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herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage".

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 143.

Sonnabend, den 30. November

1912.

Die heutige Nummer umfaßt 10Seiten.

Erstes BlaU

Äetlicb« teil.

Hersfeld, den 26. November 1912.

Die Erledigung meiner Verfügung vom 5. November d. 38. V. 3370 KreiSblatt Nr. 136, betreffend Einsendung der Aus­nahmekarten für die Angestelltenversicherung an die ReichS- VersicherungS-Anstalt, wird hierdurch in Erinnerung gebracht, und der Bericht bi? zum 2. Dezember d. 38. bestimmt erwartet.

V. 3370. Der Landrat.

3. V.:

Weisel, Kreissekretär.

Hersfeld, den 27. November 1912.

Der Landwirt Valentin Neuber auS BeierShausen ist von mir als Fleischbeschau« und Trichinen schauer für die Gemeinde BeierShausen bestellt und am 26. November d. 38. eidlich verpflichtet worden. Meine Verfügung vom 15. April d. 38. I. 4203, KreiSblatt Nr. 50, setze ich wieder außer Kraft. I. 13768. Der Landrat.

3. V.:

Dr. Dietz v. Bayer, RegierungS-Referendar.

? nichtamtlicher teil.

Der Balkankrieg.

Die politische Lage.

Die8. N. N." schreiben: Wenn man die Stimmen, die behaupten, eS sei eineEntspannung" der Situation ein­getreten und die anderen, die da meinen, eS sei alles beim alten, gegeneinander abwägt, so läßt sich jedenfalls sagen, daß keine Verschlimmerung der Situation zu verzeichnen ist. An Stelle der bisherigen Dementis sind sogar mehrere Be- schwichtigungSmomente zu nennen, die sicherlich ihren Eindruck nicht verfehlen und der kopflosen und eines selbstbewußten Volke? unwürdigen Angst um die Spargroschen ein Ende machen werden und dasür der ruhigen Erwägung wieder Zu­gang verschaffen, daß auch in KriegSzeiten die Ersparnisse nirgends besser aufgehoben sind, alS in den Sparkassen. Hier steht an erster Stelle ein Eingreifen des Reichskanzler? selber. Andererseits find die sür den KriegSzustand berechneten Gesetze, die in Oesterreich offiziell angekündigt werden, die Zeichen dasür, daß Oesterreich auf alle Fälle, auch über die gegen­wärtige Krisis hinaus, gegen einen Angriff von außen gerüstet sein will. Auf dem Kriegsschauplätze selber zeigt die Ein­berufung der JahreSklasse 1914 auf bulgarischer und die Heranziehung aller noch nicht im Felde stehenden Reserve­offiziere aus serbischer Seite, daß die militärische Krast auf Seiten der Balkanstaaten doch sehr geschwächt sein muß durch die riesenhaften Verluste dieses Krieges, so laut die bulgarische Regierung jetzt auch bestreiten mag, daß ihre Armee keineswegs schon 90100 000 Mann an Toten und Verwundeten vcr- loten habe. Die Quelle für jene Mitteilung war so zweiselloS, daß dieses Dementi nicht viel besagen will. Mit der ver­minderten militärischen Leistungsfähigkeit der Balkanstaatcn steigt selbstverständlich auch die AuSsicht auf eine Erhaltung deS Friedens.

Gegen die besonder? in Ostpreußen hervorgetretene massen­weise Abhebung von Guthaben bei den Eparkaffen richtet sich eine Mahnung deS Reichskanzler?, über die au? Königsberg berichtet wird:

Bei dem hiesigen Oberpräsidium ist ein Telegramm des Reichskanzlers eingegangen, in welchem der Oberpräsident ge­beten wird, der anscheinend in der Provinz herrschenden KriegS- aufregung, die durch nichts gerechtfertigt sei, entgegenzutreten. Die alarmierenden Nachrichten über angebliche KriegS- Vorbereitungen dies- und jenseits der preußisch-russischen Grenze entbehrten jeder Grundlage. Von deutscher Seite seien keinerlei besondere militärische Maßregeln ergriffen worden, auch seien bisher hier keine Nachrichten über russische militärische Maß. nahmen eingegangen, die deutsche Gegenmaßregeln veranlaßt hätten.

Wien, 28. November. DaS Fremdenblatt schreibt: In der öffentlichen Meinung machen sich seit einiger Zeit Zeichen einer immer steigenden Bewegung bemerkbar. Die intransigenten Erklärungen deS serbischen Ministerpräsidenten, die an auf­regenden Zwischenfällen so reiche Angelegenheit deS Konsuls ProchaSka und die aufreizende und gehässige Sprache der nationallistischen Preffe SerbienS gegen Oesterreich-Ungarn haben eS verursacht, daß ein Gefühl des lebhaften Unwillens in der Monarchie zutage tritt. So begreiflich, so verständlich dieser Unmut weiter Kreise der Bevölkerung ist, darf die Re­gierung eines GroßstaateS sich nicht allein von den Impulsen der öffentlichen Meinung leiten lassen, sie dars sich nicht von

den fest vorgezeichneten Richtlinien ihrer Politik abdrängen lasten. Oesterreich-Ungarn hat nirgends störend in die kriegerischen Operationen eingegriffen und wünscht ein gedeih­liches Ende der Friedensverhandlungen. DaS Blatt bezeichnet die Behauptungen eine? Teiles der ausländischen Presse von einer Ermunterung der Türkei zur Fortsetzung deS KriegeS seitens Oesterreich-UngarnS als leichtfertige und böswillige Erfindung. Oesterreich-Ungarn bewies den Balkanstaaten ein wohlwollendes Entgegenkommen, das gewiß auch vollaus an­erkannt und gewürdigt wurde. Diese Haltung der Monarchie berechtigt zu der Annahme, daß die Bemühungen Oesterreich- UngarnS, mit den Balkanstaaten in die freundschaftlichsten, besten Beziehungen zu treten, nur dann von Erfolg begleitet sein können, wenn diese Bemühungen nicht einseitige bleiben, sondern auch von feiten der Balkanstaaten in demselben Sinne Oesterreich-Ungarn gegenüber gehandelt wird.

Eine Einigung der Mächte in Aussicht.

In einem inspirierten Berliner Telegramm bemerkt die Kölnische Zeitung" zur gegenwärtigen politischen Situation, daß, nachdem die Türkei mit den Balkanvölkern Frieden ge­macht, rechtmäßigerweise die gesamten zu lösenden Fragen gemeinsam behandelt würden. Die albanesische Frage ist, wenn man den sonst zuverlässigen Meldungen glauben dürfe, bereits grundsätzlich im Sinne der Autonomie dieses Landes gelöst. In der Frage deS serbischen AdriahasenS stehe den serbischen Wünschen die Ungeneigtheit der Mächte gegenüber, die gesamten serbischen Ansprüche zu ersüllen. Jedenfalls dürfte, nachdem bisher Einmütigkeit in dem Gedankenaustausch jestgestellt ist, eine Garantie für eine friedliche Lösung bestehen.

DieKölnische Zeitung" schreibt ferner an leitender Stelle zu den Gerüchten von e»- ^-Zwiespalt zwischen den Dreibund- mächten und dem Dreimächteverband:

ES herrscht, im Gegensatz zu den Anschauungen in Konstantinopel, bei allen Kabinetten der ernste Wille, durch gemeinsame Arbeit einen Weltbrand zu vermeiden, und man dars sagen, daß die Bemühungen für die Erhaltung deS FriedenS in den letzten Tagen Fortschritte gemacht haben. Wenn die Pforte sich durch die Alarmgerüchte täuschen läßt, und ihre Augen für den Ernst der Lage verschließen sollte, so würde sie eine üble Enttäuschung erleben."

Die in der letzten Zeit wiederholt aufgetauchte Idee der Einberusung einer Botschaster-Konserenz zur Lösung der Balkansrage hat jetzt, wie derLok.-Anz." berichtet, endlich feste Gestalt angenommen. Sir Edward Grey, der britische Minister deS Aeußcrn, hat den Großmächten einen dahin­gehenden Vorschlag unterbreitet, und zwar möchte er die folgenden drei Fragen aus einer in einer europäischen Haupt­stadt abzuhaltenden Botschaster-Konserenz zur Beratung gestellt wissen: 1. die albanische Frage, 2. die Frage der Aegäischen Inseln und 3. die Meerengensrage. Der austro-serbische Adria- konflikt soll auf dieser Konferenz unerörtert bleiben.

Die falsche französische Mobilmachung.

PariS, 28. November. Die gestrige versehentliche Mobilmachung im Grenzkanton Arracourt verursacht nach­träglich Heiterkeit und auch Besricdigung, da der Irrtum die Schlagfertigkeit der Truppen und den PatriotiSmuS der Grenz- bevölkerung dargetan habe. Die wirkliche Probemobilmachung in der Gegend von Belsort, TroyeS usw. dauerte den ganzen Tag bis abends 11 Uhr und rief an der Grenze lebhafte Unruhe hervor, sowie einen eifrigen Depeschenwechsel mit PariS, da die Zeitungen deS OrteS Nähere? über die Ursachen deS Ereignisses wissen wollten. Im KliegSministerium soll große Besricdigung über den glatten Verlaus der Probe herrschen. Selbst chauvinistische französische Kreise erkennen Deutschlands Verdienste an bei Begleichung der serbisch-österreichischen Differenz und glauben, daß das relative Einlenken SerbienS einesteils dem europäischen Drucke in Belgrad, zum andern Teil der Notwendigkeit zuzuschreiben fei, zahlreiche Truppen nach Tschataldscha abzusenden, wodurch der westliche Teil der Balkanhalbinsel von Truppen entblößt werde. Der Belgrader Korrespondent deSMatin" drahtet, Pasitsch habe ihm gestern gesagt:Wir machen auS dem Besitze DurazzoS keine conditio sine qua non."

Weiter wird auS PariS noch berichtet: Die in der An­gelegenheit der irrtümlichen Mobilisierung angeordnete Unter­suchung hat ergeben, daß die Schuld an dem Irrtum den Postmeister von Arracourt, Desraut, trifft. Dieser erhielt in der vergangenen Nacht ein amtliche? Telegramm, in dem er beauftragt wurde, den Gendarmen und Zollbeamten gewisse Weisungen betreffend die Mobilisierung zu übermitteln. Infolge eines Mißverständnisse? teilte jedoch der Postmeister den Gendarmen und Zollbeamten jene Weisungen mit, denen zu­folge eine tatsächliche Mobilisierung vorgenommen wurde. Desraut, gegen best eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden ist, wurde vorläufig seines AmteS enthoben.

Aus Jn* und Ausland.

Berlin, den 28. November 1912.

Der Kaiser, Fürst Fürstenberg und die Jagdgesellschaft begaben sich heute vormittag zur Jagd nach der Brugger Halde. DaS Frühstück wurde im Freien eingenommen.

Der Seniorenkonvent deS Reichstages hat beschlossen, daß spätesten? am 13. Dezember die Weihnacht?- sericn beginnen und bi? zum 8. Januar dauern. Fall? morgen die Besprechung der TeuerungSinterpellation und de? § 33 a der Geschäftsordnung zu Ende kommt, wird am Sonnabend der Gesetzentwurf über SchiffSzusammenstöße und Kindersaug- flaschen behandelt werden. Am Montag soll der Reich?- haushalt?etat mit Besprechung der auswärtigen Etat? in Angriff genommen werden. Freitag und Sonnabend nächster Woche sind dem Petroleummonopolgesetzentwurf Vorbehalten. Vor Beginn der WeihnachtSserien sollen dann noch die fort­schrittlichen Interpellationen über da? KoalitionSrecht der Staatsarbeiter und die Aenderung deS Postscheckgesetzes be­sprochen werden.

Der BundeSrat faßte zu der von der bayrischen Re­gierung verlangten Definierung der OrdenStätigkeit der einzelnen Jesuiten, den Beschluß, daß ihnen im Sinne der Bunde?- ratSverordnung vom 5. Juni 1872 jede priesterliche oder seelsorgerische oder rednerische Tätigkeit, dritten gegenüber verboten bleibt, abgesehen vom Spenden der Sterbesakramente, stillen Messen und Primizmeffen, wenn diese im Rahmen einer Familienfeier stattfinden. Darnach find die Jesuiten auch von jedem Vortrage und jeder Konferenz, auch wenn sie daS religiöse Gebiet berühren, einerlei ob sie im kirchlichen oder einem prosanen Raum stattfindet, verboten. Vorträge wissentschastlicher, religiöser oder anderer Art, die daS religiöse Gebiet nicht berühren, sowie jede schriftstellerische Tätigkeit find gestattet. Nach diesem Beschlusse ist die Ausübung der Seelsorge, die im Auftrage des PsarramtS nach dem bayrischen Erlaß gestattet sein sollte, verboten.

AuS Schneidemühle wird berichtet: Ein s chw c r eS Eisenbahnattentat wurde hier in der Nacht zum Donnerstag aufgedeckt. Als ein Streckenwärter gegen 1 Uhr nachts die Berliner Strecke revidierte, machte er die Wahr­nehmung, daß aus offener Strecke eine 15 Meter lange Schiene gelöst worden war. Die Verschraubung an der Schiene war beseitigt worden. Der Wärter benachrichtigte sofort den StationSbeamten, der dann den zur Abfahrt bereitstehenden Berliner Eilzug noch im letzten Augenblick zurückhielt. Der Eilzug und die beiden nachfolgenden Züge erlitten Ver­spätungen. Man nimmt an, daß c? sich um ein politische? Attentat handelt, da daS deutsche Kronprinzenpaar ursprünglich beabsichtigt hatte, mit diesem Zuge von Danzig nach Berlin zu fahren. In Wirklichkeit wurde die Reise aber erst am Donnerstag vormittag mit dem Nordexpreßzug ausgeführt, da die Kronprinzessin in Danzig an einer Erkältung erkrankt war. Vielleicht gelingt eS der Untersuchung sestzustellen, ob daS Attentat den ihm zugeschriebenen politischen Hintergrund hat.

Der BundeSratSausschuß für auswärtige An­gelegenheiten ist gestern zusammengetreten und hat einen ein­gehenden Vortrag des Staatssekretär? v. Kiderlen-Wächter entgegengenommen. DerTäglichen Rundschau" zufolge hat sich der Staatssekretär über die auswärtige Lage beruhigend geäußert und weitere kriegerische Verwicke­lungen alS durchaus unwahrscheinlich bezeichnet. Ueber die auswärtige Politik wird sich der Reichskanzler wie ver­lautet voraussichtlich am folgenden Dienstag im Reichstag gelegentlich der ersten EtatSberatung auSsprechen.

Wie der Deutsche Telegras von zuverlässiger Seite erfährt, sind die Eisenbahnviadukte bei Görlitz, Licgnitz, Hirschberg und Bunzlau, sowie andere strategisch-wichtige Punkte der schlesischen Bahn einem Wachtkommando unterstellt worden, daS diese Punkte bei Tag und Nacht aus? Schärfste zu be­wachen hat. Wenn auch die Gerüchte über ein angeblich von russischen Emissären geplanten Attentate? sowie alle übrigen Gerüchte von Truppenbewegungen usw. in da? Reich der Fabel zu verweisen sind, so würde c? sich immerhin um eine der Maßregeln handeln, wie sie für den Fall der Mobilisation vorgesehen sind. Auch zur Sicherheit der Bahnpost und deS Verkehr? auf den größeren Bahnhöfen in Schlesien ist ein besonderer Dienst eingerichtet worden.

AuS London, 28. November, wird gemeldet: Der englische Marineminister Churchill hat gestern im Unterlaufe zugegeben, daß Deutschland allen anderen Nationen im Bau von Lustschissen deS starren Systems voraus ist. DaS war hier längst bekannt. Trotzdem tut heute morgen ein Teil der Preffe so, als handele eS sich um eine plötzliche für England gefahrvolle Offenbarung. Außerdem zeigt man sich darüber erstaunt, daß der erste Lord der Admiralität immer noch keine Auskunst darüber geben konnte. waS eS mit dem fremden Luftschiff, daS vor einigen Wochen über Ehcrneß Hinwegsuhr, für eine Bewandtnis habe. Auch was bei der Besprechung dieser Angelegenheit sonst zutage gefördert wurde, gibt heute morgen zu allerlei für die Regie­rung wenig schmeichelhaften Bemerkungen in der Preffe Ver­anlassung. Die Armee hat nur fünf Flugmaschinen, weitere fünfzehn sind allerdings bestellt worden. Das ganze britische Heer verfügt nur über 26 Piloten, aus die eS sich im Kriegs­falle verlassen könnte. ES wird geltend gemacht, daß die Fliegekunst längst über die Zeit bloßen Experimentieren? hinaus sei, und daß die KriegS- und Marinemmisterien deshalb keine Entschuldigung mehr für ihre Rückständigkeit hätten. Zu gleicher Zeit erläßt Lord Robert? wieder einen seiner ihm zur Gewohnheit gewordenen Unkenrufe, die in der Jingopreffe ein