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die Festung ist vorläufig ausgeschlossen, nämlich vor btr Westfront, gegen die sich unverkennbar der Hauplangnff richtet, weil hier die Bulgaren die Masse und den Kern ihrer Truppen einsetzen. ES waren dort nur folgende schwere Ge­schütze zu beobachten: Auf dem linken Maritza-Ufer sechs gute zehn Zentimeter lange Geschütze, sechs unmoderne Fünszchu- Zentimeter-Geschütze, die mit Schwarzpulver schießen, und an Steilseuergeschützen überhaupt nur aus dem rechten User sechs Haubitzen. Nun können aus den übrige-: Fronten, wie beim Transport durch Mustafa-Pascha sestgestellt wurde, weitere sechs Zehn-Zentimeter-Geschütze und zwölf schwere Haubitzen sein. Der sonstige BelagerungSpark dürste nach der Tschataldscha- Linie abgegangen sein, und der vorhandene genügt nicht, die starken FortS der Wcstsront zu erschüttern.

Vorläufig erkämpst der Angreiser erst seine Positionen im Vorgelände. Zu der Meldung von der angeblichen Unter­brechung der drahtlosen Telegraphie sei gesagt, daß die türkische Funkenstation aus einem der vier Türme vor, nicht aus der Suleimann-Moschee sich befinde^. Unter den Bulgaren war daS allerliebste Geschichtchen verbreitet, die Türken hätten, um die Beschießung dieser Etation zu verhindern, tausend christliche Frauen in die Moscheen gesperrt. Tatsache ist, daß bei meiner Abfahrt am letzten DienStag von Mustafa-Pascha die bulgarischen Geschütze die Türme noch nicht erreichen konnten. Natürlich ließ sich dies alles von Mustafa-Pascha nicht drahten, weil die Zensur und die Ueberwachung der Korre­spondenten überaus streng, aber auch so sachgemäß waren, daß niemand Grund zu Klagen hatte, im Gegenteil erwiesen sich die Bulgaren den Korrespondenten gegenüber zu nach­sichtig. ES ist also ein unbegründeter Groll, der sich jetzt an einer tapferen Armee durch Meldungen von Verstümmelung türkischer Verwundeter rächt. Solche mögen vorgekommen sein, weil der Krieg mit seltenem Haß und auch durch Banden geführt wird, aber die Leitung deS bulgarischen HeereS hatte wie jeder Führer den ernsten Wunsch, den fanatischen und erbitterten Kampf mit menschlicher und soldatischer Würbe zu führen. Freilich haben auch die Bulgaren kaum Ursache, über die türkischen Untaten zu klagen; denn wer mit den Türken anbindet, muß wissen, waS ihm bevorsteht.

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Berlin, 17. Nov. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: Die Bewahrung deS Einvernehmens unter den Großmächten, die für eine gemein­same Lösung der im Orient zu regelnden Fragen notwendig ist, hat während der abgelaufenen Woche in mehreren Kund­gebungen berufene Fürsprecher gefunden. Aus dem Lord MayorS-Bankett in der Londoner Guildhall wies der britische Premierminister SSquith auf daS enge und aufrichtige Zu­sammenwirken der Mächte hin, daS feinen Zweck, den Kriegs­schauplatz zu begrenzen, bisher «füllt habe und weiter erfüllen werde. Mit der gleichen Zuversicht äußerte sich der sronzösijche Ministerpräsident Poincars auf dem Bankett deS republikanischen Komitees für Handel und Industrie in Paris über die Arbeit der Großmächte zur Aufrechterhaltung deS europäischen FriedenS. Die russischen Staatsmänner haben sich wiederholt gegen Falschmeldungen gewendet, worin ihnen eine Sonder- politik außerhalb deS europäischen Konzerts zugcfchrieben wurde. Die Hoffnung ist berechtigt, daß etwaige Erwartungen aus ein AuScinandersallcn Europas in zwei Lager sich nicht vn- wirklichen werden.

Aus Jn« end Ausland.

Berlin, den 17. November 1912.

AuS Hirschberg, 16. Nov^ wird gemeldet: In Gegen­wart des Kaisers, dn, von Moschen in Oberschlefien kom­mend, im Hofzug eintraf, erfolgte heute Nachmittag dir Ein­weihung bet Talsperre bei Mauer (Schlesien), die zum Schutze deS OdertaleS vor Ueberfchwemmungen und zur Gewinnung elektrischer Kraft mit einem Kostenaufwand von 15 650 000 Mk. «richtet wurde. Mit ihren 50 Millionen Kubikmetern Raum­inhalt sowie mit ihren 60 Meter Höhe ist sie nicht nur die größte Talsperre Deutschlands, sondern Europas. Der Kaiser wurde vom Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußm, dem Landwirtfchaftsminister Freiherrn von Schorlemer und den schlesischen Ständevertretern empfangen, worauf er sich zur Mitte der Mauer begab, wo er den Schlußstein des gewaltigen WnkeS einfügte und wo eine Tafel mit einem VerS auS der Bürgnschen BalladeDas Lied vom braven Mann" enthüllt wurde. Der Vorsitzende deS ProvinziallandtageS Herzog von Ratibor hielt eine Begrüßungsansprache mit dem Kaiserhoch. Nach einem Bortrage deS Vorsitzenden deS ProvinzialauSschuffeS Grasen Etosch über die Durchführung deS HochwaffnjchutzeS

Dir von mir gesprochen, lag wohl daran, daß sie meinen wahren Namen damals gar nicht erfahren und also damals nicht wußte, daß ich Dein Sohn war. Mit dem feinen Taktgefühl einer edlen Frauennatur wußte sie, ohne mich zu verletzen, jene Tage zurückzuweisen und hat somit mich so nach und nach von meinem Weltschmerz geheilt. Ich ver­danke Elisabeth, Deiner Frau viel, sehr viel, Vater. Sie hat mein ganzes Denken und Empfinden durch ihres Geistes Klarheit und Reinheit von allen leidenschaftlichen und törichten Verirrungen befreit. Außerdem haben ich und Hans Norden, daS muß ich Dir nun schon sagen, die Ueberzeugung, daß Du das ganze Denken und Sinnen Elisabeths ausfüllst, und daß sie Dich wahrhaft liebt, denn sie ist durch Deinen falschen Verdacht totunglücklich geworden."

Wulfen lauschte in atemloser Spannung aus Hnbnts Worte. Die offene unbefangene Sprache desselben ließ keinen Zweifel in ihm auskommen, daß er die Wahrheit vernahm, und all­mählich begann eS licht zu merben in seinem Innern. Doch je mehr er sich von der Schuldlofigkeit seiner Frau überzeugte, je harter verurteilte er sich selbst. Hatte er sich doch in seiner blinden Eifersucht zu den rötlichsten Beleidigungen hinreißen lassen. Und mit welcher vornehmm Gelaffenheit hatte sie dieselben hingenommen.

Er sah sie vor sich stehen, in dem idealen griechischen Ge­wände, daS blaffe, süße Antlitz schüchtern ihm zugewandt, die Geist« dn Eisersucht jedoch hatten seinen Blick so ver­düstert, daß er nur ein tiefschuldiges Weib in ihr gesehen, dn gegenüber er ein Recht gehabt, ihr mit schneidender Verachtung zu begegnen. Mit einem schmerzlichen Stöhnen warf er sich aus feinen Stuhl zurück und bedeckte daS Gesicht mit beiden Händen.

Herbert, dessen Gegenwart Wulfen in seiner großen Seelen- erregung gänzlich vergessen zu haben schien, hatte sich diskret entfernt.

Nach einer Weile verließ auch Wulfen das Gemach und ging nach dem blauen Boudoir, auch dieses fand er leer, suchend durchirrte er dann alle Zimmer deS Schlosses, er fragte Etzitha, Käte, die Dienstboten, niemand wollte Elisa- btth an diesem Morgen gesehen haben. Eine verzweifelte

in Schlesien fiel die Hülle deS Denksteine?. Darauf kehrte der Kaiser im Hofzuge über Görlitz nach Berlin zurück.

Die Besprechung der Fleischversorgung in der vom Reichskanzler einberusenen Kommission wird noch im Laufe dieses Jahres erfolgen. Diese Kommission wird etwa 30 Mitglieder zählen, von denen die Hälfte von den Interessenten benannt wird, dagegen werden die anderen Mitglieder unmittelbar vom Reichskanzler berufen werden. Die Casseler LandwirtschaftSkammer hat die Herren Oekono- mierot Knauer-Alten-Haßlau (Kreis Gelnhausen) und Ritter­gutsbesitzer Neutze-GroßenengliS (Kreis Fritzlar) als Vertreter der hessischen Landwirtschaft benannt.

Gestern Mittag land im Admiralspalast in Berlin der allgemeine deutsche Hansatag statt. ES waren zahlreiche Abgeordnete der liberalen Parteien erschienen. Der Präsident deS HansabundeS, Geheimrat Pros. Rießner, wieS in längerer Rede daraus hin, daß der Hansabund in erster Linie die Herbeiführung deS sozialen FriedenS erstrebe. Er trete ebenso für die Arbeitgeber, wie für die Arbeitnehmer ein. Dann sprach Prof. Dr. HanS Delbrück über Sozialpolitik und Unternehmertum. Er sührte auS, eS fei erforderlich be­züglich der Sozialpolitik vorläufig nicht weiter zu gehen, da die Unternehmer alsdann in der Konkurrenz auf dem Welt- markt nicht bestehen könnten. Dr. Stresemann sprach über Industrie und Handelspolitik. Er forderte, daß der Industrie und dem Handel gleiche Rechte wir der Landwirischast ein­geräumt würden. Dr. Friedrich Naumann sprach über Wirtschaftspolitik und nationale Ausgaben und betonte die Notwendigkeit, daß alle links stehenden Parteien möglichst einschließlich der Sozialdemokratie zusammengehen müßten, wenn eS gelingen sollte, Junker und Klerikale zu bekämpfen und ein weiteres Fortschreiten der Reaktion zu verhindern. In der Schlußrede bemerkte Geheimrat Rießner, der Hansa­bund führe den Kamp! nicht deS KampfeS wegen, sondern um eine allgemeine Gleichberechtigung zu fordern. Er sei keineswegs ein Feind der Landwirtschaft, im Gegenteil, er wolle auch die Landwirtschaft fördern. Die bürgerlichen Erwerbsstände müßten sich zu gemeinsamer Arbeit zusammcn- schließen um bessere wirtschaftliche Zustände herbeizuführen. Dann schloß Geheimrat Rießner den allgemeinen deutschen Hansatag.

Eir ThomaS Barclay, daS bekannte Mitglied des Instituts für Internationales Recht, der in England wegen seiner gründ­lichen Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse deS Auslandes in hohem Ansehen steht, hat in diesen Tagen in Walworth eine Rede gehalten über die letzten Eindrücke, die er eben auf einer Reise durch Deutschland von dessen Industrie gewonnen hat. Er besucht Deutschland seit fast 40 Jahren alljährlich und faßte seine Ansicht diesmal dahin zusammen: England Hot weder die deutsche Armee noch die deutsche Flotte zu fürchten; wohl aber.die außerordentliche industrielle Tüchtigkeit. Die Deutschen verwenden so wenig wie möglich Zeit auf politische Streitigkeiten, sondern sie widmen ihre ganze Kraft der Ausbildung der industriellen Arbeit. Auf ihr beruht die Zukunft Deutschlands. ES hat auch längst erkannt, daß die Ausdehnung seines Handels von der Fähigkeit seiner Handelsvertreter abhängt. Englands größter Feind war von jeher die englische Gleichgültigkeit in diesen Dingen. Wir können," so sagt ThomaS Barclay,von Deutschland lernen, wie eS versteht, seine gesamte Bevölkerung der Wohlfahrt deS Landes dienstbar zu machen." Die vollkommene Gleich­gültigkeit der englischen Eltern gegenüber der industriellen und technischen Erziehung ihrer Kinder ist unser Unglück. Deutsch- land und die Vereinigten Staaten zeigen unS, waS wir hätten tun sollen. Technische und industrielle Schulen wären daS Heil unseres Arbeiters, und bei jeder Wahl müßte daS Interesse, das der Kandidat an der gewerblichen Ausbildung der Arbeiter hat, der hauptsächlichste Maßstab für die Beurteilung feiner Befähigung zum Vertreter der Arbeiterschaft sein. Wir sind auf dem besten Weg, von den Deutschen auf jedem Gebiet geschlagen zu werden. Sie überflügeln unS nicht nur aus unseren fremden und kolonialen Märkten, sondern im eigenen Lande. DaS englische Volk ist keineswegs von Natur be­schränkt, und eS könnte noch erwachen und erkennen, waS ihm wahrhaft not tut. Wenn man aber sieht, daß in Ungarn, Rußland, Spanien, selbst in Argentinien der Verkauf unserer Waren allein von dem deutschen Geschäftsreisenden abhängt, dann fühlt man sich tief gedemütigt durch unsere eigene Unter- legenheit." DaS ist gewiß ein glänzendes und einwand­freies Zeugnis für deutschen Gewerbefleiß.

Die Agenzia Etesani meldet auS Tripolis vom 16. b. MtS: Unsere Truppen haben gestern nachmittag Suanibenaden und heute vormittag Azizia ohne Zwischenfall besetzt. Generatgouverneur Ragni begab sich im Automobil

Stimmung bemächtigte sich seiner. Wenn sie fort wäre! Ge­flüchtet vor ihm I Und wohin 1 Wieder begannen die Dämonen der Eifersucht sich in seinem Innern zu regen. Wenn sie sich in ihrer Verzweiflung HanS Norden anvertraut hätte und vielleicht unter seinem Schutze entflohen war! Hatte er nicht am gestrigen Abend sie fast selbst daraus hingewiesen! Er erinnerte sich, alS er den Saal verlassen, HanS Norden neben ihr gesehen zu haben. Allerdings war ja die Gesell­schaft bald nachher ausgebrochen aber in solchen erregten Stimmungen genügen ja oft nur wenige Worte, um eine Verständigung httbeizuführen; und Norden war der Mann dazu, derartige Situationen auSzunutzen und Vertrauen bei einer Frau hervorzurufen, die ihm in solcher Lage gegen­über stand.

Unter diesen Gedanken hatte Wulfen den Park durcheilt und schlug nun den dunklen Waldweg ein, der nach dem Landgute Nordens führte, da eS ihm immer wahrscheinlicher wurde, daß Elisabeth diesen Weg eingeschlagen, auf welchem sie ja auch die nächste Bahnstation erreichen konnte. Er hegte keinen Zorn mehr gegen sie, hatte er sie doch selbst auS ihren Bahnen gedrängt. Wie ein verirrteS Kind erschien sie ihm, daS da arglos und unbekümmert die erste beste Hand ergreift, die sich ihm entgegenstreckt, sich daran zu halten.

Durch den Wald ging heute kaum ein Lusthauch, kein Sonnenstrahl brach sich Bahn durch das Laub der Bäume, grau und düster wölbte sich der Himmel über die Landschaft, hie und da sank lautlos ein welkeS Blatt zur Erde und feine Regentropfen riefelten hernieder.

Auf Wulfen lastete die ganze Trübe dieses Morgens schwer und bang, während er rastlos weiter schritt und seine Blicke die zierlichen Fußspuren, die sich in dem weichen Wald­weg abgedrückt, verfolgten. Plötzlich stand er lauschend still, Stimmen tönten an sein Ohr eine leidenschaftlich bewegte Männerstimme, die er für die HanS Nordens hielt, auch eine leise, zitternde Frauenstimme glaubte er zu hören. War eS Elisabeths Stimme? War eS eine Zusammenkunft mit Norden? Zitt«nd vor Aufregung trat er einige Schritte näher.

SS wäre Wahnsinn, gnädige Frau, so allein und noch

nach Azizia, wo er von den Scheichs und bet Bevölkerung mit großen Ehren empsangen wurde. Mit beiden Orten wurden unverzüglich telegraphische und telephonische Verbindungen hergestellt.

Kriegslehren.

Vom Balkan her dringen mit Blut geschriebene Lehren zu unS, die kein Volk mißachten dars, wenn eS nicht verfallen will. Mängel und Fehler, die Niederlagen und Untergang besiegeln, offenbart der Balkankrieg. Kriegsbereitschaft ist das Erste, waS Anwartschaft auf Sieg verleiht. Wer eher alS sein Gegner seine vollen Wehrkräfte einzusetzen vermag, sichert sich einen Vorsprung, der fast niemals wieder einzuholen ist. In den ersten Waffengängen pflegt zu siegen, wer vor dem Feinde seine Rüstung abgeschlossen hat; und die ersten Siege mit ihren einerseits ermutigenden, anderseits entmutigenden Folgen entscheiden meist über den Verlaus und den AuSgang des ganzen FeldzugeS. Die Türkei ist von ihren Feinden ringsum überrascht und deshalb überwältigt worden. Auf keinem der Kriegsschauplätze erwiesen sich die Türken als kampfbereit. Furchtbar rächt sich die Sünde wider daS Hauptgebot: Bereit fein ist alles I

Die türkische Mobilmachung vollzog sich allerwärtS schleppend, träge und langsam. Ueberall zeigte sie Unfertigkeit und Unzulänglichkeit. Die Verpflegung hat anfangs fast ganz versagt. Der Hunger, bemerkt ein Bericht vom Kriegsschau­plätze, wütete ärger alS der Feind. Vielfach ist bezeugt, daß die hungernden türkischen Truppen plünderten, sogar ihr Lager und ihre Führer auSraubten. Zum Hunger gesellte sich der Mangel an Munition. Bataillone, heißt eS in einem Bericht, mußten inS Gefecht, die keine einzige Patrone mehr hatten. Geordnete, tadellos arbeitende Verpflegung, die alles gewährt, waS ein kriegführendes Heer braucht, genügende LebenSmittel- unb MunitionSzufuhr, ausreichender rascher Nachschub bedeutet die Hälfte deS Erfolges. AlS die verbündeten Balkanvölker die Mobilmachung beendet hatten, war in der Türkei noch herzlich wenig geschehen. Nichts klappte, weder die Einstellung der Reserven noch die Fortschaffung der Truppen aus der Bahn, noch der rechtzeitige Ausmarsch. DaS türkische Heer zeigte sich in dem Maße ungerüstet, unvorbereitet, daß eS nicht bloß angriffS- und siegeSunfähig, sondern auch ver- teidigungSunfähig wurde.

Nur wer schon beim KriegSauSbruch bereit ist und so die Vorhand haben kann, vermag den Angriffsgeist, daS Gesetz der Offensive, zu betätigen. Wer sich aus die Verteidigung beschränken muß, kann niemals die ausschlaggebenden Schläge führen und den Siegerpreis beanspruchen. Der entschlossen und rücksichtslos angreifende KriegSgeist, in dem die Losung: Vorwärts!" lebt und treibt, bereitet und festigt Selbstvertrauen steigert den Mut, hebt die Zuversicht auf den Erfolg, verbürgt den Sieg. Nur der Angreifende, den der stete Drang nach Vorwärts erfüllt, gewinnt das Gefühl der Ucberlegenheit, verfügt über die starke bezwingende Tatkraft. Aber zum rastlos vorwärts drängenden KriegSmut, zur niebermetfenben Stoßkraft gehört Begeisterung. Den Willen zum Siege geben dem Heere die sittlichen KriegStugenden.

Der türkischen Armee, die früher oft genug erstaunliche Erweise der Heldenhastigkeit geliefert hatte, sind mit der inneren Geschloffenheit und Einheit die kriegerischen Kräfte der Sieg- Hastigkeit abhanden gekommen. Die revolutionären Vorgänge deS letzten Jahres find eS, die im Heere der OSmanen Unheils bare Schäden angerichtet haben. Die Offiziere roarerf'Trubie1 Wirbel zersetzender Parteikämpfe hineingezogen worden. Treiben Offiziere Politik, statt ausschließlich ihre soldatischen BerufS- pflichten zu üben, so geht die Einheitlichkeit deS Offizierkorps und damit auch der ganzen Armee verloren. Die Kamerad- schast und daS wechselseitige Vertrauen werden untergraben, wenn die Offiziere durch politische Interessen und Leidenschasten aufgewühlt und in Gegensätze zueinander gebracht werden.

Verhängnisvoll muß daS auch auf die Manneszucht wirken. Wenn die Führer der Armee Umsturzgedanken vertreten, sogar den obersten Herrscher deS Staates stürzen, so wanken die HeereSgrundlagen; dem militärischen Gehorsam, der Treue zum Kriegsherrn schwindet der feste Halt. Lehnen sich die Offiziere wider den Sultan auf, dann kommt eS leicht, daß die Untergebenen diesen ihren Vorbildern nachstreben. Offiziere haben Gewalttaten verübt, haben den Kriegsminister weggejagt; da kann eS nicht auSbleiben, daß unter den Mannfchaften daS unbedingte Pflichtbewußtsein und die unbeugsame Unter­ordnung erschüttert werden. Die sittlichen Mächte stritten nicht auf Seite der Türken, während deren Feinde der Glaube an ihre gute Sache, ein flammender VaterlandSwille beseelte der stürmische Unwiderstehlichkeit entfesselte. Die frische, jugend-

dazu zweck- und ziellos in die Welt hinauSzugehen I" hörte Wulfen jetzt HanS Nordens Stimme klar und deutlich. Wenn Sie Ihren Gatten verlassen wollen, brauchen Sie einen Beschützer, und ich bin bereit, Sie zu meiner Tante, der Frau von Hildach, in die Residenz zu bringen. Dort können Sie so lange bleiben, bis sich alles entschieden hat".

Wulfen war leichenblaß geworden. Allerdings, wenn er die Situation bedachte, war dieselbe kaum zu verwegen zu nennen. Eine an ihrem Eheglück verzweifelte Frau, die auf dem Weg war, den Gatten zu verlassen, warum sollte diese nicht solchen Worten lauschen. Wußte eine solche verzweifelte Frau doch nicht mehr, was sie tat. Mit bangem Herzklopsen lauschte Wulsen jetzt auf Elisabeths Antwort. Klar und fest erklang eS von ihren Lippen:

Ich bedarf keines Beschützers, Herr Norden, denn ich werde nach dem Schlöffe zu meinem Manne zurückkehren. Ihre Worte weisen mich auf den rechten Pfad zurück, Sie haben Recht, eS wäre Wahnsinn von mir, so allein und schutzlos in die Welt hinaus zu wandern, Wulfen zu verlassen, den ich" sie zögerte, als scheue sie sich, das Worte auSzusprechen, waS da auf ihren Lippen schwebte. Und doch mußte eS gesagt sein, um die Situation zu klären. DaS fühlte Elisabeth mit dem sichern Taktgefühl der edeln Frau.Ich liebe trotz seines falschen Verdachts und trotz seiner mir zugefügten Kränkungen ja doch meinen Mann über alles!" erklang eS jetzt klar und wahrheitSüberzeugend durch die Waldesstille von Elisabeths Lippen, und mit einem Seuszer setzte sie hinzu: Ich will nicht ganz verzagen, denn Wulfen ist ein edler Mann und wird mir auf die Dauer wohl kein Unrecht zufügen".

Dem Lauscher war eS, als ergösse sich ein neuer LebenS- strom durch seine Adern, und doch trat er nicht hervor auS seinem Versteck und zog daS geliebte Weib nicht in feine Arme. Er preßte nur die Lippen sest auseinander und wartete, bis Norden gehen würde, denn er wollte allein mit Elisabeth sein, allein in tiefster WaldeSstille daS Wiederfinden mit ihr feiern, solche Szenen duldeten keine Zeugen.

Norden jedoch schien den Schauplatz seiner Niederlage noch nicht verlassen zu wollen. Verlegen und unschlüssig stand er