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Die Dinge auf dem Balkan entwickeln sich in einer Weise, die trotz aller diplomatischen Beschwichtigungsversuche doch nur mit schwerer Sorge anzusehen ist. Die Türkei wird auf allen Seiten geschlagen, von den Montenegrinern und Serben, die bereits den ganzen Eandschak und eine» Teil von Alt- serbien besetzt haben, von den Griechen, die gegen Monastir und Saloniki vordringen, und erst recht von den Bulgaren, die die türkische HeereSabteilung bei Kirkkiliss« vernichtet haben und Adrianopel fast vollständig eingeschloffen halten. Zurzeit ist nach den vorliegenden Meldungen die Entscheidungsschlacht zwischen den Türken und Bulgaren südöstlich von Adrianopel im Gange. Unterliegen die Türken auch hier, so steht den Bulgaren der Weg nach Konstantinopel offen und der Feld- zug ist zugunsten deS BalkanvierbundcS entschieden. Aber dann beginnen erst recht die internationalen Schwierigkeiten und damit die Gesahren, die eine Aufteilung der Türkei in sich birgt, denn an eine Aufrechterhaltung deS StatuSquo aus dem Balkan ist dann nicht mehr zu denken. WaS werden Ruß­land und Oesterreich machen, waS England und Frankreich? Auch Rumänien hat sich für diesen Fall schon gemeldet. WaS aber auch in der Zukunft Schoß liegen mag, Deutschlands Sorge kann und wird nur auf die Erhaltung des europäi­schen Frieden? gerichtet sein. In Konstantinopel ist inzwischen an die Stelle des GroßwefirS Ghazi Ahmed Mukhtar Pascha der bisherige Minister deS Auswärtigen, Riamil Pascha getreten. Der Soldat wurde durch den Diplomaten ersetzt. DaS ist vielleicht bedeutsam.

Dem Balkanproblem gegenüber treten alle anderen Ereig- niffe im AuSlandezurück. Daß der französisch-spanische Marokkovertrag abgeschlosien worden ist, ist sost un­beachtet geblieben, obwohl eS nicht ausgeschlossen ist, daß er weitere politische Folgen zeitigen wird. Die Revolution in Mexiko ist durch die Einnahme von Veracruz durch die mexikanischen ReginungStruppen bereits wieder beendet. Jetzt streiten sich Zivil- und Militärgericht um die Aburteilung des Rebellensührer? Dioz. Menschliches und politisches Jn- tereffe erweckte eine schwere Erkrankun g deS jungen russischen Thronfolgers. Glücklicherweise lauten die letzten Nachrichten bereits wieder günstig.

Resormationssest.

Resormation l Ein alter Klang, der unS immer wieder neu berührt; er ist alt, aber nicht veraltet und hat an Krast noch nicht? eingebüßt. In Millionen Herzen wird'S bei dem WorteReformation" lebendig, und wie eine Flutwelle bricht es hervor au? den Gemütern, hier al? Freude und Begeisterung, dort al? Groll und Bitterkeit. Für jeden evangelischen Christen knüpfen sich an den NamenReformation" die köstlichsten Erinnerungen, die heiligsten Güter, die ihn immer von neuem zum Danke gegen Gott ermuntern. Die Reformation ist für un? Evangelische ein großer weltgeschichtlicher Sieg der Wahrheit über menschlichen Irrtum; sie ist in unsern Augen keine zufällige Erscheinung, auch nicht das Resultat menschlicher NeuerungSsucht, sondern eine Fügung Gotte?. Nicht Luther wollte eine Reformation, sondern Gott wollte unsern Luther zur Durchführung seine? Werke? al? einen Herold der Wahrheit.

Freilich wird die? von römischer Erste bestritten; al? Menschenmachwerk bezeichnet man die Reformation, al? Saturn und Rückschritt, welchen Luther, der wunderliche und eigen­sinnige Mönch von Wittenberg, verschuldet habe. Die Reformatton ist nach römischem Urteil nur Deformation, ein weltgeschichtliche? Unrecht, da? der wahren (katholischen) Kirche widerfahren ist. Es ist allerdings für Rom nicht angenehm, Macht einzubüßen, nicht leicht, eine Niederlage zu verschmerzen. Mindesten? ebenso schwer ist es aber für uns Evangelische, still und geduldig zu bleiben, wenn man uns für minder­wertige Christen anfieht, wenn man, der Wahrheit zuwider, so tut, als hätte die Resormation lauter Unheil in die Welt ge­bracht, das zu erkennen und auszurotten jedes katholischen Christen heiligste Pflicht sei. Wir können nicht anders als protestieren, wenn man unsern Luther, diesen Mann voll innerer Wahrhastigkeit und Demut, diesen Helden deS Gebet? und deS Glaubens systematisch herabwürdigt und mit Echmutz bewirft. Unser evangelische? Ehrgesühl treibt unS zum Protest gegen die Beschimpfung der Theologen und Fürsten der Reformation, die dem katholischen Volle, um mit Roms Motte zu reden, geschildert werden alS Rebellen, al? Männer, denm der Bauch ihr Gott ist.

Gegenüber oll den gehässigen Angriffen RomS haben wir ein gutes Gewissen. Ein schlechter Baum kann doch nicht gute Früchte bringen. Wären Luther und die Männer der Reformation wirklich da? gewesen, was sie nach katholischem Urteil fein sollen, dann sähe eS heute in deutschen Landen

Nun, daS ist doch stark," lachte der Oberst.Ich halte die Wette."

Die Formalitäten wurden erledigt, der Oberst zog die Ettesel au? und ließ sich vom RegimentSarzt und einigen Kameraden die Füße untersuchen.

ES wurde sestgestellt, daß nicht die Spur einer Wunde vorhanden fei.

EchinSki machte ein ärgerliches Gesicht.

Die Wette ist verloren," sagte er und legte die 200 Rubel auf den Tisch; als Grundbesitzer konnte er sich solche Bathen leisten.

Und nun," fügte er schmerzlich hinzu,werden Herr Oberst leider wohl die Geschichte jedensallS meinem bisherigen RegimentSchef Herrn Oberst ChowanSki mitteilen."

Ja, natürlich, mein alter Freund ChowanSki erfährt noch morgen die ganze Geschichte I" rief der Oberst sehr amüsiert.

Am nächsten Tage ging denn auch der Brief ab, in dem der Oberst über den bisher unbesiegten Leutnant triumphierte.

Wenige Tage später waren die Offiziere wieder im Kasino versammelt, als der Oberst eintrat und einen Bries auS der Tasche zog.

Unglaublich, meine Herren Kameraden!" tief er.

Alle Offiziere, unter ihnen auch EchinSki, umringten ihn. Der Oberst fuhr fort:

Hören Sie folgenden Brief an, den mir mein alter Freund ChowanSki schreibt: Lieber Freund! Dieser EchinSki ist ein Teufelskerl, er hat mit mir um 600 Rubel gewettet, daß er gleich am ersten Abend, wo er im dortigen Kasino verkehrte, Dich dahin bringen werde, daß Du die Ettesel auSziehst und mir die» eigenhändig mitteilsti' WaS sagen Eie dazu l"

Ein allgemeiner Jubel brach bei diesen Worten aus, den EchinSki lächelnd entgegennahm.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Nicht mehr läßt es sich verfehlen, daß der Krieg auf dem Balkan für die vielgeplagten Türken kaum noch glücklich enden kann, noch vom Kampfe mit Italien

ander? auS. Wir missen aber, waS wir der Reformation und ihren Führern durch GotteS Gnade zu danken haben: einen evangelischen Staat, der frei ist von den Fesseln einer inter- nationalen Hierarchie; freie wissenschaftliche Forschung und vor allem Freiheit deS Gewissens und das unverfälschte Evangelium. DaS sind Güter, die wir täglich alS Wohltat empfinden, aus die wir mit Recht stolz fein können.

Aber mit dem Genießen ist eS noch nicht getan. Auch von dem Erbe der Reformation gilt deS Dichters Wort: Erwirb eS, um eS zu besitzenI" Darum soll unS das ResormationSfest bei aller Freude auch eine Mahnung sein, daß wir unS der Reformation und ihrer Helden würdig zeigen. Evangelische Glaubenstreue und Einigkeit, evangelische Uner» schrockenhcit und ArbeitSfreudigkeit, aber auch evangelische Wahrhaftigkeit und Liebe seien unsere Zierde I Einig im Glauben, mutig und unermüdlich wollen wir daS Erbe der Reformation verteidigen. Rom kämpst auch, aber mit anderen Waffen als wir. Unser Stolz indes soll eS im Kampfe bleiben: lieber nicht so heftig, ober in Liebe; lieber weniger Erfolge, aber wahrhaftig I Wir haben die Wahrheit auf unserer Seite; die Wahrheit behält den Sieg. DaS Reich muß unS doch bleiben!

Der Balkankrieg.

Sieg der Bulgaren.

Die Entscheidung am Ergenefluß ist, wenn die Sofioter Meldungen den Tatsachen entsprechen, bereit? gefallen. Während gestern die Türken von Ersolgen auf dem rechten Flügel bei Wisa berichteten, melden heute die Bulgaren einen vollständigen Sieg über da? Zentrum der türkischen Stellung. Einzelne Meldungen besagen:

Sofia, 31. Okt. Heute nacht traf die Meldung ein, daß die Bulgaren bei Lüle Burga? nach dreitägigem er­bitterten Kampf einen vollständigen Sieg davongetrogen haben. Die Türken flohen noch Tschorlu. Sie werden energisch verfolgt. ES geht daS Gerücht, daß Nafim-Pascha ge­fallen fei.

Diese Nachricht wird durch andere private Mitteilungen bestätigt, die in Berlin eingetroffen find. Auch wird sie von der Wiener bulgarischen Gesandtschaft vollinhaltlich bekrästigt. Ueber die Anordnungen deS bulgarischen Angriffs berichtet nachstehende Meldung:

Wien, 31. Okt. Der KriegSberichterstatter der Reich?- post meldet au? dem Hauptquartier der bulgarischen Haupt­arm« vom 30. d. MtS.: Der Angriff begann gestern auf beiden Flügeln. Der Anmarsch der bulgarischen Armee zur Schlacht ersolgte in zwei Gruppen, die eine Gruppe des rechten Flügels ging in der Richtung Lüle BurgaSTschorlu vor. Zu dieser Gruppe waren der größte Teil der Kavallerie und drei Brigaden der Armee deS Generals Iwanow, der vor Adrianopel steht, herangezogen, die ihrerseits durch Re- serveformotionen ersetzt wurden. Stärkere bulgarische Ko­lonnen find von Hawsa und über Pawloköi und Alaplje aus daS südliche Ergeneuser dirigiert. Die Türken find hier nach heftigen Kämpfen bereit? in der Richtung aus Cifliköj zurück­gewichen. Die Ostgruppe ist im Vorgehen durch die Wälder an der Straße WisaEaraj begriffen; bei ihr ist infolge der schlechten Wege und deS ungünstigen Wetters im Vormarsch eine Stockung eingetreten. Vormittag? wird aber der allgemeine Vormarsch wieder beginnen. Starke Kolonnen find ferner im Anmarsch «über Achmed-Bei und Getscherler und auf Midia und in der Richtung aus Jstranja. Die türkische Armee soll ihre neuen Stellungen noch nicht erreicht haben und versuchen, unseren Vormarsch durch Gegenangriffe auszuhalten. Von Earaj und Getscherler haben, wie gemeldet wird, türkische Truppen den Vormarsch über Wisa in der Richtung aus Bunar Hiffar ausgenommen.

Konstantinopel, 31. Okt. Die Berichte vom Kriegs­schauplatz lauten wenig günstig für die türkische Armee. Nazim Pascha versucht, auS der Cataladzalinie Verstärkungen für die vordere Linie heranzuziehen. Dort sollen sich noch 90 000 Mann befinden. Neue schwere Kämpse stehen bei Corlu bevor. Täglich treffen noch Zuzüge auS Anatolien ein. Im Hauptquartier herrscht fieberhaste Tätigkeit. Ein Truppentransport ist schon nach Midia im Schwarzen Meere ausgelaufen, begleitet von einigen TorpedobootSzerstörern. Man hofft hier, den linken Flügel der Bulgaren umsaffend angreifen zu können.

Sofia, 31. Okt. In der Schlacht, die mit den Haupt- streitkräften der türkischen Armee in Stärke von 150 000 Mann aus der Linie Bunar-Hiffar-Lüle-BurgaS seit drei Tagen

jüngst in TripoliS geschwächt, sieht man zwar die Türken­heere noch sich wehren, schlecht und recht, doch die Uebermacht der Feinde schließt ein glücklich Ende auS, noch dazu ist die Regierung nicht mal Herr im eig'neu HauS. Topser und im Krieg erfahren zeigen heut' sich die Bulgaren, wahrlich war'S kein Kinderspiel, ehe Kirkilifse fiel. Griechenland hat auch verstanden, ohne lange erst zu zagen, gleich daS Feld deS heißen Krieges in de? Feindes Land zu tragen, über Kreta unter- deffen hat eS feine Hand gelegt, so daß dort wohl auch den Türken schon die letzte Stunde schlägt. Von vier Seiten angegriffen, wehrt sich, wie man anerkennt, die Türkei mit Löwenmute und die Weltgeschichte nennt jetzt schon der Türkei Verhalten eine rechte Hel­dentat, einerlei wie auch da? Ende einst in diesem Kriege naht.---Frankreich, daS vor wen'gen Tagen

nochmals den Versuch gemacht, nach Vermittelung zu streben, sieht sich dazu ohne Macht, denn in allen and'ren Staaten trug man wenig Sympathie, diesem Vorschlag beizutreten, weil man weiß, eS glückte nie, zur Verständ'gung zu durchirren diese ewigen Balkanwirren.

Fast bedenklich möcht eS scheinen, jedermann auf dieser Welt, daß sogar in England diesmal man sich ganz passiv verhält. England pflegt den eignen Nutzen stets sofort zu überseh'n, darum muß eS stutzig machen, wenn wir? jetzt so ruhig seh'n. Und Europas Diplomaten scheinen kaum vorbeizuraten, wenn fie sich ganz insgeheim flüstern, waS wir laut Euch lehren: England wird beim Balkankriege wieder schon sein Echäschen scheeren.

Walter-Walter.

(Der Held.)Na, ich sage Ihnen," so berichtet Mr. JenkinS stolz,dem Herrn hab ich'S aber gegeben, daS kann ich Ihnen sagen. Und wenn er auch zweimal so groß und zweimal so stark ist wie ich, das hat mich nicht ge­hindert, ihm meine Meinung schlankweg inS Gesicht zu sagen. Namen habe ich ihm gegeben, die kein Wörterbuch verzeichnet. Und nicht gemuckst hat er, der Feigling."Er versuchte nicht, Sie zu mißhandeln?"WaS? mich mißhandeln? Nein,

im Gange war, hat die bulgarische Armee den Feind ge­schlagen und ihn gezwungen, sich auS der westlichen Stellung unter stürmischem Nachdrängen der Bulgaren zurückzuziehen. Die bulgarischen Verluste sind verhältnismäßig unbedeutend. Die Dörser Aiwoli bei Lüle-BurgaS und Mara'sch im Westen von Adrianopel sind von den Türken eingeäschert und die gesamte christliche Bevölkerung niedergemetzelt worden. Auch sämtliche Dörfer in der Gegend Melnik haben die Türken in Brand gesteckt.

Wien, 31. Okt. DieN. Fr. Pr." meldet auS Sofia vom 31. d. Mts.: Infolge der Einnahme von Lüle-BurgaS durch die Bulgaren ist auch der östliche türkische Flügel aus dem Rückzüge gegen Serai-Etrania begriffen. Die westlich von Jenikoi gewesenen türkischen Reserven (9 Divisionen) sind gegen daS Zentrum der Front vorgeschoben worden, um dem weiteren Vordringen der Bulgaren Einhalt zu tun. Die Echlachtsront, die gestern Lüle-BurgaS-Visa war, ist heute Corlu-Earai-Jstranza.

PariS, 31. Okt. Au? Sofia wird bestätigt, daß die Türken bei Lüle-BurgaS trotz heldenmütigen Widerstandes vollständig geschlagen worden sind. Die beiderseitigen Verluste sind ungeheuer. Der Weg nach Konstantinopel steht den Bulgaren nunmehr offen.

Eosia, 31. Oktober. Nach hier durchsickernden Einzel­heiten wickelten sich die Kämpfe, die zu der Niederlage der Türken führten, in der Linie westlich Lüle BurgaS und östlich deS Städtchens Earai ab. Letztere? liegt an der von Bunar Hiffar und Wisa zur Eisenbahn führenden Chaussee. Die bulgarischen Armeen scheinen die Türken durch einen Flanken­angriff geworfen zu haben.

Eosia, 31. Oktober. Die Echlacht aus der Linie Lüle BurgaSSarai, von der bereits gemeldet wurde, war sehr erbittert. Die türkische Armee unter dem Befehl Nazim- PaschaS wurde völlig in die Flucht geschlagen und zog sich eiligst gegen Tschorlu zurück. Die Türken ließen eine große Zahl von Toten und Verwundeten auf dem Platze.

Die englischen Meldungen von Truppenlandungen der Türken an der Küste de? Schwarzen Meeres scheinen sich zu bestätigen. Die Türken legen den Schwerpunkt ihrer Der- teidigung auf den rechten Flügel ihrer Stellung und scheinen alle? Verfügbare nach hier heranzuziehen. Ob sie damit jetzt noch zur rechten Zeit kommen, ist eine andere Frage.

Eine Niederlage der Montenegriner bei Skutari.

Wien, 31. Okt. Wie die ReichSpost meldet, haben die Montenegriner bei Berdica, Beltoja und Truschi in der Bajana-Ebene eine Niederlage erlitten. Der Angriff machte daS südliche Vorfeld von Skutari frei. Die Venetianer Brücke vor der Stadt ist aus Befehl deS Stadtkommandanten in die Lust gesprengt worden. Die Mirditen haben eS abgelehnt sich den Montenegrinern anzuschließen.

Rjeka, 31. Okt. Seit 3 Uhr nachmittags ist um Skutari heftiges Geschütz- und Gewehrfeuer hörbar. Ueber der Stadt find starke Rauchwolken zu bemerken, die offenbar von einem Brande hcrrühren.

Friedensneigung im Goldenen Horn.

Konstantinopel, 31. Okt. Hier wird dem Wiener K. K. Telegr.-Korrcjp.-Burcau zufolge versichert, daß eine Tendenz zum Frieden sich sowohl in leitenden türkischen Kreisen wie bet den Balkanstaaten bemerkbar zu machen be­ginnt. Man glaubt, daß der gegenwärtige Augenblick günstig fei, um ein Terrain für den Frieden zu suchen und vorz«> bereiten. Die Einstellung de? Krieges würde nicht nur dem Interesse Europa?, sondern auch dem Interesse aller Krieg- sührenden entsprechen.

P e t e r? b u r g , 31. Okt. In Odeffa trafen zwei Ver­treter deS türkischen Auswärtigen AmteS in einer außerordent­lich wichtigen Miffion ein, um sich nach Petersburg und daraus nach Wien zu begeben. Hier werden sie morgen erwartet.

Zur Jn- und Ausland

Berlin, den 31. Oktober 1912.

Der Kaiser empfing am Mittwoch mittag im Neuen PalaiS den Kronprinzen Georg von Sachsen und nahm beffen Meldung alS Leutnant ä la suite deS Gardeschützen-BataillonS entgegen. Nachmittags 6 Uhr begab sich der hohe Gast nach Lichterfelde in daS Kasernement deS Gardeschützen-BataillonS, wo feierliche Vorstellung und Begrüßung deS Bataillons er­folgte. ES fand dann im RegimentSkasino Festtafel statt, an welcher der Kaiser und der Kronprinz Georg von Sachsen

mein Lieber, das wagte er nicht. AlS er nur den geringsten Versuch machte, mir zu antworten, da, ja da hing ich einfach den Hörer ab und ließ ihn stehen . . ."

Eine Aufklärungsschrift, die in geradezu vorbildlicher Art und Weise durchaus sachlichen Ausschluß über die Herstellung und Zusammensetzung der Produkte Palmin" (Pflanzenfett) undPalmona" (Pflanzen-Butter- Margarine) enthält, geben neuerdings die Fabrikanten dieser Produkte heraus. Die kleine, vortrefflich auSgestattet« Broschüre wird allen Interessenten von der Firma H. Echlink und Cie. A.-G., Hamburg, auf Wunsch gratis und franko zugesandt.

Essen (Ruhr), 31. Okt. Aus ZecheEwqld" bei Buer wurden zwei Bergleute von GesteinSmaffen verschüttet Beide find tot.

Ein Bau nach unten wird gegenwärtig in der Friedrichstraße in Berlin auSgesührt. Da in Deutschland keine Wolkenkratzer" errichtet werden bürfen, sucht man bei den teuren GrundstückSpreisen in Berlin den Raum in die Tiefe auSzunutzen. Die Sohle deS untersten KellerS kommt 7,5 Meter unter der Straßenoberfläche zu liegen; insgesamt mußten 31 000 Kubikmeter Boden auSgehoben werden. Die Kosten deS neuen GeschäftSpalasteS, der als Hoch- und Tiefbau gleich interessant ist, belaufen sich auf rund 6 Mill. Mk. Die beiden Keller find bereit? für 15 Jahre an eine Weinfirma vermietet.

DT. Tauberbischos?heim,31. Okt. In Werbach- Hausen sind die Mutter und da? Dienstmädchen de? Psarrer? Barth durch Kohlenoxydga? vergiftet betäubt ausgefunden worden und ohne daS Bewußtsein wiedererlangt zu haben, gestorben. Da? Kohlenoxydga? war einem Kamin, der in dem Schlaszimmer der beiden Frauen stand, entströmt.

Wien, 31. Oktober. In einer Frauenklinik verfiel die 30jährige Frau Handl nach einer Injektion in Bewußtlosigkeit und starb einige Stunden spät«. ES war ihr aus einer Flasche, die eine Kochsalzlösung enthalten sollte, reiner Alkohol injiziert worden. ES ist noch nicht ausgeklärt, wodurch die Berwechselung entstanden ist.