auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Verkehrshindernis bildet, eine Meinungsverschiedenheit bestehe. Die Stadtverordneten erklärten sich dahin, daß sie mit dem Abbruch deS HauseS einverstanden seien. — Der solgende Gegenstand der Tagesordnung betraf die Pflasterung der Unteren Frauenstraße und die Herrichtung von Trottoiranlagen in derselben. Der Magistrat hat unter Vorlage eine? Planes um Aeußerung ersucht, in welcher Weise die AuSsührung von den Stadtverordneten gewünscht werde. Die Debatte ergab, daß die Versammlung einstimmig der Ansicht ist, daß eine durchgängig neue Pflasterung der Unteren Frauenstraße auf der ganzen Strecke von der Oberen Frauenstraße bis an die Klausstraße stattfinden müsse. Hinsichtlich der Trottoiranlage einigte man sich dahin, überall eine Fahrbahnbreite von mindestens 4,50 Meter sestzulegen und Trottoire nur da herzurichten, wo die Fahrbahn und die HauSeingänge dies gestatten. Herr Stadtverordneter Stern beantragte, in Verbindung mit dieser Angelegenheit zugleich den Beschluß zu fassen, daß der freigelegte Platz beim Rathaus nicht wieder bebaut werden solle. Dieser Antrag wurde jedoch hinfällig, da gegen die Zu- läfsigkeit desselben Widerspruch erhoben wurde. — Die städt. Anlagen-Verwaltung hat berichtet, daß an der Eichhofstraße einige Linden bereits eingegangen seien und daß daS Eingehen noch anderer Linden mit Sicherheit zu erwarten sei. Sie hat empfohlen, die Linden zu beseitigen und eine ganz neue Anpflanzung vorzunehmen, Die Kosten würden ca. 360 Mark betragen. Die Stadtverordneten waren der Ansicht, daß man zunächst nur die eingegangenen Bäume entfernen und durch neue ersetzen solle. Wenn dann im nächsten Jahre noch weitere Bäume eingehen, könne der Frage einer durchgängigen Neupflanzung immer noch näher getreten werden. Nachdem alsdann der Gemeinde KalkobeS für daS Jahr 1910 ein Zuschuß von 975 Mk. und für das Jahr 1911 ein solcher von 1200 Mk. zu den SchulunterholtungSkosten bewilligt worden war, wurde die öffentliche Sitzung geschlossen und die Versammlung trat in eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung ein. In dieser wurde zunächst die Anstellung eines besoldeten MagistrotS-AssessorS genehmigt und sodann einer Reihe von Grundstückserwerbungen etc. die Zustimmung erteilt.
§ Hersfeld, 13. November. Die Gewerkschaft K a i s e r o d a, Kaliwerk in Tiefenort, beabsichtigt die ihr bisher bei Errichtung ihrer Chlorkalium- und Eulsatfabrik erteilte Konzession, werktäglich der Werra bis 200 cbm End- laugen zuzuführen, um 150 cbm, also bis auf 350 cbm zu erhöhen. DaS Unternehmen ist bereits zur öffentlichen Ausschreibung gekommen. ES ist Jedermann befugt, im Umfange seiner Interessen gegen die Anlage Einspruch bei dem Herrn BezirkSdirektor in Dermbach während der vorgeschriebenen 14 tägigen Frist zu erheben.
* Frühe Feste können im Jahre 1913 gefeiert werden, denn alle großen Feste, die an kein bestimmtes Datum gebunden find, fallen im nächsten Jahre außerordentlich srüh. Fastnacht ist bereits am 4. Februar, Ostern sällt schon auf den 23. März, am 1. Mai ist Himmelfahrt und am 11. Mai ist Pfingsten. Derartige Daten kommen nur äußerst selten vor. DaS Oster- sest kann überhaupt nur einen Tag früher fallen und zwar aus den 22. März; wenn daS eintreten soll, muß allerdings am 21. März Vollmond sein und der 22. März aus einen Sonntag fallen.
* DaS Große LoS der 1. Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie, das gestern zum ersten Male nach der Ausdehnung der Lotterie auf Süddeutschland gezogen wurde und aus die Nummer 91,059 fiel, ist in beiden Abteilungen nach preußischen Städten gefallen, und zwar nach Frankfurt a. M. und nach Essen. In ersterer Stadt wurde daS LoS in Viertel-, in letzterer in Achtelabschnitten gespielt. Die LoSbesitzer in Frankfurt gehören dem Mittelstände an, tue in Essen sind hauptsächlich Arbeiter uud Unterbeamte.
DT. Cafsel, 11. Novbr. Der Schlächtermeister Rektorott hat sich heute vormittag in seiner Wohnung erschossen. Seine Frau hotte für einige Zeit daS Zimmer verlassen, und fand ihren Mann, alS sie zurückkehrte, im Bette liegend mit einer schweren Schußwunde auf. Der Verletzte gab alsbald seinen Geist auf. Dir Ursache der Tat ist anscheinend in der Zerrüttung der Vermögensverhältnisse zu suchen.
Rotenbnrg, 11. Nov. In großer Lebensgefahr schwebte in der Nacht zum Sonntag die Frau deS Kaufmanns S. dahin. Sie hatte abends ihr Schlafzimmer geheizt. In der Nacht bildeten sich nun in dem undichten Ofen starke Kohlen- gaje, so daß sich in dem verschlossenen Zimmer eine große Rauchmasse ansammelte. Die nichtSahnende Frau verfiel während deS Schlafes in Bewußtlosigkeit. Als am Sonntag morgen die Aufwartefrau auf wiederholtes lautes Pochen keinen Einlaß erhielt, ließ man den Korridor erbrechen. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe dauerte eS ca. 12 Stunden, bis das Bewußtsein wieder zurückkehrte. Der Ehegatte befand sich gerade aus einer Geschäftsreise.
Marburg, 11. Nov. Ein hochbetagteS Geschwisterpaar auS dem Burgwalddörschen Roda, der 68 Jahre alte AuSzüger Joh. Müller I und feine fünf Jahre ältere Schwester, die Witwe Elisabeth Kahler standen vorgestern vor dem Schwurgericht. Letztere wurde beschuldigt, bei Leistung eines Offen- barungseideS vor dem Amtsgericht in Rosenthal verschwiegen zu haben, daß sie bei der Sparkasse in Wetter noch 1000 Mk. stehen hatte. Ihr Bruder, aus den sie daS Buch damals überschreiben ließ, wurde der Beihilse beschuldigt. Die Greisin gab an, daß sie ihr Gelb vor den ihr auS einem Prozeß erwachsenden Kosten habe in Sicherheit bringen wollen, ihr Bruder dagegen sei unschuldig. Der Letztere wurde auch sreigesprochen, während die alte Frau acht Monate inS Gefängnis muß.
Hana«, 11. Nov. Im benachbarten Seligenstadt hat sich heute früh die 17 Jahre alte Margarete Mönch von dem von Hanau eintreffenden Zuge übersahren lassen. Der Lebensmüden wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt. Ueber die Ursache der Tat ist Näheres noch nicht bekannt geworden. Man nimmt an, daß das Mädchen in einem Anfall von Geistesstörung gehandelt hat.
Fulda, 10. Nov. Die Auszahlung der auf die Festnahme Ernst EbenderS, des Mörders deS Förster- RomanuS, gesetzten Belohnung von 1000 Mark ist in diesen Tagen zu erwarten und wird auf Grund der gestrigen Verhandlungen deS Untersuchungsrichters mit dem Zigeuner Wagner und im Einverständnis mit der Regierung und dem Landrat zu Fulda, solgendermaßen vollzogen: 600 Mark erhält Wagner, der bei der Verhaftung beteiligte Gendarm 100 Mark und seine beiden Gehilfen je 150 Mark. — Gestern weilte der Zigeuner Wagner auS dem Braunschweigischen hier, um seinen Kollegen, Ernst Ebender, gegenübergestellt zu werden. Wagner war der Mann, der zur Ergreifung deS Ebender in GanderS- Heim sehr viel beitrug. Da sich Ernst Ebender vor einigen Tagen einen Fluchtversuch erdreistet, der jedoch mißglückte, liegt er jetzt in Fesseln und wurde Wagner ihm in seiner Zelle im Amt-gerichtSgesängniS gegenübergestellt. Die Unter
suchung wegen der Zigeunerschlacht bei Kämmerzell sowie wegen deS Mordes deS göiftul RomanuS im Riesiger Wald im Februar d. JS. ist noch nicht vollständig abgeschlossen.
Gilserberg b. Tnyja, 9. Nov. Ein schreckliches Unglück ereignete sich hier. Der bei der Dreschmaschine beschäftigte R. auS Schönau geriet mit der Hand in daS Ge- triebe der Maschine alS dieselbe in vollem Gange war. Eine Stunde mußte der Unglückliche unter schrecklichen Schmerzen auShalten, bis die Hand befreit werden konnte.
Soutra, 11. Nov. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern mittag hier. Die Familie W. hatte ihr vier Monate altes Kind, welches in seinem Wagen schlief, in der Stube stehen. Der Wagen war durch eine Bewegung vor den stark gefeuerten Ofen gerollt und hatte Feuer gefangen. Als die Eltern auf das Geschrei deS KindeS herbeieilten, stand der Wagen in Flammen; diese konnten sofort gelöscht werden. DaS Kind hatte bereits an den Beinen schwere Brandwunden erlitten, sodaß das schlimmste zu befürchten ist.
Bingen, 10. Nov. Vor den Augen seiner Mutter hat sich gestern hier der 22 Jahre alte Sohn des KüsermeisterS Kupfer erschossen. Karl Kupfer, der in Bicbrich in Stellung war, unterhielt gegen den Willen seiner Eltern mit einem Mädchen ein Liebesverhältnis. AlS er gestern zum Besuch hier weilte, wurden ihm wegen deS Verhältnisses von seiner Mutter erneut Vorstellungen gemacht. Darauf zog der junge Mann einen Revolver und erschoß sich.
DT. Frankfurt a. M., 11. Novbr. Ein LiebeSdrama hat sich heute vormittag hier in der Graubengasse abgespielt. Der 24 Jahre alte Spengler Schmidt war mit der 21jährigen Tochter Margarethe der im gleichen Hause wohnenden Familie Uhl verlobt, daS Verlöbnis sollte aber gelöst werden, da Schmidt seit einiget Zeit nur unständiger Arbeiter war. Heute vormittag nun gab der gekränkte Bräutigam auf feine Braut und deren Vater fünf Revolverschüsse ab. Uhl wurde schwer verletzt, seine Tochter erhielt nur einen Streifschuß. Dem Attentäter gelang eS, zu entfliehen.
Züschen bei Fritzlar, 11. Nov. Ein trauriger UnglückS- fall ereignete sich am 8. dS. MtS. auf dem hiesigen Rittergute. Dem Dienstknecht H. B., der mit einem Ochsen von der von Garvenschen Schneidemühle auf dem Heimwege begriffen war, ging der Ochse durch und B. wurde eine weite Strecke geschleift, wobei sich der Aermste schwere innere und äußere Verletzungen zugezogen hatte. Herr Kreisarzt Nolte-Fritzlar leistete die erste Hilfe und ordnete die Ueberführung deS schwer Verletzten in daS Wildunger Helenenheim an, wo B. schon kurze Zeit nach seinem Eintreffen im Krankenhaus seinen Geist aufgab.
Eisenach, 11. Novbr. Der plötzliche Zusammenbruch der Bankgesellschaft Strauß & Heberlein hat sich, wie die „Eisenacher Ztg." meldet, zu einer Katastrophe für die Stadt gestaltet, deren Folgen für die leider in großem Maße Beteiligten noch gar nicht abzusehen sind. Der seit 16 Jahren bestehenden Firma war auS allen Schichten der hiesigen Bevölkerung das größte Vertrauen entgegen gebracht worden, da man annahm und annehmen mußte, daß daS Geschäft aus solider Grundlage beruhe. Die beiden Inhaber Strauß und Heberlein scheinen sich schon seit geraumer Zeit Börsenspekulationen hingegeben zu haben, die fehljchlugcn. Um die Verluste zu decken, scheint eS, daß sich die Besitzer, Spielern gleich, immer wieder zu neuen Versuchen haben hinreißen lassen, und so ist eS möglich geworden, daß durch Verwendung der ihnen anvertrauten Gelder, sowohl Bar-Einlagen alS auch offene DepotS, bis in Höhe von nahezu einer Million Mark, dieser ungeheure Verlust für die Beteiligten entstanden ist. Mit zynischer Ruhe und ganz unglaublich geheuchelter Biederkeit haben die beiden Schuldigen noch bis in die letzten Tage hinein ihnen im guten Glauben anvertraute Gelder und Gel- deSwerte angenommen und zu ihren unlauteren Vorhaben verwendet. Gar manchen mag wohl auch der Umstand dazu bewogen haben, der Firma fein Geld anzuvertrauen, daß diese 5 Prozent Zinsen und noch mehr für die Einlagen gewährte.
Ueber den Aufenthalt deS seit Freitag mittag verschwundenen BankierS Heberlein verlautet noch nichts; eS sind am Sonnabend und auch gestern durch ein starkes Aufgebot von Forstleuten und Polizeibeamten die Wälder um Eijenach herum, besonders nach MoSbach zu, abgesucht worden, jedoch bisher ohne jeglichen Erfolg. Hinter Heberlein sowohl alS auch dem bereits am 2. November verschwundenen Bankbevollmächtigten Six sind Steckbriefe erlassen worden. Ueber daS Privatvermögen deS abgängigen Heberlein sowohl wie über dasjenige deS BankierS Paul Strauß, der sich mittels Jagdgewehrs am Freitag mittag bei SallmannShausen erschossen hat, ist daS Konkursverfahren eröffnet worden. — Der Andrang zu den anderen hiesigen Bankgeschäften war nach Bekanntwerden deS Falliments der Firma Strauß u. Heberlein am Sonnabend vormittag ein ganz gewaltiger.
Naumburg a. S., 11. Nov. Der seit einigen Tagen vermißte Direktor Voelker von der Privatbank in Gotha ist heute vormittag in der Nähe der Stadt in der Saale als Leiche gefunden worden.
Meiuiugen, 11. Nov. Im letzten Jahre wurden im Herzogtum durch mit Streichhölzchen spielenden Kindern 11 Brandfälle verursacht, die einen Schaden von 58 804 Mark zur Folge hatten.
Lichtenfels, 9. Nov. In der Nähe seiner Mühle bei Wüstenselbitz wurde der Mühlenbesitzer Johann Weiß erfroren ausgefunden.
Moutabaur, 10. Nov. In Bannberscheid ist ein Totengräber beim AuSschachten eines Grabes verunglückt. Nach- stürzende Erbmassen verschütteten den Unglücklichen, der nur noch alS Leiche auSgegraben werden konnte.
Offenbach, 11. Nov. Der in der Schmirgelscheiben- fabtit von Mater u. Schmidt in der Weserstraße beschäftigte verheiratete Arbeiter Günther machte sich trotz verschiedentlich» Warnung heute früh an der TanSmisfion zu schaffen und geriet dabei inS Getriebe. Er wurde vollkommen zerstückelt und war sofort tot.
Schlitz, 10. Nov. Die Arbeiten am Bahnbau der Strecke Niederaula—Schlitz gehen unter dem Einfluß der schlechten Witterung langsam vorwärts. Die bei Oueck ausgestellte Baggermaschine ist fertig montiert, sie bedarf jedoch noch einer gründlichen Prüfung, bevor sie dauernd in Tätigkeit treten kann. Probeweise war sie schon im Gange. DaS lehmige Erdreich ist durch den Regen so ausgeweicht, daß ein Verarbeiten dieser breiigen Masse für den Bahnbau sich fast als unmöglich erweist.
Göttingen, 10. November. Bei einer in der nahen NikolauSberger Feldmark abgehaltenen Treibjagd wurden die Tochter eines Ackermanns und ein Ochse, mit dem sie pflügte, durch einen Echrotschuß schwer verletzt. DaS junge Mädchen mußte sofort in die Göttinger Klinik gebracht werden.
Letzte Nachrichten. Der Balkankrieg.
DT. Sosia, 12. Nov. Nach einer Meldung bei
KriegministeriumS sollen während der letzten 3 Tage in der Linie von Tschataldscha heftige Kämpfe stattgefunden haben.
Die bulgarischen Truppen haben den rechten Flügel der türkischen Verteidigungslinie zurückgedrängt und vier Fort- im Walde von DerkoS erobert.
DT. Rom, 12. Nov. Der Balkanbund soll, so meldet daS „Giornale b’Stalio* aus Sofia, nach Friedensschluß zu einem Balkankaiserreich umgewandelt werden. Die vier Könige werden sich in Sofia treffen um einen Staat-bund zu schließen, worin Bulgarien die gleiche Stellung wie Preußen in Deutschland einnimmt. Jedes Königreich wird seine Armee behalten, doch unterstehen alle vier Armeen einem gemeinsamen Oberbefehl mit gemeinsamem Generalstab. Auch die auSwärtigen Angelcgenheiien deS BalkankaiserreichS werden von einem gemeinsamen Minister deS Aeußeren wahrgenommen, während die anderen Ministerien Einzelministerien der Staaten verbleiben.
DT. Ro m, 12. Nov. Die italienische Diplomatie neigt zu dem Plan einer europäischen Balkankonserenz, die in PariS unter dem Vdrsitz PoincaräS stattfinden soll. Doch befürchtet man, daß die Balkanstaaten mit einer derartigen Lösung ihrer Angelegenheiten nicht einverstanden sein werden. In diesem Fall würde der österreichisch-serbische Konflikt oder — wie man hier sagt — der österreichisch-russische Konflikt kaum am AuStrage verhindert werden können. Die italienische Preffe befürwortet im allgemeinen eine Verständigung Italien- mit Oesterreich. Die öffentliche Meinung betrachtet die Lage all gefährlich. Doch suchen die regierungsfreundlichen Blätter unter Hinweis auf PoincarsS diplomatischem Geschick die aufgeregten Gemüter zu beruhigen.
DT. PariS, 12. Nov. Der geistige Vater deS Balkan- bundeS, der russische Gesandte von Hartwig in Belgrad, hat in einer Unterredung mit dem „TempS"-Korre>pondenten, wobei er sich über die Forderungen der Balkanstaaten näher auSließ, solgende beachtenswerte Aeußerungen über Deutsch- landS Haltung in der Balkankrisis gemacht. Die deutsche Regierung hat bisher den Balkanverbündeten gegenüber eine ziemlich entgegenkommende Haltung eingenommen. DaS Deutsche Reich hat aus dem Balkan bedeutende Handels- und wirtschaftliche Interessen, die in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen sind. Es muß ihm daher daran liegen, die Ent- Wickelung der jungen Balkanstaaten zu begünstigen, deren wirtschastlichen Jntcreffen größer sind alS diejenigen der Türkei und die als Käuserin in größerem Maße, alS diese auf dem deutschen Markt in Frage kommen.
DT. Berlin, 12. Nov. In eingeweihten Berliner diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß sich die Dinge weiterhin so entwickeln werden, daß der Gedanke einer Konferenz als unabweisbar erscheint. ES dürste auch keine falsche Annahme fein, wenn man versichert, daß in den Kabinetten der Großmächte dieser Gedanke immer mehr Anhänger gewinnt.
War die Balkanlage an sich betrifft, so ist wohl alS einzige konkrete Tatsache zu verzeichnen, daß einem Einzug der Bulgaren in Konstantinopel kein Hindernis in den Weg gelegt werden darf. Im Auswärtigen Amt zu ^Berlin versichert man, waS gleichfalls verzeichnet werden soll, daß der Konserenz in Budapest nicht unbedingt ein den Frieden in Frage stellender Wert bei- zumessen sei. ES bestätigt sich z. B. auch nicht, daß der deutsche Gesandte in Belgrad sich den Vorstellungen Oesterreichs angeschlossen habe.
DT. Antivari, 13. November. EssaS Pascha hat die Montenegriner in dreitägigem Kampfe an der Bajona völlig geschlagen. Sie mußten sich von Tarabosch zurückziehen. Ekutari kann damit als entsetzt gelten. Die Montenegriner haben sich über ihre Grenze zurückgezogen.
Berlin, 13. November. Am zweiten SitzungStage deS Reichstages nach dem Wiederzusammentritt am 27. November dürste die Neuwahl deS Präfidentm erfolgen. Die konservative Korrespondenz schreibt: Von einer einsachen, evtl. sogar widerspruchslosen Wiederwahl KämpsS kann keine Rede fein. Die Fortschrittliche Bolkspartei hat alS fünfstärkste Fraktion keinen Anspruch auf den Präsidentenposten und wird ihn vernünftiger- weise auch nicht erheben.
Berlin, 13. November. Am 17. November werden in Groß-Berlin sechs sozialdeu okratische Versammlungen abgehalten.
Der „Vorwärts" teilt mit, daß an vieler Kundgebung zugunsten des -Friedens die Genoflen JaursS-PariS, Macdonald- London und PernerSdorser-Wien teilnehmen werden.
M a dr i d, 12. November. Der Leichnam CanalejaS weist eine einzige Wunde am rechten Ohr auf. Der Einschußkanal liegt unter der Ohrmuschel. Der Mörder ist in der vorigen Woche auS PariS hier angekommen.
Madrid, 12. November. Der Minister deS Aeußern
Garcia Prieto begab sich um 2 Uhr ins königliche Palais zur Audienz. Der Leichnam bei Ministerpräsidenten wird heute abend in der Deputiertenkammer aufgebahrt werden. Eine Trauerseier wird morgen nachmittag stattfinden. Dem Ministerpräsidenten werden die Ehren eines im Kriege gefallenen kommandierenden GeneralkapitänS erwiesen werden. DaS diplomatische KorpS begab sich inS königliche PalaiS, um dem König sein Beileid auSzudrücken.
K a r l S r u h e, 13. November. AuS allen Gegenden bei SchwarzwaldeS werden starke Schneesälle bei einer durchschnittlichen Temperatur von 6 bis 7 Grad Kälte gemeldet.
Oeffentlicher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfnrt- a. M.
Wetterausfichten für Donnerstag den 15. Nov.: Wolkig, zeitweilig aufklärend, leichte Niednschläge, Temperatur wenig geändert.