers Bruning und seines HelserShelferS Bormann erfolgte Freitag mittag auf dem Postomte in dem Augenblick, in dem fie einen eingeschriebenen Bries auS der Heimat abholen wollten. Der Bries enthielt 50 000 Mark und trug den von Bruning angenommenen Namen MechtelSheimer. In dem mit Bruning verhafteten Bormann vermutete man anfangs den Berliner Bankdesraudanten 86on Zebell. Bormann konnte sein Alibi nachweisen. Er hatte, als die Unterschlagung in Berlin verübt wurde, bereits längere Zeit auf einer Farm in Manitopa gearbeitet.
— Bochum. 9. Dez. Ein folgenschweres Automobilunglück hat fich in der vergangenen Nacht in der Nachbargemeinde Ricmke zugetragen. In der Dunkelheit rannte aus der Hern« Straße daS mit sechs Personen besetzte Automobil deS Bochumer VaristsS „Wintergarten" gegen eine geschlossene Schranke einer Bahnüberführung der Zechenbahn der Gewerkschaft „Konstantin", zertrümmerte dieselbe und stieß mit dem letzten Wagen deS ZechenzugeS zusammen. Sämtliche Personen deS Kraftwagens wurden auf die Straße geschleudert. Der Chauffeur Heinrich Rainer wurde getötet, da er daS Genick brach; die übrigen Insassen erlitten teil» schwere, teils leichtere Verletzungen.
— PariS, 9. Dez. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat sich in Montpellier ereignet. Dort brach in dem Laden einer Buchhändlers Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff und sich bald über das ganze Gebäude erstreckte. Der Buchhändler, der gelähmt ist, konnte sich nicht mehr in Sicherheit bringen und verbrannte. Drei Frauen find gleichfalls in den Flammen umgekommen, während mehrere andere Personen mit schweren Verletzungen auS dem brennenden Ge- bände herauSgeholt werden konnten.
'»ftiedrich Funk in Her-feld. ' ....." ~