Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Mantag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugsprew beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein-, gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.«««^»
Herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. SS.
Dienstag, den 6. August
ISIS.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Aus Grund der Beschlüsse deS Gesamt-VorstandeS und Au-schufseS unserer Anstalt vom 23. November und 8. Dezember vor. 38. wird in
Rotenburg für die Kreise Rotenburg, HerSseld, Melsungen und Homberg eine VersicherungS-Kontrollstelle vom 1. Januar k. 38. ab errichtet.
Mit der Führung dieser Stelle ist unser Sekretariatsbeamter Schmidt beauftragt worden, welchem für die Dauer seiner dortigen Amtsführung die Dienstbezeichnung
„LandeSversicherungS-Jnspektor" zusteht.
Diesem Beamten liegt als Hauptaufgabe seines neuen AmteS ob, die rechtzeitige und vollständige Entrichtung der Beiträge für die Invaliden- und Hinterbliebenen-Bersicherung aller verstcherungSpflichtigen Personen seines KontrollstellenbezirkS zu überwachen. Daneben ist ihm außer anderem noch die Ueberwachung der Markenverkaufsstellen und der Rentenempfänger übertragen, sowie die Unterstützung der Quittungs- karten-AuSgabestellen empfohlen. Er wird mindestens an einem, noch näher zu bestimmenden Werktage einer jeden Woche in seinem Amtszimmer während der gewöhnlichen Dienst- stunden für AuSkunftsuchende zu sprechen sein und außerdem an anderen Orten seiner KontrollstellenbezirkS, soweit nötig, auch Sprechtage in Verbindung mit der Ausübung der Kontrolle abhalten.
Der LandeSversicherungS-Jnspektor wird sich bemühen, sein Amt so zu führen, daß er nicht nur alS Kontrollbeamter betrachtet, sondern alS gern gesehener Ratgeber bei Arbeitgebern und Bersichertm begeüßt wird. -.—»■—— - —
Die VersicherungS-Kontrollstelle ist Organ unserer Anstalt und besitzt die Eigenschaft einer öffentlichen Behörde. Cafsel, den 23. Juli 1912.
LandeSversicherungSanstalt Hessen-Nassau. Der Borstand. Riedesel Freiherr zu Eisenbach, Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau.
* *
HerSseld, den 1. August 1912, Wird veröffentlicht.
V. 1178. Der Landrat.
3. «.:
Nessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 1. August 1912.
Die Gemeinden und Gemarkungen Eichelhain und Engel- rod (KreiS Lauterbach) sind aus dem aus Anlaß der Maul- und Klauenseuche gebildeten BeobachtungSgebiet freigegeben und als freies Gebiet erklärt worden.
I. 8830. Der Landrat.
3.A.:
Wefsel, KreiSsekretär.
Quer erkauft!
Roman von HanS Bley Müller.
(Fortsetzung.)
Marthchen mußte wohl oder übel nachgeben, denn sie konnte die Hülse nicht entbehren. DaS Mädchen stellte sich nicht schlecht an. Die Hülfe kostete nichts, dasür kochte sogar dir Gärtner-witwe mit für Hagedorns, besorgte auch sonst das Hauswesen.
Dir Beschwerde war denn so sriedlich reguliert. Martha hatte sich auSgedacht, daß sie dem Ernst, der ja doch einmal nach der Stadt müsse, alle? Nötige mitbringen lassen könne.
„Nu paß mal auf, Ernst," sagte sie am Abend. „Damit wir keine Zeit verlaufen, hast du die Freundlichkeit und bringst, wenn du morgen abend heimkommst, daS mit, was ich dir hier ausgeschrieben habe.
DaS Kännchen mache ich morgen früh erst noch leer. Auf dem Hinwege gibst du die Bestellung ab, rückwärts bringst du el mit, nicht?"
„Nun, warum besorgt denn da? Elly nicht mehr?" fragte Ernst wenig erfreut.
„Ach ihre Mutter will nicht, daß sie im Dunkeln auf der Straße ist."
„Da geht sie eben in der Mittagsstunde."
„Ihre Mutter möchte eS aber nicht," beharrte Martha unvorsichtigerweise.
„Da hört doch alle? aus!" brauste nun Ernst aber loS. „DaS Mädel soll wohl dazu zu gut sein, waS? DaS will ich der Alten doch gleich mal anstreichen."
Er eilte nach der Türe, so schnell die Wut seine unbeholfenen Beine zu bewegen vermochte. Marthchen lief ihm nach, und eS gelang ihr mit ziemlicher Kraftanstrengung, den Erbosten wieder inS Zimmer zu ziehen und die Türe zu schließen. Aber nun entlud sich sein Grimm über sie. Er sah sie zwar nicht an dabei, aber fuchtelte mit den Armen um sich und schalt in einem hin. Aus so ein Gänschen
Bekanntmachung.
Durch A. K. O. vom 13. 6. 1912 ist eine Kolonialdenk, münze gestiftet worden.
Diese Denkmünze soll nachträglich denjenigen deutschen Personen verliehen werden, die an der im Dezember 1884 in und bei Kamerun durch die Kreuzer „BiSmarck" und „Olga" auSgeführten Aktion und seit dieser Zeit an militärischen Unternehmungen teilgenommen haben.
Ausgenommen sind jedoch die Teilnehmer an den kriegerischen Ereignissen in Ostasien in den Jahren 1900/01 und in Süd- westasrika in den Jahren 1904/08, für die bereits besondere Denkmünzen gestiftet worden sind.
Eventuelle Ansprüche find unter Vorlage deS Militärpasses oder sonstiger Unterlagen beim BezirkSkommando HerSseld oder zuständigen Bezirksfeldwebel anzubringen.
HerSseld, den 30. Juli 1912.
Königliches BezirkSkommando. * *
HerSseld, den 2. August 1912.
Wird veröffentlicht.
I. 8972. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
pelijeivewbnung
betreffend die Entnahme von Wasser aus dem Wafferwerk in der Gemeinde Niederaula.
____Aus Grund bet §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen LandeSteilen vom 20. September 1867 (Gesetzsammlung Seite 1529) wird nach Beratung mit dem Gemeindevorstande für den Umfang der GemeindebezirkS Niederaula folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1.
Jeder Hauseigentümer ist verpflichet, feine HauSleitung in einem solchen Zustande zu erhalten, daß niemals Wasser unbenutzt verloren gehen kann.
§ 2.
Unbefugten ist eS verboten, an Abstellhähnen, Schiebern oder Hydranten der Gemeindcwasserleitung zu stellen und sich Schlüssel dazu anfertigen zu lassen.
§ 3.
Bei AuSbruch von Feuer ist eS nicht gestattet, Wasser zu gewerblichen oder LuxuSzwecken der Leitung zu entnehmen, solange der Brand dauert. Bei Großseuer muß nach ent- sprechender Bekanntmachung jegliche Wasserentnahme unterbleiben.
§ 4.
Jede Vergeudung von Wasser ist untersagt. Insbesondere
werde natürlich Rücksicht genommen. Aber daß er mit dem Stinkkännchen nicht die Sitzplätze in der Elektrischen benutzen könne, sondern bei Wind und Wetter fortan auf dem Perron zur Stadt fahren müsse, daran habe feine „treusorgende" Gattin natürlich nicht gedacht. Wenn die Alte oben ausmucke, werde er sie einfach au? dem Hause werfen usw.
Marthchen ließ ihn sich auswettern. Doch die erste Pause benutzte sie, um ihn zu beruhigen. „Na, laß heute abend, morgen ist einmal Sonntag; ich werde eS schon regeln bis zum Montag. WaS machen wir morgen?"
„Na, du gehst natürlich in die Kirche." DaS kam noch immer ärgerlich.
Marthchen schwieg und sah ihn groß und fiagenb an.
Er lenkte ein. „Weißt du, wir sollten den Sonntagabend, meinetwegen auch schon den Nachmittag, auSwärtS zubringen. Wenn man'S auSrechnet, kommt einem im Winter bei Heizung und Licht da? Daheimhocken teurer als daS AuSgehen. Meine Kollegen haben mich oft auf diese gescheite Rechnung ausmerksam gemacht, und du brauchst nichts zu verzehren, trinkst mal mit mir. Wenn wir da von 7—10 in die Kneipe gehen und 2 Glas Bier trinken, daS macht 30 Pfennige. Nun denk mal: für 30 Pfennige bekommst du nicht Licht und Heizung für 3 Stunden hier."
Marthchen sah sinnend vor sich nieder. Die Rechnung mochte vielleicht stimmen, zwei GlaS Bier angenommen. Tabak war da schon nicht gerechnet, ohne den eS doch nicht abging. Aber angenommen. Sollte denn aber Ernst nur aus SparsamkeitSrücksichten diesen Vorschlag gemacht haben? Sie hatte einen solchen Vorschlag schon längst erwartet. Daß Ernst nicht fein ganzes Leben abends bei ihr fitzen bleibe, war ihr selbstverständlich. Sie hätte das auch nie von ihm verlangt. Hätte er vorgeschlagen: morgen wollen wir nun auch einmal ein GlaS Bier trinken gehen, daß man mal waS andere? sieht und hört, sie hätte daS Angebot natürlich gefunden und harmlos. Seine Rechnerei aber machte sie stutzig. Seine Kollegen hatten ihm dieses Exempel beigebracht. Also von denen ging wohl auch die ganze Anregung auf. Jetzt hieß eS, vorsichtig handeln. Sie durfte Ernst auf keinen Fall dem Höhne seiner Kollegen auSsetzen. Außer-
ist eS verboten, bei Frost das Wasser fortgesetzt laufen zu lassen, um daS Einfrieren der Zapfstelle zu verhindern.
§ 5.
ES ist untersagt, Wasser aus der Leitung zu andern als den angemeldeten Zwecken zu verwenden, vor allem zum Berieseln und Besprengen von Gärten, Höfen u. f. w., wenn nicht hierzu besondere Erlaubnis erteilt ist. Begießen mit Handgießkannen ist jedoch gestattet.
§ 6.
Wenn bei Wassermangel die Wasserentnahme zu bestimmten Zwecken seitens deS Bürgermeisters untersagt wird, so ist diesem Verbot unbedingt zu gehorchen.
§ 7.
Wer in einer Entfernung von 1 m und weniger von den WasserleitungSröhren Erdarbeiten, bauliche Veränderungen u. s. w. vornimmt, ist verpflichtet, vor Beginn derselben dem Bürgermeister schriftlich oder zu Protokoll Anzeige zu machen.
§ 8.
ES ist nicht gestattet, an jemanden, dem der Anschluß entzogen ist, oder der überhaupt keinen Anschluß hat, Wasser auS der Leitung abzugeben, einerlei, ob dies unentgeltlich oder gegen eine Vergütung geschieht.
§ 9.
Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden mit Geldstrafe von 3 bis 9 Mark oder im UnvermögenSfalle mit verhältnismäßiger Hast bestraft.
§ 10. ,
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage der Ver- öffentlichung im KreiSblatt in Kraft.
Niederaula, den 28. Mai 1912.
Die Polizeiverwaltung:
gez. Nuhn.
nichtamtlicher CeiL
Sie Fernfahrt des Luftschiffes „Sanla" nach Hamburg.
Der Zeppelinkreuzer „Hansa", der Freitag nacht in Friedrichshasen zu einer Fernfahrt nach Hamburg aufgestiegen war, passierte um 7 Uhr 15 Min. Bkbra, wandte sich sodann längs der Bahnlinie nach Göttingen, daS 8 Uhr 15 Min. in einer Schleise überflogen wurde. Hierbei wurde der von der Stadt Göttingen auSgesetzte PreiS von 500 Mark gewonnen. Die „Hansa" nahm sodann die Richtung nach Holzminden, daS um 8V2 Uhr passiert wurde, kreuzte die Weser und wandte sich dann dem Lipperlande zu. 10 Uhr 2 Min. wurde Lage in Lippe überflogen. 10 Uhr 20 Min. traf daS Luftschiff an der Peripherie von Bielefeld ein, von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge lebhaft begrüßt. ES
dem war eS wohl nützlich, wenn man sich diese Herren „Kollegen" mal ansah, eventuell konnte man ihnen gleich vornherein zeigen, daß man am Platze war.
„Na schön", meinte sie nach kurzem Ueberlegen, „wir können ja morgen gleich mal die Probe machen. Aber inS Zentralhotel gehen wir nicht!" fügte sie scherzend hinzu, welcher Scherz zur heiteren Erinnerung an jenes seltsam zu- sammengewürselte Publikum damals und daS ominöse R. sührte, womit denn der Tag endgültig heiter schloß.
Sonntag abend um Vs7 Uhr führte Ernst feine Frau, d. h. er machte den Führer, denn sie sührte den Lahmen, nach einem kleinen Restaurant in einer Seitengasse, aus dem Automatenmufik und Stimmengewirr ihnen entgegentönte. „Hier werden die Brüder schon fitzen!" meinte Ernst eifrig vorwärtsdrängend und gut gelaunt.
„Aha, da kommt ja Hinke!" tönte eS ihnen laut von einem Tische entgegen. Ernst war an diesen Rufnamen gewöhnt, aber in Anwesenheit seiner Frau ihn zu hören, so laut vor allen fremden Gästen sein Gebrechen verspottet zu hören, war ihm doch ärgerlich. Marthchen aber hätte ihn am liebsten auS solcher Gesellschaft am Arme zurückgezogen. Nun, für diesmal hals eS nichts. Sie mußte sich mit an den Tisch setzen, an dem zwei ziemlich gemein aussehende Männer mit ihren geputzten Frauen saßen. AlS Ernst seine Frau vorstellte, versuchten die Männer, überrascht, wahrhaftig eine plumpe Verbeugung im halben Ausstehen. Die Frauen aber musterten mit dreistem Neide besonders die Stücke auS weißem Pelz, die sie in Erinnerung an den ersten gemeinsamen AuS- gang angelegt hatte.
ES entstand eine verlegene Pause, der Kellner kam. Die beiden andern Ehemänner bestellten Stamm, viermal. „Habt Ihr denn schon zu Abend gegessen ? Doch nicht I Also sechsmal Stamm!" lief der eine, ein stämmiger Riese mit kurzem schwarzem Vollbart, ohne Hagedorns Antwort abzu- warten. Zu Martha gewandt sagte er mit Gourmanmiene: „Fein getroffen heute, eS gibt Frankfurter mit Sauerkraut." Er erntete aber für seine liebenswürdige Mitteilung nur einen eiskalten Blick. Frau Hagedorn war verblüfft, empört über die eigenmächtige Art, mit der diese Kollegen hier vorgingen.