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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 106» Donnerstag, den 5» September 1912.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 28. August 1912.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache ich daraus aufmerksam, daß seit dem 1. April d. JS. neue Formulare für die Ausnahme-Anträge von Kranken in das hiesige LandkrankenhauS vorgeschrieben sind. Die Formulare sind in der L. Funkischen Buchdruckerei hier erhältlich. Die älteren bezw. die srüher vorgeschriebenen Formulare sind nicht mehr zu verwenden.
Gleichzeitig nehme ich auS Anlaß der mir vorgebrachten Beschwerden Veranlassung, die Herren Bürgermeister und GutS- Vorsteher anzuweisen, den gestellten Ersuchen aus Ausstellung der Aufnahme-Anträge sofort und ohne Verzögerung zu entsprechen, da sonst die rechtzeitige Ausnahme der Kranken in Frage gestellt wird. Ich habe schon wahrgenommen, daß sich Bürgermeister in der Annahme befunden haben, durch die Ausstellung der Ausnahme-AntragS gehe die Gemeinde die Verpflichtung zur Zahlung der entstehenden Behandlungskosten ein. DaS ist nicht der Fall. Soweit die Kranken mittellos und zur Zahlung der entstehenden Behandlungskosten nicht in der Lage sind, hat der Ortkarmenverband ohnedies in der gesetzlichen Weise mit der nötigen Unterstützung einzutreten, sofern die Behandlung in dem Krankenhause nicht unentgeltlich erfolgt. Die Ausstellung deS Aufnahme-Antrags ändert daran nichts.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 5840. von GrunrliuS.
HerSfeld, den 28. August 1912.
Am Tage der Eröffnung der Kleinbahn HerSfeld-Heim- boldShaufen tritt in RanSbach eine Postagentur in Wirksamkeit. Dem Landbestellbczirke der neuen Postanstalt werden die gegenwärtig zum Landbestellbezirke der Postagentur Heim- boldShausen (Werra) gehörenden Landgemeinden AuSbach und HillartShausen sowie die bisher von dem Postamt EchenklcngS- selb bestellten Niederlassungen GilmcS-, Grund- und Schellmühle und daS ForsthauS Stöckig zugeteilt.
Die Verwaltung der neuen Postagentur wird dem jetzigen Posthilfstellen-Jnhaber, Kaufmann Landsicdel, übertragen werden. I. 9992. Der Landrat.
3. «.:
Weffel, KreiSfekretär.
Nachdem in Holzmühl die Maul- und Klauenseuche erloschen ist, ordnen wir in Abänderung unserer Bekanntmachung vom 2. Juli l. JS. aus Grund des ReichSviehseuchengesetzeS und der zu seiner Ausführung erlassenen Bestimmungen an, was folgt:
1. DaS durch unsere Bekanntmachung vom 2. v. MtS. gebildete Sperr- und BeobachtungSgebiet wird aufgehoben.
2. Die Gemeinde und Gemarkung Holzmühl bildet daS
Um Ehre und Gebt.
Roman von Fanny Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Ja, daS war er!“ rief die alte Dame enthusiastisch. „Groß wie selten einer, ein Genie nicht nur in der Musik, auch im Leben, Lieben und Leiden I Ich kannte ihn, alS wir beide jung waren. Am Burgtheater in Wien begannen wir zusammen unsere Künstlerlaufbahn, wir mochten unS gern — vielleicht — wäre nicht jenes Weib in sein Leben getreten, die dies reiche Dasein zerstörte, vergiftete. — Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen, reden wir von Ihrer Zukunft, liebeS Kind. Ihre Stimme ist vollständig ausgebildet; die dramatische Routine, die Ihnen noch fehlt, werden Sie sich leicht aneignen. Aber sind Sie auch fest entschlossen, die Bühnenlaufbahn zu erwählen? Sie hat ihre großen Schattenseiten. ES weht eine heiße Lust in diesen Regionen, Sie werben vielleicht Heimweh bekommen nach ihren schönen Wäldern und dem lieben Vaterhaus."
„Aber Mama!" wendete Gabriele ein. „WaS gibt eS Schöneres als ein Künstlerleben! Nicht um alle Schätze der Welt möchte ich mein Leben vertauschen mit dem alltäglichen Dasein anderer Frauen, deren ganzer Jdeengang sich um kleine Kinder und häusliche Sorgen dreht, denen die hohe Begeisterung, daS Ausgehen der Kunst nicht beschicken ist."
„Ja, Dir liegt eS im Blute, Du bist ein echtes Künstlerkind, aber bedenke, Fräulein Mazda ist in ganz anderen Verhältnissen ausgewachsen, ihr wird Viele? hier neu und fremd sein."
„Gnädiges Fräulein, auch ich möchte Ihnen raten, diesen Schritt ernst zu bedenken", nahm jetzt der Baron FolgerS- dors daS Wort und sah mit inniger Teilnahme aus Mazda. »Es ist nicht gut, sich loSzureißen von der Heimat, den heiligen Familienbanden. Wer je ein schönes Fleckchen Erde feine Heimat genannt, den zieht eS dahin zurück, die Sehn- fucht verfolgt ihn, ich kenne daS!" —
BeobachtungSgebiet mit den sich auS Ziffer IV unserer Bekanntmachung vom 2. v. MtS. ergebenden Wirkungen.
3. Die seither verseuchten 4 Gehöste der Gemeinde Holzmühl bleiben biS auf weiteres gesperrt und unterliegen den unter 3, 1 und 2 unserer Bekanntmachung von 2. v. MtS. aus- geführten Bestimmungen.
Lauterbach, den 22. August 1912.
Großherzogliches KreiSamt Lauterbach. J. V.: Dr. § e ß. * * *
HerSfeld, den 28. August 1912. Wird veröffentlicht.
I. 9907. Der Landrat.
3. A.:
Weffel, KreiSfekretär.
HerSfeld, den 30. August 1912.
An der Hufbeschlag-Lehrschmiede in Weißenborn, Kreis Rotenburg a. d. Fulda, beginnt am 1. Oktober d. JS. ein neuer LehrkursuS. Anmeldungen sind alsbald an den Lehr- schmiedemeister Diegel daselbst zu richten.
I. 10126. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Bekanntmachung.
Zu den Schuldverschreibungen der 3 %igen deutschen ReichSanleihe von 1902, Reihe V Nr. 1 bis 20, zu den Schuldverschreibungen der 3Ve vormals 4 °/oigen deutschen ReichSanleihe von 1884 und Reihe VI Nr. i biS 20, zu den Schuldverschreibungen der 3Va vormalS 4% igen deutschen ReichSanleihe von 1880 werden vom 3. September d. JS. ab neue ZinSscheinbogen ausgegeben. Die Ausgabe geschieht durch Vermittelung der Königlichen KreiSkosse in HerSscld und der ReichSbank-Nebenstelle in HerSfeld.
Den VermittelungSstellen find die ErneuerungSscheine (TalonS) mit Verzeichnis einzuliesern. Formulare zu Verzeichnissen werden unentgeltlich abgegeben.
HerSfeld, den 30. August 1912.
I. Nr. 15 793. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 28. August 1912.
DaS Proviantamt Fulda wird mit dem Hafer- ankaus beginnen, sobald Hafer auS der neuen Ernte angeboten werden kann.
Die für den Ankauf maßgebenden Lieferungsbedingungen können bei der OrtSbehörde eingesehen oder auf Wunsch unentgeltlich vom Proviantamt bezogen werden.
I. 9996. Der Landrat.
I. A.:
Wejsel, KreiSfekretär.
„Er ist nämlich auch ein Davonläuser, der Herr Baron. An der Ostsee Strand liegt das Schloß feinet Väter," berichtete Gabriele lachend. „Auch in diese heiligen Hallen sind die unbescheidenen Musen eingedrungen, ihre Gabe in die Wiege deS Erstgeborenen zu legen. ÄlS er zum Leben erwachte, ward er sich dieser hohen Gabe bewußt. Die aristokratischen Hände begannen Tische und Wände mit wunderbaren Bildern zu bemalen. Da hals kein Zürnen, kein Schelten, die Musen hatten eS ihm angetan, und hinter der weißen Stirn da brannten die idealen Künstlergedanken, die ihn denn schließlich auch hinauStrieben in das volle reiche Leben, um ein großer Maler zu werden. Und er will Ihnen abraten, eine Künstlerin zu werden! DaS ist nicht recht von Ihnen, Herr Baron!"
Ein eigener Ausdruck lag in den Zügen deS schönen Mädchens, als sie ihre strahlenden Augen zu ihm aufschlug. ES war, als suchten dieselben hinter dieser weißen Stirn ganz andere Gedanken, die nichts mit der Kunst gemein hatten.
„Einem Manne ebnen sich schon eher die rauhen Lebenswege!" erwiderte der Baron, „aber eine junge Dame, so un- bekannt mit dem Leben, nur für die engste Häuslichkeit erzogen. Jeder HinauStreten in die Ocffentlichkeit ist gewagt für ein Frauenleben, denn die eigentliche Heimat der Frauen bleibt doch daS HauS. — ES gibt allerdings Künstlerinnen, gottbegnadete Künstlerinnen I"
Er machte eine elegante Verbeugung bei den letzten Worten gegen Gabriele, jedoch dieselbe achtete nicht daraus, eine dunkle ZorneSröte brannte auf ihrem Antlitz.
„Solche spießbürgerlichen Ansichten wagen Sie hier in unserem Salon auSzusprechen, Herr Baron?" rief sie erregt. „O, suchen Sie doch die ehrbaren Frauen auf in ihren Häusern! WaS treibt sie denn zu unS Künstlerinnen, die wir die Heimat deS WeibeS verlassen, den Boden unter unsern Füßen verloren haben, wo wir sestwurzcln können fürS Leben. Gehen Sie hinaus zur Frau Rat und lassen Sie sich erzählen von dem letzten großen Kaffeeklatsch."
„Gabriele!" rief die Mutter vorwursSvoll.
„Sie haben mich nicht auSreden lassen, gnädiges Fräulein,"
Bekanntmachung.
Mit Wirkung vom 12. September 1912, dem Tage der BetriebSeröffnung übernimmt die unterzeichnete Kreisbahn die Besörderung von Personen, Reisegepäck, Expreßgut, Leichen, lebenden Tieren und Gütern aus Grund der allgemeinen Bestimmungen deS Deutschen Eisenbahn-, Personen- und GepäcktarisS Teil I, der Deutschen Eisenbahn- TiertarisS Teil I und deS Deutschen Eisenbahn-Gütertarifs Teil I, soweit diese Bestimmungen nicht durch den besonderen Tarif der HerSseldcr Kreisbahn (Teil II) ausgehoben, abgeändert oder ergänzt werden.
Ueber die BeförderungSpreise geben die unterzeichnete Betriebsleitung und die Etationen der Hersfelder Kreisbahn Auskunft.
HerSfeld, den 2. September 1912.
Die Betriebsleitung der Hersfelder Kreisbahn.
nichtamtlicher teil.
Ae Reise des Kaisers iiiij der Schweiz.
Die nun doch stattfindende Reise deS Kaisers Wilhelm nach der Schweiz ist gegenwärtig der Mittelpunkt alles politischen Interesses geworden, denn diese Reise hat eine außergewöhnlich große Bedeutung. Ganz Europa blickt gegenwärtig aus diesen Besuch deS deutschen Kaisers in der Republik Schweiz, denn alle Welt weiß, daß der Kaiser diese Reise unternommen hat, um sich durch die eigene Beobachtung über die LeistungSsähigkeit der schweizerischen Milizarmee und über die Eigenart der ganzen schweizeriichen Verhältnisse zu unterrichten. Keineswegs ist der Besuch deS deutschen Kaisers in der Schweiz nur alS ein Akt konventioneller Höflichkeit zu betrachten, der Reise wohnt vielmehr alS Ziel eine hohe militärische und politische Information inne. Selbstverständlich gilt die Reise auch der Pflege guter Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und der Schweiz, und wenn man bedenkt, daß die Mehrheit der Bewohner der Schweiz dem großen deutschen Volksstamme angehören, und deshalb mit dem deutschen Volke auch eine große gemeinsame geistige Kultur besitzen, so wird man erkennen, daß der Besuch deS Kaiser? in der Schweiz auch von größter Wichtigkeit für die guten Beziehungen zwischen Deutschland und der Republik der Eidgenossen ist. Große moralische Faktoren, die Freundschaft und die Kulturgemeinschast zweier blutverwandter Staaten, werden daher den Kaiser auf seiner Reise nach der Schweiz begleiten, und sie werden sicher auch dort im freien Volke der Schweizer einen großen Widerhall erwecken. ES wird auch in der Welt und zumal in Frankreich und England nicht ohne Eindruck bleiben, daß der deutsche Kaiser als der Oberhcrr der stärksten Monarchie ohne jedes Vorurteil den demokratischen Staat der Schweiz besucht, und dort für feine
sagte der Baron ruhig und fuhr fort: „Ich mag nichts weiter hören, ich kenne Ihre Ansichten zur Genüge. ES ist eben daS LoS der Künstlerinnen, daß, so sehr man ihr Talent bewundert, doch geringschätzig die Achseln zuckt, wenn man sie jenen anderen Frauen gegenüberstellt, denen man daS Recht eingeräumt hat, auf unS herabzusehen. ES mag ja etwas für sich haben, ruhig ohne alle Emotionen dahin zu leben und seine Pflicht zu tun. Kehren Sie heim, Fräulein Mazda, ich will Sie nicht aus Ihren Bahnen treiben. Frau Sanno hat Recht; die Luft ist schwül und drückend in der Künstlerlausbahn und in der großen Welt, man atmet leichter in Ihren Wäldern."
Ein seltsamer Klang zitterte in der Stimme deS jungen Mädchens, ihre Blicke irrten hinüber zu dem Baron, dessen dunkle Augen fest aus sie gerichtet waren. Ein Leuchten der Erkenntnis flog über sein Antlitz. Auch in GabrielenS leichtlebigem Frauenherzen schien ein anderes Gesühl sich langsam zu entfalten. Gabriele war an den Flügel getreten, sie sang. ES war keine ihrer brillanten Opernarien, welche sie gewählt, sondern daS tieftraurige Lied von Schumann:
Schöne Wiege meiner Leiden, Schönes Grabmal meiner Ruh
klang wunderbar auS ihrem Munde und tönte durch den Salon, ein Herz voll Liebe und Leideuschast bcbte in diesen Tönen. Die Zuhörer waren tief ergriffen. In MagdaS Augen schimmerten Tränen, alS Gabriele geendet. Stürmisch schlang sie die Arme um die Sängerin und rief:
, „O, Sie stehen doch hoch über allen andern Frauen I Schicken Sie mich nicht zurück, lassen Sie mich eine Künstlerin werden, wie Sie eS sind! Mag man auch auf mich geringschätzend herabschauen. Wenn wir nach Hohem strebend an den alltäglichen Dingen vorübergehen, wer kann eS unS verargen?"
„Bravo, bravo," rief Gabriele triumphierend. „Sehen Sie, daß alle Ihre schönen Reden in den Wind gesprochen waren, Herr Baron. Sehen Sie eS denn nicht längst mit Ihren Künstleraugen, daß auch diese reine jungfräuliche Stirn den Kuß der Musen empfangen, daß Sie nicht zu jenen AlltagSkinder» gehört, denen Sie allerdings den Vorzug zu