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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 13«.

Donnerstag, den 14. November

1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 5. November 1912.

Nach Mitteilung deS Direktoriums der ReichS-VersicherungS- Anstalt in Berlin-WilmerSdorf gehen dieAufnahmekarten zur Angestelltenversicherung für die Ausstellung der Bersiche- rungSkarte die ja von den Ausgabestellen bei der Ausstellung der BerficherungSkarte zurückbehalten find. von den Aus­gabestellen des hiesigen Kreise» gar nicht oder nur sehr vereinzelt daselbst ein.

Die Ausgabestellen (Ortspolizeibehörden) des Kreises weist ich an, für die umgehende Einsendung der Ausnahmekarten an die ReichS-BersicherungS-Anstalt Sorge zu tragen, und mir bis zum 18. November zu berichten, daß dies geschehen ist.

Mit dem Inkrafttreten deS GesetzeS der Angestellten­versicherung find gemäß 8 189 d. G. am Schluffe jeden Monats die eingegangenen Ausnahmekarten an die Reichs- versicherungS-Anstalt zu entsenden.

V. 3370. Der Landrat.

I. V.:

Dr. Dietz v. Bayer,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher teil.

Der Balkankrieg.

Der Marsch auf Durazzo.

Der österreichisch-serbische Adriakonflikt scheint nach und nach von seiner anfänglichen Schärfe zu verlieren: Hierzu dürfte in erster Reihe die gemäßigte, wenn auch feste Haltung der Donaumonarchie beitragen. Die diplomatischen und militärischen Besprechungen in der Hofburg zu Budapest haben keinen Zweisel aufkommen lassen, daß Oesterreich-Ungarn einerseit» geneigt ist, den serbischen Wünschen bis zu einem gewissen Punkte Rechnung zu tragen, daß eS aber auch andererseits entschlossen ist, ungerechtfertigten und mit den Interessen der Monarchie nicht zu vereinbarenden Aspirationen Serbien» Widerstand zu leisten. In zweiter Linie scheinen aber auch einige mit Serbien besreundete Mächte, so auch Rußland, die Belgrader Regierung vor einem zu straffen Anziehen deS Bogens gewarnt zu haben, so baß anzunehmen ist, daß König Peter stch bereitzeigen wird, eine friedliche Verständigung mit Oesterreich-Ungarn anzustreben. Diese Annahme berechtigt aber dann auch zu der Hoffnung, daß der zurzeit längs der adriatischen Küste nach Durazzo marschierende serbische Truppenteil sich jeglicher militärischer Operationen enthalten werde, die geeignet sind, gleiche Maß­nahmen seitens Oesterreich-UngarnS und Italiens zu provo­

Das Opfer.

Novelle von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich bin nur auS dem Rahmen gestiegen, um

mir

ein wenig Bewegung zu machen," sagte sie,und dann wollte ich Dich fragen, ob Du nun die andere auch ver­stoßen wirst I"

Gewiß wird fie verstoßen!" rief da eine scharfe Stimme. ES war Editha, auch sie war weiß gekleidet und hatte einen Rosenkranz auf dem Kopfe.Ich bin wieder jung geworden und Dir zu lieb, Benno, denn Du liebst Jugend und die Schönheit," sagte sie und sah ihn zärtlich an.

Eine dunkeläugige Italienerin näherte sich ihm jetzt. Sie trug daS lange, schwarze Haar aufgelöst, rote Granatblüten hingen lose darin.

Denkst Du noch an den Rosengarten, an daS kleine, weiße Haus in Neapel, wo Du mich maltest!" fragte sie, eS ist wohl lange her?"

Ja eS war lange her, so lange wie seine schöne, reiche Jugendzeit. Jetzt war er ein alter Mann, der töricht genug gewesen, in dem Herbste seines Lebens noch nach einer LenzcS- blüte auszuschauen.--Wo war sie, die zweite Frau? Er erblickte sie nicht unter den Traumgestalten, die jetzt eine nach der andern verschwanden.Elisabeth": er hatte den Namen laut gerufen. Halb noch mit dem Schlafe kämpsend, bemerkte er einen zarten Rosenduft in feiner Nähe. Eine Achte, kühle Hand legte sich jetzt auf seine brennende Stirn. erwachte und starrte mit irren Blicken, noch traumum- an9«i, in da» Antlitz seiner Frau.

®ie geht er Dir? Hast Du gut geschlafen?" fragte Elisabeth.

®ul|en richtete sich aus und strich daS wirre Haar aus Stirn.

»Du bist ja Deiner Pflichten als Gattin sehr eingedenk," fagte er finster.Was ist der Beweggrund dazu, Liebe wohl schwerlich. Vielleicht das böse Gewissen?"

zieren. Solche würden voraussichtlich erfolgen, sobald serbische Truppen sich anschicken, von einem Punkte an der Adria Besitz zu ergreifen. ES scheint, daß ein östereichischeS und ein italienisches Geschwader bereits Besrhl erhalten haben, die weiteren Vorgänge an der albanischen Küste ausmerksam zu beobachten und nötigensallS zu einer gemeinsamen Flotten- demonstration zu schreiten.

Das Ergebnis der Budapester Beratungen

Budapest, 12. November. Ueber die gestrigen hoch­wichtigen Verhandlungen in der Hofburg äußert sich daS offiziöse Organ Magyar Nemzet wie folgt:Die Bilanz deS gestrigen TageS ist, daß sämtliche maßgebenden Faktoren in der Monarchie den Frieden wünschen und im Interesse des Friedens arbeiten werden, und daß die nächste Zeit von den hierauf gerichteten Verhandlungen ausgefüllt fein wird." Ein ungarischer Staatsmann hatte Gelegenheit, mit dem Sobranjepräsidenten Danew zu sprechen. Er faßte seine Ein­drücke solgendermaßen zusammen:Wie eS scheint, ist Bulgarien durchaus nicht von seinen Verbündeten entzückt und auch nicht von Rußland. Rußland hat Bulgarien keinerlei Unterstützung angedechen lassen, wenn eS auch wahr ist, daß Bulgarien sie gar nicht eiwartet hat. Dagegen wurde Serbien von Ruß­land aus alle mögliche Weise unterstützt. Bulgarien fühlt sich daher Rußland nicht verpflichtet. Mit Oesterreich-Ungarn wünscht es daS beste Verhältnis ausrechtzuerhalten. Bulgarien wollte jedensalls seine Loyalität und sein Entgegenkommen der Monarchie gegenüber bekunden, noch ehe die Frage der Re- kompensationen RumänienS auf daS Tapet gebracht wurde.

Oesterreichs Stellungnahme.

Wien, 12. Novbr. An hohen diplomatischen Stellen bleibt man dabei, daß die Situation wohl äußerst ernst, aber keineswegs schon kritisch sei. Man werde vielleicht in den nächsten Tagen noch recht ausregende Stunden erleben, da Oesterreich-Ungarn keine Linie breit hinter dem den Serben gegenüber eingenommenen Standpunkt zurückweichen werde. Auf eine Konserenz, wie sie von London auS mit großem Nachdruck gewünscht werde, würden weder Oesterreich-Ungarn noch Deutschland eingehen. Die Entscheidung über die alba- nesische Frage dürfte noch im Lause der nächsten Woche er- solgen. BiS dahin sollen auch die von Oesterreich geplanten militärischen Maßnahmen aufgeschoben werden.

Serbien lehnt den österreichischen Einspruch ab.

S e m l i n, 12. Novbr. Ministerpräsident Pasitsch hat heute in UeSküb König Peter Vortrag gehalten über feine Konserenz mit dem österreichisch-ungarischen Gesandten v. Ugron. Er wird morgen nach Belgrad zurückkehren. Hierauf wird Pasitsch dem Gesandten die königliche Entscheidung bekannt­geben, die ohne Zweifel gegenüber dem österreichisch-ungarischen Standpunkte ablehnend lauten wird. Die Situation ist daher andauernd ernst. Die Gerüchte von der Mobilisierung der Armeekorps von TemeSvar, Agram und Sarajewo erhalten

Er sah sie durchbohrend an. Aber Elisabeth antwortete ganz ruhig:Wie kommst Du zu dieser Frage, Benno? Sehe ich auS, als hätte ich ein böses Gewissen?"

O nein, durchaus nicht," entgegnete Wuljen scharf, Deiner VerstellungSkunst gebührt alle Anerkennung, doch wirst Du mir gestatten, noch eine andere Frage an Dich zu richten: Kanntest Du Herbert schon früher, ehe Du mein Weib wurdest?"

Die junge Frau zuckte zusammen, sie sah etwas in den Augen ihres Gatten leuchten, was ihr das Blut erstarren machte.Ja, ich lernte ihn vor vier Jahren in H. kennen," stammelte sie.Aber bitte, sieh mich nicht so drohend, so vernichtend an, Benno, eS ist das doch kein Verbrechen!"

Daß Du ihn kanntest, nein, aber daß Du eS mir ver- Heimlicht, daß Du gelogen, betrogen! DaS daS" seine Stimme versagte ihm vor innerer Erregung.Geh, geh, laß mich allein!" stöhnte er.

Laß mich Dir erst erzählen, wie alles gekommen ist, Du wirst dann gewiß milder über mich urteilen.

Ha, um Ausreden seid Ihr und Eures Gleichen nie verlegen, ich kenne das zur Genüge.Geh, ich mag nichts weiter hören!"

Benno!" rief Elisabeth in einem Tone deS Schmerzes und der Verzweiflung, der durch Mark und Bein ging.

Wulfen fuhr auf, einen solchen Ton hatte er noch niemals gehört. Liebte Elisabeth ihn doch wahr und wirklich, und war er nur einem Wahne verfallen. Wie ein hohes GlückS- gefühl durchrieselte eS ihn plötzlich. Aber nur einen Moment währte daS, dann lachte er höhnisch auf. ES war wohl nur auch ihr ungemein bestrickende Stimme, womit sie ihn be­tören wollte, weiter nichts, ihr Herz hatte aber wohl keinen Teil daran.

Geh!" rief er noch einmal heftig,Deine BerstellungS- künste sind hier nicht mehr angebracht."

Elisabeth erwiderte kein Wort und verließ, ohne noch einen Blick aus ihren Gatten zu werfen, daS Zimmer.

Draußen auf dem Korridor begegnete ihr Editha. Mit innerlichem Frohlocken sah dieselbe daS bleiche, verstörte Ant­litz der jungen Frau. So viel Editha an der Tür draußen

sich hartnäckig, find aber bisher noch nicht bestätigt. Die Belgrader Blätter sühren heute eine sehr anmaßende und herausfordernde Sprache gegen Oesterreich-Ungarn und meinen, jetzt könne man beruhigt zur gewaltsamen Abrechnung mit Oesterreich-Ungarn schreiten.

Wien, 12. Novbr. DieNeue Freie Presse" erfährt, daß die russische Regierung die Forderung Serbiens nach einem Adriahasen aus albanesischem Gebiete kräftig unterstütze. AuS hiesigen diplomatischen Kreisen erfahre ich dazu, daß man hier die Möglichkeit einer diplomatischen Unterstützung der serbischen Forderungen durch Rußland zugibt. Ob aber Ruß­land geneigt ist, dieser Unterstützung SerbienS eventuell mili­tärischen Nachdruck zu geben, wird hier keineswegs als aus­gemacht angesehen.

Die hartnäckige Verteidigung Adrianopels.

Wien, 12. Nov. Ueber die Operationen vor Adria­nopel meldet der Berichterstatter der Reichspost: Die Bulgaren haben vor Adrianopel keinen leichten Stand, da ihre schwere Belagerungsartillerie zwar hinsichtlich deS toten und lebenden Materials vorzüglich, aber nicht genügend zahlreich ist, während einzelne türkische Werke eine relativ große fortifikatorische Stärke besitzen. Die Bulgaren ersetzen den Mangel an ge­nügend zahlreicher Belagerungsartillerie in wahnwitzigem Bor- wärtsdrang durch heroische, aber entsetzlich blutige Jnsanterie- Stürme. Ich sah zwei Bataillone im Sturme vorgehen, von denen kaum zwei Kompagnien zurückkamen. Von Kadinköi aus stoßen die bulgarischen Kolonnen allnächtlich in dem Werke Ainali Milet und dem nördlich gelegenen Kemertabja vor, und ebenso -ntbrennt illtäglich aufS neue der Kamps bei Marasch, daS nunmehr ein niedergebrannter Trümmerhaufen ist. Seit vorigen Sonntag sind auch serbische Truppen bei der BelagerungSarmee vor Adrionopel eingetroffen. In Mustafa-Pascha sind ungesähr 17a Divisionen durchmarschiert.

Die Entscheidung dürfte auf beiden Punkten, bei Tschataldscha sowie bei Adrianopel, ungefähr gleichzeitig fallen.

Serben und Montenegriner vor Skutari.

Eemlin, 12. Nov. Die schwersten serbischen Belage­rungsgeschütze find jetzt vor Ekutari gebracht worden, um dessen Fall zu beschleunigen. Die christliche Bevölkerung von Ekutari ist in die Kirchen geflüchtet, doch gehen die verbün­deten serbisch-montenegrinischen Truppen so weit, daß auch Kirchen, Krankenhäuser und Schulen beschossen werden. Ekutari ist vollkommen zerniert, doch dürften die Türken eher der Hungersnot als der bedeutend stärkeren Streitkraft der Belagerer unterliegen, zumal Ekutari mit Proviant sehr schwach versehen ist. Die Ergebung dürfte nicht so bald er­folgen. Der serbische Ministerrat hat auf die Erklärung deS Standpunktes Oesterreich-UngarnS seitens deS Belgrader Ge­sandten von Ugron beschlossen, auf keinen Fall von der Er­langung eines AdriahascnS abzulaffen, um als Kompensation dasür einen Hafen an der dalmatinischen Küste bei Metkovitsch

erlauscht, schienen ihre Warnungen, trotz WulfenS schnöder Abfertigung, doch nicht in den Wind gesprochen zu sein. Elisabeth ging nach dem blauen Boudoir. Hier wußte sie sich am ungestörtesten und konnte ihren Gedanken freien Laus lassen. Sonnenhell und schweigend lag der Park unter ihrem Fenster, dort drüben auf dem einsamen Waldweg bemerkte sie jetzt KSte und Herbert und erinnerte sich, daß man am Morgen eine Waldpartic verabredet hatte.

Langsam schlenderte daS junge Paar den Weg entlang; Elisabeths Gedanken folgten denselben. Vielleicht, daß diese jungen Herzen sich einst jänden! KStens heiteres Tempera­ment, der Reiz sorgloser Jugend mußten gerade jetzt auf Herberts gedrückte Stimmung einen wohltuenden Einfluß haben. Die Grundstimmung seines Innern war ja auch eine noch leichtlebige und sorglose, sie war nur jetzt getrübt durch die Enttäuschung, die er erfahren. In KälenS Nähe aber fand er sich wohl wieder, lernte schließlich vergessen und auS den Trümmern seiner Jugendträume blühte ihm ein neue», reiches Glück empor. ES zuckte schmerzlich wie verhaltenes ©einen um die Lippen der jungen Frau. Sie sah ein reiches Glück emporblühen, während sich über ihrem Frieden, ihrem LebenSglück dunkle Wolken auSgebreitet hatten. Wie auf einen Felsen hatte sie aus die Liebe ihres Gatten gebaut, und nun hatte er den Glauben an sie so schnell verloren, hatte sie aufgegeben ohne ihr nur ein Wort der Verteidigung zu gestatten. Noch klangen seine rauhen Worte in ihrem Innern nach, die sie gehen geheißen. Gehen von ihm gehen für immer kam eS langsam, tonloS von ihren Lippen, als spräche sie einen harten, grausamen Schicksals- spruch. Sie sah sein in Leidenschaft erglühteS Antlitz, die Augen zum ersten Mal voll Zorn auf sie gerichtet und nun drang eS doch wie eine süße, schmeichelnde Melodie heraus auS ihres Herzens Tiefen: Daß nur die leidenschaft­liche Liebe diese sonst so milde Natur ihres Mannes so ver­wandeln konnte und daß eS ihre heilige Aufgabe sei, die milden Wogen seines Zornes zu besänftigen, ihn zu versöhnen! Dieser Gedanke gab ihr nach und noch ihre Ruhe wieder. Wulfen mußte ja, wenn er ruhiger über alle» nachdachte, milder und versöhnender über sie urteilen. Sie hatte ja