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herrfelder Kreuzblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 104.
Erstes Blatt.
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HerSfeld, den 30. August 1912.
Aus Grund deS § 3 der Polizei-Verordnung vom 7. Dezember 1907 (RegierungS-Amtsblatt Seite 379) ermächtige ich die Ortspolizeibehörden des Kreises mit Rücksicht auf die ungünstige Witterung bisher für den nächsten Sonntag, den 1. September d. I?., die Vornahme von Erntearbeiten allgemein zu gestatten.
Fahrplan, gültig vom Tage der Betriebseröffnung ab.
Richtung Hersfeld-Heimboldshausen.
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Richtung Heimboldshausen-Hersfeld.
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HerSfeld, den 29. August 1912.
DaS am nächsten Sonntag, den 1. September d. Js. hier geplante KreiSjchülerwettfpiel ist infolge der nassen und ungünstigen Witterung auf Sonntag, den 16. Septem- b er 1912 verlegt worden.
I. 10067. Der Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 23. August 1912.
Am 9. August d. JS. ist ein Bulle deS Landwirts Peter
Frauenherzen.
Groteske aus dem Feldzuge von 1870.
Nach dem Englischen von Klara Rhein au.
(Nachdruck verboten.)
Mein Onkel, der pensionierte englische Oberst Eden, war während deS deutsch-französischen FeldzugeS im Jahre 1870 in eine recht fatale Klemme geraten. Seine Frau, meine temperamentvolle Tante Alice, war eine geborene Französin, und obwohl mein Onkel Deutschland mehr liebte als Frankreich und sieben Jahre lang in den schönsten deutschen Städten gelebt hatte, brächte eS meine Tante Alice doch dahin, daß sich mein ahnungsloser Onkel im Frühjahre 1870 in Frankreich ankauste. Chäteau la Tourelle hieß daS schöne Besitztum, bestehend aus einem Rittergute und Schloß. In der sicheren Erwartung, daß dieses Schloß eine Art Paradies für ihn werden würde, hatte eS mein Onkel erworben, und schon nach einigen Monaten mußte er erfahren, daß eS zu einer Art Hölle mit sehr heißem Fegefeuer für ihn geworden war. Der große Krieg Frankreichs mit Deutschland brach aus, und als mein Onkel der leidenschaftlich erregten Tante Alice gegenüber einmal von der Tapserkeit und kriegStüchtigkeit der Preußen, Bayern, Sachsen und der anderen deutschen Stämme und einer deshalb möglichen Niederlage der Franzosen zu reden wagte, so titulierte ihn seine wackere Ehehälfte nur noch „Ver- tätet* und führte eine Trennung von Tisch und Bett zwischen sich und ihrem Gatten in großen Szenen herbei. AlS dann nach den Niederlagen der Franzosen bei Wörth, Metz und Sedan mein Onkel die Bauern des DorseS Tourelle darauf ausmerksam zu machen wagte, daß eS mit dem französischen kriegSruhm vorbei sei und Frankreich am besten täte, Frieden zu schließen, wurde er in der Weinschänke deS DorseS gar von den derben Fäusten der Bauern gepackt und alS lästiger Ausländer an die Lust gesetzt. Seit der Zeit verhielt sich mein Onkel in seinem Schlosse wie ein Gefangener, bewacht von feiner eifrigen Ehefrau und von mir, denn ich, obwohl ich eine Tochter der verstorbenen Schwester deS Obersten Eden war, mußte auch mit meiner Tante Alice in die Kriegs-
Sonnabend, den 31. August
Die Erlaubnis ist aber auf die Zeit außerhalb des HauptgotteSdiensteS zu beschränken.
I. 10111. Der Landrat.
3. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
Hersfeld, den 28. August 1912.
Nachstehend veröffentliche ich den vom Herrn Regierungspräsidenten im Einvernehmen mit der Königlichen Eisenbahndirektion in Erfurt genehmigten Fahrplan für die Hersfelder Kreisbahn, gültig vom Tage der Betriebseröffnung ab bis auf Weiteres.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses
A. 6065. von Grunelius.
Schneider in Sölzerhöfe bei Sorga, 16 Monate alt, Gelb- fchack, weißer Kopf, beiderseits gelben Backenfleck, von der KörungSkommiffion besichtigt und für Zuchtzwecke als taug- lich befunden worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. Nr. 6000. von Grunelius.
trompete blasen, sonst hätte sie mich aus dem Schlosse gejagt. Da ich arm wie eine Kirchenmaus war, hielt ich tapfer an der Seite meiner reichen Tante aus. Doch war ich auch zuweilen meinem Onkel nützlich, da ich öfter als Parlamentärin zwischen den feindlichen Parteien benutzt wurde, denn eS kamen doch noch öfters dringende Notwendigkeiten vor, daß der Onkel zu einem Geldanliegen der Tante feine Zustimmung geben mußte, oder daß der Onkel die Gegenwart der Tante zu einer der vielen RepräsentationSpflichten gebrauchte.
So heiter standen die Dinge in Chäteau la Tourelle, als diese anmaßenden Preußen und Bayern eS wagten, sich sogar mitten im Winter den Usern der Loire zu nähern und dadurch auch immer mehr in die Nähe deS Chäteau la Tourelle zu kommen.
Meine Tante und ich, sowie Zofe und die alte Haushälterin, wir wandten alle Energie an, um durch Händeringen, Seufzen und Stöhnen und ganz besonders durch eifriges Zupfen von Charpin für die vielen verwundeten Franzosen uns die Preußen und Bayern vom Leibe zu halten. Aber alle diese Anstrengungen schienen nicht? zu nutzen, denn die Feinde und zumal die gesürchteten Ulanen rückten immer näher. Nur einer fürchtete sich nicht in der ganzen Umgebung, daS war mein Onkel, der Oberst Eden, oder wie die Franzosen ihn nannten „Monsieur le Colonel." Monsieur le Colonel ritt sogar öfter? dem Feinde entgegen und sagte dabei ganz vergnügt, er höre so gern mal wieder die Kanonen donnern und die Gewehre knattern. Bei diesem Eingeständnisse meines ehrlichen Onkel?, der im Srintkriege tapfer mitgekämpft hatte, packte meine Tante eine förmliche Wut und sie schrie laut: „Monsieur le Colonel wird sich mit seinem schönen Reitpferde noch zur Zielscheibe für die preußischen Kanonen machen I —*
Aber derartige Aussichten störten Monsieur le Colonel, wie ich nun aus Befehl der Schloßherrin auch meinen Onkel nennen mußte, nicht, und er machte nun erst recht täglich seine Ausflüge in der Richtung, wo die Kanonen donnerten. Na, und da kam eines TageS die Unglücksbotschaft.
Viel länger als sonst blieb Monsieur le Colonel weg, und bann kam er auf einmal in das Schloß gesprengt und sagte
1912.
poli^euwroi^mmg, betreffend die Entnahme von Waffer aus dem Was erwerk in der Gemeinde M e ck b a ch.
Aus Grund deS § 5 der Verordnung über die Polizei- verwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (Gesetzsammlung Seite 1529) sowie deS § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Gesetzsammlung Seite 195 ff.) wird hiermit für den Umfang der Gemeindebezirks folgende Polizeiverordnung erlassen:
§ 1-
Jeder Hauseigentümer ist verpflichtet, seine HauSleitung in einem solchen Zustande zu erhalten, daß niemals Master unbenutzt verloren gehen kann.
§ 2.
Unbefugten ist eS verboten, an Abstellhähnen, Schiebern oder Hydranten der Gemeinde-Wasserleitung zu stellen und sich Schlüssel dazu anfertigen zu lassen.
§ 3.
Bei AuSbruch von Feuer ist eS nicht gestattet, Master zu gewerblichen oder LuxuSzwecken der Leitung zu entnehmen solange der Brand dauert. Bei Großfeuer muß nach entsprechender Bekanntmachung jegliche Wasserentnahme unterbleiben.
8 4.
Jede Vergeudung von Wasser ist untersagt. Insbesondere ist es verboten, bei Frost daS Master fortgesetzt laufen zu lasten, um daS Einfrieren der Zapfstelle zu verhindern.
§ 5.
ES ist untersagt, Master aus der Leitung zu anderen als den angemeldeten Zwecken zu verwenden, vor allem zum Berieseln und Besprengen von Gärten, Höfen usw., wenn nicht hierzu besondere Erlaubnis erteilt ist. Begießen mit Hand- gießkannen ist jedoch gestattet.
8 6.
Wenn bei Wassermangel die Wasterentnahme zu bestimmten Zwecken seitens deS Bürgermeisters untersagt wird, so ist diesem Verbot unbedingt zu gehorchen.
8 7.
Wer in einer Entfernung von im und weniger von den WasterleitungSröhren Erdarbeiten, bauliche Veränderungen usw. vornimmt, ist verpflichtet, vor Beginn derselben dem Bürgermeister schriftlich oder zu Protokoll Anzeige zu machen.
8 8.
Es ist nicht gestattet, an jemanden, dem der Anschluß entzogen ist oder der überhaupt keinen Anschluß hat, Wasser aus der Leitung abzugeben, einerlei, ob dies unentgeltlich oder gegen eine Vergütung geschieht.
seiner Frau und mir, seiner Nichte, gar nichts. Wirklich so impertinent war er und sagte uns gar nichts.
Aber plötzlich ertönte ein scharfer kreischender Ton.
„Ma'm'selle, Ma'm'selle Charlotte, wo sind Sie?"
Die schrille Stimme unserer alten Köchin Stephanie unterbrach meine Träumereien. „Wo sind Sie, Ma'm'selle? Kommen Sie rasch und hören Sie die große Neuigkeit, die Monsieur nach Hause gebracht hat — große Neuigkeit, — o ja, große Neuigkeit meiner Treu I „WaS eS ist"? fragen Sie. Ich will eS Ihnen sagen. Wir werden Besuch bekommen, ma petite — ja Besuch l Wir fühlen unS alle so traurig und ver- lassen: wir brauchen etwas Ausheiterung, nicht wahr, mein Liebling? Darum kommen sie — kommen — und ohne Einladung noch dazu — wie liebenswürdig von ihnen I Und die alte Stephanie darf für sie kochen, kräftige Süppchen, zarte Kotelettchen, saftige Beessteaks."
„Um deS Himmelswillen, Stephanie," rufe ich, „wa» phantasieren Sie da zusammen, und wer find die Besucher?"
„Wer sie sind," erwiderte die erregte Alte, mit einer tra- gischen Geberde die Arme übereinanderschlagend, „ich will eS Ihnen sagen, Ma'm'selle, wenn Sie mir Zeit lassen. „Erfind — eS sind" — mit einem wütenden Faustschlag auf den Tisch — „zehn plündernde Preußen, ma belle — zehn mörderische BiSmarkerS — ein Offizier und neun Soldaten, die hierher kommen, um in diesem christlichen HauS zu essen, zu trinken und zu schlafen? WaS sagen Sie zu dieser Nachricht, he? Oh ciel, daß ich diesen Tag erleben mußte!"
Und mit langen Schritten schreitet die alte Köchin laut brummend davon und ich suchte Tante Alice aus.
„Ach, ach, meine Lotte," stöhnte die arme Dame, „daS sind hübsche Nachrichten, nicht wahr? DaS kommt davon, weil Dein Onkel sich zu viel mit den Preußen einließ. Ich wußte eS schon lange. Vom ersten Tage an sagte ich — aber natürlich wollte niemand aus mich hören — und jetzt — jetzt — O Lottie, Lottie, mein Kind, waS soll aus unS werden, wenn diese entsetzlichen Menschen im HauS sind? Jeder Tag kann unser letzter sein! Ihnen ist eS nicht schwer, Dir ein Schwert in den Leib zu stoßen, alS mir, wenn ich eine Nadel auf meine Kiffen stecke. Und wie gewöhnlich lacht Dein