DaS fei ja nun auch geschehen, aber nur in anderer Weise al« der Präsident eS erwartete. DaS HauS hatte sich bei den ersten Worten von seinen Litzen erhoben und nahm den Nachruf, der sich später auch auf den inzwischen verstorbenen Erbauer deS Hauses, Schulze und die Abgeordneten von Norman, Gießling und den Alterspräsidenten, StaatSminister o. D. Hobrecht erstreckte, mit warmem Interesse entgegen. Dann trat daS HauS in die Tagesordnung ein.
Bei Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst über eine Reihe von Petitionen verhandelt, die weitere Rechte für die Frauen, namentlich auf dem Gebiete des Gemeindewahl- rechtS betreffen. Abg. Hirsch bittet um Unterstützung sämtlicher Frauenforderungen. Strofser (Ronf.) erklärt sich namenS seiner politischen Freunde als entschiedener Gegner der politischen Wahlrechte der Frauen. Schepp (Vpt.) wünscht den. Frauen inanbetracht der vermehrten Zahl der werktätigen Frauen auch eine angemessene Erweiterung ihre? Tätigkeitsgebietes im öffentlichen Leben. Abg. Trimborn (Ztr.) führt aus, daß die Frau jetzt Gelegenheit habe, sich ordentlich zu betätigen und selbst daS Fraucnstimmrecht nicht verdiene. Abg. Graf Moltke (Freikons.) hält eS sür verkehrt, die Frauen inS öffentliche Leben hineinzuziehen und zu einem Objekt deS KampfeS zu machen. Abg. Haußmann (Natl.) hält den Zeitpunkt, wo die Frage aktuell wird, für noch nicht gekommen und möchte die Regierung nicht zu einer sofortigen Entschließung gedrängt sehen. Abg. Lippmann (Vpt.) betont, daß 9 Millionen Frauen, die jetzt Objekte der Gesetzgebung find, ohne alle politischen Rechte dastehen. Die Petition wird alS Material überwiesen. Für Berücksichtigung stimmen nur die Fortschrittler und die Sozialdemokratin. Eine Petition vom Beamtcnverein von Bergen auf Rügen um Einsührung der Städteordnung in Neu-Vorpommern und Rügen wird nach kurzer Debatte zur Berücksichtigung überwiesen. Ueber eine Petition deS MietervereinS in Danzig um Aushebung des HauSbefitzerprivilegS bei den Stadtverordnetenwahlen wird gemäß dem KommifsionSantrage Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Mittwoch 12 Uhr nächste Sitzung.
Der Balkankrieg,
Aus dem am weitesten östlich gelegenen bulgarrsch-türkischen Kriegsschauplatz scheint ein entscheidender Kamps bereits im Gange zu fein. Der AuSgang deS blutigen RingenS um Loffowo und im Sandschak, bei Ekutari und weiter unten an der griechischen Grenze kommt erst in zweiter Linie in Betracht; hier aber, in und um Adrianopel, dürste daS Schicksal deS ganzen Krieges entschieden werden. Sowohl au? Sofia wie au? Konstantinopel wird von schweren Kämpsen bei Kirk-Kiliffe, östlich Adrianopel, berichtet. Fast wacht e? den Eindruck, al? hätten hier die Türken, die in der Linie Adrianopel—Kirk-Kilisse stehen, die Offensive ergriffen, um die Vorhuten der Bulgaren in das unwegsame Gebiet an der bulgarischen Grenze zurück- zuwersen. Freilich, größere bulgarische Truppenmoffen können hier noch nicht zur Stelle sein. E? wird gemeldet:
Sofia, 22. Oktober. Sicherem Vernehmen nach fanden Sonntag und Montag vor der Festung Kirk-Kiliffe, in deren Umgebung sich die türkische Hauptmacht befinden soll, äußerst horte Kämpfe statt, die bisher unentschieden blieben. Mazedonische Flüchtlinge find in den Grenzstädten küstendil und Dubinitza in Westbulgarien eingetroffen und in da? Innere deS Lande? geschafft worden. Einige türkische Gefangene find noch Sofia eingebracht worden.
Bon türkischer Seite werde» Einzelheiten über diese Rümpfe einstweilen nicht mitgeteilt Eine lakonische Meldung besagt nur, daß man in Konstantinopel die Ankunft von zweihundert bei den Kämpsen in der Zone von Kirk-Kiliffe gefangengenommenen Bulgaren erwarte,
6 emlin, 22. Oktober. Vom Kriegsschauplätze wurde nachmittag? von offizieller Seite gemeldet, daß die Serben dm Ort Kumanovo in Altserbien nach hartem Kampfe eingenommen haben. Die zweite serbische Armee unter General Ziskovitsch beschießt gegenwärtig Novibasar, deffen Uebergabe seitens der Türken jeden Augenblick erwartet wird. Diese Nachrichten find mit großem Vorbehalte aufzunehmen. Morgen werden in Belgrad die ersten fünfzehn Waggon? mit Verwundeten vom Kriegsschauplatz erwartet.
S e m l i n , 22. Okt. Bei Kursumlija find viertausend Arnautm und Türken zwischen die vom General Zsifkovitsch und dem Kronprinzen Alexander besehligten beiden Flügel dc? serbischen Heere? eingedrungen und haben diesem große Verluste beigebrocht. Gestern abend ist in Belgrad hartnäckig da? Gerücht ausgetreten, daß die Montenegriner am Sonntag bei Tutzi ein neuerliche?, aber für fie unglückliches Gefecht zu bestehen hatten. Hierbei soll der Kronprinz Danilo von
diese? tägliche Beisammensein ihre berechnenden Pläne knüpfte. Ihre Hoffnungen hatten denn auch nicht getrogen. Wie ein hoher, beglückender Traum war diese späte Liebe über Wulsen gekommen und al? er fich dieser Gefühle klar bewußt war, hatte er auch nicht länger gezögert, fich gegen Frau von Horst auSzusprechen. Wäre er jünger gewesen, hätte er wohl zu Elisabeth von feinet Liebe gesprochen, aber die Liebe eine? älteren Manne? einem jüngeren Mädchen ist selten ohne eine gewisse Scheu und Schüchternheit. Das kecke Selbstvertrauen der Jugend, welche stürmisch auf da? ersehnte Ziel hinsteuert, hatten die Jahre ihm längst geraubt.
Nebligen? war Frau von Horst nicht im Unrecht, wenn fie Wulsen einen immer noch schönen Mann nannte. Sein Gang und seine Haltung waren noch jugendlich, elastisch, und da? dunkelgelockte Haar war nur ein wenig erst an den Schläsm ergraut, und wie er fich jetzt zu Elisabeth niederbeugte und mit dem Ausdruck hohen Glück? in den edlen, männlichen Zügen und so gute, treue Worte zu ihr sprach, da mußte fich da? junge Mädchen gestehen, daß da? Leben an der Seite diese? Manne? doch noch wohl ein reiche? und beglückende? werden könne. Auf einmal zuckte fie aber erschreckt zusammen, war fie nicht ähnlichen Augen schon einmal begegnet? Vor langer Zeit trat e? gewesen, lange bevor Wulfen in ihr Leben getreten, und diese Augen hatten mit leidenschaftlichem Ausdruck auf ihr geruht und hatten geleuchtet, so oft in ihren Träumen. Und nun alle? vorüber, vorüber all' da? süße Träumen, der Jugend höchste? Glück I Diese Augen hatte fie nie wieder gesehen und den Träger derselben nie kennen gelernt.
E n Seufzer rang sich lo? au? ihrem Herzen. Frau von Horst hatte sich jedoch eben mit einerFrage an ihrenSchwirgersohn gerichtet, sodaß Wulfm die Augm von ihr wandte und nicht die verräterische Bläffe und den Seuszer bemerkte. Käte benutzte die Gelegenheit, ihrer Schwester zuzuflüstern, daß Wulfen doch wirklich noch sehr gut für seine Jahre auSsehe. Sie war etwa? betroffen, daß Elisabeth ihre Worte durchaus nicht beachtete und mit einem so leeren kalten Ausdruck über fie hinweg sah. Ihre Hellen, blauen Augen blickten forschend von einem zum andern und hafteten schließlich wieder voll
Montenegro von den Türken gefangen genommen worden sei. DaS Gerücht rief in Belgrad große Bestürzung hervor.
AuS Cetinje wird amtlich erklärt:
Die Nachrichten über einen Sieg der türkischen Truppen bei Podgoritza sind unbegründet. Die montenegrinische Armee hatte biS jetzt nur Erfolge zu verzeichnen. Der Sieg der Montenegriner ist selbstverständlich mit bedeutenden Verlusten verbunden, deren Zahl der Oeffentlichkeit mitgeteilt wurde. Die Verlustziffern sind erklärlich durch die Zahl der türkischen Truppen, von denen über 6000 in Montenegro kiicgSge- fangen sind.
AuS Belgrad wird vom Dienstag gemeldet: Heute vormittag sind 295 meist Leichtverwundete hier eingetroffen. Sie wurden von Abgeordneten und einem zahlreichen Publikum stürmisch begrüßt. Die erste serbische Armee drang gestern bi? vor Kumonowo vor. Die Höhe von Rujau wurde nach heftigem Artilleriekampfe durch einen Bajonettangriff erstürmt. Der König besichtigte die Truppen bei Gilan und wurde begeistert begrüßt. Die dritte Armee rückte gleichfalls erfolgreich vor. Die Vortruppen erreichten die Ebene von Molokofovo. Die Kolonne vom Jbar wurde bisher durch den starken Nebel am schnellen Vormarsch behindert. Die serbischen Vorposten sind biS vor Ejenitza vorgeschoben. Die serbischen Verluste in den letzten Kämpsen sind beträchtlich, die türkischen Verluste außerordentlich groß.
S o s i a, 22. Oktober. Die Schlacht bei Kirk-Kiliffe ist in vollem Gange, die türkische Verteidigungslinie soll durchbrochen sein. Da? KrcSna-Defilee ist genommen. Drei Geschütze und ein Maschinengewehr sind erbeutet worden.
Pari?, 22. Okt. Poincarä hatte gestern eine längere Unterredung mit den Botschaftern Echoen, Bertie und I?- wolSki über den Balkankrieg, wobei wie glaubwürdig versichert wird, die eventuelle Haltung Rumänien? im Falle eine? bulgarischen Siege? erörtert wurde. Wie man hier annimmt, werde Rumänien trotz seiner Neutralität?erklärung einschreiten, sall? die Lage in der Türkei allzu kritisch würde und Bulgarien sich der dann erfolgenden sreundschastlichen Intervention der Mächte nicht fügen sollte. Man erwartet mehr oder minder einen entscheidenden Schlag in diesen Tagen zwischen Adrianopel und Konstantinopel.
Konstantinopel, 22. Oktober. Amtlich wird ge- meldet: Der Befehlshaber eine? türkischen Detachement? hatte festgestellt, daß bulgarische Streitkräste bei Hanlar im Bezirk Dorpat an der bulgarischen Grenze zusammengezogen waren.
Da an die bulgarische Stellung wegen der Unzulänglichkeit de? Gelände? nicht heranzukommen war, täuschte der türkische Befehlshaber den Feind, indem er einen Echeinrückzug unternahm. So zog er den Feind aus türkische? Gebiet und griff dann plötzlich seinen linken Flügel an, der völlig ausgerieben wurde. Die Türken haben zwei Geschütze genommen. Die bulgarischen Verluste find beträchtlich. Da? Detachement setzt die Verfolgung de? Feinde? fort.
Wien, 22. Oktober. Heute wurde da? österreichische Abgeordnetenhau? zur Herbfiseffion wieder eröffnet. In der Rede, mit welcher der Finanzminister da? Budget begleitete, gab er auch eine Erklärung ab, in der der Hoffnung auf Lokalisierung dc? Balkankriege? Au?druck gegeben wurde. Der Finanzminister erklärte: „Wir alle hoffen zuversichtlich, und ich sage die? mit allem Nachdruck und auf Grund ganz begründeter Wahrnehmungen, daß e? gelingen wird, die Ereig- niffc auf dem Balkan auf ihren gegenwärtigen Schauplatz zu beschränken.
Aus 3*- und Ausland.
Berlin, den 22. Oktober 1912.
Der Kaiserin wurde an ihrem Geburtstage der erste Glückwunsch au? den Lüsten dargebracht. In aller Frühe war der Flieger Hanuschke in JohanniSthal mit einem Lorbeerkranz und einer Glückwunschadreffe ausgestiegen. Er flog nach PotSdam und warf in der Nähe deS Neuen PalaiS den Kranz zur Erde. Da böige Winde herrschten, konnte er nicht landen, sondern flog wieder zurück. Der Kranz wurde bald gesunden und der Kaiserin überbracht. Um 11 Uhr versammelten sich im Neuen PalaiS zu PotSdam die dort weilenden Prinzen und Prinzessinnen und der engere Hof zur Gratulation. Die Kaiserin nahm zuerst in ihren Privatge- mächern die Glückwünsche ihrer Kinder entgegen. Um 1 Uhr fand FamiliensrühstückStasel statt, an der die Prinzen und Prinzessinnen der kaiserlichen Familie teilnahmen. Vom Turme der Garnisonkirche ertönten die patriotischen Weisen deS Glockenspiele?. Die Stadt Potsdam sandte an die Kaiserin eine Huldigung?- und Glückwunschadreffe. Abend? fand in
inniger Teilnahme auf Elisabeth, welche immer noch trübe vor sich hinflarrte.
Auch Wulfen hatte sich ihr wieder zugewandt.
„Du scheinst müde und abgespannt," sagte er zu Elisabeth und erhob sich, um sich den Damen zu empsehlen. Scheu und säst ehrsurcht?voll drückte er einen Kuß auf die reine Stirn seiner Braut, dann ging er hinau? in die feuchtwarme Frühlingsnacht.
In dem kleinen ©arten vor dem Hause dufteten die Nar- ziffen und Veilchen, er bückte sich und pflückte einige dieser zarten FrühlingSkinder; dann ging er weiter zur Stadt hinau?. Wald und Berge lagen vor ihm, dort drüben über dem weit in? Land ragenden Denkmal de? Hermann lag eine dunkle Wolkenschicht, wie schwache? Wetterleuchten zuckte e? über den Höhen. Er erinnerte sich eine? ähnlichen Frühling?abend? vor langen Jahren, wo er hier auf derselben Stelle gestanden, ein verzweifelter Mann, der unglücklich an eine schöne Italienerin verheiratet war. Er hatte sie aus seinen Kunstreisen in Rom kennen gelernt und bald daraus geheiratet. Wohl war sie schön gewesen, berückend schön, mit dem goldig glänzenden Haar, der schlanken Gestalt. Aber diese schöne Frau war auch von grenzenlosen Launen und Leidenschaften erfüllt, die ihm bald da? Leben zur Hölle machten. Und so war e? gekommen, daß die Gatten sich mieden, Herr von Wulfen ging auf Reifen und seine Gemahlin, der e? in Deutschland über- Haupt nicht gefiel, kehrte nach Italien zurück und lebte bei ihren Eltern, einer alten, reichen Patrizierfamilie. Dort geschah aber noch einigen Monaten ein traurige- Ereignis. Die schöne Frau Julia von Wulfen starb, als sie einem Söhnchen das Leben schenkte. Und al? Herr von Wulfen verspätet am Grabe seiner Frau erschien, wurde er von deren Eltern und Brüdern furchtbar angeseindrt, als ob er den frühen Tod seiner Frau verschuldet habe. Sogar die Herau-gabe deS Kindes wurde ihm verweigert und er mußte darüber einen langen Prozeß sühren. — Wie wüste Traumbilder zog dir? alle? an seinem Geiste vorüber. Ach, war e? nicht vermessen von ihm, nun noch an ein neue? Glück zu glauben? Noch einmal den schäumenden Becher an seine Lippen zu setzen, um vielleicht wieder wie damals aus dem Grund derselben
der JaSpi?galerie eine Galotafel und anschließend daran musikalische ®oit6e statt, in der Caruso mitwirkte.
Zur AnlageeineSMarinetruppenübungSplatze? haben die Marinebehörden im Amt Ritzbüttel und auf der Duhnerheide ein umfangreiche? Gelände angekaust. Teilweise ist da? Enteignung?verfahren angewendet worden. Da? große Gelände soll alS Exerzierplatz für da? dritte Stammseebataillon und alS Schießplatz für die vierte Matrosenabteilung und die Stammabteilung Kiautschou in Cuxhaven sowie sür die dritte Matrosenabteilung in Lehe dienen.
Der Entwurf eines Gesetze? über Kindersaug- slaschen, der demnächst dem Reichstag zur Beschlußsaffung vorgelegt werden soll, ist soeben amtlich veröffentlicht worden. Er besteht au? drei Paragraphen, die 1. ein Verbot, Kinder- saugflaschen mit Rohr oder Schlauch gewerbsmäßig herzustellen oder zu verkaufen, 2. da? Strasmaß, das Geldstrafen bi? zu 150 Mk. oder Haft Vorsicht, und 3. eine Bestimmung über daS Inkrafttreten des Gesetze? drei Monate nach seiner Verkündigung enthalten. In der beigefügten Begründung wird hervorgehoben, daß der dritte Teil aller Todesfälle der Säuglinge aus Krankheiten der VerdauungSorgane und diese wieder auf die mit dem Gebrauch der Saugflaschen mit Rohr verbundenen Schädigungen größtenteils zurückgesührt werden müssen. Da nach der Erfahrung aus die Abschaffung solcher schädlicher Kinderflaschen im Wege der Belehrung oder Warnung nicht zu rechnen ist, bleibt nicht? weiter übrig, al? nach dem Beispiel dc? französischen Gesetze? vom 6. April 1910 den Vertrieb der Kindersaugflaschen mit Rohr zu verbieten.
Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise Berlin I wurde SanitätSrat Dr. Mugdan (fortsch. Vp.) mit 409 Stimmen gewählt. Auf den sozialdemokratischen Kandidaten entfielen 77 Stimmen. 23 Stimmen waren zersplittert.
Bei der Landtagsersatzwahl im Wahlkreise O p p e l n 2 sür die Abgeordneten Kapitza (Pole) und Wodarz (Z.), die im Lause des Sommers ihr Mandat niedergelegt haben, wurden insgesamt 490 Stimmen abgegeben. Landrat Lücke (kons.) erhielt 362, Justizrat Wodarz (Z.) 336, Dr. Hylla (Pole) 126 und Pfarrer JankowSki (Pole) 160 Stimmen. Lücke und Wodarz sind somit gewählt.
„Daily Expreß" erfährt über den Umfang der italienischen Verluste in Tripolis, daß im ganzen 9100 Italiener gefallen find, davon fanden 2500 ihren Tod auf dem Schlachtfelde, während 6000 dem Typhus und 600 der Cholera erlegen sind.
Die „Deutsche Kabelgramm-Gesellschaft" meldet au? Mexiko: Zweitausend Mann mexikanischer BundrStruppen find bis 10 Kilometer vor Veracruz herangerückt. Sie haben acht Geschütze und wollen nach Eintreffen von Verstärkungen sofort Veracruz von der Landseite angreisen und bombardieren. Im Hasen von Veracruz befindet sich ein nordamerikanische? KriegSschiff, ein zweite? nordamerikanische? und ein englische? werden baldigst erwartet. Die amerikanische Regierung erteilte Weisungen, daß die amerikanischen Kriegsschiffe bi? zum Eintreffen eines deutschen Kriegsschiffe? den Schutz der Deutschen übernehmen.
Aus Provinz n. Nachdargediel.
* Starke? Faulen deS Obste? macht sich in diesem Jahre bemerkbar. E? ist daher sehr notwendig, au? den Obstvorräten die beschädigten und angefaulten Flücht« recht oft zu entfernen, gesundes Obst averaus lustigen Hürden und an kühlen Orten mit freiem Luftdurchstrich auszubewahren. Zeitweise? Abbrennen von Schweselfäden ist zur Tötung von Pilzsorten und tierischem Ungeziefer empfehlen?wert.
* Zu der Frage der Aufhebung deS § 12 des Fleischbeschaugesetze? hatderVorstandderLandwirtschalt?- lammet für den Regierungsbezirk Cassel in feiner Sitzung am 18. Oktober d. I. in folgender Weise Stellung genommen. Das heutige deutsche Fleischbeschaugesetz stellt bereits eine Bevorzugung des AuSlandeS dar, indem als zubereiteteS Fleisch eine Ware zur Einfuhr zugelassen ist, bei welcher überhaupt eine einwandfreie Feststellung, ob daS Fleisch von gesunden Tieren herrührt, nicht mehr möglich ist, und indem bei der Einsuhr von frischem Fleisch aus die Lebendbeschau und die Kontrolle de? ganzen TierkörperS in frisch geschlachtetem Zustande verzichtet wird. Die Aushebung des § 12 de? Fleisch- beschaugesetzeS, welche kürzlich vom Vorstand deS Deutschen StäbtetageS verlangt worden ist, würde aus eine weitere Begünstigung deS AuSlandeS und damit auf eine erhebliche Schädigung der inländischen Viehzucht hinauSlausen. Der Hauptleidtragende würde bei der von den Städten ange- strebten Entwickelung der deutsche Bauernstand sein, in deffen
ein ekleS, schales Naß zu finden! WaS sollte dann werben!
„Wie diese dunklen Schatten der Erinnerung meine Gedanken verdüstern," murmelte er.
„Elisabeth I" tief er aber dann laut. „Schon der Gedanke an Dich ist belebend, ersrischend, Du gehörst nicht zu jenen schillernden, trügerischen Blüten wie jene Italienerin. — Du erblühtest aus einem andern Boden und kannst nicht trügen und täuschen." Mit diesen Gedanken saßte Hen von Wulsen neuen Lebensmut.
Elisabeth lehnte zu dieser Stunde an dem Fenster deS kleinen EtübchenS, welches sie mit ihrer Schwester bewohnte. Käte hatte zärtlich den Arm um ihre Taille gelegt.
„Warum hast Du ihm Dein Jawort gegeben, Elisabeth, wenn eS Dich so traurig macht?" fragte sie vorwurfsvoll.
„Die Mama sagt, eS wäre unsere einzige Rettung aus Armut und Not," erwiderte Elisabeth bitter.
„Aber wir könnten doch arbeiten. Wie viele junge Mädchen verdienen sich heutzutage ihren Lebensunterhalt selbst," sagte Räte zögernd.
„Wir sind nicht dazu erzogen, Käte, ich glaube, wir wissen es selbst kaum, wie surchtbar wir eigentlich verwöhnt sind. Denke Dir einmal, Käte, wenn Du Lehrerin wärest und deS MorgenS um sechs Uhr ausstehen, Dich eilend? ankleidrn und dann nach irgend einer Schule wandern solltest, die schönen Morgenstunden in den übersüllten Klassen zu verbringen. Oder al? Klavierlehrerin von einem Hause in? andere gehen müßtest."
(Fortsetzung folgt.)
— (Brandstistung uu? Heimw eh.) JnLuftenau (Vorarlberg) Hot ein achtjähriger Hüteknabe den Baucrnhos angezündet, auf dem er verdingt war, um durch Vernichtung de? Anwesen? wieder nach Hause zu kommen. .
— (Eisenbahnunglück in Spanien.) In HueSca (Spanien) sind zwei Züge, ein Personen- und ein Güterzug zusammengestoßen. Vierzehn Wagen wurden vollständig zertrümmert, und gerieten in Brand. Zwöls Personen trugen schwere Verletzungen davon, sech? sind bereits tot.