^Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe.
II Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ns
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg.' Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewShrt.nsns««
Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 114.
Dienstag, den 24. September
1912.
Zu dem am 1. Oktober 1912 neu beginnenden Vierteljahr ladet das
ßersfelder Kreisblatt
zu recht zahlreichen Bestellungen ein.
Von dem reichhaltigen Inhalte des Hersfelder Kreisblattes sei folgendes hervorgehoben-
Der amtliche Teil
enthält die Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes sowie zahlreicher anderer Zivil- und Militärbehörden. Für alle Handels- und Gewerbetreibende sind die amtlichen Bekanntmachungen von besonderer Wichtigkeit.
Der politische Teil
enthält allgemein verständlich geschriebene Leitartikel sowie das interessanteste auf dem Gebiete der Politik des In- und Auslandes.
Die Nachrichten aus Provinz
und Nachbargebiet enthalten alle wichtigen Ereignisse aus der Stadt und dem Kreis Hersfeld, sowie diejenigen aus den benachbarten Bezirken.
Der vermischte Teil
bringt Nachrichten aus allen Gegenden der Welt.
Die Letzten bringen die nichtpolitischen Inhalts. Die Romane.
und
Novellen, Humoresken etc. erscheinen in jeder Nummer fortsetzungsweise.
Die Gratisbeilagen
bestehen in einem Stägigen Illultr. Sonntageblatt und einer 14tägigen JUustr. Landwirtschaftlichen Beilage, außerdem am 1. Mai und 1. Oktober in einem Auszug aus dem Gisen: bahnfahrplan der in Betracht kommenden Strecken, sowie am 1. Januar in einem Wandkalender und einem Märkteverzeichnis.
Der Hbonnementspreis beträgt vierteljährlich 1,40 Mark.
Um Ehre und Liebe.
Roman von Fanny S t ö ck e r t.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Langsam vergingen die Stunden deS Nachmittag-, mit Herzklopfen sah sie den Abend herannahen, der vielleicht, so hoffte sie, den Ersehnten in ihre Nähe führte. Die Abende, wo sie wie heute, nicht in der Oper beschäftigt war, pflegte der Baron Folger-dors meisten- unten im Salon der Frau Sanno in Mazda- Gesellschaft zu verbringen. Auch heute würde er kommen, gewiß, er mußte kommen. Von Sehnsucht getrieben, sagte sie sich da- und sah sich im Geiste mit ihm i n der traulichen Fensternische sitzen. Da würde er ihr sagen waS sein Herz bedrückte, und sie, sie durfte ihn trösten.
So weit war sie in ihrem Gedankengang gekommen, als plötzlich Gabriele aufgeregt in MagdaS Zimmer trat. Gabriele hatte daS schöne Haupt mit einem weißen Tuch umwunden und klagte sehr über Kopsweh.
„Sie müssen mir schon den Freundschaftsdienst erweisen und heute abend die Agathe für mich fingen," bat sie dringend. „Da- Kopsweh steigert sich stets zum Abend, ich bin eS wirklich nicht imstande, heute abend zu singen. Vielleicht kann ich Ihnen in Bälde einen Gegendienst erweisen."
Magda schaute verwundert aus die schöne Leidende. Kopsweh zu haben, war sonst gerade deren Sache nicht; dazu blickten die dunklen Augen Gabrielen- so durchtrieben unter dem weißen Tuch hervor, daß ihr ein gelinder Zweifel on der Wahrheit ihrer Reden kam. Aber waS hals eS, Gabriele bat so dringend, die Zeit war so kurz um noch eine anoete Anordnung zu treffen, fodaß Mazda sich mit schwerem v«zen in da- Unvermeidliche fügte.
»Ich bin Ihnen unendlich dankbar," sagte Gabriele mit m während ihre Augen triumphierend sunkelten. „««zeihen Sie, wenn ich Sie so schnell verlasse, doch ich bedarf düngender Ruhe," damit rauschte sie zur Tür hinaus.
Amtlicher teil.
Diehseuchenpolizeiliche Anordnung.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche ordne ich unter Aufhebung meiner Landekpolizeilichen Anordnungen vom 26. März und 6. April d. JS. — A. III. 1473 a und 2112 — betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche — Amtsblatt No. 13 a und 14 a — aus Grund der §§ 18 ff. deS ViehseuchengesetzeS vom 26. Juni 1909 (ReichSgesetzblatt Seite 519) mit Genehmigung deS Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sür den Umsang deS Regierungsbezirks Cassel bis aus weiteres folgendes an:
§ 1. Alles Klauenvieh, welches aus den im 8 2 genannten Bezirken in den Regierungsbezirk Cassel eingejührt wird, ist, wenn eS mit der Eisenbahn oder zu Schiffe eingeführt wird, bei der Entladung, wenn eS auf dem Landwege eingesührt wird, bei der Einsuhr an den von den Herrn Polizei- Präsidenten, Polizeidirektoren, Landräten bestimmten UntersuchungSstellen einer amtSlierärztlichen Untersuchung zu unterwerfen.
Der Besitzer oder Führer deS ViehtranSportes hat von dem Eintreffen deS untersuchungSpflichtigen BiehS dem Kreistierarzt oder dessen amtlich bestellten Vertreter rechtzeitig Anzeige zu erstatten und darf daS Vieh nicht eher vonGer Entladestelle oder den zur Untersuchung bestimmten Orte entfernen, bis die Untersuchung stattgesunden hat.
§ 2. Die Vorschriften deS § 1 finden Anwendung aus daS aus solgenden Regierungsbezirken oder diesen gleich stehenden Verwaltungsbezirken eingesührte Vieh: Potsdam, Frankfurt, Stettin, KöSlin, Sßofm, Bromberg, BreSlau, Lieg- nitz, Oppeln, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannsver, H i l d e S h e i m, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Münster, Minden, ArnSberg, Wiesbaden, Koblenz, Düsseldorf, Aachen, Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Obersranken, Mittel- franken, Unterfranken, Schwaben, Leipzig, NeckarkreiS, Jagst- kreiS, Donaukreis, Konstanz, Freiburg, Starkenburg, Ober« Heffen, Rheinhesien, Sachsen-Weimar, Mecklenburg- Strelitz, Oldenburg, Braunschweig, Eachsen-Altenburg, Gotha, Anhalt, Schwarzburg-Rudolstadt, Lippe, Hamburg, Unter-Elsaß, Ober-Elsaß, Lothringen.
§. 3. Die Kosten der amtstierärztlichen Untersuchung fallen gemäß § 25 deS preußischen AuSführungSgesetzeS zum ReichS- Viehseuchengesetz vom 25. Juli 1911 dem Einführer deS Viehs zur Last, wenn die Einfuhr durch Händler oder Metzger zum Verkauf oder zur Abschlachtung erfolgt, dagegen der Staatskasse gemäß § 24 a. a. 0., wenn die Einfuhr durch oder für Landwirte zu eigenem Bedarf geschieht.
8 4. Zuwiderhandlung gegen vorstehende Bestimmungen werden nach den 88 74—77 deS ReichSviehfeuchengesetzeS vom 26. Juni 1909 bestraft.
§ 5. Diese Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver-
Magda hatte wenig Zeit zu verlieren. Sie begann einzelne Partien der ihr so plötzlich ausgenötigten Rolle durch- zusingen, dann kleidete sie sich an und suhr hinaus in die schwüle, fast beängstigende Lust. Alle sehnenden, liebenden Gedanken wurden zurückgedrängt vor dem bitteren Muß; aber eS dünkte ihr schwer, unendlich schwer, sich in die Rolle der liebenden Jägerbraut hineinzufinden, während er, besten Gegenwart allein ihr die weichen, warm empfunbenen Töne auS dem Herzen zu locken verstand — fern von ihr weilte, vielleicht in Sehnsucht ihrer harrte.
Gabriele hatte sogleich, nachdem sie Magda verlassen, sich der weißen entstellenden TucheS entledigt, eine Rose in die dunkle Flechtenfülle gefleckt und stand jetzt dem Baron gegenüber, ihm anmutig lächelnd die weiße Hand entgegen- streckend. „Sie müssen heut mit meiner Gesellschaft fürlieb nehmen," rief sie ihm entgegen. „Mama hat sich ihrer Migräne wegen schon zurückgezogen."
„Und Sie?" fragte der Baron, „sind Sie nicht aktiv heute? Ich las doch Ihren Namen aus dem Zettel I"
„Um Gott, sehen sie mich doch nicht so finster drohend an! Ich war nicht ausgelegt, die Agathe zu fingen und Magda war mit Freuden bereit, die Rolle zu übernehmen. Ich denke, auch Normann wird entzückt sein, wenn er sie als holde Jägerbraut in den Armen halten darf."
„Also, heute war ja wohl der Tag, wo Sie mir die Wahrheit Ihrer neulichen Reden beweisen wollten!" rief der Baron erregt. „Ich war ein Tor, aus diese Reden nur zu hören, zu zweiseln an ihr! Jetzt ist alles wieder klar, die dunklen Schatten, welche Sie herausbeschworen, sind verflogen, seit ich sie wiedersah, seit ihr banger, fragender Blick mich traf. Nein, diese schuldlos reinen Züge können nicht trügen! Die Oper ist nicht lang, ich werde Magda hier erwarten. Mit diesen Worten wars er sich auf ein Fauteuil.
Gabriele biß sich auf die Lippen und wandte sich dem Fenster zu.
„Verwünscht!" murmelte sie, „wo in aller Welt mag sie ihn ausgetrieben haben, doch noch ist Polen nicht verloren! Vermag ich ihn zur rechten Zeit an daS Fenster zu locken und handelt Normann nach unserer Verabredung, dann, mein
simbigung in Kraft. Ihre Aushebung wird erfolgen, sobald die Seuchengefahr beseitigt ist. (A. in. 4789 b.)
Cassel, am 31. August 1912.
Der Regierungspräsident. J. V. gez. von Wussow. * * * Hersseld. den 19. September 1912.
Wird veröffentlicht.
I. 10562. Der Landrat.
I. «.
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 16. September 1912.
Die Herren OrtS- bezw. GutSvorsteher deS Kreises ersuche ich, mir bis zum 3 0. d. M t S. bestimmt anzuzeigen wieviel:
1. QuittungSkartenformulare A. (gelb),
2. „ „ B. (grau),
3. QuittungSformulare für Jnvalidcn-Renten-Empsänger,
4. QuittungSformulare für AlterS-Renten-Empsänger,
5. Quittungsformulare für Krankenrcntenempsängcr,
6. Muster zu AufrechnungSbescheinigungen für daS Jahr 1913 voraussichtlich erforderlich sein werden.
Der Bedarf an Quittungskarten und Hufrech; nungsbescheinigungen pp. ist so reichlich zu bemessen, dajg im Laufe des Jahres 1913 weitere piachsendungen nicht zu erfolgen brauchen. Bezüglich der benötigten Muster zu AufrechnungSbescheinigungen bemerke ich, daß der Bedarf an solchen wohl nicht zu groß sein wird, wie der Bedarf an Quittungskarten, da sich bekanntlich eine nicht unerhebliche Anzahl von Versicherten im Besitze von Aus- rechnungSbescheinigungSbiickern befindet.
Im Uebrigen mache ich noch besonders daraus aufmerksam, daß die Quittungskarten B. nur sür solche freiwillige Versicherte auSzustellen find, für welche früher noch niemals auf Grund verficherungSpflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind, und daß diejenigen Personen, welche einmal dem VersicherungSzwange unterlegen haben, Quittung-- karten nach Formular A. weitergebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich sreiwillig weiter versichern wollen.
I. v. 3009. Königliches Dersicherungsamt.
3. A.:
von Heusinger, RegierungS-Reserendar.
HerSfeld, den 18. September 1912.
An die OrtSpolizeibehörden deS Kreises.
Ich nehme Veranlassung auf die Durchführung der heute im KreiSblatt veröffentlichten viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 31. August dS. JS. A. III 4789b betreffend Maßregeln gegen die Einschleppung der Maul- und Klauenseuche, besonder- hinzuweisen.
Insbesondere ist streng darauf zu achten, daß alle- Klauenvieh, (auch daS zu Echlachtzwecken eingesührte) welche- auS den genannten verseuchten Bezirken in den RegierungS- Bezirk Cassel eingeführt wird, bei der Einsuhr zur amtttier- ärztlichen Untersuchung gelangt. Wenn daS Vieh mit der
Herr Baron, werden Sie anders denken von diesen schuldlos reinen Zügen."
„Womit befehlen der Herr Baron, daß ich ihm die Zeit vertreibe," wandte sie sich jetzt mit einem unterwürfigen Kammerjungfernknix an denselben. „Soll ich fingen, spielen?"
„Ja, bitte, etwas Musik," bat der Baron, „ich fürchte, die Zeit wird mir sehr lange werden."
„Sehr schmeichelhaft für mich!" sagte Gabriele und setzte sich an den Flügel, eine Beethovensche Sonate beginnend.
Der Baron legte die Hand üb« die Augen und ließ sich von den weichen Tönen der herrlichen Mondscheinsonate in träumerische Ruhe wiegen. ES waren süße Träume, die an seinem Geiste vorüberzogen. Eine andere holde Gestalt sah er am Flügel sitzen in der fernen Heimat, sein Weib. — Die hohen Flügeltüren in dem altertümlichen Saale deS heimatlichen Schlosses waren weit geöffnet, das Brausen deS MeereS vcrwob sich mit Tönen, welche die geliebten Hände von den Tasten lockten. — Magda ein Lied, bat er wohl und die melodische Stimme erfüllte den weiten Raum. Er, er allein durste derselben lauschen; draußen stand er an dem eisernen Gitter deS Balkons gelehnt, über ihm rauschten die Wipfel hoher Buchen, und das blaue, grüne Meer, eS sang seine urewigen Weisen. Einsam, fern von der Welt ein reines Glück genießen, ist eS nicht daS Höchste, waS bet Mensch erringen kann? sagte er sich. — Und ich will eS erreichen, heute noch soll daS entscheidende Wort gesprochen werden!
Gabriele wars vom Flügel auS prüfende Blicke aus den Träumer.
Die Sonate war beendet, sie stand auf, öffnete hastig beide Fensterflügel, daß die laue Nachtluft erquickend in daS heiße Zimmer drang.
„Wie herrlich I" rief sie. „Alle Wolken haben sich zerteilt, der Mond steigt eben heraus, eS ist wie eine Bollmondinacht im Frühling. Sie lieben eS ja, Herr Baron, in den Mond zu schauen,' kommen 6ie, spinnen Sie ihre süßm Träume weiter, hier im Silberlichte deS Monde-."
Der Baron trat jetzt heran an daS Fenster. Beide