erlitt gestern der Lohn der Landwirt- Müll«, der bei der Dreschmaschine beschästigt war, eine hochgradige Blutvergiftung. Durch eine Wunde an der Hand sollen nach dem Gutachten deS Arzte- Giftkeime vom Haser, welche sich diese- Jahr infolge der Nässe in demselben befinden, die Vergiftung her- beigesührt haben.
Rotenburg, 20. Nov. Am vorigen Sonntag hielt die Hessische Bauernpartei unter dem Vorsitze deS Landwirt- Cornelius Trieschmann in Bebra eine BertrauenSmännervrrsamm- lung ab, welche von ca. 100 Vertrauensmännern aus den verschiedensten Gegenden deS HefienlandeS besucht war. Anwesend war auch der Vorsitzende deS Deutschen BauernbundeS, Hos- besitzer und früherer Reich-tag-abgeordneter Wachhorst de Wente. Einstimmig wurde der Anschluß an den Deutschen Bauernbund beschlossen. Dieser Beschluß ist um so bemerkenswerter, als sich beim letzten ReichStagSwahlkampfe im Wahlkreis Homberg-Fritzlar-Ziegenhain die Kandidaten deS BauernbundeS und der Bauernpartei als Gegner gegenüberstanden. Bekanntlich hat dann auch der Kandidat deS deutschen BauernbundeS, Hestermann, den Wahlkreis erobert. In der obigen BertrauenS- männerverfammlung wurde auch einstimmig beschlossen, den Landwirt Cornelius Trieschmann zu Oberellenbach (Kreis Rotenburg) als Kandidaten für die bevorstehende Landtagswahl im Kreise Rotenburg-HerSfeld auszustellen. Es werden sich dadurch nun 3 Kandidaten um daS Mandat bewerben, der bisherige Abgeordnete Landrat Tuercke, Rotenburg (konservativ), Professor Arndt, Franksurt a. M, (nationalliberal) und Landwirt Cornelius Trieschmann. Oberellenbach (Deutscher Bauernbund). ES ist aber auch damit der seltsame Fall ge« gegeben, daß zwei sich nahestehende Parteien, Nationalliberale und Bauernbund, eigene Kandidaten ausstellen. JedensallS steht ein heftiger Wahlkamps bevor.
Fulda, 20. Nov. DaS 6jährige Töchterchen einer hiesigen Bahnbeamten zog sich gestern abend durch eigene Unvorsichtigkeit am Ofen derart schwere Brandwunden zu, daß eS heute vormittag seinen Verletzungen im LandkrankenhauS erlag.
Schmalkalden, 19. Nov. Im benachbarten Schnellbach stürzte am Sonnabend spät abends der in den 50er Jahren stehende Kistenmacher Fr. Rosenbusch in seinem Hause, wahrscheinlich insolge eines Fehltritte-, im Dunkeln die Treppe hinab. Der Mann schlug mit dem Kops aus die Steinplatten im Hau-flur und blieb besinnungslos liegen. Ohne wieder zu sich gekommen zu sein, starb er.
Marburg, 19. Nov. Gestern gegen 9 Uhr vormittags beim Rangieren des GüterzugeS 7972 auf Bahnhof Carlshütte wurde infolge AuSgleitenS dem Schaffner Kühn aus Marburg daS linke Bein abgesahren. Nachdem ihm der Notverband angelegt war, ist er mittels SonderzugeS nach Marburg in die Klinik gebracht worden und dort nachmittags verstorben.
Darmstadt, 21. Nov. Die gesamte Darmstädter Studentenschaft saßte in einer großen Versammlung aus Antrag deS Vorsitzenden deS Au-schuffe- der Studierenden einen Beschluß, den FestkommerS aus Anlaß deS Geburt-tageS de- GroßherzogS zum Zeichen der Trauer und tiefen Entrüstung über den Tod deS Studenten Alsred Weißer auSsallen zu lassen.
Bad Brückeuau, 18. Nov. Eine schwere Bluttat hielt die Gemüter in dem Orte Mainberg in Ausregung. Der 26jährige Arbeiter I. Kreb verletzte ohne triftigen Grund nach Schluß eine- Tanzvergnügens zwei Einwohner namens Weck und KrauS durch Mefferstiche in die Bauchgegend lebensgefährlich. Ein dritter Bursche kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Messerheld ging flüchtig. — Großseuer äscherte in .dem Orte Schönau 7 Scheunen ein. Der Brand war in der Scheune deS Landwirts Geßner auSgebrochen und verbreitete sich mit unheimlicher Schnelligkeit, weil die großen Futtervorräte ihm reiche Nahrung boten. Trotz eifrigster Bemühung der rasch Herbeigekilten Feuerwehr waren in kürzester Zeit 7
Scheunen vom Feuer ngriffcn. Ueber die EntstehungSursache ist noch nichts bekannt.
Kranichfeld (S.-Meiningen), 21. Nov. Die von dem flüchtigen Bürgermeister Emil Scherff verübten Veruntreuungen haben einen viel größeren Umfang, al- man zuerst annahm. Er hat sich nicht nur bei den städtischen Rossen die gröblichsten Verfehlungen zuschulden kommen lassen, sondern auch in seiner Eigenschaft als Direktor des seit 40 Jahren bestehenden Kranichselder Bankvereins (A.-G.) seit Jahren Unterschlagungen in Höhe von etwa 100 000 Mark begangen. Der Bankverein hat daraufhin den Konkurs anmelden müssen, und auch daS eigne Schnittwarengeschäft ScherffS mußte behördlich geschlossen werden. Für die Verhältnisse und Größe deS Vertrauen- der Einwohnerschaft ist die Tatsache bezeichnend, daß feit dem Jahre 1903 keine Revisionen der Kassen und Bücher der Bank durch den AuffichtSrat stattgesunden haben. Auch Wechselfälschungen sollen vorliegen. Scherff, der vermutlich daS AuS- land erreicht hat, war Mitglied deS KreiSauSschufieS, Haupt- mann der Landwehr und Angehöriger der Loge zu Meiningen. Ob auch die Gothaer Feuerversicherung-gesellschaft, deren Vertreter Scherst war, in Mitleidenschaft gezogen ist, konnte noch nicht sestgestellt werden. Vielleicht hätte Scherst seine Betrügereien noch jahrelang fortgesetzt, wenn im Sommer d. I. nicht die Tannrodaer Emaillefabrik (Seidel u. Co.) Konkurs gemacht und im Lause deS KonkurSversahrens sich herauS- gestellt hätte, daß Scherst den Inhabern ohne jede Sicherheit 57 000 Mark aus der Kaste der Bank auSgeliefert hat. Nach Bekanntwerden dieser Tatsache sah man sich vor etwa 14 Tagen veranlaßt, endlich eine Revision der Bank vorzunehmen. In seiner Eigenschaft alS Bankdirektor hat Scherst hauptsächlich die Landbevölkerung betrogen.
Göttiugeu, 19. Nov. Ein schweres Unglück hatte der Topfwarenhändler Dreyer aus AlverShausen aus einer Ge- schäst-tour. Irrtümlicherweise geriet er in der Dunkelheit mit seinem Gespann aus einen Koppelweg. Dort geriet er in eine Grube, so daß er mit seinem Gespann versank. Dreyer sowie sein Pferd wurden am anderen Morgen tot aufgesunden.
Göttingen, 18. Noo. In RittmarShausen sind in der letzten Nacht die sämtlichen zu dem Eduard Schneemannschen Gut gehörigen Wohngebäude, Stallungen und Scheunen bis aus den Grund niedergebrannt. 87 Schase und 320 Stück Federvieh kamen in den Flammen um, daS Großvieh und die Schweine konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Entstehung des RiesenbrandeS ist aus Selbstentzündung von feucht eingebrachtem Stroh zurückzuführen.
Durch die Lupe. Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.
Immer noch zum Kriegsschauplatze — ist der Menschheit Blick gewandt, — täglich neue KriegeSgreuel — toben dort mit rauher Hand, — in dem Rest deS tückschen Heere-, — das dem Untergang schon nah', — wütet, wie man unS berichtet, — nunmehr auch die Cholera, — schlimmer alS des FeindeS Kugel — wirkt der Seuche tück'jche Kraft, — tausende Soldaten werden — täglich dort hinweggerafft. — Da auS dem bulgar'schen Lager — keine Nachricht mehr gelangt, — nimmt man an, daß auch von diesen — schon ein großer Teil erkrankt, — ja, eS scheint, der SiegeSjubel — wird in Sofia noch flauer, — künden erst Bulgariens Heere — die Verluste einst genauer, — denn bedenklich scheint eS doch, — daß sich die Bulgaren noch — wie zu Anfang ständig weigern, — für die Presse anzugeben, — waS der Krieg auf ihrer Seite — fortgerafft an Menschenleben. — Die Tscha- taldschalinie wird — vorderhand noch brav gehalten, — in Adrianopel auch — bleibt wohl alles noch beim alten, — zwar in Strömen fließt daS Blut, — doch man kämpft mit
Heldenmut — und so glückte eS den Heeren, — sich «folgreich noch zu wehren. — Serbien läßt sich nicht belehren, — daß eS gar zu viel verlangt — und weil man in Oesterreich lange — mit der Kriegserklärung schwankt, — wird bet Serbe täglich kühner, — ändert er sich hierin nicht, — greift auch Oesterreich zu den Waffen, — wie er für sein Anseh'n Pflicht, — Rußland- Hilfe, die erhoffte — ist den Serben ungewiß — und, wer weiß, für König Peter — endet dann mit Bitternis — dieser Krieg, der für die Serben — so verheißend einst begonnen — und vielleicht dann heiß eS noch:
— wie gewonnen, so zerronnen. Walter-Walter.
Letzte nachrichten.
Der Balkankrieg.
Konstontinopel, 21. Nov. Auch heute wurden Kanonenschüsse gehört, ein Beweis dafür, daß der Artilleriekamps und da- Bombardement durch die Flotte fortgesetzt werden. — Dem Kommandanten von Adrianopel Schuki Pascha soll der Titel Ghazi, d. h. Der Siegreiche, verliehen worden fein.
Sofia, 21. Nov. Letzte Nacht näherten sich 40 Meilen von Varna zwei bulgarische Torpedoboote dem türkischen Kreuzer Hamidie und feuerten Torpedos ab. Ein andern türkischer Kreuzer gab aus die Torpedoboote Feuer. Beide Kreuzer gewannen dann die hohe See. Die Torpedoboote gingen mit beschädigten Schornsteinen zurück. Ein Matrose tombe verwundet.
Belgrad, 21. Nov. Nach der Schlacht bei Monastir flüchtete ein großer Teil der türkischen Truppen unter Preisgabe von Waffen und Munition in? Gebirge. ES heißt, daß auch der Oberkommandant Schawid Pascha mit seinem Stäbe sich bei den Geflüchteten befindet. Viele Türken, die in dem Gebirge keine Zuflucht finden konnten, find nach Monastir zurückgekehrt und haben sich ergeben. Bisher wurden 5000 Türken gefangen genommen, 12 000 Verwundete wurden aus dem Echlachtfelde gesunden. Die serbischen Truppen haben die Versolgung energisch ausgenommen.
Berlin, 22. Novbr. Für die Wiederwahl deS Abg. Kaempf tritt auch der rechte Flügel der Nationalliberalen, der alt-nationalliberale Reichsverband, ein.
Essen (Ruhr), 22. November. Bei einem Brande in einem AusbruchSschacht aus einer fiskalischen Zeche wurden zwei Steiger durch giftige Gase getötet, alS sie einen ge- sährdeten Teil absuchten. Sie führten Sauerstoffapparate mit sich.
Eckernsörde, 22. Novbr. Um ein Heim für ehemalige Angehörige der Marine zu errichten, will der Deutsche Flotten-Verein ein größeres Gelände ankauscn, daS teil- für die Gebäude, teils für einen Park Verwendung finden soll.
Oeffentticher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfurt a. M.
Wetterausfichten für Sonnabend den 23. Nov.
Wechselnde Bewölkung, zeitweilig ausklärend, trocken, stellenweise Nachtfrost.
Die
HnbßMiMchUNlW
des
Schenklengsfel-er Darlehnskafsev- Vereins, e. E. m. u. h. zu SchenNengsfeld soll am
Ksnntag den f. Dezember
nachmittags 3 Uhr
im Saale des Gastwirts Herrn Geheb dahier stattfinden.
Tagesordnung:
1. Bericht über den Stand des Vereins.
2. Aenderung des Zinsfußes.
3. Vorführung einer Lehrprobe mit Fortbildungsschülern.
4. Verschiedenes.
Die Mitglieder werden zu zahlreichem Erscheinen eingeladen. Schenklengsfeld, den 23. November 1912.
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Hefe
--- stets frisch — Sophie Rehn.