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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 98.

Sonnabend, den IV. August

1913»

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 9. August 1912.

Der Landwirt Paul B e ch t e l in Obergeis ist zum Bürger- Meister der Gemeinde Obergeis gewählt worden.

Ich habe diese Wahl bestätigt und den p. Bechtel am 8.

d. MtS. verpflichtet.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 5542. von GruneliuS.

Der Taatenftand Anfang August 1913. Regierungsbezirk Cafsel, Kreis Hersfeld.

BegutachtungSziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. s. L. I d 3646 M. d. J. -)

Fruchtarten usw.

Durchschnitts­noten für den

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab- gegebenen Noten

Staat

Reg.-Bez. Cafsel

©1

©1

CQ

so

7

ist

4

Ist

Winterweizen .

Sommerweizen .

Winterspelz (Dinkel) .

Winterroggen .

Sommerroggen.

Sommergerste .

Hafer ....

Erbsen . .

Ackerbohnen Wicken

Kartoffeln .

Zuckerrüben

WinterrapS u.-Rübsen Flachs (Lein)

Klee.....

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be- (®nt.) Wässerung

Andere Wiesen .

Futterrüben

2,6

2,5

2,1

2,5

2,8 2,4

2,7

2,8

2,4

2,6 3,0

2,6

2,6 3,4 3,0

2,5

3,1

2,6

2,1

2,4

2,2

2,5

2,3

3,1

2,6

2,4

2,4

2,4

2,3

2,3

3,1

2,5

2,2

2,6

2,2

2 1

3

2 1

2 2

4 2

2

2 4

4 4

5

2

1

1 2

2 2

2

1

1

1 1

1

1 1

1

2 1

i

Kgl. Preuß. Statistisches LandeSamt. Evert, Präsident.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In die Festklänge der Jubelseier deS Hauses Krupp, dieses stolzen Erinnerung-srsteS der Arbeit, haben sich die herben Trouerklänge der Hiobsbotschaft vom Grubenunglück

treue Liebe.

Skizze von G. Wahl.

Vor ein paar Jahren führte mich mein Weg zum ersten Male an die Nordsee.

Doch keinen großen, berühmten Badeort hatte ich aufge- fucht. Ich liebte eS, Entdeckungsreisen zu machen; das heißt: kleine, womöglich noch unbekannte, völlig unbeachtete Orte lockten mich. Und ich sand dort allemal so viel stillver- schwiegene Poesie, so viel traumhaft schönes, luft- und glück- umsponnenes Dasein, wie eS mir während der Saison in den Kurorten niemals hätte geboten werden können.

Und stets andere Orte suchte ich auf, immer wieder fremde, unbekannte Bilder ließ ich aus mich einstürmen, um stetig den Reiz deS Neuen, Fremdenartigen aus mich wirken zu lassen.

Die Nordsee war mit bisher fremd geblieben, ein ge­wisses Vorurteil hatte mich von ihr zurückgehalten. Immer traf nämlich daS Wortöde" mein Ohr, sobald man die dortigen Gegenden schilderte.

Endlich aber raffte ich mich aus, um mich vom Augen­schein zu überzeugen.

DaS Fischerdörschen, zu dem mich der Zusall führte, war nicht so weltabgeschieden, wie ich eS mir geträumt hatte; ich fand dort einigen Fremdenverkehr alles Leute, die, wie ich nachher erfuhr, alljährlich hier sich zu erholen pflegten.

Sie alle hatten daS Bestreben, einsam daS heißt, für sich zu bleiben, trugen also nichts zum größeren Bekannt- werden deS OertchenS bei.

So kam eS, daß ich gewissermaßen erstaunt und miß­trauisch als Eindringling beobachtet wurde.

WaS das Dörfchen selbst anbetraf, so war <8 schmuck und sauber angelegt und gehalten. Vor allen Häusern Vor­gärten, ein luftiger Wäldchen, vor ein paar Jahrzehnten ge- pflanzt, mit großer Mühe gehegt und gepflegt, jetzt kühl und lauschig, anmutrnd und Schatten spendend ein Schloß,

auf der Zeche Lothringen gemischt, daS über hundert blühende Menschenleben in jähem Tode dahingerafft hat. Man stand erschüttert vor dem Bilde dieser furchtbaren Katastrophe, die Festesfreude zerrann, und unser Kaiser hat, tief ergriffen durch daS Unglück, dessen Schauplatz ihm so nahe gerückt war, auf Sang und Saitenspiel verzichtet und hat gemeinsam mit seinem erlauchten Bruder, dem Prinz« Heinrich, die Stätte deS Elends ausgesucht, um sich selbst über die Ursachen der Katastrophe zu informieren und der schwer­geprüften Bevölkerung sein B» 'eid und seinen Trost auSzu- sprechen. Aber nicht bei teilnehmenden Worten hat eS der Kaiser bewenden lassen, er hat sofort für die Hinterbliebenen zur Linderung der ersten Not eine namhafte Summe gespendet, die den Anstoß zu weiteren Sammlungen gegeben hat. Eine derartige Bekundung warmer Anteilnahme kann aus die deutsche Arbeiterschaft unmöglich ohne Eindruck bleiben, zeigt sie doch, daß deS Kaisers hochherzige Sympathien für das Wohl und Wehe der Arbeiter dieselben geblieben find, wie er sie durch den immer weiteren Ausbau der Arbeiterwohlfahrtsgesetze bewiesen hat, obwohl er bisher, dank der sozialdemokratischen Ver­hetzung, von der Arbeiterschaft im allgemeinen wenig Dank geerntet hat.

WaS die auswärtige Politik betrifft, so ist zunächst die Reise des französischen Ministerpräsidenten Poincarä nach Petersburg zu erwähnen, der dem Zaren einen Besuch abgestattet hat. Ueber die Ursache dieser Rußlandreise sind mancherlei Vermutungen verlautbart worden, und die französische Presse betonte ostentativ ihre große politische Bedeutung alS eine Antwort auf die Zweikaiserbegegnung in Baltischport. Aus diese Uebertreibungen ist jedoch ein kalter Wasserstrahl durch den Begrüßungsartikel derRossija", deS Organs der russischen Regi ru-g gefallen, welche betont, die Zeit sei vorüber, wo daS russisch-französische Bündnis alS eine Gefährdung deS europäischen Friedens und besonders als gegen den Dreibund und gegen Deutschland gerichtet angesehen wurde. Es verfolge außer der gemeinsamen Behandlung politischer Fragen in erster Linie Fragen von handelspolitischer Bedeutung und solle dazu dienen, die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Nationen zu hegen und zu pflegen. Von dieser osfiziösen russischen Auslegung des Bündnisses Rußlands mit Frankreich werden die Franzosen wohl nicht sehr entzückt sein. Aber auch nach den sehr bestimmten auS Petersburg nach Berlin gekommenen Erklärungen können wir nicht im Zweifel sein, daß die russische Regierung entschlossen ist, in ihrem Verhältnis zu Deutschland aus dem Boden der Be­sprechungen von Baltischport zu verbleiben.

Mulay Hasid, der Sultan von Marokko, hat seiner Krone entsagt, die ja doch nur noch eine Scheinkrone war, und ist nach Frankreich abgereist. Ein ge- brochener Mann, tritt er von dem Schauplatz ab, von dem eigenen Volk verlassen und verachtet, weil er durch die Ver- hältnisse, die stärker waren alS er, gezwungen wurde, an dem Programm Verrat zu begehen, mit dem er seine Laufbahn

uralt, verwittert, mit prächtigem Park, darinnen Bäume, die mehrere Menschenalter überdauert hatten.

DieS alles wirkte äußerst traulich und anheimelnd auf mich.

Aber die ganze Umgebung versank mir vor den sesselnden Reizen der See, die in Ebbe und Flut kam und ging, die da tobte, daß daS Weltgebäude erzitterte, auch wieder im Traumzustande kaum den blanken Spiegel kräuselte und die in tiefer Nacht nach gewitterschwülen Tagen wundersam leuchtete.

Aber von diesem allen wollte ich eigentlich nichts erzählen. Mein Erinnern gilt vielmehr einer dort seßhaften Fischersfrau, deren Bekanntschaft ich machte und zu der ich mich besonders hingezogen fühlte, weil sie mein dortiges Schicksal zu teilen schien daS Schicksal deS FremdseinS, Alleinseins.

Nicht etwa, baß sie tatsächlich fremd und einsam gewesen wäre sie kannte jeden und grüßte sich mit allen, sie hatte Bettern, Schwägerinnen und allerlei Verwandte dort; und doch schien eS mir, als trennte eine unsichtbare Mauer sie von den Ihren. Man sprach zu ihr anders, als wenn man unter sich war gerade wie ich bei den Badegästen von intimeren Gesprächen ausgeschloffen war und blieb. Ich war eben die Fremde.

WaS mich betraf, so fragte ich natürlich nichts danach, denn mir lag nichts ferner, als Geselligkeiten oder gar Freund- schasten zu suchen. Aber meine Blicke versolgten oft jene stille Frau, und mit dem Reiz, den alles Unbekannte hat, fesselte mich ihr Schicksal. Ich beschäftigte mich oft in Ge­danken mit ihr und grübelte und sann, ohne freilich der Sache auf den Grund zu kommen.

Da gab mir ein Zufall den Schlaffe! zu diesem Rätsel.

ES war ein köstlich warmer Augustabend so schmeich­lerisch warm, wie ich an der Ostsee noch keinen erlebt habe.

Ich saß aus der Bank vorm Hause, die Blicke inS Leere gerichtet und träumte--ich war eben allein, und die weiche Abendstimmung hatte mich gesangen genommen.

Da hörte ich Schritte aus mich zukommen.

Jene zuvor erwähnte Fischersfrau kam gegangen. Ich grüßte und nötigte sie, sich zu mir zu setzen.

begonnen hatte, und auch fein zum Sultan ausgerusener Bruder Mulay Juffus wird immer nur ein Schattensultan von der sranzösischen Residenten Gnade sein. ES ist deshalb auch nicht einzusehen, weshalb die Franzosen sich gegen seinen Rücktritt so sträubten, wenn sie nicht sürchten, daß damit auch der letzte Schleier gefallen ist, der die völlige Verschiebung der Machtverteilung in Marolko den Marokkanern selbst gegen­über noch verhüllte.

Die Lage in der Türkei ist jetzt entschieden ruhiger ge­worden, und der Bürgerkrieg, der anfangs zu drohen schien, dürste abgewendet sein. Die Hoffnung, daß die vernünftigen und patriotischen Elemente im jungtürkischen Komitee die Oberhand gewinnen werden, scheint sich zu ersüllen. Aller­dings wird zu diesem Ergebnis auch der Umstand, daß die türkische Regierung eine feste und zielsichere Hand bewährt hat, in entscheidender Weise beigetragen haben. Auch in Albanien scheint die Ruhe wieder einziehen zu wollen. Durch die Be­ruhigung im türkischen Reich wird die Regierung auch die Sicherheit und Autorität erlangen, um die FriedenSverhand» lungen mit Italien, die bisher nur ganz im Verborgenen durch Vertrauensmänner beider Parteien in völlig unverbindlicher Weise gejührt wurden, mit dem nötigen Nachdruck offiziell in die Wege zu leiten und mit Ersolg zu Ende zu führen.

Aus In- nnd Ausland.

Berlin, den 15. August.

Aus WilhelmShöhe wird gemeldet: S e. Majestätder Kaiser begab sich heute morgen 9V< Uhr mit Automobil in die Gegend von Jmmenhausen, wo er dem Geländeschießen deS Feld-Artillerie-Regiiner ^ N 11 beiwohnte. Um 12V: Uhr empfing der Kaiser im Schloß WilhelmShöhe den Dom- kapitular Proseffor D. Schnittgen und den Konsul Nießeu. Diese beiden Herren waren auch zur Frühstückstafel geladen, ferner Oberpräsident Hengstenberg und Regierungspräsident Graf von Bernstorff.

Prinz Heinrich von Preußen feierte am 14. August auf Schloß Hemmelmark bei Kiel im engsten Familien­kreise seinen 50. Geburtstag. Dem so populären Bruder Kaiser Wilhelms gingen auS diesem Anlässe zahlreiche Glück- wunschkundgebungen zu, welche Zeugnis davon ablegten, welcher Verehrung und Wertschätzung sich der Prinz auch in weiteren Kreisen ersreut. Wohl im Zusammenhang mit dieser GcburtStagSseicr ist seitens deS Kaisers die Ernennung deS Prinzen Waldemar von Preußen, des ältesten EohncS des Prinzen Heinrich, zum Kommandeur deS deutschen freiwilligen Automobilkorps erfolgt, welchen Posten bislang der Herzog Adols Friedrich zu Mecklenburg begleitete. Prinz Waldemar steht im 24. Lebensjahre und ist erst kürzlich von einer Welt­reise in die Heimat zurückgekehrt. WaS die dem Prinzen Heinrich gewordene auSzeichnende Mission anbelangt, den Kaiser bei den bevorstehenden BcisctzungSseierlichkcitcn des

Sie war gern bereit, noch ein Stündchen mit mir zu ver- plaudern. Ihr Mann war nicht daheim. Der hatte eines Prozesses wegen zur nächsten Stadt gemußt und konnte vor dem nächsten Tage nicht wieder zurück sein. Kinder hatte sie nicht.

Ich erzählte ihr nun zunächst von meinen Reisen, sprach vom Gebirge, der Ostsee und gestand schließlich den märchen­haften Zauber, den die Nordsee auf mich auSübte.

Ihr Gesicht wurde hell bei meinen anerkennenden Worten.

Sie haben schon so viel gesehen und sind trotzdem ganz hingeriffen. Da können Sie sich wohl vorstellen, mit welcher Gewalt mich die Nordsee fesselte, die ich bis dahin nichts gekannt hatte als die Studierstube meines Vaters."

Ich mußte wohl bei diesen ihren Worten kein allzu geist­reiches Gesicht gemacht haben, Denn meine Nachbarin lachte hell auf.

Sie sind nicht hier im Ort geboren?'

Hinter dieser Frage suchte ich meine Bestürzung zu ver­bergen.

Sie sah mit luftig inS Gesicht.

Nein--ich stamme aus Z. Mein Vater war Ge­lehrter Philologe. Er arbeitete zu der Zeit, als wir hierher kamen, an einem wissenschaftlichen Werk, daS ihm auch den Proseffortitel eingebracht hat."

Ich war sprachlos.

«Ich war damals ein junges Ding von 18 Jahren," fuhr sie fort;die Mutter hatte ich früh verloren, und so lag mir die Sorge für deS VaterS Wohl ob. Er war sehr überarbeitet und die Aerzte forderten eigentlich von ihm, daß er sich auf ein paar Monate jeder geistigen Arbeit enthielt. Dazu war er freilich nicht zu bewegen er lebte ja nur für seine Wissenschaft und mit derselben. So sollte er Denn weit fort, in eine gänzlich andere Umgebung. Man schlug ibm die Nordsee vor. Nach acht Tagen war ich hier mit dem Vater."

Ich sah meiner Nachbarin inS Gesicht und mir war, ali sehe ich sie zum ersten Male.

Ja ober" stotterte ich.

Wie eS gekommen, daß ich FischerSsrau wurde?"