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hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 i

Nr. 121. Donnerstag, den 10. Oktober 1912.

Amtlicher teil.

Abänderung

der AuSführungSanweisung zur Gewerbeordnung für daS Deutsche Reich vom 1. Mai 1904

(HMBl. G. 125) vom 26. August 1912. Zu Titel III.

Verfahren bei Erteilung der Wandergewerbescheine und der Erlaubnis zur Mitsührung von Personen.

1. Ziffer 63 erhält folgende Fassung:

63. Anträge aus Erteilung von Wandergewerbescheinen oder aus Erteilung der Erlaubnis zur Mitsührung anderer Personen beim Gewerbebetrieb im Umherziehen können sowohl bei der OrtSpolizeibehörde deS Wohnorts als auch bei der OrtSpolizeibehörde deS Aufenthaltsorts angebracht werden.

Bei Stellung deS AntragS aus Ausstellung eines Wander- gewerbescheineS hat der Antragsteller die für den Wandergewerbe­schein nach Ziffern 2 und 3 der Bekanntmachung de- Reichs­kanzlers vom 4. März 1912 (ReichS-G-setzbl. S. 189) erforderliche unaufgezogene Photographie in Vifitenkartensormat beizubringen. Mit dem Antrag auf Ausstellung eines ge­meinsamen WandergewerbescheinS ist die Photographie deS Unternehmer», wenn ein Unternehmer nicht vorhanden ist, die eines Mitglieds einzureichen. Die Photographie muß ähnlich und gut erkennbar sein, eine Kopfgröße von mindestens 1,5 Zentimeter haben und darf in der Regel nicht älter als 5 Jahre sein. Die OrtSpolizeibehörde hat Vor- und Zunamen der dar- gestellten Person auf der Rückseite der Photographie sofort zu vermerken.

*

HerSseld, den 5. Oktober 1912. Wird veröffentlicht.

Die Ortspolizeibehörden deS Kreises wollen hiernach, zuerst bei den Anträgen aus Erteilung von Wandergewerbescheinen für daS Kalenderjahr 1913, genau versahren.

I. 11213. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSfekretär.

Her-feld, den 4. Oktober 1912.

Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher erinnere ich an Einsendung der KreiShundesteuerzugangSliste sür die Monate Juli, August und September 1912 oder an Erstattung einer Fehlanzeige bis spätestens zum 13. d. MtS.

Der Vorsitzende des kreisausschuffes:

I. A. 7253. von GruneliuS.

HerSseld, den 5. Oktober 1912.

Die Erledigung meiner Verfügung vom 16. v. MtS. J. B. No. 3009, betreffend Anzeige, wieviel QuittungSkarten und AufrechnungSbescheinigungen pp. für daS Jahr 1913

voraussichtlich ersorderlich sein werden, wird hierdurch in Er­innerung gebracht und bi» zum 14. d. MtS. bestimmt er­wartet.

I. V. No. 3009. II.

Königliches Versicherungsaml.

I. A.

v. Heu fing er, RegierungS-Reserendar.

nichtamtlicher Ceil.

Der Ausbruch des Krieges.

Ganz überraschend kommt heute aus der montenegrinischen Hauptstadt die Meldung, daß König Nikolaus allen weiteren diplomatischen Bemühungen der Kabinette zuvorgekommen ist und an die Türkei den Krieg erklärt hat.

C e t i n j e, 8. Oktober. Der montenegrinische Geschäfts­träger Planenatz verläßt heute Konstantinopel. Dem hiesigen ottomanischen Geschäftsträger wurden die Pässe zugestellt.

London, 8. Oktober. Das Reutersche Bureau erhält auS Cetinje die Nachricht, der montenegrinische Geschäftsträger habe heute vormittag in Konstantinopel die Kriegserklärung überreicht.

Eine halbamtliche Zusatzbemerkung zu dieser Londoner Depesche stellt zwar fest, daß eine anderweitige Bestätigung der Meldung nicht vorliege. Sie erscheint auch in der Tat auf den ersten Blick um deswillen unglaubhaft, weil die Balkanstaaten dem kleinsten von ihnen wohl kaum die Be­fugnis ein geräumt haben werden, ihren Verhandlungen mit den Mächten sowohl wie mit der Pforte in dieser Weise vor» zugreisen. Sollte Montenegro wiederum auf eigene Faust vorgegangen sein, um den zum unmittelbaren Eingreifen ent­schlossenen europäischen Mächten in den Arm zu fallen, so würde r» sich nicht nur vor der ganzen Welt gröblich inS Unrecht setzen, sondern den Vierbund sprengen, ohne den daS kleine Königreich zu einem militärisch bedeutungslosen Faktor herabsinkt. Montenegro mag allerdings glauben, daß eS bei einem willkürlich vom Zaun gebrochenen Kriege nichts riskiere, aber in Sofia wie in Belgrad und Athen darf man wohl ein größeres VerantwortungSgesühl vorauSsetzen, und deshalb nach wie vor hoffen, daß mit dem Verhalten Montenegros noch immer nicht das letzte Wort bei der Entscheidung über Krieg und Frieden gesprochen ist. Die KriegSbegeisterung im Volke der schwarzen Berge hat allerdings nachgerade den Höhepunkt erreicht.

Sosia, 8. Oktober. Die Gesandten von Oesterreich- Ungarn und Rußland haben heute mittag gemeinsam im Namen der Mächte den verabredeten Schritt unternommen. Ein von der Sobranje an die Parlamente von Belgrad, Athen und Cetinje gerichtete- Telegramm spricht die Hoffnung

au?, daß die christlichen Balkanstaaten unlösbar vereint in gemeinsamem Kamps gegen die Anarchie und die Tyrannei, worunter ihre StammeSgenossen in der Türkei zu leiben hätten, der Ordnung, Gerechtigkeit und Freiheit zum Siege verhelfen würden.

Sofia, 8. Oktober. Der Berichterstatter deSL. A." schreibt: Der Optimismus, der sich in Berlin noch meiner Abfahrt nach Sofia geltend machte, scheint hier wenig an­gebracht. Der Ausmarsch serbischer und bulgarischer Truppen erster Linie scheint vollzogen. In Serbien hört man ganz offen äußern:Entweder gibt ei Krieg oder Revolution." Und auch hier ist die Stimmung derart, daß die endgültige Vollendung aller Vorbereitungen ganz automatisch zum Kriege führen dürfte. Allerdings rechnet in Bulgarien noch eine schwache Minderheit mit der Möglichkeit deS Frieden-, aber auch sie verlangt statt Versprechungen Garantien für die türki­schen Reformen und Teilnahme an dem Komitee der Groß­mächte, daS die Reformen durchführen soll. Während die serbischen Truppen bisher über die bulgarische Grenze trans­portiert wurden, scheint jetzt von Nisch auS gegen UeSküb eine zweite Armee gebildet zu werden.

Belgrad, 8. Oktober. Die Ekupschtina hat eine Vor­lage angenommen, durch die der Regierung teil« verbrauchte, teils zur Disposition gestellte NachtragSkredite in Höhe von 44300000 Dinar (rund 33V, Millionen Mark) bewilligt werden.

Pari-, 8. Okt. Belgrader und Athener Depeschen be­haupten, daß die dortige KriegSstimmung abflaut, nur Bulgarien bleibe fest, ausgehetzt durch etwa 400 000 mazedonische Emi­granten, die baldigst den Bandenkrieg eröffnen wollten. 64 bestätigt sich, daß etwa fünf Millionen Franken, kurz bevor Poincars die Mahnung an die Banken richtete, von einem Pariser Bankinstitut nach Bulgarien und Serbien gesandt wurden, dagegen wurde am vorigen Sonnabend ein erneute» bulgarische» Anleihebegehren aus ministerielle Intervention ab­gelehnt.

Wien, 8. Okt. Nach einer Petersburger Depesche bei Neuen Wiener Tageblattes" soll in den letzten Tagen zwischen Kaiser Franz Josef und dem Zaren ein direkter Depeschenwechsel stattgesunden haben, der von besonderem Einfluß auf die Ge­staltung der politischen Verhältnisse gewesen sein soll und auf die Herstellung de» Einvernehmen- in der russischen und öster­reichischen Politik eine erhebliche Wirkung auSgeübt haben soll.

Belgrad, 8. Oktober. Die von der Pforte gemachten Versprechungen wegen Einführung von Reformen blieben hier vollständig eindrucklos, da man den Versprechungen keinen Glauben beimißt. Die Zeitungen bringen fortgesetzt kriegerische Artikel und verlangen, daß Serbien sofort die Operationen gegen die Türkei beginne. Fortgesetzt treffen zahlreiche Frei­willige ein, sodaß z. Z. 60000 Mann mehr eingerückt find, alS einberusen wurden. Für übermorgen erwartet man hier eine Abteilung deS russischen roten Kreuze». Auch eine Legion italienischer Freiwilliger ist auf dem Wege hierher. Die Nach,

er.

Umbre und Liebe.

Roman von Fanny Stöckert.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich habe sie geliebt, wie wir Künstler eben lieben", sagte Rückhaltlos, leidenschaftlich, ohne Gedanken ^an ein

Ende. Ha! ES endete jäh und schnell. Sie verlobte sich mit einem StandeSgenossen, das war ganz in der Ordnung, einen Sänger konnte sie doch nicht heiraten, die junge, schöne, vielbegehrte Baronesse. ES war eine angenehme Unterhaltung sür sie gewesen; der junge Länger hatte seine Liebe in so phantastisch, schöne Worte zu kleiden gewußt. Du sprichst wie ein Dichter I sagte sie ost zu mir, wenn ich in ihrem kleinen Boudoir zu ihren Füßen saß und ihre weißen Hände mit meinen braunen Locken spielten. Ich gab ihr Musikunterricht, unter dieser MaSke wurden selige, schöne Stunden verträumt, verplaudert, verscherzt. O, wie deutlich sehe ich sie in dem schleppenden, schwarzseidenen Kleide mit dem rötlich blonden Lockenhaar. Wie schön war sie, wenn sie am Abend in ihrer Loge im Opernhause erschien und ihr Auge mich so herzinnig grüßte. In derselben Loge erschien sie dann, an der Seite ihres Verlobten.Deine kleine Baroneffe hat sich verlobt mit dem Grafen M., er sitzt neben ihr in ihrer Loge", raunte mir ein Kollege zu, als ich eben als Gras Almaviva in Figaros Hochzeit die Bühne betrat. Ich sah sie, etwas bläffer als gewöhnlich, aber blendend schön, grüne Steine blitzten in ihrem Haar, neben ihr ihr Verlobter, ein Garde- offizier. In diesem Moment sollte ich fingen ? Singen, "^rend es wir Wahnsinn in meinem Hirn tobte. Nur ein U^nder, markerschütternder Schrei drängte sich von meinen Rippen, ich sah noch, wie ihr schöne» Antlitz totenbleich wurde; l Er der Vorhang herunter, mitleidige Kollegen führten «ange Wochen rang ich zwischen Tod und Leben, I*°u Sanno, damals ein rosig schelmische« "b Kollegin von mir, pflegten mich aufopfernd. endlich genesen, war ich ein gebrochener Mann, meine'

Stimme war dahin, alle Lebenskraft und Lebenslust geschwunden. Warum ließet ihr mich nicht sterben!" sagte ich grausam und undankbar genug zu meinen Pflegerinnen, als sie mich an einem wundervollen Frühlingstag inS Freie geführt. Frau Sanno oder Helene Vernon, wie sie damals noch hieß, wandte sich weg, ich sah, wie Tränen über ihre Wangen rollten. Albertine hingegen hielt mir eine derbe Standrede.Es wäre unmännlich, sündhaft, solche Gedanken auSzusprechen," sagte sie in ihrer derben Weise. In diesem Momente rollte eine Equipage an unS vorüber.Die junge Gräfin M., wie schön sie ist," hörte ich Stimmen in unserer Nähe.Ja, sie war schön, blendend schön, ihr stolzes Auge schweifte müde und gleichgültig über un« hinweg. Fort, "fort, stöhnte ich, nur hinaus auS den Mauern dieser Stadt. Einige Wochen später befand ich mich in Thüringen. Da» HüuSchen in Walddorf, welches wir jetzt noch bewohnen, war unS als Erbschaft zugefallen. Nach langen Jahren fand ich dort Ruhe und Frieden wieder. Die Musik und die Natur wurden meine Trösterinnen. Ich hoffe, Du ziehst einige Moral auS dieser allerdings ziemlich alltäglichen Geschichte," schloß Bernhardt,und suchst zu vergessen, ehe Dein Herz gänzlich zu Grunde geht an dieser Liebe. Er wird nicht auS anderem Stoff sein, Dein Baron, als jene stolze Schöne, die mein Leben vergiftete."

Ich kann ihn und jene schöne Zeit nicht vergessen, niemals," sagte Mazda mit leiser Trauer,ach, jeder Ge­danke will zu ihm, ich meine, er müßte meine Stimme hören, mein Bild müsse um ihn sein, Tag und Nacht, wie das Seine mich nie verläßt."

Und wenn Du ihn sähest, vermählt mit einer Andern I WaS dann?

Dann würde ich vielleicht sterben."

Ja, Kind, da» hoffte ich damals auch, ober e» stirbt sich eben nicht so leicht," sagte Bernhards bitter,da« Leben erfordert schließlich doch noch andere Pflichten von un«, als daß wir, wenn sich unsere Hoffnungen und Wünsche nicht erfüllen, unS ruhig hinlegen und sterben."

Mazda senkte traurig daS Köpfchen und blickte auf die dunkle Wassermasse, unergründlich wie daS Menschenleben.

Werden un« darum nur jene schönen, seligen Stunden ge­schenkt, damit, wenn fie geschwunden, daS Leben uns doppelt öde erscheint? Sollte diese Liebe, die unS so beserligt, so beglückt, gar keine bleibende Städte auf Erden haben?"

Ich glaube, nur die hausbackene Liebe, die findet ihre bleibende Stätte, ihr Heim auf Erden," sagte Bernhardt. Sie mag ja auch recht schön und beglückend sein, ich jedoch hätte meine Erinnerungen an jene Stunden nie dahin gegeben für ein solche« ruhige-, nüchterne» Dasein."

Und ich, ich soll vergessen, da» sagen Sie mir!' rief Mazda lächelnd.

Ja, Kind, besser wäre es vielleicht, Du bist noch so jung, Dir könnte ein anderes Glück erblühen."

Niemals, Papa Bernhardi, war mein Herz einmal erfaßt, da» hält eS fest sürS ganze Leben!"

Langsam fuhren fie heim, der alte Mann und daS junge Mädchen mit ihren idealen LebcnSanfchauungen. Zauberischer alS anderen Sterblichen erschienen ihnen die Berge, die Wasser, die mondbeschienene, herrliche Landschaft. Vielleicht empfanden sie eS dankbar, als sie jetzt stumm nebeneinander saßen, daß eS eins der höchsten Güter der Sterblichen sei, all die reiche Poesie in der Natur, in der Liebe und in der Kunst voll und ganz zu empfinden und nie in die nüchterne Alltäglichkeit zu versinken.

23.

Im Hause deS Direktor» Werner zu Walddors herrschte heute, an einem köstlichen Herbsttage, vom frühen Morgen an ein ungewöhnlich regeS Leben. SS war Elisens Hochzeit-tag. Die junge Braut hielt soeben einen Rundgang durch» ganze Hau», welche» im höchsten Festschmuck strahlte. Blendend weiße Gardinen hingen an allen Fenstern, fast jede Tür zierte eine Blumenguirlande. Mit Blumendust verwob sich der Dust von frischem Kuchen, so daß da» echte Festaroma da» ganze Hau» durchströmte.

Ja, unser Mischen, die weiß, war sich gehört," sagte die alte Köchin mit Stolz zu einigen Dorfweibern, welche ihr bei der Zurüstung de» Festmahl» halfen,und wenn ihr Bräutigam auch ein vornehmer Herr ist, denn ein richtiger