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Herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 87. Donnerstag, ^e« 25. Juli 1912.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 17. Juli 1912.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Einsendung der KreiShundesteuerzugangsliste oder der Erstattung einer Fehlanzeige für die Monate April, Mai und Juni 1912 noch rückständig sind, werden mit Frist bis spätestens zum 27. d. MtS. hieran erinnert.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 4652. von GruneliuS.

HerSfeld, den 20. Juli 1912.

Vorkommnisse in der letzten Zeit geben mir Veranlassung, wiederholt daraus hinzuweisen, daß e? den Steuer er- hebern nicht gestattet ist, Steuerbeträge für dritte Personen zu verauslagen.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Steuererheber hierauf erneut hinzuweisen. Bei Zuwider­handlungen würde ich mich veranlaßt sehen, gegen die beir. Erheb« mit OrdnungSstrasen vorzugehen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

J.-Nr. 2039. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Wen und SWriW.

Im vergangenen Sommer, als die drutsche Regierung mit den Franzosen verhandelte, um welchen Preis den letzteren daS an der Nordwestecke Afrikas liegende SultanSland Marokko zu überlasten sei, trat unser Kolonialbesitz wieder einmal in die vordere Reihe der allgemeinen Aufmerksamkeit. Wie be­kannt, erhielt unser Schutzgebiet Kamerun damals einen nicht unwesentlichen Zuwachs an Land. Und auch im letzten Winter noch liefen Gerüchte um, welche zu erzählen wußten, daß unsere Staatsmänner mit den beteiligten Stellen in Ver­handlungen ständen, um Gebiete, die zurzeit unter portu­giesischer Oberhoheit sich befinden, dem deutschen Besitz in Afrika anzugliedern. Jedenfalls geht aus allem hervor, daß unsere ReichSregierung darauf bedacht ist, wo immer eS tun- lich erscheint, Deutschlands MachtkreiS auf afrikanischem Boden auSzudehnen. ES legt dies Zeugnis ab von dem uns inne­wohnenden gesunden und kraftbewußten Dränge, unser poli­tisches Ansehen und unsere wirtschaftliche Betätigung ohne zu Feuer und Schwert zu greifen unentwegt zu fördern.

ES ist dieS der Grundgedanke, der überhaupt der Vater unsern Bestrebungen nach dem Erwerbe überseeischer Kolonien war. Entstehen konnte er aber nur aus dem Boden der großen

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Ernst war schon vor ein Weilchen gegangen. Wozu sollte er noch zusehen?.....25 Pfennige daS GlaS Bier. 50 Pfennige, das war der Spaß wert! So was sieht man nicht alle Tage. Gesehen hatte sie ihn; keine Frage. Unter- müller-Großartige" hatte sie offenbar aufmerksam gemacht, sie war ja auch dunkelrot geworden. Natürlich 1 Wenn man bei so noblen Herrschasten sitzt und Wein trinkt, kann man doch nicht sagen:Guten Abend, Schatz!" Da kennt man den Tagelöhner nicht! Wer wird sich so blamieren I Und wenn der Herr Leutnant dasitzt, da sieht man denGe­meinen" nicht. Auch ganz natürlich. Alles ganz natürlich.......Aber zum Lachen! Zum Verrückt­werben !

Einen Augenblick bannte seinen Fuß der Gedanke: warten, aus die Lauer legen, wie sich die Geschichte löst. Aber dann besann er sich, daß ein Erkanntwerden durch den Leutnannt jedenfalls eine bitterböse Geschichte werden konnte. In solchem Falle muß man dem Vorgesetzten schon den Vor- tritt lassen. Für Ueberbleibsel wollte er sich freilich auch schönstens bedanken.

An diesem Abende trug Ernst Hagedorn einen grimmigen Groll heim und verzerrte wahnwitzig seine ganze LiebeSge- schichte in» Höhnische, machte eine alberne Posse daraus, in der man über den Hereingesallenen lachen muß, weil er gar so dumm gewesen war!

Marthchen hatte unterdessen wieder erwogen, waS den Ernst wohl in dieses seine Hotel gesührt haben mochte. Ihr schien doch die Annahme unumgänglich, daß er von ihrem Hierherkommen unterrichtet worden sein mußte, aber durch wen nur? Und waS wollte er denn hier?

Und jetzt schämte sie sich. Also er gehörte nicht in solche Räume, aber sie, seine Geliebte, die an seiner Seite dnrchS Leben gehen wollte? Ja, sie hatte vor der Freundin nicht

Machtstellung, welche die Siege deS deutschen HeereS auf den Schlachtfeldern von 1870/71 unserm Vaterlande in der Welt errungen hatten. Diese Machtstellung brächte einen blühenden Aufschwung von Handel und Industrie mit sich, der ganz von selbst daraus hinleitete, neue Absatz- und EntwicklungS- gebiete für unS zu schaffen. Dem durch die glänzenden Waffen- ersolge neu belebten und erstarkten Nationalgesühl konnte eS nicht genügen, seine Betätigung lediglich unter fremder Flagge zu suchen. ES verlangte seinen eigenen Anteil an der Welt in Gestalt von Kolonien, es wollte neben der erstrittenen politischen Unabhängigkeit auch die Unabhängigkeit in Handel und Verkehr erringen. DeS Altreichskanzlers BiSmarck starke Hand verwirklichte dieses Streben, welches durch die rührige Arbeit Hamburger und Bremer Handelsfirmen in hervorragen­der Weise unterstützt wurde im Jahre 1884 und schus da­durch einen neuen Markstein in der Entwickung unseres Vaterlandes, daS Geburtsjahr unseres Kolonialbesitzes.

Da nur unter dem Schutze einer achtunggebietenden Waffcnmacht der Kaufmann, der Ansiedler, der VerwaltungS- beamte, der Forscher ungehindert feinem Berufe nachgehen kann, so war mit der Erwerbung überseeischen BesitzeS die Schaffung einer unS damals neuen, im Laufe der Zeit durch ihre Taten rühmlichst bekannt gewordenen Truppe geboten. Die vielerlei Kriegszüge, die in allen Schutzgebieten gegen ansässige Eingeborene notwendig wurden, namentlich die harten, jahrelange andauernden Kämpfe während deS großen südwest- afrikanischen AusstandeS haben die Truppe volkstümlich ge­macht. Jedermann in Deutschland kennt jetzt den grauen Rock, den die Schutztruppen mit Stolz tragen. Und dieser Stolz ist berechtigt, denn die unter den schwierigsten Verhält- nisten durchgesochtenen Kämpfe haben glänzend Zeugnis ab­gelegt von der altbewährten Tapferkeit und Zähigkeit, deren die deutschen Soldaten sich rühmen; sie können sich ebenbürtig den Leistungen der Väter zur Seite stellen. Aber nicht nur aus die kriegerische Betätigung beschränken sich unsere Braven draußen" auf dem heißen Boden deS schwarzen Erdteils. Als Träger und Mitarbeiter an der Ausbreitung deutscher Gesittung, bei der Anlage von Stationen, beim Wege- und Eijenbahnbau, bei der Landesvermessung und Nachrichtenüber­mittlung u. a. m. haben sie sich hervorragende Verdienste erworben und sich unentbehrlich gemacht. Ohne ihre Auf­opferung und selbstlose Hingabe wäre die Entwicklung unserer Schutzgebiete noch nicht annähernd zu der jetzt erreichten Höhe gediehen.

Berftiittung der britischen Flotte.

Das englische Unterhaus hatte gestern eine große Sitzung. Es genehmigte ohne kritische Abgeordnetenreden die Ergänzung deS FlottenetatS" mit großer Mehr­heit, nämlich den ErgänzungSkredit für eine Erhöhung deS MannschaftSbestondc? um 1500 Mann mit 291 gegen 42 Stimmen. Gegen den Kredit stimmten die Mitglieder der

sich zu ihm bekennen dürfen. Gehörte er nicht an ihre Seite, wie sie an die seine?

Sie hatte ihn verleugnet. Sie war sich selbst untreu geworden, sie, die doch ihrer Liebe schon ganz andere Opfer gebracht hatte. Einmal, ja einmal mußte eS Hedwig ja doch auch erfahren, daß ihr Herz an dem armen Menschen hing, und wenn sie sich dann hochmütig abwendet von derge­sunkenen" Freundin, waS war verloren?

Wie eine Fremde saß Hedwig da vor ihr, lange nicht gesehen und eine andere geworden. Wie die Zeit unS so loSlöst von Menschen, mit denen wir glaubten, für die Zeit unseres ganzen Lebens unlöslich verbunden zu sein!

War das nicht auch schon bei dem Brautpaare da vor ihr der Fall?

Aber sie sah wohl zu schwarz. Wer weiß, waS die beiden miteinander vorgehabt hatten. Eine vorübergehende Ver­stimmung!

Hast du morgen überhaupt Zeit?" fragte jetzt Hedwig. Ich müßte erst Frau Baronin fragen. Aber komm doch einmal zu mir. ES wird bester sein, Frau Baronin über­zeugt sich mit eigenen Augen, daß ich von einer Freundin gewünscht werde."

Steht ihr denn so miteinander, daß sie dir nicht glaubt?"

Ach nun, eS ist für alle Fälle besser, du kommst. Kannst dir gleich mal meine Wohnung anschen."

Hm, das ließe sich überlegen. Wenn Heinrich einmal nicht mitgehen will, wäre mir'S schon lieb, wenn du mich be­gleiten könntest. Wann dars ich kommen?"

Um elf Uhr!"

Bißchen spät, na aber wenn eS nicht anders geht! Heinrich, du kannst ja gleich hier bleiben, ich brauche dich nicht zu bemühen. Martha begleitet mich gewiß die kurze Strecke."

Aber wir können doch Fräulein Wedemann nicht ohne Begleitung nach Hause gehen lassen?"

DaS leuchtete der Braut ein, und mißvergnügt verließen alle drei daS Hotel, Erst wurde Hedwig abgesetzt, dann be­gleitete Heinrich Hartmann Marthchen nach der Parkstraße.

A:beitSpartei und einige Radikale. Begründet hatte die Vor­lage der Marineminister Churchill, und er hatte dabei die volle Unterstützung des konservativen Führe? Lord' Balföur gefunden. Ihre Reden waren auf den Ton gestimmt, daß der böse festländische Widersacher (Deutschland) durch feinen FlottenauSbau Großbritannien wider Willen in die bittere Notwendigkeit einer abermaligen Erhöhung der Marinclasteu versetze und diesen Faden von einer Art Zwang, in der.sich England befinde, spann auch der Premierminister ASquith weiter, der danach daS Wort ergriff.

Minister Churchill gab schon in den einleitenden Sätzen seiner Erklärung offen zu, daß der unmittelbare Anlaß zu den Nachsorderungen in dem neuen deutschen Flottengesetz zu finden sei, besten Hauptmerkmal die Vermehrung der Streit­macht der sofort verfügbaren Schiffe aller Klassen sei, Unge­fähr vier Fünftel der gesamten deutschen Seemacht würden ständig im Dienst, und zwar in voller Kriegsbereitschaft ge­halten. Eine solche Vorbereitung wäre bemerkenswert und, soweit er fest stellen könne, gäbe e? kein ähnliches Beispiel in dem bisherigen Verhalten moderner Seemächte. Groß­britannien müsse von feinem deutschen Nachbarn lernen, bei denen die Flottenpolitik unerschütterlich auf ihr Ziel loSgeht. Wir müssen, fuhr der Minister fort, einen großen Ueberschuß an Stärke haben, der sofort bereitsteht.

Im Anschluß an die Rede Churchills ergriff Lord Balsour das Wort. Er führte aus: Wie er die Sachlage verstehe, wolle die Regieiung durch die Reorganisation der britischen Streitkräste im Mittelmeer diese um vieles mehr verstärken, al? dies unter den alten Festsetzungen der Fall gewesen sei, und die Schiffe, die auf Malta basiert sein würden, würden eine um vieles stärkere Streitkrast fein, als sie Großbritannien seit vielen Jahren gehabt habe. ES befinde sich im Mittelmen eine Macht, welche m» Seemacht erst feit den allerletzten Jahren bestehe. Mit nur etwa 300 Meilen Küste und feinet überseeischen Besitzung sei Oesterreich jetzt im Begriffe, eine der starken Seemächte der Welt zu werden, er wiffe nicht genau, aus welche Eingebung hin. Das sei eine Tatsache von größter Bedeutung. Jeder würde zugestehen, daß die Aussicht für Europa keine angenehme sei. Aber er hoffe, daß, wenn England seine Schuldigkeit tue, eS den Frieden erhalten würde, obschon er sich nicht weiter verhehlen wolle, daß ein moderner Friede fast ebenso kostspielig sei, als ein Krieg in früheren Zeiten, aber allerdings immer noch viel billiger als ein moderner Krieg.Meine Hoffnung auf den Frieden," fuhr Balsour fort,ist aus die Tatsache gegründet, daß ein moderner Krieg, insbesondere ein alles umfassender Krieg, ein so niederschmetterndes Unglück sein würde, daß der unüber- legteste Staatsmann erschreckt vor der Aussicht aus ihn zurück­weichen würde.

Hieraus erklärte Premierminister ASquith: er sei ganz der Ansicht BalsourS, daß eine internationale Gruppierung der Mächte auf den Frieden hinarbeitet. Großbritannien sei ein widerwilliger Wettbewerber im Flottenwettrennen. Die beiden

Gerade alS sie sich eilig verabschiedeten, schritt Botho von Lukajin um sie herum dem Hause zu. Oben wurde er von seiner im höchsten Grade aufgeregten Mama empfangen.

Botho, ist daS unser Fräulein da unten mit dem Herrn?"

Allerdings, Mamachen!" Er ließ sich in einem Sessel nieder und berichtete in knappen Worten den Tatbestand. Wie du dir die einzelnen Personen kombinieren willst, muß ich dir überlasten!" schloß er,ich muß gestehen, daß mir die gleichzeitige Anwesenheit unserer beiden Hornbacher recht verdächtig erschien. Daß die beden durch die zufällige Gegenwart von Bekannten deS FräuleinS gestört worden sein sollten, wäre möglich, aber schwerlich suchen sie sich zum Rendezous daS vornehmste Hotel auS, und dann die Karte! Fraglich nur noch: von ihm oder von ihr? Ist mir zu knifflich, Mamachen. Ich habe mich hiermit meines Auftrages, wie ich hoffe, zu deiner Zusriedenhcit erledigt."

Mamachen war kreidebleich. Sie war nunmehr sest ent- schlossen, den verwirrten Knoten mit einem entscheidenden Streiche durchzuhauen.

Als am anderen Morgen nach dem schweigsam einge­nommenen Kaffee Marthchen an die Arbeit gehen wollte, hielt Frau Baronin sie zu zurück.

Ich möchte Sie etwas fragen", sagte die kleine Dame beklommen.

Bitte, Frau Baronin!" Es klang ruhig; Marthchen ahnte schon, welche Frage kommen werde.

Ja, Fräulein, bitte erklären Sie mir daS", die Stimme der Frau Baronin wurde schärfer,Sie erhielten zu gestern abend eine Einladung von einer angeblichen Freundin und wurden schließlich von einem Herrn heimgebracht."

BeideS ist wahr, Frau Baronin!" Meine Freundin bot mich, ihr Bräutigam begleitete mich hierher.

Frau Baronin fühlte sich einen Augenblick geschlagen. Dann aber fiel ihr Lulu von Parsch ein: verblüffen sollende Frechheit. In der Tat, die Findigkeit dieses Mädchen? war zu bewundern; waS ließ sich bagegeu sagen ohne Beweise ? Marthchen begann jetzt selbst:Frau Baronin wollen mir