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herOl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undI lustrierte Landwirtschaftliche Beilage Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 7& Donnerstag, den 20. Juni 1012.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 14. Juni 1912.

Nachdem auf der Kleinbahnstrecke HerSseldHeimbold?» hausen der Bauzugbetrieb eröffnet worden ist, findet die Polizei­verordnung der Herrn RegierungS-Präsidenten vom 9. Februar 1910 (Amtsblatt Seite 3638) aus diese Kleinbahnstrecke Anwendung.

Die Herren Bürgermeister der in Betracht kommenden Gemeinden ersuche ich, Vorstehendes aus ortsübliche Weise zur Kenntnis der OrtSeinwohner zu bringen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 4240. von GruneliuS.

Polizei-Verordnung.

Aus Grund des § 142 des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landerverwaltung wird unter Zustimmung des KreiSauSschusseS deS Kreise? HerSseld folgende Anordnung sür den KreiS HerSseld getroffen:

§ 1.

Die männliche Jugend darf die Gast- und Echankwirt- schasten, sowie andere Verkaufsstellen von geistigen Getränken vor vollendetem 17. Lebensjahre nicht besuchen. Ausgenommen find diejenigen jungen Leute in dem angegebenen Alter, welche nur auf der Durchreise sich aushalten.

§ 2.

Uebertretungen werden mit Geldstrase bis zu 30 Mark beziehungsweise entsprechender Hast bestraft.

HerSseld, den 17. Januar 1887.

Der Königliche Landrat

gcz. 5 reihert von SchleiNitz.

HerSseld, den 14. Juni 1912.

Au- gegebener Veranlassung bringe ich vorstehende Polizei- Verordnung erneut zum Abdruck und zur öffentlichen Kenntnis.

Vorgänge der letzten Zeit veranlassen mich, die Durch­führung dieser Vorschriften den OrtSpolizeibehörden deS Kreises zur ganz besonderen Pflicht zu machen.

I. 6961. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSseld, den 16. Juni 1912.

Die Herrn Ort-vorsteher, welche meine Verfügung vom 22. v. MtS. I. Nr. 1208 (Kreisblatt Nr. 62) betr. Mitteilung der Steuerveranlagung der katholischen Einwohner an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand immer noch nicht er­ledigt bezw. Fehlanzeigen an mich noch nicht eingereicht haben, werden wiederholt hieran erinnert mit Frist bis zum 24. d. MtS. bei Meidung einer Ordnungsstrafe von 3 Mk.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.

I. Nr. 1657. von GruneliuS.

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Jetzt zog er aus einer Schublade ein kleines Photographie- album hervor. Gleich aus den beiden ersten Seiten schauten ihn die ehrwürdigen, geliebten Gesichter seiner Eltern an. Wenn ihr mein Glück erlebt hättet I" flüsterte er tiefgerührt und versank in lange- Anschauen.

Dann aber zündete er sich eine Zigarre an auS der Kiste, die er sich selbst heute abend geschenkt hatte, setzte sich an seinen Schreibtisch und setzte auf einen sauberen Bogen die VerlobungSanzeige auf:

AIS Verlobte empfehlen sich:

Wenzel Hüttich, Landwirt.

Martha Wedemann.

Hornbach, Weihnachten 19 . . .

Und schließlich bemalte er, was er an Papier erlangen konnte, mit den Versuchen, die Buchstaben W und M mög. lichst innig zu verschlingen. Damit brächte Wenzel Hüttich den Rest deS heiligen Abends zu.

Am Morgen deS ersten WeihnochtStageS hoben in aller Herrgott-frühe, eS hatte eben sechs Uhr geschlagen, die Glocken an zu läuten. Noch war eS ganz finstere Nacht, aber während bei Läuten« blinkten auS einzelnen Häusern Lichter aus.

Niemand war über daS frühe Läuten erschrocken. Einige Frühaufsteher hatten vielmehr schon darauf gewartet, denn um 7 Uhr begann die Christmette.

Beim zweiten Läuten erschien in der Türe deS SchulhauseS der Herr Lehrer, um nach dem Wetter Au-fchau zu halten. Siel zu schauen war freilich in der Dunkelheit nicht. Noch obenhinaus war alle- stockfinster.

Hui!" rief er in- Hau- zurück,eS ist ja kalt ge­worden!"

Indem flog ihm etwa« ganz Leichtes sanft auf die Nase. Er fuhr mit den kalt gewordenen Fingern darnach, e- war

Caffel, den 31. Mai 1912.

Der Preis deS in dem Erlasse deS Herrn Ministers deS Innern vom 15. November 1909 Ib. 1788 mit­geteilt unterm 5. April v. JS. A. IV. 844/11 zur Be­schaffung für die Waisenräte empfohlenen Werkes deS AmtSgerichtSrat? SommerdaS Amt deS WaisenratS" ist, um ihm eine weitere Verbreitung zu geben, auf 50 Pfennig bei gleichzeitigem Bezüge von 30 Stück ermäßigt worden. DaS Werk ist bei der Neubner'schen Buchhandlung in Cöln erhältlich. (A. IV. 1477/12.)

Der RegierungS-Präsident. J. V.: Unterschrist.

An die Landräte deS Bezirks und an die Magistrate zu Caffel, Hanau, Marburg, Fulda und Eschwege.

*

HerSseld, den 13. Juni 1912.

Abschrift teile ich den Herren Bürgermeistern deS KreiseS zur Kenntnisnahme mit.

Bestellungen auf den Leitfaden sind mir bis spätesten? zum 28. d. MtS. zu machen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. No. 4089. von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Fernfahrt derViktoria Luise" öder Holland nach Hamburg.

DaS ZeppelinlustschiffViktoria Luise" hat gestern von Düsseldorf auS eine Fernfahrt angctreten und dabei den KurS über Holland genommen, um von dort längs der frie­sischen Küste die Elbmündung zu gewinnen und dann die schon längere Zeit geplante Fahrt nach Hamburg fortzusetzen.

Düsseldorf, 18. Juni. DaS Zeppelinlustschiff Viktoria Luise" hat um 4 Uhr 40 Minuten mit 20 Mann Besatzung und süns Passagieren, darunter einigen Marine­offizieren, die Fahrt nach Hamburg angetreten. Wenn daS Wetter eS zuläßt, geht die Reise über Helgoland.

Amsterdam, 18. Juni. DaS LuftschiffViktoria Luise" zeigte sich heute früh um 7V2 Uhr den erstaunten Blicken der Amsterdamer. DaS Luftschiff übelflog die Häuser deS Muiderpoort-BiertelS und nahm dann den KurS über die Provinz Nordholland, die Zuidersee, die Provinzen Overyssel, Drenthe und Groningen nach Norderney, Helgoland und Hamburg.

Hamburg, 18. Juni. DaS LuftschiffViktoria Luise" kam um 4V2 Uhr hier in Sicht. ES näherte sich der Stadt in langsamer Fahrt, nahm dann seinen Weg nach der Michaclkirche und von dort weiter nach dem Rathaus, über­flog die Alster und fetzte die Fahrt nach der Luftschiffhalle in FuhlSbüttel fort. Um 5Vs Uhr erfolgte dort glatt die Landung, worauf daS Luftschiff sofort in die Halle ge­bracht wurde.

aber nichts zu spüren. Schon wieder kam etwa- geflogen und ließ sich aus der Wange nieder. Jetzt ahnte er etwas. Helene, bring mal die Lampe heraus I" Frau Lehrer er- schien im Flur, und ein breiter Lichtstrom ergoß sich auf den freien Platz.

Da war?, all wenn auS dem Dunkel der Nacht Hunderte von Nachtmotten dem Lichte zuströmten und tänzelnd sich niederließen.

ES schneit doch gar!" rief Frau Lehrer. Auf daS Wort kamen die Kinder freudig herausgestürzt:Ach sieh, Papa, die Mützchen auf den Zaunlatten!"

Otto, wirst du hineingehen, du wirst mit deinen Filz­pantoffeln stecken bleiben!" befahl der Vater.

Frau Lehrer fand eS rührend, daß der erste Schnee ge- rade am ersten WeihnachtSfeiertage gefallen fei, mährend der Herr Lehrer feine Besorgnis äußerte wegen deS schlechten WegeS, den der Herr Pfarrer nehmen müsse. Der Lichtschein wich, sich verengernd, zur Seite und verschwand alS ein schmaler Lichtstreifen. Die Tür fiel inS Schloß, die Türglocke läutete Weihnachten ein.

Wenzel Hüttich hatte sich beim Morgenkaffee von der alten Meiern nicht ausfragen lasten nach dem Grunde feine? Bergnügtfein?. Aber eS war ihm hart angetommen, ihre Neugierde nicht durch eine geheimnisvolle Andeutung zu steigern. So gegen zehn Uhr machte er sich zum AuSgehen fertig.

Aber daS war heute ein Stückchen Arbeit. Jda hatte die Stiefel noch einmal nach dem Kirchgang aufblanken müssen. Wie er den einen ziemlich angewürgt hatte, entdeckte er, daß er den verkehrtenzuerst" genommen hatte. Aho, darum ging- auch so schwer.

Da? sind neumodische Patentknöpfe I Rutscht einem nicht jedes Mal da? Ding aus den Fingern und verschwindet zwischen Nacken und Hemdbündchen, daß man sich wieder auSziehen muß?

Endlich war auch der Bratenrock und darüber noch ein dunkler Havelock, ebenfalls ein felbsteigene« Weihnachtsgeschenk, angezogen. Nun setzte Wenzel Hüttich einen feinen, weichen,

Str Krieg Mischen Wien nah her Türkei.

Rom, 18. Juni. Wie die Agencia Stcsani auS Tripolis meldet, sind nach zuverlässigen Nachrichten die Verluste der Türken viel größer, alS bis jetzt angenommen wurde. Allein auf dem rechten Flügel seien von den Italienern 545 gefallene Türken bestattet worden. Die Einwohner von Zanzur erklären, daß schon im Anfang deS Gefechts fehr viele Tote und Ver­wundete von den Türken fortgeschafft worden seien und daß aus der Straße nach Zavia sich die Leichen vieler Gesallener besänden, die auf der Flucht ihren Wunden erlegen seien. Unter den Gefallenen befinden sich auch der Hauptmann Ab- dallah Affendi und mehrere türkische EcheikS.

Konstantinopel, 17. Juni. Nach einer Mitteilung deS KriegSministeriumS stieg gestern bei Derna ein italienischer Aeroplan aus und warf in daS türkische Lager Bomben, die jedoch keinen Schaden onrichteten. Der Aeroplan wurde von einem Echrappnell getroffen und fiel herab.

Mailand, 18. Juni. Nach einem vom Avanti ver­öffentlichten Soldotenbriese herrscht in Derna Typhusepidemie. Alle Regimenter sind verseucht, am schwersten da« 7. und 35.; von letzterem starben bisher zweihundert Soldaten.

Mailand, 18. Juni, Mit dem französischen Dampfer Hispan" der Linie MeffagerieS Maritime- trafen heute in Genua 230 italienische Lu-gewiesene au- der Türkei ein. Kaum in Berührung mit den italienischen Behörden, ergingen sie sich in lauten Verwünschungen gegen die Franzosen, die sie hätten hungern lassen. Seit 24 Stunden feien sie ohne Nahrung. In aller Eile mußte Milch für die Kinder und Nahrung sür die Erwachs wen herbeigeschafft werden. In Mai­land trafen h*uU akuV 247 Au-gewiesene ein und wurden aus Rechnung der Stadt untergebracht.

Die Steuerveranlagung im Kreise Hersseld für 1912 hatte folgende Ergebnisse:

A. Einkommensteuer.

Die Seelenzahl deS VeranlagungSbezirkS ist bei der Per­sonenstandsausnahme im Oktober 1911 aus 38227 (Stadt 9744, Land 28 483) festgestellt worden (gegen 1910 1252 Seelen mehr).

Die Zahl der Einzelsteuernden und Haushaltung-vorstände beträgt 12 987; bleiben die Einzelsteuernden außer Betracht, so entfallen im Durchschnitt aus die Haushaltung etwa 3,8 Personen.

Von den Steuerpflichtigen (zusammen 12 988) haben ein Einkommen

a) von weniger als 900 Mark in der Stadt 2380, auf dem Lande 4876, zusammen 7266;

b) von 9003000 Mark in der Stadt 1344, auf dem Lande 3810, zusammen 5164;

schwarzen Filzhut auf sein runde- Haupt und trat vor den Spiegel.

Wenzel Hüttich auf FreierSfüßen I Eine ganz respektable Figur! Er war mit sich selbst zufrieden und deS imponie­renden Eindrucks gewiß.

Daß ihm hinten daS Krawattenband zwei Zoll lang über den Rockkragen herauShing, weil die Krawatte bei dem an- strengenden Anziehen bei Havelock- über den Kragen gerutscht war, beirrte nicht seine stolze Stimmung, weil er'S nicht sehen konnte.

Ehe aber nun Wenzel seine Junggesellenwohnung verließ, schaute er sich noch einmal in ihr ringS um und faltete dann die fleischigen Hände zu einem kurzen Stoßgebete. Mit einem Ruck wandte er sich nun zum Gehen.

AlS er durchs Hoftor ging, schmunzelte er vor sich hin. ES traf sich doch gut, daß gerade Feiertag war, so war eS nicht- Auffällige-, wenn er im Feiertag-staate durchs Dorf schritt.

Er schritt hinunter nach dem Gasthose zur Krone. Vor den Türen war ein reinlicher Fußweg gefegt. Sonnenschein lag aus dem glitzernden Schnee, der Himmel blaute über dem Wald, über der Ebene draußen, Kinder lachten aus der Straße, und Wenzel Hüttich erinnerte sich nicht, in seinen vierzig Jahren jemals so heiter gestimmt gewesen zu sein, als heute.

Je näher er aber derKrone" kam, desto langsamer wurde sein Schritt. Er konnte seine Worte doch nicht ganz dem Zufall überlasten, und wenn auch da? Herzchen deutlich genug sprach, einige paffende Worte . . . Da fiel ihm ein Liebchen ein, das er einmal in der Stadt von jungen Leuten hatte fingen hören, und da- ihm so gut gefiel, daß er eS lernte.

Und wenn du nicht? zu schwatzen weißt, Nimm- Mädel um den HalS, Druck ihr a einzig Busserl auf, UndS Mädel weiß dann all'«.

Und ein heißer Blutstrom schoß bei dieser Erinnerung durch seinen ganzen Körper, so heiß, daß trotz deS schneidigen