wir i-tzt in ganz anderen Zeiten leben und die Anschürung eineS fanatischen Glaubenskrieges schon gar nicht mehr möglich sei, und man könnte daraus sogar auch weiter folgern, daß von einer Gefährlichkeit der Jesuiten sür daS moderne staatliche Leben auch nicht recht mebr gesprochen werden könne. Diese Meinung wird aber von den StaatSlenkern und der Mehrheit bei deutschen Volkes noch nicht geteilt, deshalb müssen noch gewisse Maßnahmen gegen den Jesuitenorden bestehen bleiben. Zu einer Wiedereröffnung der Kirchenkämpse liegt aber deshalb wohl noch kein Grund vor, da die beiden christlichen Konfessionen in Deutschland vermöge der ihnen gewährten Freiheit in der Ausübung ihres Kultus friedlich nebeneinander leben können.
Der Balkankrieg.
Die Verteilung der Beute.
Den vielen Beispielen der Geschichte, daß sich Sieger über die Beute nicht einigen, fügt jetzt der Balkanbund ein neues hinzu. Die Bulgaren hoben im Verein mit den Serben und Montenegrinern einen Waffenstillstand mit der Türkei geschloffen, die Griechen noch nicht. Möglich, daß sich diese noch anschließen werden. Immerhin sind schon so ernste Zer- würfniffe zwischen Bulgarien und Griechenland zutage getreten, daß der Fortbestand deS BalkanbundeS über den Krieg hinaus höchst zweifelhaft ist. Man nahm bisher an, daß sich die Mitglieder deS Bundes schon bei Begründung desselben über die Verteilung der zu erobernden Gebiete geeinigt hatten. Eine vorläufige Abgrenzung der Interessensphären wird wohl auch vorhanden gewesen sein. Die Heere der Verbündeten haben aber schneller gesiegt und viel mehr türkisches Gebiet erobert, als der Bund selbst vor AuSbruch deS KriegeS er» wartet hatte.
Schon unter alten Freunden würde ein solches Mehr von Eroberungen leicht Hader hervorrufen. Aber unter den Partnern besteht keine alte Freundschaft, gemeinsame Feindschaft gegen die Türkei hat sie erst zusammengebracht. Der ganze Krieg war ein Beutezug, und bei der Verteilung der über Erwarten großen Beute müssen die alten Gegensätze unter den Siegern wieder aufleben.
DaS gilt insbesondere von den Bulgaren und Griechen. Zwischen Bulgaren, Serben und Montenegrinern hat selbst die slawische Raffengemeinschast früher blutige Waffengänge nicht verhindern können. Die Griechen sind keine Slawen, und waS sie mit den Bulgaren gemeinsam haben, die griechisch- orthodoxe Religion, bewies nichts weniger als die Kraft der Annäherung. Vielmehr erstreckten sich die politischen Gegensätze aus daS kirchliche Gebiet, die bulgarische Kirche trennte sich unter einem eigenen Exarchen von dem ökumenischen Patriarchat in Konstantinopel ob, und kirchliche Streitfragen dienten dazu, den Roffenkamps nicht zu mildem, sondern zu verschärfen, gerade in Mazedonien, wo Jahrzehnte lang bulgarische und griechische Gemeinden und Banden mit Mord, Brand und Plünderung gegeneinander hausten. In Bulgarien selbst wurden noch vor sechs Jahren griechische Kirchen und Schulen geschloffen und viele Griechen auSgetrieben.
In keinem Distrikt Mazedoniens gibt eS eine noch Raste oder Religion einheitliche Bevölkerung, überall fitzen Christen und Mohammedaner, oder Serben und Albanesen, oder Bulgaren und Griechen mit Türken gemischt. Dn Frieden wird daS Ende der türkischen Herrschaft besiegeln, aber sehr viel KonfliktSstoff unter dm neuen Herren zurücklasten. Wenn schon der Abschluß deS Waffenstillstands mit der Türkei solche Mißhelligkriten unter den Siegern hervorgerusen hat, so wird erst recht die definitive Veränderung der Landkarte deS europäischen OrientS noch große Schwierigkeiten bereiten.
Die Friedensausfichten.
In London sieht man heute den serbisch-österreichischen Konflikt alS nahezu beigelegt an. Wohl dürfe eS noch einige Tage dauern, bis man eine Formel findet, unter der Serbien das Gesicht wahren kann; aber eS scheint Grund zu der Annahme vorzuliegen, daß die amtlichen Streife in Belgrad sich in die unnachgiebige Haltung Oesterreichs finden und eine weniger feindselige Orientierung gegen Oesterreich anstreben. Für die endliche Ernüchterung SerbienS werden verschiedene Gründe angeführt: Der Druck der öffentlichen Meinung Europas, insbesondere auch Englands, der Bruch zwischen Griechenland und seinen slavischen Verbündeten und schließlich Eifersüchteleien zwischen Serbien und Montenegro. WaS letzteren Punkt anbelangt, so lassen Meldungen aus Belgrad erkennen, daß König Nikita von Montenegro baS Projekt eines serbischen Hafens an der Adria im Hinblick auf eine künstige Nebenbuhlerschaft mit dem montenegrinischen Hasen Antivari mit ziemlich ausgesprochenem Mißtrauen betrachtet.
Die Abberufung deS russischen Gesandten in Belgrad, Hartwig, der allgemein alS der Urheber der österreichisch- serbischen Schwierigkeiten bezeichnet wird, steht einer Petersburger Meldung der „Voff. Ztg." zusolge unmittelbar bevor. Erfolgt sie, bann wird auf einen baldigen und friedlichen AuSgleich deS östeneichisch-serbischen SonfliktS gerechnet.
Einigkeit zwischen Dreibund und Tripelentente.
Wien, 5. Dezember. DaS Fremdenblatt stellt fest, der Dreibund fei aufrichtig und ehrlich bemüht, die Entstehung weiterer Komplikationen aus dem Balkankriege zu verhindern. Bidjlige Anzeichen gestatteten auch den Schluß, daß dir Tripelentente ähnliche Bestrebungen huldige. DaS Fremden- blatt führt weiter für beide Behauptungen eine Anzahl Beweise aus den letzten Tagen an, so vor allem den Vorschlag SreyS, der allseitig sympatisch ausgenommen worden sei, sowie die Auslastungen der Roffija, die zeigten, daß daS offizielle Rußland sich nicht der Einsicht verschließe, daß die gegenwärtig schwebenden Fragen einer friedlichen Lösung entgegen- geführt werden müßten. Schließlich erklärt das Fremdenblatt, man könne danach hoffen, daß die jetzige Krise mit diplomatischen Mitteln gelöst werden würde. Ueberraschungm ernster -^tur scheinen daher, wie die Dinge heute liegen, nur von einer außerhalb der beiden europäischen Mächtegruppen liegenden Seite entstehen zu könnm.
Hiw 31- «Nd Heiland,
Berlin, dm 5. Dezember 1912.
Der Kaiser reiste am Donner-tag nachmittag 1 Uhr 45 Min. nach Bückeburg zu einem Jaadbesuch bei dem Fürsten zu Schaumburg-Lippe. — Der Kaiser hörte heute vormutag im Neuen Paloi« bei PotSdam die Vorträge beS krieg-ministerS Generals bet Infanterie von Heeringen, beS ^htfS deS GeneralstabS der Armee General- der Snfanterie von Wollte und deS Ehest beS MilitärkabinettS Generals bet Infanterie Freiherrn von Lyncker.
Die Anfrage, ob für die gesetzlich vorgesehene Errichtung von Maschinengewehrkompagnien gesorgt ist, hat der Kriegsminister V. Heeringen dahin beantwortet, daß die nach dem Gesetz für 1912 vorgesehenen 114 Kompagnien am
1. Oktober errichtet worden sind. ES handelt sich dabei aber nicht etwa, wie in militärischen Kreisen jetzt hervorgehoben wird, um 114 neue Kompagnien, die unsere Wehrkraft an Maschinengewehren verstärkt hätten, sondern eS sind nur die schon bestehenden Kompagnien, die bisher aus die Infanterie, regimenter angerechnet wurden, auf eigene EtatSfüße gestellt worden. Die Armee hat also von jetzt bis Oktober 1913 kein einziges Maschinengewehr mehr zur Verfügung als auch schon im vergangenen Jahr. Durch die Etatisierung der Maschinengewehrkompagnien erhalten lediglich die Infanterieregiment«, denen die Mannschaften entnommen waren, ihre volle EtatSstärke wieder. DaS muß zur Vermeidung von Irrtümern hervorgehoben werden.
Wie man schreibt, wird demnächst dem Reichstag eine Vorlage der Erhöhung derBeihilsenfürKriegS- t eiln eh mer zugehen. Der Reichstag hat mehrfach den Wunsch ausgesprochen, daß die Beihilfen, die sich gegenwärtig aus 120 Mk. belaufen, erhöht werden. Diesem Wunsche wird die Vorlage ist erster Linie Rechnung trogen. Daneben sollen auch die Bedingungen, unter denen die Kriegsteilnehmer die Beihilfen beziehen, erleichtert werden. Durch die Erhöhungen deS KriegSinvalidenfondS in den letzten Jahren ist eS möglich gewesen, nahezu allen hilfsbedürftigen Veteranen eine Beihilfe zu gewähren. Von den im Deutschen Reich vorhandenen rund 400 000 Kriegsteilnehmern find gegenwärtig rund 250 000 in Bezug einer Beihilfe. Dir weiteren Mittel können daher in erster Linie zu einer Erhöhung der Beihilfen ver- wendet werden. Wenn man annimmt, daß bei 250 000 Beziehern eine Erhöhung der Beihilfen auf 150 Mk. vorge- nommen würde, so ergäbe daS Mehrauswendungen von 7,5 Millionen Mk. Die kommende GesetzeSvorlage wird Maßnahmen vorschlagen, die etwa 8 Millionen Mk. erfordern. Voraussetzung sür die Annahme der Vorlage ist allerdings, da die Mittel aus dem PetroleumhandelSmonopol gewonnen werden sollen, daß die Monopolvorlage zunächst im Reichstag verabschiedet wird.
Der Saatenfland in Preußen zu Anfang No- vember 1912 war nach der „Statistischen Korrespondenz", wenn 2 gut, und 3 mittet bedeutet: Weizen 2.9, Spelz 2.7, Roggen 2.9, Raps und Rübsen 2.9, junger Klee 2.5. In den Bemerkungen der „Statistischen Korrespondenz" heißt eS: Jnsolge der übermäßigen Nässe in den Vormonaten konnten die Felder erst sehr spät geräumt und die Winterbestellung erst spät in Angriff genommen und außerdem nicht hintereinander fortgesetzt werden. Deshalb können die ursprünglich zur Wintersaat bestimmten Aecker jetzt nicht mehr sämtlich bestellt werden. Bei den jungen Weizen- und Roggenfaaten ist eine Befferung eingetreten, indem sie inzwischen mehr eingegrünt find; sie sollen sich aber doch nicht derart entwickelt haben, daß ihnen nach dem jetzigen Stand eine gesunde Durchwinterung jugetraut werden könnte. Eine Besserung wie bei den Getreidesollten ist bei WinterrapS und Rübsen nicht eingetreten. Der junge Klee soll vielfach recht üppig stehen und mitunter schon guten Futterertrag gegeben haben.
Drei Anfragen über Marokko find an den Reichskanzler von den nationalliberalen ReichStagSabgeordneten Baffetmann, Dr. Junck und Frhrn, v. Richthojen gestellt worden. Die erste fragt, ob die deutsche Post in Marokko wirklich aufgehoben wird, die zweite erkundigt fich danach, waS die französische Regierung unter denjenigen „öffentlichen Arbeiten" in Marokko versteht, die sie nicht der vertragsmäßigen öffentlichen Submission unterwerfen wollen. Die dritte bezieht sich auf den Bahnbau Tanger-Fez und auf die Zollbehandlung beS Tabaks, über die ein Einverständnis noch auSstehe.
Die Franzosen haben noch immer mit der „Beruhigung" Marokkos zu tun. Die von Oberst Mangin befehligte Truppenkolonne schlug bei Demnat eine marokkanische Harka und fügte ihr schwere Verluste zu. Die Franzosen wollen bei dieser Affäre nur sieben Verwundete gehabt haben.
H« Provinz u. Naeddargediel.
*(6chalterauSfchant in Gast » und Schank» wirtschaften.) DaS OberverwaltungSgericht hat in einer Entscheidung vom 28 März 1912 folgende Grundsätze über die Frage aufgestellt, .ob ein an Gast- oder Schankwirte gerichtetes polizeiliches Verbot, durch ein sogenanntes Schalter Kleinhandel mit Branntwein und nichtdenaturiertem Spiritus zu treiben, berechtigt fei: Kleinhandel barf nur in denjenigen Räumen, für die er genehmigt worden ist, betrieben werden. 3m übrigen ist bei Kleinhandel betreibenden Gast- und Schank- Wirten zu unterscheiden, ob diese in ihren auf Erteilung der Erlaubnis zum Gast- oder SchankwirtschaftSgewerbe gerichteten Anträgen die Genehmigung zur Ausübung deS Kleinhandels ausdrücklich nachgesucht haben oder nicht. Im ersten Fall trifft die Konzession-behörde in der Konzessionsurkunde auch über den Kleinhandel Bestimmungen; diese find alsdann maß. gebend. Im letzteren Falle begreift zwar nach Preußischem Rechte die Erlaubnis zum Betriebe der Gastwirtschaft, sallS nicht bei der KonzessionSverleihung ein entsprechender Vorbehalt gemacht worden ist, die Befugnis zum AuSschenken von Branntwein und damit diejenige zum Branntweinkleinhandel in sich, und e- enthält auch die dem Schankwirte erteilte vorbchaltSlose Erlaubnis zur Verabreichung geistiger Getränke die Berechtigung zum Kleinhandel. Der konzessionierte Gast- oder Schankwirt barf jedoch die ihm hiernach zustehenden Befugnisse nur innerhalb bet Grenzen der ihm gewährten Gast- oder SchankwittschoftSnloubni» auSüben. Insbesondere ist derjenige, der die gedachten Gewerbe nur in bestimmten Räumen betreiben barf, auch beim Kleinhandel an diese Räume gebunden. Maßgebend sür die Entscheidung der Frage, so fährt daS Urteil fort, ob dn AuSschankvon Branntwein durch ein Schotter die Au-öbung von Kleinhandel in einem genehmigten Räume darstelle, sei allein der Inhalt dn übn die erteilte Konzession ausgefertigten Urkunde. Enthalte diese keinen ausdrücklichen Vermerk über eine Schaltererrichtung, so fei die Benutzung eines Schalters zur Ausübung eines SchankbetriebeS unzulässig. Da durch ben ScholterouSschank dem Alkoholgenuß in unerwünschter Weise Vorschub geleistet wird, werden die nachgeordntten Behörden auf die Grundsätze deS ObnvnwoltungSgnichtS ausmnkfam gemacht, bamit sie die sofortige Einstellung etwa vorhandener unzulässiger Schalter- auSschankstellen veranlassen, widrigensallS die Fortsetzung deS gesamten SchankbetriebeS polizeilich vnhindert werden müßte.
§ Hersfeld, 6. Dezember. (BringtdieQuittungS. larten in OrdnungI) Gelegentlich dn QuittuugS. kartenkontrolle ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die am 1. Januar dS. Jr. in Krast getretenen neuen Bestimmungen über die Markenvnwendung nicht genügend beachtet werden. Im Jntereffe der Arbeitgeber — besonders derjenigen aus dem Lande — wird de-halb daraus hingewirsm, daß bei Dienst
boten, die JahreSkohn erhalten, die Beitrag-marken nicht mehr wie bisher am Schlüsse beS Jahre-, sondern am Schlu sse jedes Kalender.Vierteljahre-, also Ende März, Ende Juni, Ende September und Ende Dezember zu kleben sind. Zur Zeit müssen demnach die Quittung-karten solcher Personen, die ihren Lohn erst am JahreSschlusie empfangen, die Beitragsmarken bis Ende September enthalten. Sofern die Lohnzahlung jedoch wöchentlich, 14tägig oder monatlich stattfindet, hat auch die Markenverwendung — wie bisher — zu diesen Terminen zu erfolgen. Um die Arbeitgeber vor Strafen und Weiterungen zu bewahren, empfiehlt eS sich die etwa noch rückständigen Marken s o s o r t zu verwenden. Hierbei machen wir darauf aufmerksam, daß jede Marke ordnungsmäßig zu entwerten ist. Als Tag der Entwertung ist der letzte Tag deS Zeitraumes anzugeben, für den die Bei« tragSmarke gilt, bei Wochenmarken also stets daS Datum deS EamStagS, bei Zweiwochenmarken dasjenige deS 2. und bei Dreizehnwochenmmken dasjenige deS 13. SamStagS.
):( Hersfeld, 6. Dezember. Einen schönen Ersolg hatte Herr Polizeiwachtmeister Schreiber mit seinem Polizeihund „Lo na". In der Nacht vom 2. zum 3. b. MtS. war einem Einwohner in Steinhaufen ein wertvolles Kaninchen gestohlen worden, woraus „Lona" bestellt wurde. Diese nahm am Tatort die Spur gut auf und ging aus die Nachbargemeinde Steinbach loS. Hier ging sie in ein Gehöft und verbellte die verschlossene HauStüre, woraus diese sich öffnete und der Besitzer mit den Worten erschien: „Ihr sucht den Hasen, hier ist er" Der Bestohlene konnte nunmehr sein noch lebendes Kaninchen wieder in Empfang nehmen.
):( Hersfeld, 6. Dezember. Am nächsten Sonntag den 8. d. MtS. sind die osfenen Verkaufsstellen bis abend- 7 Uhr geöffnet.
):( Hersfeld, 6. Dezember. Die seit Jahren steigen- den Vieh- und Fleischpreise geben Veranlassung, alle Mittel zu ergreifen, die eine Verbesserung der Verhältnisse herbeizuführen vermögen. Hierzu gehört u. a. auch die weitgehendste Einsührung der Kaninchenzucht. Um diese auch in unserer Gegend zu förbern, veranstaltet der hiesige Konincden- zuchtverein am Sonntag im Hotel Stern eine öffentliche Versammlung. Da baS Thema über den zu haltenden Vortrag — siehe Inserat — von allgemeinem Jntereffe ist, dürfte eine Beteiligung aller Kreise geboten erscheinen und wollen wir nicht versäumen, hieraus nochmals hinzuweisen.
8 Hersfeld, 6. Dezember. DieSchaufenster fangen nach und nach sämtlich an, sich mit WeihnachtSwaren zu füllen. E n Gang durch die Straßen, der besonders abends recht interessant und abwechselungSreich ist, zeigt unS überall, mit welchem Eifer unsere Lodeninhaber dem Publikum die Auswahl zu erleichtern suchen. Die größte Freude löst natürlich stets die AuSlage eines Spielwarengeschäfts auS, vor beffen blanken Scheiben die Jugend sich meistens geradezu beängstigend zu stauen pflegt. Aber auch die KonfektionS- mit Winterkleidung und Pelzwaren werden gern angeschaut. Kehrt man später, wenn die Füße anfangen kalt zu werden, in daS behaglich durchwärmte Heim zurück, so gibt eine kräftige Tasse Kaffee und die Lektüre der Abendzeitung zusammen mit dem vorher Geschauten eine recht gemütliche Stimmung, in der weitgehende Pläne für WeihnachtSeinkäuse sich ganz von selbst einstellen. Hoffen wir, daß unsere Geschäftswelt auch in diesem Jahre ihre Erwartungen erfüllt sieht.
§ Hersfeld, 6. Dezember. In den Zeitungen erscheinen seit einiget Zeit Ankündigungen, in denen ein Stopfmittel deS Dr. L. Bertram Hawley oder der New. Aork Medical Co. mit marktschreierischer Reklame angepriesen wird. Die' amtlichen Ermittelungen haben ergeben, daß Dr. L. B. Hawtty der Leiter deS in Paris, Rue de I Jsby No. 9 befindlichen Zweiggeschäfts der New. Aork Medical Compagnie in Röchest« (Staat New. Jork) ist und daß noch eine Filiale in Mailand Via Torine No. 21, unterhalten wird. DaS an», gepriesene Stopfmittel erscheint für die angebliche Kropfheilung ungeeignet und die sehr kostspielige Behandlung völlig wertlos. In ärztlichen Kreisen sind Heilungen von Kropfleiden durch daS Hawley'sche Mittel nicht bekannt geworden. Auch in Frankreich wird daS Unternehmen von Fachleuten alS schwinde!» hasteS Kurpsuschergeschäst betrachtet.
DT. Frankfurt a. M., 5. Dezbr. Nach Unterschlag- ung non mehreren tausend Mk. eigenmächtig einkassierter Gelder ist der bei einer Kohlenhandlung beschäftigte Arbeiter Georg Hettler flüchtig geworden und hat Frau und Kind« in Not zurückgelassen.
Hundshause«, 4. Dez. Ein recht betrübender Unfall hat sich im hiesigen Orte zugetragen. Bei einem hiesigen Landwirt hat eine Kuh gekalbt, die Frau deS HauseS war dabei behilflich, ohne eine an der Hand befindliche Wunde zu beachten. Plötzlich schwoll der Arm bedenklich an, dann der andere. Der Arzt Dr. HyronymuS in JeSberg schnitt beide Arme auf und ordnete dann schleunige Ueberführung nach der Anstalt Hephata an. Man befürchtet, daß die arme Frau die Folgen der Blutvergiftung nicht überstelln wird.
Heiligenstadt, 3. Dezember. Heute vormittag brach im benachbarten Bremke in der Wohnung beS Arbeiters Aug. Meyer Feuer auS. Die Eheleute Meyer waren zur Arbeit in den Wald gegangen und hatten ein 372 und ein 1 Jahr altes Kind bei der Großmutter zurückgelassen. Während sich diese nun auf längere Zeit auS dem Hause entfernte, ging baS ältere Kind an den Ofen und die Kleider fingen Feuer. AlS die Großmutter zurückkam, war daS HauS voll Rauch und daS älteste Kind lag in der Stube stark verkohlt tot auf dem Fußboden. DaS kleinste Kind war noch am Leben.
Mühlhanfe« i. Thür., 3. Dez. Selbstmoid beging hin ein 16jähriger Oberrealjchüln. Dn Grund dürfte darin zu suchen sein, daß er wegen einer schlechten Zensur befürchtete, Ostern daS Einjährigenzeugnis nicht zu erhalten. Er hatte vor kurzer Zeit an einem Mittelohikatorrh gelitten, wodurch sein Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wurde, und dürfte in geistiger Umnachtung gehandelt haben.
Maiuz, 5. Dezember. Dn 63jährige Maurer Lang auS Alzey, der in angetrunkenem Zustande feinen von der Verlobung heimkehrenden Sohn mit einem Messer erstach, wurde vom Mainzer Schwurgericht zu 2 Jahren Gefängnis verurteitt.
DT. Darmstadt, 5. Dezember. Eine Wilddieb-geschichte auS Binnheim, in deren Verlauf bet Feldschütz Ecknt von dem 25 Jahie alten Kesselschmied Karl Sponagel erschossen wurde, beschäftigte heute daS Darmstädter Schwurgnicht in einer bis zum späten Abend dauernden Sitzung. Am 8. September wurde der Angeklagte mit feinem Vater und dem Maurer Anton Ebner auS HeddeSheim bei Mannheim durch den Feldschütz Eckert im Felde beobachtet. Der Hauptbeschuldigte Karl Sponagel Hot nun, alS sie sich entdeckt sahen, auS einer Entfernung von 100 bis 150 Metern mit einer Pistole rasch hintereinander drei Schüsse auf Eckert abgegeben, die diesen schwer verletzten und schließlich seinen Tod herbei- führten. Den ersten Echrotschuß Hot er abgegeben, um ben Feldschütz abzuschrecken. Er nahm die Pistole in beide Hände und schoß zunächst über ihn hinweg. Beim zweit n Schuß