„Barnes More" von der Johnstonlinie aus Liverpool, der aus der Fahrt nach Saloniki die Dardanellen vor dem Fort Karaburu passierte, wollte die Fahrt nach Saloniki fortsetzen, ohne den Lotsendampfer abzuwarten. Da er weder die Signale deS Fort- noch zwei blinde Kanonenschüsse beachtete, fuhr der Dampfer auf eine Seemine aus, welche loSging, und den Dampfer ernstlich beschädigte. Einige Personen der Besatzung wurden verwundet; dem Kapitän gelang es, den Dampfer aus den Strand auflausen zu lassen. Gegenwärtig wird die Ladung gelöscht. Man hofft den Dampfer retten zu können.
Aus 3ii- und Ausland.
Berlin, den 17. September 1912.
Die Jacht „Hohenzollern" ist heute morgen mit dem Kaiser an Bord von WilhelmShaven nach der Helgoländer Bucht in See gegangen, wo die Flottenmanöver ihren Anfang nehmen. Da- Wetter ist klar; es wehen aber böige Winde.
Ueber dieFlottenparade vor Helgoland wird gemeldet: Prächtiger Sonnenschein flutete über die See, als sich vormittags bei dem Weferfeucrfchiff eine stattliche Anzahl flaggengeschmückter Dampfer vereinigte, »m mit Erlaubnis deS Kaisers der Parade unter dem Kommando deS Admirals v. Holtzendorff zu folgen. Um 11 Uhr vormittags nahte, von WilhelmShaven kommend, das kaiserliche Geschwader, bestehend auS dem Flaggschiff „Deutschland", aus dem sich der Kaiser befand, der „Hohenzollern" und dem Begleitschiff, dem Depeschenboot „Eleipner", dem Kreuzer „BrcSlau" und dem Aviso „Heia", während von Norden mit dem KurS aus daS Weserseuerschiff zu die gesamte Hochseeflotte in Kiellinie sich in Marsch setzte. Zu gleicher Zeit nahte von der Unterelbe her daS Luftschiff „Hansa", daS in sehr ruhiger Fahrt bald daS Paradefeld erreichte. Kurz vor Mittag traf daS kaiserliche Geschwader mit der Manöverflotte zusammen. Diese begrüßte ihren obersten Kriegsherrn mit einem Salut von 33 Schüssen. Insgesamt nahmen an der Parade 118 Schiffe mit einem Deplacement von 650 000 To., einer Besatzung von rund 32 000 Mann und 200 schweren Geschützen teil. Beim Passieren deS Kaisers auf der „Deutschland" brachten die in Parade stehenden Mannschaften der Flotte ein dreifaches Hurra auS. Nachdem sämtliche Schiffe defiliert hatten, vereinigten sich die Formationen zur Ausführung einer Reihe von taktischen Einzeldarstellungen.
Gestern unternahm die „Hansa" von Hamburg aus eine Fahrt nach Helgoland zu den Flottenmanövern. Ueber diese Fahrt deS Luftschiffes wird mitgeteilt: Nachdem daS Luftschiff bei klarem Wetter um 7Uhr mit 16 Paffagieren, darunter Prinz Stephan zu Schaumburg-Lippe an Bord, unter Führung deS Grafen Zeppelin Hamburg verlosten hatte, fuhr eS über Echulau hinweg elbabwärtS, dann an Cuxhaven vorbei und über die Nordsee hinweg nach Helgoland. Südwestlich von Helgoland wurde die Flotte erreicht in dem Augenblick, als sämtliche Kriegsschiffe bei der Ankunft deS Kaisers den Kaiferfalut schössen. DaS Luftschiff nahm dann seinen KurS über die dort liegenden Kriegsschiffe und nahm an den einzelnen Manövern der Flotte teil. Der Aufenthalt deS Luftschiffes erstreckte sich von 12Ve Uhr bis
1 Uhr 6 Min., in welcher Zeit eS die Rückkehr antrat. Auf dem Weg nach Helgoland hatte eS mit heiligen Gegenwinden zu kämpsen. Auf dem Rückweg jedoch ging dir Fahrt gut von statten. Um 1 Uhr 20 Min. erreichte daS Luftschiff das Feuerschiff „Elbe I", änderte seine«' KurS und fuhr landeinwärts über Büsum und Heide nach Jtzchoe, das eS um 3 Uhr 3 Min. überflog. Die Fahrt ging weiter nach Webe, daS um 3 Uhr 29 Min. postiert wurde. DaS Luftschiff wandle sich dann Hamburg zu. Inzwischen hatte sich ein sehr heiliger Nordwestwind eingestellt, sodaß daS Luftschiff nur mit geringer Geschwindigkeit vorwärts kam. Um 4 Uhr 38 Min. erschien eS über dem Flugplatz und schickte sich zur Landung an, die um 4 Uhr 44 Min. erfolgte. DaS Luftschiff konnte aber wegen hestiger Querwinde nicht in die Halle gebracht werden und mußte biS 6Vt Uhr draußen liegen bleiben. Dann kam eS glücklich in die Halle. Die Gegenwinde, gegen die das Luftschiff anzukämpsen hatte, waren 15 bis 16 Eckundenmeter stark. Durchschnittlich hatte daS Luftschiff in der Stunde 120 Kilometer zurückgelegt. Graf Zeppelin ist abends 9 Uhr nach Friedrichshafen zurückgereist. Die geplante Fahrt nach Kopenhagen findet wegen ungünstig lautenden Wetternachrichten nicht statt.
Prinz Heinrich ist mit Gefolge von Tokio abgereist, nachdem er sich gestern von dem japanischen Kaiserpaar verabschiedet hatte. Vor seiner Abreise empfing er das Stadtoberhaupt von Tokio zur Entgegennahme einer Adresse mit
Um €bK und Liebt
Roman von Fanny Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Bernhardi nickte lachend.
»Gewiß, gewiß, ich war der Verzweiflung nahe, alS ich mein Kostüm nicht zur bestimmten Stunde bekam."
„Und welch' ein Don Juan waren Sie! Jetzt kann ich es Ihnen gestehen, der armen kleinen Zerline Herz war Ihnen fast gor zu schnell verfallen. — Ach, mit welchen Qualen der Eisersucht sah ich Ihre Blicke immer und immer wieder sich nach jener Loge richten, wo —“
„O bitte, davon lasten Sie uns schweigen!" unterbrach sie Bernhard! eifrig und blickte unruhig zu Mazda hinüber. „Sie darf es nicht erfahren, wieviel Dornen unter all den Lorbeeren wuchern, die der Künstlers Stirne schmücken."
Mazda hatte sich mit dem Baron in eine der Fensternischen zurückgezogen, welche, hinter einer Gruppe von Blattpflanzen, ein gar lauschiges Versteck bot. — Dort ruhte sie ermüdet von der Vorstellung, mit halbgefchloflenen Augenlidern aus dem weichen Fauteuil. Traumbefangen lauschte sie der klangvollen Stimme nebm sich.
Der Baron sprach von dem Eindruck, den die Oper aus ihn gemacht. Sein für alles Schöne warm empfänglicher Gemüt fand in solchm Kunstwerken oft tiefe Wahrheiten, die vieler Andern Ohr und Sinn verloren gingen. Mazda empfand eS dankbar, welche Huldigung in diesem unverhüllten Aussprechen feiner Gedanken für sie lag. Ein Anderer hätte vielleicht diese traulich süße Stunde leicht vertändelt; hätte ihr Ohr mit tausend Schmeichlerworten betört, in dem Wahn, daß diese Sprache allein dem Frauenrohr gesällt, denn wie selten suchen die Männer, selbst da, wo sie lieben, einen geistigen Gedankenaustausch mit den Frauen — als lohnte eS sich nicht, in die Tiefe einer FrauengemütS zu dringen. Dem Baron jedoch genügte nicht jener oberflächliche Verkehr mit dem Mädchen, dem fein ganzer Herz sich zuneizte, er
künstlerischer Widmung. Der Prinz spendete eine Geldsumme für die Armen Tokios. Am Abschiedsdiner in der deutschen Botschaft nahmen Fürst Kotsura, der Hosminister, der Marineminister und andere japanische Würdenträger teil. Die Ankunft deS SonderzugeS in Jokohama erfolgt gegen Mittag. 6. M. S. „Scharnhorst" geht mit dem Prinzen und feinem Gefolge alsbald in See,
Die nationale Flugspende hat, wie die „Meckl. LdSztg." in Strelitz aus bester Quelle zu melden weiß, bisher rund 6150 000 Mark ergeben. Die französische Flugspende ergab nur 2 136 708 Frcs. DaS ist gewiß ein glänzender Erfolg deS deutschen Volkes über die angeblich so überragende nationale Flugbegeisterung Frankreichs!
Bei der Reichstag-ersatzwahl inSchlettstadt für den verstorbenen ZentrumSabgeordneten Dr. Will erhielten bei 12197 abgegebenen gültigen Stimmen Redakteur Dr. Hacgy-Kolmar (elf. Z.) 7112, Gewerkschaft-sekretär JmS- Straßburg (Soz.) 2769 und WeinzutSbesitzer Andlauer- Schlettstadt (elf. Fortschrittspartei) 2306 Stimmen. Haegy ist mithin gewählt.
BeiderLandtagSerjatzwahlinSchleusingen- Z i e g e n r ü ck für den verstorbenen Landtagspräsidenten Frhr. v. Erffa erhielten Landrot Wagner-Schleusingen (konf.) 135 Stimmen, Kaufmann Dörr-Suhl (natl.) 67 Stimmen. Landrat Wagner ist gewählt.
In Erwiderung auf einen Artikel deS „TempS" wendet sich daS bulgarische Blatt „Mir" mit Entschiedenheit gegen die Behauptung, daß Bulgarien die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Türken benützen wollte, um gegen dieses Reich Krieg zu führen. DaS Blatt erklärt: Wenn Bulgarien tatsächlich von einem derartigen Wunsche beseelt sei, hätte eS bereits im Jahre 1908, wo unendlich viel mehr Aussicht aus Erfolg bestand, zu den Waffen greifen müssen. WaS heute Bulgarien in Aufregung versetzt, sind nicht die Verlegenheiten deS ottomanischen Reiches, sondern die verzweifelte Lage ihrer VolkSangchörigen in der Türkei. Die Drohungen des „TempS", daß der Druck Europas Serbien, Griechenland und Montenegro zwingen würde, Bulgarien in einem etwaigen Kriege mit der Türkei isoliert zu lassen, verfolgen die gleiche Tendenz. Diejenigen, welche sich alS unsere Freunde empfehlen, mögen aber wissen, daß wir tünftig taub gegen Ratschläge bezüglich der Eintracht mit den Balkan- staaten sein werden und daS Heilmittel dort suchen könnten, wo wir eS finden werden, und zwar in einer für unsere eigenen Interessen günstigeren Kombination.
Von offiziöser Pariser Seite tritt man jetzt den Behauptungen in der ausländischen Presse, namentlich in italienischen und österreichischen Blättern, die Zusammenziehung der französischen Seestreitkräste imMittel- meere beruhe aus einer geheimen Verabredung zwischen der französischen und der englischen Regierung, entgegen. ES wird hierbei aus die schon lange bestandene Absicht der fran- zöfischen Regierung hingewiesen, alle französischen Geschwader unter die Leitung eines einzigen obersten ChesS zu stellen, Frankreich wolle einfach gleichfalls eine geeinte Hochseeflotte haben, wie schon Deutschland, England und Italien. — Trotz dieser Ausführungen von offiziöser Pariser Seite ist indessen kaum daran zu zweifeln, daß die sranzösische Flotten» zusammenziehung im Mittelmeere ihre hochpolitischen Ursachen besitzt und ihre Spitze vornehmlich gegen die Mittelmeermächte Oesterreich-Ungarn und Italien richtet.
Ueber einen großen Parlamentsskandal in P e st wird gemeldet: DaS Abgeordnetenhaus ist gestern vormittag 10 Uhr wieder zusammen getreten. Die Opposition setzte sofort mit voller Obstruktion ein, indem jedesmal, wenn Präsident Tisza zu reden begann, ein Höllenlärm verursacht wurde. ES wurde gepfiffen, geblasen, geschrieen und mit Pultdeckeln geschlagen. Dem Präsidenten Tisza und dem Ministerpräsidenten LucacS wurden Schimpfworte zugcrufen. Einmal schien eS mitten im Saal zu Tätlichkeiten zu kommen. Schließlich verlas Graf Tisza unter ungeheurem Tumult etwas, von dem man nicht- verstand. Die Abgeordneten der VolkS- partei intonierten die ungarische Nationalhymne und sodann daS Soffuth-Lied. Dann begann wieder Pfeifen, Lärmen und Toben. Einige Abgeordnete der Linken sangen Echmäh- lieder aus die Deutschen. Um 8/<12 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen. Um 12 Uhr 5 Min. wurde sie wieder eröffnet. Der Lärm setzte von neuem ein. Am Stenographentifch versuchten einige Abgeordnete, die Ausnahme etwaiger Mitteilungen deS Präsidenten zu verhindern. ES entstand ein kleines Handgemenge, das aber dadurch beigelegt wurde, daß Graf Karolyi vom Grasen Apponyi vom Stenographentisch zurückgezogen wurde. Aus der Präsidententribüne kam eS zu einem Wortwechsel zwischen dem Abgeordneten Arbsey und dem Grasen
wollte von ihr verstanden sein, in seinem innersten Denken und Fühlen. Und wenn Mazda zu ihm ausschaute mit verständnisvollem Blick, oder schüchtern daS Wort ergriff und aus seine Gedanken einging, dann ging ihm wohl ein Ahnen auf von dem höchsten Glück: Dem Zusammenleben zweier Menschen in geistigem Verstehen. Die Leidenschaft hatte noch nicht ihre Herzen erfaßt, ihren Blick getrübt; klar lasen sie eins in deS andern Seele. ES war eine Stunde seliger Weltvergeffenheit, die die Beiden in der nur matt beleuchteten Fensternische genossen. Aber jäh und plötzlich wurden sie in Wett und Wirklichkeit zurückgerufen.
„Ah, daS ist ja allerliebst!" tönte plötzlich Gabrielen- Stimme scharf an ihr Ohr. „Sehen Sie nur, Normann, dort das alte Pärchen ganz versunken in wahrscheinlich unendlich süßen Erinnerungen, und hier die keusche Elisabeth im traulichen tete-ä-tMe mit dem Baron. Also darum ist man stets so ermüdet nach der Vorstellung und eilt mit beflügelten Schritten heim, während wir andern Sterblichen, denen eine solche Erholung nirgends winkt, uns auf etwas materiellere Art von den Anstrengungen restaurieren."
Der Baron hatte sich erhoben, als müßte er Mazda schützen vor jener dämonischen Frauengestalt, deren Augen mit verzehrenden Blicken aus ihm ruhten, und war dicht vor Mazda getreten.
„Die Plätze wechseln, wenn ich bitten darf," tief Gabriele jetzt und bemächtigte sich deS Armes deS BaronS, ihn aus der traulichen Ecke fast gewaltsam sortziehend. Normann benutzte die Gelegenheit, den sreigewordenen Platz neben Mazda einzunehmen. Sein Benehmen gegen Mazda war feit einiger Zeit zurückhaltender, er bemühte sich augenscheinlich, in einen unbefangenen und edeln Verkehr mit ihr zu treten. Aber Mazda konnte ein GejÜhl von Unbehagen in NormannS Nähe nicht überwinden, sie bebte zurück vor seinen Blicken, welche oft wie drohend ihr entgegenfunkelten.
Vertraulich hatte er jetzt den Arm auf ihre Stuhllehne gelegt und den Kops dicht zu ihr herabgebozen. Wie ein geängsteter Vogel schmiegte sich daS junge Mädchen dicht in die Kissen deS LehnstuhlS, mit scheuen Blicken zu ihm aus-
Bathyanyi. Beide ballten die Fäuste gegeneinander. Arbsey eilte die Tribüne herunter und wurde von seinen Freunden geschützt.
Wie in Nicaragua, so wachsen auch in M e x i k o Amerika? Sorgen von Tag zu Tag. Einer Londoner Meldung zufolge haben die mexikanischen Rebellen im Staate Sonora, kaum vierzig Meilen von der Grenze von Arizona entfernt, ein amerikanische? Minenlager übersallen, und Lioncl BurrowS, den leitenden Bergingenieur und fünf seiner LandSleute gefangen genommen. DaS Lager wurde geplündert und zerstört. General Salazar, der diese Heldentat vollbrachte, hat jetzt gar die Dreistigkeit gehabt, der amerikanischen Grenzstadt Douglas eine Krieg-kontribution von 400,000 Mk. aufzuerlegen. Wenn diese Summe nicht innerhalb zehn Tagen bezahlt wird, will er die gefangenen Bergleute erschießen lassen. General Salazar, dessen Truppen meist Indianer oder Mestizen sind, hat geschworen, die JankeeS in Mexiko zu vertilgen. Nach einer weiteren Meldung aus New Jork ist daS amerikanische Kanonenboot „Wheeling" nach Santo Domingo entsandt worden.
Aus Provinz u. ftachbargebiel.
* (Woran erkennt man srifchgeschossene Rebhühner?) Hühner, die erst feit 24 Stunden geschossen sind, zeigen unter dem Lide ein klares Auge. Nach weiteren 24 Stunden wird das Auge matter und matter, um schließlich welk zu werden, oder mehr oder weniger einzutrocknen. Ein gutes ErkennungSmittel, ob man frischgeschoffene Rebhühner vor sich hat, besteht auch in der Verfassung der Zunge und deS Rachens. Wenn sich bei ausgesperrtem Schnabel daS Innere grünlich angelaufen zeigt, dann ist eS ratsam, daS betreffende Huhn nicht anzukaufen. Wer feiner Sache noch sicherer sein will, braucht nur in den aufgesperrten Schnabel hineinzuriechen; man wird dabei rasch die Lagerzeit des HuhneS feststellen können. Ferner sei bemerkt, daß Rebhühner, welche schon vor mehreren Tagen geschossen wurden, eine welkere Brust haben, alS frischerlegte, deren Brustwildbret sich kernig und fest ansühlt. Ein sicheres Zeichen, daß ein Huhn schon bedeutend Hautgout hat, besteht darin, daß die Federn, namentlich die Bauchsedern, sehr locker fitzen.
* (Keine Festlegung deS Osterfestes.) Dem Deutschen HandelStage ist vom Staatssekretär deS Innern mit» geteilt worden, daß weder bei der römischen Kurie noch bei der für die griechisch-katholischen Kirche maßgebenden Stelle Geneigtheit bestehe, aus die Festlegung deS Osterfestes einzu- gehen. Der Staatssekretär des Innern fügt hinzu, daß er deshalb zurzeit keine Möglichkeit sehe, die Angelegenheit mit AuSsicht aus Erfolg amtlich zu betreiben.
* (Landwirtschaftlicher Unterricht an Soldaten.) In ähnlicher Weise wie in den Vorjahren hat nach einer Mitteilung der LandwirtschaftSkammer auch im zurückliegenden Berichtsjahre in sämtlichen Garnisonen deS Regierungsbezirks Gaffel landwirtschaftlicher Unterricht an Soldaten stattgefunden. Wenn auch ein endgültiges Urteil über die Wirksamkeit dieser Einrichtung mit Rücksicht auf die kurze Zeit des Bestehens noch nicht gefällt werden kann, so kann man doch jetzt schon sagen, daß die bisherigen Erfolge nicht ganz den Erwartungen entsprochen haben und daß be- fonderS ihre Bedeutung als Mittel zur Bekämpfung der Landflucht vielfach etwas überschätzt worden ist.
):( Hersfeld, 18. September. Am gestrigen Nachmittag unternahm die hiesige HöhereMädchensch ül e (Lmscn- schule) den wegen der ungünstigen Witterung seit dem Sedan- tage beabsichtigten Ausflug nach der Waldschenke. DaS Wetter war verhältnismäßig günstig und als gegen Vs2 Uhr die festlich gekleideten Kinder mit klingendem Spiel durch die Stadt zogen, da blickte sogar die Sonne mehrmals durch ihren dichten Wolkenschleier, hinter dem sie sich leider schon so lange verborgen hält. Blieb daS Wetter auch trübe, so störte doch kein Regenschauer daS muntere Leben und Treiben auf der Waldschenke. Bei turnerischen Spielen, Gesang und Konzert flossen die Stunden schnell in schönster Weise dahin. Mit einbrechender Dunkelheit wurde mit brennenden Lampions der Rückweg nach der Stadt angetreten. Der Zug mit der jubelnden Kinderschar bot einen sarbenprächtigen Anblick.
p. Hersfeld, 18. September. (Reserve hat Ruh'.) Wenn am letzten Manövertage daS ersehnte Signal „das Ganze halt" geblasen wird, herrscht in der Regel großer Jubel aus dem weiten Manöverfeld. Ist doch nunmehr nicht nur eine Reihe besonders anstrengender Tage überstanden, sondern beinahe für die Hälfte aller Mannschaften daS Ende der Dienstzeit gekommen. Noch ein paar Tage werden in der Garnison mit der Instandsetzung und Abgabe der im Manöver
schauend. Ein böseS Lächeln spielte, um seine Lippen bei diesem fast kindlichen Benehmen.
„Werde ich denn nie Ihr Vertrauen wieder gewinnen, Fräulein Magba?" sagte er leise. „Ich dächte, ich hätte genug gebüßt für mein fürchterliches Vergehen. Kommen Sie, lassen Sie uns wieder Frcundjchaft schließen." Er faßte eine ihrer schlanken Hände.
Mazda wollte aufstehen, ihm die Hand entziehen, aber mit eisernen Griff hielt er dieselbe fest umklammert, dabei hatte er seinen Stuhl dicht vor den ihren gerückt, daß an ein Entrinnen nicht zu denken war. Mit einem Seufzer sank sie zurück in den Stuhl. —
Mitten im Salon, im hellen Licht der Gaskronen, stand der Baron in eifriger Unterhaltung mit Gabrielen. Düster ruhten seine Blicke auf Mazda. Wieder sah er, wie an jenem Morgen in seinem Zimmer, dicht neben ihr den blonden Männerkopf; wieder zischelte ihm ein schöner Frauenmund Worte zu, die ihm das heiße Blut zum Herzen trieben und sein Antlitz erbleichen ließen. Gabriele schaute hohnvoll lächelnd in sein erregtes Antlitz.
„Sie glauben mir nicht?" sagte sie mit leiser Stimme, „Sie finden eS hart, grausam von mir, daß ich Sie so aus Ihren Himmeln reiße. Gehen Sie doch, mit welchem seligen Ausdruck die kleine so malerisch in dem Sessel ruht, Hand in Hand mit dem Geliebten."
„Ich sehe eS wohl und doch vermag ich Ihren Reden keinen Glauben zu schenken," erwiderte der Baron. „Diese reinen, offenen Züge, sie sollten lügen, mir lügen! Schaffen Sie mit Beweise, eklatante Beweise, dann — nun dann mag auch dieser Traum verwehen!"
Er richtete sich stolz empor und ging einige Schritte seitwärts.
Mazda war eS jetzt gelungen, ihre Hand aus der ihres Nachbar? zu befreien, aber immer noch ruhte sein Arm vertraulich auf ihrer Stuhllehne, und sein Antlitz war eifrig sprechend ihr zugrneigt. ES kümmerte ihn durchaus nicht, daß Mazda nur mit halbem Ohr aus seine Worte hörte und ihre Blicke unruhig zu dem Baron hinüberschweisten, alS ahne sie, waS im Innern deS geliebten Manne? vorging.