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Herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 71.

Dienstag, den 18. Juni

1912.

Amtlicher teil.

Zum Schutz der ReichS-Telegraphenanlagen sind durch daS Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen deS EtrasgesctzbucheS für daS Deutsche Reich nachstehend« Bestimmungen erlassen:

§ 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit GesängniS von einem Monat bis zu 3 Jahren bestrast.

8 318. Wer sahrlästiger Weise durch eine der vorbezeich- neten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neunhundert Mark bestrast.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der 88 317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.

Da die ReichS-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Stein- würse rc.), teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Be­stimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder sahrlässige Beschädigungen der ReichS-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.

Casfel, am 18. Mai 1912.

Kaiserliche Ober-Postdircktion. I. V.: gcz. Buchholz.

*

HerSfeld, den 5. Juni 1912.

Wird veröffentlicht.

I. 6720. Der Landrat.

I. «.:

W e s s e I, KreiSsekretär.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- «nd Gartenbau zu Geisenheim a. RH.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Königlichen Lehranstalt

1) ein ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 29. Juli bis 3. August,

2) ein ObstverwertungSkursuS für Männer in der Zeit vom 6. biS 17. August, abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teil- nehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungs- methoden einzuüben.

Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine; Be­reitung von Effig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und

teuer erkauft!

Roman von HanS Bley Müller.

(Fortsetzung.)

Aber die Ruhe wollte nicht kommen. Wie jeden Abend, so versuchte sie auch heute, angestrengt und ausschließlich, so recht sest an Ernst zu denken. Man sagte, daß man auf diese Weise die Gedanken einer entsernten Person aus sich lenken könne.

Aber heute wollte daS Vorhaben schwerer denn je gelingen. Immer von neuem zauberte ihr dir Erinnerung daS Bild Wenzel HüttichS vor die brennenden Augen.

Wie er Ernst lobte I Wie besorgt er um dessen Zukunft war!

WaS war doch Wenzel Hüttich für ein guter Mensch, für eine treue, brave Seele! Weil er so gut war gegen Ernst, den armen Ernst, darum mußte sie auch dem Hüttich gut sein. Sie war eS. Ja, sie war ihm gut. Sie dachte sich so vertraulich neben ihn, wie man nur vertraulich sein kann mit seinem Bruder. Sie betrachtete ihn wie einen treuen Verbündeten, ja wie einen von Gott ihr beigesellten starten, männlichen Heiser. Und die Zukunft schien ihr so leicht!

Da aber legte eS sich wie Zentnerschwere aus ihre Brust, und trübe Nebel legten sich über die Zukunftsbilder. Warum gerade Wenzel Hüttich?

Was für ein unseliges Verhängnis war daS! Der ahnungS- lose Wenzel Hüttich I Durste sie seine Hülse annehmen? ... Durfte sie ihn jene Zeilen mitnehmen, vermitteln lassen? ... WaS sollte noch daraus werden? Wenzels Absichten waren deutlich genug, und er hatte sich heute wieder unverholen aus­gesprochen. Wenn er noch deutlicher mit der Sprache heraus- ging, was sollte sie ihm antworten? Die Wahrheit? Sie konnte schlicht ablehnen. Aber mit unklarem Gewissen . . .

Und wie, wenn er, enttäuscht, seine Hand von Ernst zurückzöge? Wie wertvoll konnte seine Unterstützung dem Burschen werden! Konnte er nicht viel mehr helsen, als sie? Aus welche Weise Hüttich helsen konnte, daS war klar aufzu-

alkoholfreier Getränke; Untersuchung von Reinhesen, Kahm- Hesen, Schimmelpilzen, ferner deS MosteS auf Zucker und Säure. Bereitung von MuS, Gelee, Marmeladen und Pasten; Herstellung und Ausbewahrung von Konserven und Obst- lüften, Dörren deS Kern- und Steinobstes und deS Gemüses. Obsternte, Sortierung, Aulbewahrung und Verpackung deS irischen Obstes. Gurken-, Kraut- und Bohnenfäuerung usw.

DaS Honorar beträgt für den KursuS zu 1): für Preußen 6 Mark, für Richtpreußen 9 Mark; für den KursuS zu 2): für Preußen 10 Mark, für Richtpreußen 15 Mark.

Anmeldungen sind an die Direktion zu richten. Die Direktion.

*

HerSfeld, den 10. Juni 1912. Wird veröffentlicht.

I. I. Nr. 6195. II. Der Landrat.

I. A.

W e s s e l, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Zu der Kaiserdesegnung in den Milchen Schären.

Nach Petersburger Nachrichten wird der Zar bei seiner Begegnung mit Kaiser Wilhelm in den finnischen Schären von dem russischen Minister deS Auswärtigen Sasonow be­gleitet sein. ES ist daher anzunehmen, daß aus deutscher Seite der Reichskanzler oder der Staatssekretär des AuSwär i- gen an der Zusammenkunft teilruhmen wird. Diese erhält dadurch in höherem Maße politische Bedeutung.Rowoje Wremja", das am weitesten verbreitete, aber leider an starker Gehässigkeit gegen Deutschland leidende Blatt Petersburgs, gibt zu, daß die Zusammenkunft einen wichtigen Beweis der freundschaftlichen, gutnachbarlichen Beziehungen Rußlands zu Deutschland liefere. Man kann die Fahrt des Kaisers nach den finnischen Gewässern als eine Erwiderung deS Potsdamer Besuchs des Zaren betrachten oder ihren Anlaß in dem Be- dürsniS beider Herrscher nach persönlicher Aussprache sehen, das schon zu wiederholten Malen den Zaren und den Kaiser um dieselbe Jahreszeit zusammenführte. Jedensalls dürfen wir von der diesjährigen mit Ministerbegleitung stattfindenden Begegnung eine Beseitigung deS guten Einvernehmens im Sinne der Potsdamer Abmachungen erwarten. WaS schon jetzt über die Gegenstände deS politischen Meinungsaustausches gemeldet wird, italienisch-türkischer Krieg, chinesische Wirren sind mehr oder weniger naheliegende Vermutungen.

Dem um den Bestand seines Bündnisses mit Rußland stets besorgten Frankreich wird eS zur Beruhigung dienen, daß der Zar im August den französischen Ministerpräsidenten Poincar4 in Audienz empfangen wird. Mit der französisch»

zählen. Sie aber war sich nur deS unbezwinglichen Dranges, ja eines göttlichen PflichtgeboleS bewußt, helfen zu müssen. Aber wie? Danach hatte sie wenig noch gefragt. Ihr ganzes Selbst wollte sie einsetzen, aber waS würde sie damit gewinnen für jenen?

Und plötzlich nahmen ihre Gedanken eine ganz neue.Rich- tung. War jenes Empfinden, das ihr immer wieder den Namen Ernst zurief, das sie doch nicht anders bezeichnen konnte als mit dem vieldeutigen WorteLiebe", war dieses Em­pfinden, daS sie mädchenhaft durch tausenderlei Erinnerungen genährt und zur Glut entfacht hatte, nicht eine große Torheit, eine törichte Leidenschaft, die jenem nicht helsen und sie nur verzehren konnte?

Irre geworden an ihrer Liebe zu Ernst?

Nein, daS nicht. Für keinen Menschen hatte sie jemals so gelebt, wie für den Sohn der armen, seligen Mutter Hagedorn. Aber vielleicht tappte diese Liebe aus salschen Wegen?

Mit Hüttich zusammen ihm helsen? Sollte eS nicht möglich sein, dem Glücke beider zu dienen? An HüttichS Seite sür Ernst zu sorgen, sich seiner anzunehmen, ihn zu be­hüten, ihn zu sördern? Boten HüttichS Mittel und seine Teil- nähme für den Burschen ihrer Sorge nicht reiche Gelegenheit zu helsen? ,

Einen Augenblick begrüßte sie diesen Weg als eine Lösung ihrer Lebensfrage, als eine wahre Erlösung aus der drückenden Unklarheit.

Aber nur einen Augenblick.

AlS HüttichS Weib für Ernst zu sorgen, daS hieße mit Lügen segnen wollen. Wäre Einst Hagedorn in diesem Augen­blick unter dem Fenster hingegangen, sie wäre hinabgeeilt und hätte sich ihm um den HalS geworsen. Und wenn er sie von sich abgeschüttelt hätte, sie hätte ihn wieder umarmt und nicht von ihm gelassen.

Und da konnte sie daran denken, HüttichS Werbung zu be­jahen? Nein, daS durste sie nicht. DaS verdiente Hüttich nicht, daS durste sie ihm nicht antun, weil er dem Ernst so gut war, und weil sie ihm so gut war.--

Unten suhr schon ein Wagen vorüber. Alle Glieder taten

englischen Allianz hat eS noch gute Wege. Poi carS bet" sicherte am Donnerstag in der französischen Kammer, daß weder die französische noch die englische Regierung an den Erörterungen der jüngsten Zeit über den Allianzgedanken be­teiligt gewesen sei. Von der englischen Regierung hat daS auch niemand behauptet, die Presse der regierenden liberalen Partei hat vielmehr den Gedanken deutlich abgewiesen, zumal nachdem sranzöfische Blätter die Verstärkung deS englischen LandheereS zur Bedingung gemacht hatten. Für den russischen Verbündeten Frankreichs besteht erst recht kein Grund, die Umwandlung der englisch-französischen Entente in einen ge­schriebenen Bündnisvertrag zu wünschen. Denn der Schwer­punkt der russischen Politik liegt in Mittelasien, und dort wird eS doch früher oder später einmal zu einer scharfen Auseinander­setzung mit dem den Ausgang zum indischen Ozean sperrenden England kommen. Gerade hier gibt eS keine deutsch-russischen Interessengegensätze. DaS ist durch dir Potsdamer Abmachungen bestätigt worden und bietet gute Gewähr für den glücklichen Verlaus der bevorstehenden Kaiserbegegnung.

Ler Krieg zwischen Wien und Her Airkei.

Nach einem Telegramm derKöln. Ztg." herrscht in Konstantinopeler Kreisen die Ansicht vor, daß ein ernster italienischer Angriff aus die Dardanellen bevorstehe. Die militärischen Maßregeln sind ausreichend, türkischerseitS ist um die Dardanellen eine ganze Armee konzentriert. Immerhin könnte den Italienern bei entschloffenem Vorgehen zu Wasser und zu Lande eine Besetzung der Halbinsel Gallipoli gelingen. Alles hänge dann von der Haltung Rußlands ab. AndrrnsallS würden für die Italiener nach Postieren des BoSporuS und der türkischen Schließung der Dardanellen die größten Verlegenheiten erwachsen. Nach anderer Auffassung wird die türkische Stellung aus Gallipoli und aus dem asiatischen User der Dardanellen nicht zu überrumpeln sein, sondern systematisches Vorgehen eines ganzen italienischen LandungSheereS erfordern.

Konstantinopel, 15. Juni. Die umfassenden mili­tärischen Maßnahmen in der Türkei, dauern fort. Die Redisdivision von Edremid gegenüber von Mytilene wurde mobilisiert. Gerüchtweise verlautet, daß auch die Redisdivision von Adrianopel den MobilifierungSbrsehl erhalten hat.

Rom, 15. Juni. Die Agenzia Stesani erklärt die Nachrichten der Zeitungen Sabah und Tonin über angebliche Grausamkeiten der Italiener für eine böswillige Erfindung. Die Agenzia Stefani erinnert an die Untaten, die Türken und Araber an Leichen von Italienern begangen hätten und die durch Photographien bewiesen würden, die auch daS AuSland erhalten habe.

Rom, 16. Juni. Die bei Zanzur Verwundeten find heute in Neapel angekommen und vom Herzog von Aosta, dem Kriegsminister und einer großen Volksmenge empfangen worden. Die aus der Türkei auSgewiesenen Italiener

ihr weh. Sie betete. Sie konnte nichts mehr tun als beten und betend versank sie in Schlummer.

AIS Marthchen Wedemann am andern Morgen ziemlich spät und doch noch immer müde, die Treppe hinabstieg, drang ihr Kuchengeruch entgegen. Aber gleichzeitig erhielt fie einen wenig sreundlichen Morgengruß au» dem Mund ihrer hoch- erregten Mutter.

Mit deiner ewigen Flickerei biS in die späte Nacht hinein! DaS mußt du doch wissen, daß eS vor den Feiertagen genug im Haus andere Sachen zu tun gibt. Und wie du wieder mal auSfiehst! AlS wenn du die ganze Nacht geschwärmt hättest! Wirst dir schon noch mal waS holen. Ich will sroh sein, wenn daS nur erst mal aushört!"

Kluge Lobeserhebungen über daS Geratensein der Weih­nachtsstollen besänftigten aber bald Mutter Wedemann. Ueber die duftenden Kuchen gebeugt, berichtete Marthchen, daß Hüttich heute eine WeihnachtSsendung an Ernst Hagedorn abgehen lasten wollte und sagte so harmloS:Da könnten wir doch auch ein Stückchen Kuchen beilegen. Er hat sonst niemand."

Na, da hast du mal einen gescheiten Einsall, Marthchen l Dorthin, den kleinen Stollen, den kann der arme Junge gleich ganz bekommen. Er wird schon merken, daß der ander« schmeckt al« Kommißbrot." Mit diesen Worten hatte die Wirtin einen Stollen von der Größe eine« Dreigroschenbrote« in sauberes Papier gewickelt und besonders gelegt.

Trägst ihn nachher hinauf zu Hüttich!" besohl sie.

Kann daS Lieschen nicht besorgen?' lehnte Marthchen ob.

Nein, daS kann Lieschen nicht besorgen!" fuhr Frau Wedemann auf,waS hast du denn für Igel zu kämmen?"

Ich wollte den Rock noch fertig machen," sagte Martha gedehnt.

DaS wird wohl vorgehen. Ist denn der verflixt« Kittel nun noch nicht bald zusammen? Du hast den ganzen Tag noch Zeit dazu. Du gehst gefälligst selber hinauf.

Ich will aber nicht!" erwiderte Martha mit leisem Trotze.

Höre mal, diese Tonart gibt'« bei mir nicht! Du gehst! Warum willst du nicht zu Hüttich gehen? Mach mich nicht wild! Ich bin heute gerade in der' richtigen Stimmung, daß du mir mit deinem dummen Betragen gegen den Menschen