bei Bürgermeisters Schade im benachbarten Spießkappel wurde am Freitag von einem schwerbeladenen Wagen so unglücklich übersahren, daß ihm der linke Oberschenkel vollständig g-. quetscht und daS Gesicht schwer verletzt wurde. Die Verletzte mußte dem Krankenhaus zu Hephata eingeliesert werden. Gilserberg, 7. Oktober. Der Arbeiter Johannes O. aus dem benachbarten Sebbeterobe, welcher mit seinem Schwiegersöhne, dem Arbeiter Valentin N., in Streit geriet, stach den letzteren mit einem scharsen Messer derart in den Unterleib, daß der Verletzte sosort dem Krankenhause der Anstalt Hephata bei Treysa zugeführt werden mußte, wo er bedenklich dar» niederliegt.
Cafsel, 8. Oktober. Wegen Vergehen gegen daS Nah- rungSmittelgesetz hatten sich am Montag der Stellmacher Buda aus Großalmerode und der Handelsmann Hose aus Efchwegezu verantworten. Beide wurden beschuldigt, wissent- lich verdorbene Würste und Fleischwaren, die durch ihren Genuß die Gesundheit der Menschheit zu schädigen geeignet sind, verkauft zu haben. Hose ist angeklagt, den Buda zum Verkauf dieser Waren überredet und sie hergestellt zu haben. Die Ver- Handlung lieferte geradezu haarsträubende Vorkommnisse anS Tageslicht, die ein grelles Schlaglicht auf unsere heutigen teueren Zeiten, in denen Fleisch für die ärmeren Schichten der Bevölkerung eine Seltenheit bedeutet, wirft. Hose stellte gewöhnlich die Wurstvorräte auS Pferdefleisch in mehreren Zentnern her, aus einen Zentner Fleisch kamen 25 Kilo Kartoffelmehl und mehrere Eimer Wasser. Die so hergestellte Wurst, „bie beste, waS eS geben kann, nämlich Zervelatwurst", wie sich Buda auSdrückte, war total verdorben und aus dem Innern enströmte ein faulig-käsiger Geruch. Innen und außen hatten sich Hescpilze und lebende Bakterien, die unter Umständen den Tod deS Menschen herbeiführen können, gebildet. Trotzdem gingen diese Würste rasend ab und man beschwerte sich sogar, daß zu wenig Borrat in dieser Delikatesse vorhanden war. Mit dem Pserdefleisch, daS zentnerweise in einem Kübel aus. bewahrt lag, war eS nicht besser gestellt. Der Geruch im Hause und auf der Straße nach verfaultem Pferdefleisch wurde schließlich so groß, daß die Mieter deS BudaS auSzogen und die Pferde auf der Straße sich weigerten, an jenem Hause vorbeizugehen (!) Und sonderbar I DaS alles hielt die Käuser, die Verlangen nach den egyptischen Fleischtöpsen hatten, nicht ab, dieses PferdeaaS zu kaufen. Buda schlug ihnen vor, sie sollten eS nur tüchtig würzen und scharf braten, dann würde man wenig davon merken. Die meisten befolgten diesen Ratschlag, mußten aber schließlich doch einsehen, daß hier alle Kunst vergebens war. In der Beweisaufnahme wurde sestge- stellt, daß Hofe gewöhnlich Pserdefleisch lieferte, daS er nirgends anbringen konnte und schon mindestens vier Wochen lang bei ihm gelagert war. DaS ganze ekelhafte Treiben der Angeklagten, die in unverantwortlicher Weise mit der VolkSgesund- Heit ein so frevelnde- Spiel trieben, fand erst ein Ende, alS die Polizei erschien und sämtliche Wurst- und Fleischvorräte beschlagnahmte. DaS Fleisch mußte sofort eingegraben werden. Die beiden Angeklagten spielten natürlich die Unschuldigen. Bon der Verdorbenheit ihrer Waren wollen sie keine Ahnung haben. Waren sie srüher ein Herz und eine Seele, so war eS heute da- Gegenteil. Einer schob eS aus den anderen. Der StaatSanwalt würdigte daS Verhalten der Angeklagten damit, daß er gegen Buda 6 Monate Gefängnis und gegen Hose, der schon schwer vorbestraft ist, ein Jahr Gefängnis beantragt. DaS NahrungSmittelgesetz versagte leider, wie der Vorsitzende in der Urteilsbegründung auSführte. Die Angeklagten hatten ausdrücklich erklärt, daß daS Fleisch verdorben war. AuS diese« Grunde erfolgte ber Hose Freisprechung. Buda wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
Elm, 5. Okt. Eine Frau von Elm verlor am Mittwoch auf dem Wege nach Schlüchtern zwei Hundertmarkscheine. AlS sie den Verlust auf dem Bürgermeisteramt Elm melden wollte, wurden ihr die beiden Scheine auSgehändigt. Der ehrliche Finder war ein Handwerksbursche, der das Geld auf dem Bürgermeisteramte abgeliefert hatte.
Offenbach, 8. Okt. Der Lackierer Adam Zipp schoß heute früh aus sein elf Monate alteS Kind und erschoß sich sodann. DaS Kind wurde noch lebend inS Krankenhaus gebracht. AuS einem zurückgebliebenem Brief geht hervor, daß Zipp sich von seiner Frau in ehelicher Hinsicht hintergangen glaubte und aus diesem Motiv die Tat begangen hat.
DT. Frankfurt, 8. Oktober. Einem raffinierten Schwindler ist hier ein KausmannSlehrling in die Hände gefallen. Der Junge hatte aus dem Postscheckamt für seinen Ches 4500 Mk. erhoben. Aus dem Weg zum Geschäft wurde er von einem gutgekleideten unbekannten Mann angesprochen, der ihn bat, ihm den Weg zur Kronprinzenstraße zu zeigen. Der Lehrling konnte dem ihm angebotenen 50-Pfennigstück nicht widerstehen und brächte den Fremden nach der Kronprinzenstraße, wo der Mann ein Firmenschild bestellt haben wollte. Von der Kronprinzenstraße ging eS dann noch der Kaiserstraße. Hier sollte daS Schild im Souterrain stehen. Der Lehrling ließ sich verleiten, mit in den Keller zu steigen, in dem eS recht dunkel war. Im Keller befand sich allerdings ein Schild, aber es war nur schwer von der Stelle zu bewegen. „Ich ziehe meinen Rock aus", meinte der Fremde, „dann geht eS rascher". Der Lehrling folgte diesem Beispiel und blieb auch im Keller zurück, alS der Fremde erklärte, Licht holen zu wollen. Minute um Minute verging, aber der Fremde kam nicht wieder. Der Lehrling zog wieder seinen Rock an, aber — wie groß war der Schreck — daS aus dem Postscheckamt abgehobene Geld war nicht mehr vorhanden I Die rasch verständigte Polizei stellte fest, daß ein ähnlicher Schwindel hier schon im Juli letzten Jahren verübt worden ist, daS Opfer war damals gleichfalls ein junger Angestellter, dem 2000 Mk. gestohlen wurden. SS ist nicht auSgeschloffen, daß der Trick auch an anderen Orten versucht wirb.
DT. Frankfurt a M., 8. Okt. Auf dem Gelände deS LustschiffhasenS am Rebstock ist man z. Z. mit der Er- bauung einer Anzahl von Fliegerhallen beschäftigt, die sämtlich in Eisenkonstruktion hergestellt werden. Die Hallen sollen für die Unterbringung der Flugmaschinen während deS süddeutschen RunbflugeS dienen, der am 13. d. MtS. beginnt.
DT. Frankfurt a. M, 8. Okt. Heute früh 9 Uhr stieg daS Luftschiff „Viktoria Luise" zu einer GesellschaftSfahrt aus, an der die Fautzlien deS GroßherzogS von Hessen und deS Prinzen Friedrich Karl von Hessen teilnahmen. Ferner nahm an der Fahrt teil der Vertreter der „Delag" Konsul Parseval. Für heute hat der bekannte Champagnersabrikant «arl Henkel! den Luftkreuzer für eine NachmittagS-Gesellschasts- gemietet, an der sich ca. 12 Personen beteiligen werden. Friedberg, 5. Okt. Heute srüh wurde der Bureaudiener JlM" d« hiesigen Eisenbahnbauabteilung in der Nähe n.«»»?'"^^^^" oul dem Bahnkörper schwer verletzt auf. Uh»„ k®“^ $ augenscheinlich von einem Zuge über, fobrenmorben. 8t kam inS hiesige Krankenhaus
... bet"$eiw 61 Bad Kreuznach, 7. Okt. Jnsolge
I «'"getretenen Froste, und der anhaltenden Kälte, die in den letzten Nächten bis zu 6° unter Null sank, ist bie
Nahe- und Lahngegend sebr heimgesucht worden. Die noch nicht im Wein befindlichen Trauben, so besonders der Riesling, sind erfroren und für bie Weinbereitung verloren. Der Schaden ist noch unabfchätzbar, doch beträgt er auf jeden Fall mehrere hunderttausend Mark. Die Weinbauschule in Kreuznach empfiehlt dringend daS Entbeeren der Weintrauben, deren Stiele erfroren sind, was eine ungeheure Arbeit verur- sacht, jedoch alS dringend geboten erscheint, da der Frostgr- schmack sich sonst dem Weine mitteilt, waS aus Güte und PreiS von großem Nachteile sein würde. Gleichlautende Nachrichten kommen von der Mosel und dem Saargebiet. Da noch nicht reise Traghölzer ebenfalls erfroren sind, sind die Aussichten aus eine gute Ernte für daS nächste Jahr ebenfalls nur sehr gering. Der Frostschaden bedeutet für den Weinbau in hiesiger Gegend direkt eine Katastrophe, da die Aussichten der Winzer völlig zerstört sind.
Koburg, 7. Oktober. Der Veteran Seitz ist gestern in der Nähe von NeujcS bei Koburg erfroren aufgesunden worden.
Erfurt, 7. Okt. Bei Witterda (Landkreis Ersurt) erlitt gestern ein Fleischermeister auS Erfurt einen schweren Jagdunfall. Er war auf einem Baum gestiegen und hatte die doppelt geladene Flinte mit der Mündung nach oben an den Stamm gelehnt. Infolge einer Erschütterung entluden sich beide Schüsse und drangen dem Fleischermeister in den Leib. Er wurde schwer verletzt inS Krankenhaus geschafft.
Eisenach, 5. Oktober. In einem hiesigen Goldwarengeschäft wurden gestern nachmittag Schmucksachen im Werte von etwa 700 Mark geraubt. Der Verbrecher wurde, als er mit dem D-Zuge nach Frankfurt a. M. abfahren wollte, verhaftet, ist aber, als er dem Gefängnis zugeführt werden sollte, wieder entkommen und konnte bisher noch nicht ergriffen werden. ES handelt sich zweifellos um einen internationalen Verbrecher. Er führte LegitimationSpapiere aus mehreren großen Städten bei sich und nannte sich Kaufmann Willy Schmoll; er kam aus Erfurt.
Gräfentonna, 6. Oktober. In der Flur des Nach- barorteS Burgtonna wurde der Pächter der dortigen Feldjagd Dr. med. Heilbrunn auS Gotha, beim Nachsehen der Gewehre in die Augen geschossen, sodaß diese für verloren gelten dürften. Wie sich das Unglück eigentlich zugetragen hat, ist mit Bestimmtheit noch nicht aufgeklärt.
Eisenach, 6. Oktober. Einen tragischen Tod erlitt der KammergutSpächter des nahegelegenen TrenkelhofS, Oberamtmann Karl Weber. Bei einem Besuch in München wurde er beim Verlassen deS Bahnhofs von der elektrischen Straßenbahn umgefahren und dermaßen schwer verletzt, daß er an den Folgen deS Unfalls in der Klinik gestorben ist.
Halle, 7. Okt. Auf dem Schachte Nebra erfolgte durch Entzündung auSströmender Gase eine Explosion, durch welche 12 Bergleute schwer verletzt wurden. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus „Bergmannstrost" nach Halle gebracht, drei von ihnen sind lebenSgejährlich verletzt.
Vermischtes.
— (Die „Kunst" alS Ehevermittler.) Folgende Anekdote, die den Vorzug haben soll, wahr zu sein, wird wie folgt erzählt: Der erste Baßsänger eineS rheinischen Hof« theaterS verliebte sich in die einzige Tochter eines sehr reichen Geschäftsmannes und hielt bei diesem um die Hand derselben an. DaS Mädchen liebte gleichfalls den Künstler, und die Erkundigungen, die der Vater einzog, lauteten sehr günstig. Aber der alte Herr besaß gegen die im allgemeinen übliche Lebensweise der „Herren vom Theater" eine gewisse Voreingenommenheit, weshalb er mit seiner Antwort zögerte. Die Bitten deS KindeS vermochten schließlich den Vater ^dazu zu bewegen, den Brautwerber einmal in seiner Kunsttätigkeit zu beobachten. Er besuchte daher die Oper „Don Juan", worin jener die Titelpartie sang. — Am folgenden Tage erschien der Sänger um sich einen endgültigen Bescheid zu holen. Freudestrahlend trat ihm da der Vater mit den Worten entgegen : „Sie find kein Don Juan, Sie sollen meine Tochter haben I"
— (EinKriegSschiffS-Schaf.) Aus der „Grille", dem Aviso deS Prinzen Adalbert von Preußen, befand sich ein seltsames Haustier, daS der Liebling der ganzen Besatzung war. ES war ein Schaf, baS durch Zufall auf daS Schiff gelangt war. EineS Tages war eS von der Mannschaft aufs Land auSgesetzt worden. DaS Schaf sprang aber sofort inS Wasser und schwamm wieder nach der .Grille" zurück. Von diesem Augenblick an blieb eS auf dem Schiff und wurde alS Haustier gehalten. Ein Marineleutnant ließ ihm seinen besonderen Schutz angedeihen und wurde dafür von dem Tier besonders geliebt. Es wohnte hernach mehreren Gesichten der Marine bei, ohne Schaden zu erleiden. Bedenklicher war ein Renkontre, denn gelegentlich desselben verlor eS baS eine seiner großen Hörner. „Tom" — so der Name, welchen die Matrosen der „Grille" ihrem Liebling gaben — war so zahm, daß er aus der Hand sraß und feinem Beschützer, dem erwähnten Marineleutnant, wie ein Hund folgte; hielt man ihm ein Kohlblatt hin, so tanzte Tom und machte närrische Kapriolen, auch hielt er sich lieber in der Kajüte ober aus dem Lande am Kamin auf, als im Stalle. Mehrere Monate lang verzichtete daS Tier aus Heu und GraS, verschlang dagegen die Schalen von Kartoffeln und Aepfeln mit Gier, liebte eS auch an den Enden von Stricken und Packleinwand zu nagen und von dem mit Grog angeseuchteten Pudding der Matrosen zu naschen. Die Gelehrigkeit dieses TiereS war außerordentlich und machte den Zuschauern viel Vergnügen. Tom fraß von dem Teller, steckte den Kopf durch den Arm desjenigen, der bei Tische saß, trank Wein, Genever, Bier und Tee — letzteren jedoch nur, wenn er recht süß gemacht war. Tom rannte die Treppen aus und ab; kam er in die Küche, so liebte er eS, den Deckel vom Topse abzuheben und neugierig hinein« zugucken. ES war dem originellen Geschöpfe, welches den größten Teil seines Lebens auf der See zubrachte, vergönnt, sein Leben auf der „Grille" zu beschließen. Dieses KriegS- schiffs-Schaf, daS den größten Terl seines Lebens als Begleiter unserer blauen Jungen „aus See" zubrachte und unter keinen Umständen auch nur für kurze Zeit von Bord gebracht werden konnte, bildet in mancher Beziehung ein Gegenstück zu der RegimentSganS, von der vor längerer Zeit in der Presse berichtet wurde.
— (Ein Jägerabenteuer im 8 puckzimmer.) AuS Kiel wird geschrieben: Ein tragikomisches Abenteuer hatte dieser Tage ein JägerSmann in der Umgegend von Schleswig. Den Abschluß eineS mit einem dortigen Freunde dem edlen Weidwerk gewidmeten TageS bildete eine gemütliche Kneiperei. Zu später Stunde trennten sich die Freunde, denn unser Nimrod wollte den letzten Zug erreichen, der ihn heimwärts bringen sollte. Er verfehlte ober den Weg zum Bahnhose und landete schließlich im Kruge eines NachbardorfeS, wo er, nachdem er noch einige Schoppen zur Erholung getrunken, sich nach einem Unterkommen für die Nacht erkundigte Ja, ein Zimmer sei wohl noch frei, erwiderte der Wirt, aber — darin sollte ei spuken. Unser JägerSmann läßt sich dadurch
nicht abschrecken, er macht seinen Revolver schußbereit und legt sich in dem Spukzimmer zur wohlverdienten Ruhe nieder. Doch sein Schlaf sollte nicht von langer Dauer sein. Aus schweren, mit Alpdrücken verbundenen Träumen erwachte er schweißgebadet. Der Mond scheint hell durch baS Fenster. Da fällt der Blick deS noch Schlafttunkenen auf zwei am Fußende des BetteS emporgestreckte, geisterhaft beleuchtete weiße Hände. ES spukte also tatsächlich im Zimmer I Ein Griff nach dem Revolver, und laut klingt durch die nächtliche Stille deS Jägers Anruf: „Hände weg — oder ich schieße?" Doch ein richtiger Spuk bleibt auch solchen Drohungen gegenüber unempfindlich. Die gespenstischen Hände bleiben in ihrer Stellung. AlS r^b ein zweiter WarnungSrus keine andere Wirkung auSübt, kracht ein Revolverfchuß, und mit einem Schrecken-schrei sährt der Nimrod in die Höhe, während die Hände verschwinden, — er hatte sich durch den eigenen Fuß geschossen! — Na! ES soll in Wirklichkeit gar nicht weh getan haben; denn daS Jägerlatein blüht, wie man sieht, auch in der Umgegend von Schleswig.
— (Der kurzsichtige Gerichtspräsident.) In einem oberbayerischen Gericht ist eS gelegentlich einer Verhandlung zu einem lustigen Zwischenfall gekommen, der ungeheure Heiterkeit auSlöste. Der Präsident bemerkte noch Eintritt des Gerichtshofes, daß ein Zeuge den Hut aufbehalten hatte, und tief ihm zu: „Wollen Sie gesälligst den Hut im GerichtSjaal abnehmen?" Und als sich nichts rührte: „Den jungen Burschen da hinten meine ich!" Und der Zeigefinger deS Präsidenten deutete genau die Richtung an, in welcher der Missetäter saß. Allein eine blecherne Stimme erwiderte vorwursSvoll: „Entschuldigen-, Herr Präsident, ich bin doch eine Dame!" Und so war'- auch, eine Dame im modernen Inlett, Stehkragen, langer Kravatte und aus dem Tituskopf daS adlerflaumgeschmückte Hütchen hatte den kurzsichtigen Präsidenten getäuscht. DaS Allerschönste sollte aber noch kommen : AIS der angeredete vermeintliche Bursche sein Alter auf fünfzig Jahre angab, da brauste neue- unbändige» Gelächter durch den vollgefüllten GerichtSsaal.
Letzte Nachrichten.
Jum Balkan-Kriege.
Paris, 8. Oktober. Die französische Regierung hat eine amtliche Bestätigung der Kriegserklärung an die Türkei erhaltm. Der Schritt der Vertreter Rußland- und Oesterreichs bei der montenegrinischen Regierung fanb heute vormittag 11 Uhr statt, aber schon um 9V2 Uhr waren dem türkischen Geschäftsträger die Pässe zugestellt worden. Die montenegrinische Regierung erklärte, ihre Vorstellung bei der Türkei seien feit zwei Monaten ergebnislos geblieben und sie habe sich daher, da sie nicht friedlich zum Ziele kommen konnte, genötigt gesehen, zu den Waffen zu greifen. Selbst wenn el auf die eigenen Waffen angewiesen wäre, könnte Montenegro nicht anders handeln.
DT. Cetinje, 8. Oktober. Zahlreiche nach Tausenden zählende Manifestanten brachten heute vormittag dem König Nikita Ovationen vor dem Schlöffe bar. Daraus zog die Menge vor die Gesandtschaften Serbiens, Bulgarien- und Rußland- und brächte Hochrufe auf diese Mächte auS. Ein Freiwilligenkorps ist in Montenegro gebildet worden, da sich zahlreiche Ausländer zum Kriege gemeldet haben. König Nikita wird morgen den Truppen in baS Innere bei Landes nach, reifen; der Kriegsminister, General Markinowitsch, ist nach Italien abgereist.
DT. Paris, 8. Okt. AuS Cetinje wird gemeldet, daß die Truppen gestern vor König Nikolaus defilierten. Der Erbprinz und Prinz Peter find danst nach Podgpritza, dem Hauptquartier der montenegrinischen Truppen, abgereist.
DT. Paris, 8. Okt. Da die bulgarische Mobilisierung beendet ist, erwartet man bereits morgen Zusammenstöße.
Man glaubt in Sofia, daß die bulgarische Armee die Offensive ergreifen und wichtige strategische Grenzplätze aus türkischem Gebiet bei Hermanli, Kosowo und Kirkiliffe besetzen wird. Ueber ganz Mazedonien ist der KriegSzustand verhängt worden.
DT. London, 8. Oktober. Auch hier ist die Bestätigung der Kriegserklärung eingetroffen. Die Diplomaten haben mit ihrem Pessimismus recht behalten. Sie erklären, daß die Kriegserklärung Montenegros nur auf Bulgarien zurückzusühren sei. Bulgarien habe von Anfang an zum Kriege getrieben, um eine Wendung der Verhältnisse auf dem Balkan Herbei- zusühren, Griechenland dagegen sei bereit gewesen, sich mit der Türkei zu verständigen.
DT. Rom, 8. Okt. Zwei italienische Militärflieger sind gestern tödlich abgestürzt, als sie in der Umgebung von Moffa Probeflüge veranstalteten.
London, 8. Okt. Wegen der Tiese deS Wassers und der schweren Beschädigungen deS Schiffes ist daS Rettung-- werk an dem durch den Dampser Amerika zum Sinken gebrachten Unterseeboot B 2 aufgegeben worden.
Newy 0 rk, 8. Okt. Nach einem Telegramm aus
Pampiko in Mexiko erfolgte gestern in einem Speicher eine Pulverexplosion. Zweiundzwanzig Leichen sind bisher gesunden worden. Man glaubt, daß noch mehr Personen getötet worden find.
New Iork, 8. Okt. Die Amerikaner nahmen Leon in Nicaragua ein. Sie hatten vier Tote und mehrere Verletzte. 50 Revolutionäre find tot, viele verletzt. Damit scheint bie Revolution niedergeworfen. Indessen kam eS anderwärts in Mittelamerika zu Ruhestörungen, besonders in San Salvador, wo eS zu einem Straßenkamps zwischen Anhängern der politischen Parteien kam.
Oeffentticher Wetterdienst.
Wetterdienststelle Frankfnrt a. M.
Wetterausfichten für Donnerstag den 10. Okt.:
Trocken, zeitweilig Heiter, Nordostwinde, Temperatur wenig geändert, vielfach Nachtfrost.