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Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 69. Donnerstag, den 13. Juni 1918.

Amtlicher teil.

Heriseld, den 7. Juni 1912.

Unter den Schafbeständen deS Landwirt» Konrad Mar- dorf und Genossen in Borken, KreiS Homberg, ist die Räude amtlich sestgestellt worden.

I. 6750. Der Landrat.

I. A.

W e s s e l, KreiSsekretär.

HcrSseld, den 7. Juni 1912.

Unter den Schafbeständen deS Landwirt» Otto und Ge­nossen in Gombeth, Kreis Homberg, ist die Räude amtlich sestgestellt worden.

I. 6796. Der Landrat.

I. A.

Wessel, KreiSsekretär.

Der Saatenstand Anfang Juni 1912. Regierungsbezirk Casfel, Kreis Hersfeld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, ü sehr gering.

Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft il sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I d 3646 M. d. J.)

Fruchtarten usw.

Durc noten

Staat

zschnittS- sür den

Reg.-Bez.

Cassel

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab­gegebenen Noten

-t

03

03

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CD

CG

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II-

Winterweizen .. Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Sommerroggen. Sommergerste .

Haser .... Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben

WinterrapS u. -Rübsen Flachs (Lein) .

Klee.....

Luzerne

Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung

Andere Wiesen . Futterrüben

2,5 2,4

2,1

2,7

2,9

2,4 2,5 2,6

2,6 2,7 2,8 2,8 2,9

2,7 3,6 3,0

2,6 3,1

2,8

2,1

2,4

2,1

2,3

2,4 2,6 2,6

2,6

2,6 2,7 2,7

3,1 2,7 3,7

2,9

2,3 2,5

2,7

1

5

5

2

2

1

3

3

1

1

1

3

3

1 1

2

1

1

1

2

1 1

1 1

3 2

2 2

1

3

1 1

2

1

1

3

2

2

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Evert, Präsident.

Quer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Ruschelköpschen war wieder munter und wohl wie eine Forelle im Mühlbach. Wer dachte aber in der Mühle an den 9. Dezember? DaS U. A. w. g. hatte ganz vergeblich auf jener Einladungskarte des musikalischen Arion gestanden. Mutter Hartmann hatte nach ihrem eigenen seufzenden Ge­ständnis immer tausend Dinge auf einmal im Kopse, wozu nach ihres Ehegatten anzüglicher Bemerkung auch eine An­zahlgroßer Rosinen" gehörte. WaS hat aber auch eine HauSsräu und Hausmutter nicht schon vor einem gewöhn­lichen WeihnachtSfest alles zu bedenken: Reinmachen, Backen usw., und nun zumal, da gleichzeitig Verlobung gefeiert werden soll und man in dergleichen Familiensestlichkeiten noch keine Erfahrung hat. Wen ladet man ? waS gibt man ? wann präsentiert man da» verlobte Paar? Und obendrein muß man doch auch wcitschauend fein und an Ausstattung denken.

Und da» alles hat man so ganz allein auf dem Halse. Vater kümmerte sich um rein gar nichts, Ruschelköpschen hatte nur Sinn sür ihren Heini und dessen Photographie, die sie immer bei fich trug; Heinrich, der fast ausnahmslos täglich, wenn auch nur ein Stündchen da war, hatte nur Sinn für feine kleine Nixe, und Mama Hartmann hatte aus An- ftage durch ihren Sohn höflich bescheiden lassen, sie über­lasse da- Arrangement auch weiterhin ganz der Frau Schwägerin.

Der Frau Schwägerin war diese»auch weiterhin", wie man sagt, in die Nase gesahren. Sie witterte etwa». ES schien, daß Mama Hartmann nicht so ganz einverstanden sei mit der Wahl ihres SohneS, sonst hätte sie sich doch einmal hierüber bemühen können. Nicht einmal eine Einladung hatte sie ergehen lassen.

Nun, die konnte doch ehrlich zusrieden fein. Aber die powern Leute find immer am großnasigsten! Mutter Hart­

nichtamtlicher Ceil.

Wo sich überall England durch Deutschland bedroht Mit.

Zwar sind die Zeiten vorbei, wo man täglich in den englischen Zeitungen lesen konnte, daß England einen direkten Angriff Deutschlands befürchte, und in der Nacht bereits deutsche Luftschiffe angeblich über London ausgetaucht waren, um einer deutschen Angriffsflotte die Wege zu ebnen. Die nervöse Angst der Engländer und die damit innig verbundenen Hetzereien englischer Deutschsreffer haben also in England stark abgeflaut, aber trotzdem ist eS eine Tatsache, daß Deutschland noch immer von der englischen Regierung selbst und auch vom englischen Parlament und von der englischen Presse für jede Machtverschiebung zu ungunsten Englands verantwortlich gemacht wird. So hat jetzt eine geheime Konferenz deS eng­lischen Ministerpräsidenten ASquith, deS MarineministerS Churchill, des Obergenerals Hamilton und deS Generals Lord Kitchener auf der Insel Malta stattgesunden, deren Zweck die Sicherung der englischen Oberherrschast im Mittelländischen Meere ist. Man könnte nun einfach die Frage aufwerfen, wie gerade England dazu kommt, die Oberherrschaft im Mittelländischen Meere zu beanspruchen, denn die eigentlichen Uferstaaten der Mittelländischen Meere» sind Oesterreich, Italien, Frankreich und Spanien.- Der Anspruch der eng­lischen Oberherrschast auch aus daS Mittelländische Meer ist also weiter nichts als eine englische Anmaßung, welche sich in der Zeit der Ohnmacht der genannten Staaten zur See gel­tend machen und durch Besitzergreifung Gibraltars und der Insel Malta durch England praktische Bedeutung erhalten- konnte.

Nun kommt aber die Hauptsache! Die angesehensten englischen Zeitungen vertreten jetzt die Meinung, daß die große Machtentsaltung Deutschlands zur See die englische Oberherrschast im Mittelmeere erschüttert habe, da jetzt Eng­land den größten Teil seiner Flotte in der Nordsee behalten müsse und im Mittelländischen Meere nur eine Kreuzerflotte unterhalten könne. Deutschland ist also auch hier wieder der Sündenbock. Die RechtSsrage wird dabei aber nicht im geringsten in der englischen Presse und im englischen Parla­ment geprüft, denn wenn dies der Fall wäre, so würden die Engländer anerkennen müssen, daß jedes Land und zumal auch daS groß und stark gewordene Deutsche Reich ein Recht aus seine Entwicklung auch zur See hat. England kann sich eben nicht daran gewöhnen, daß andere Mächte auch ein Recht auf die Schaffung starker Kriegsflotten haben. und es muß einmal ausgesprochen werden, daß Englands 100jährige Ober­herrschaft zur See eigentlich nur ein Echweineglück war, wel­ches sich daraus entwickelt hat, daß alle übrigen Staaten schwach zur See waren, und deshalb England zur See unter­nehmen konnte, was es wollte.

mann dachte fortan mit steigender Geringschätzung von Mama Hartmann.

Bald genug aber kam diese Gesinnung auch in Worten zum Ausdruck, selbst wenn Heinrich dabei war. Daraus, baß eS Heinrich hinnahm, wenn fein Liebchen feine Mutter überhaupt nur nochEtepctetchen" oder, mit einer gewissen Reifen Feierlichkeit, dieAhnsrau" nannte, glaubte Mutter Hartmann den Schluß ziehen zu dürfen, daß der zukünftige Schwiegersohn ein viel zu vernünftiger Mensch sei, alS daß er nicht daS Lächerliche der Eigenheiten und Eitelkeiten feiner Mama erkenne. Man betrachtete ihn als ein Glied der Familie Hartmann in der Mühle und ließ Mama Hartmann unbehelligt ihre splendid Isolation, ihre vornehme Zurück- gezogenheit genießen.

Heinrich Hartmann empfand eS als eine bittere Takt­losigkeit, wenn Mutter Hartmann den spöttischen, überlegenen Ton bezüglich seiner Mama anschlug. über wie sollte er der Mutter wehren, waS er dem Liebchen erlaubte, und wie hätte er seinem süßen Ruschelköpschen die drolligen Einsälle wehren können! DaS Mädel war ja noch so jung, nun und Mutter Hartmann hatte in ihrem Bildung-grad einen hin­reichend mildernden Umstand. Frau Untermüller würde in der Untermühle bleiben, und Hede mit ihrer natürlichen Frische und Harmlosigkeit gewiß mit Mama ganz gut auS- kommen.

So ganz harmlos war freilich daS Ruschelköpschen doch nicht. Sie konnte im Handumdrehen böse tun, vielleicht auch sein. Ein kleiner Eigensinn konnte sie sein. DaS hatte Heinrich schon bald erfahren. Jeden Tag entließ sie ihn mit demselben Gruße:Aus Wiedersehen morgen!" Eine- TageS nun war ein Hundewetter gewesen, ein ExpeditionStag für alle Forstämter, und auch Heinrich Hartmann hatte diesen Tag benutzt zur Erledigung amtlicher Schriften. Am andern Tag aber hatte ihn seine Nixe mit wassergrünen Augen empsangen und mit einer Flut von Vorwürsen überschüttet. Daß er zu Hause gesessen habe, daß er amtlich tätig ge­wesen sei wie immer bei so miserablem Wetter, glaubte sie ihm einfach nicht. Sie ließ eS sich nicht auSstreiten, daß er aus der Jagd herumgelausen sei. Daß er daS schlechte

Daß Deutschlands Entwickelung zur See nicht allein bie Ursache der Erschütterung der englischen Oberherrschaft im Mittelmeere ist, geht auch daraus hervor, baß die englischen Zeitungen jetzt darüber ein Klagelied anstimmen, daß Oesterreich im Mittelmeere 6 DreadnougthS besitze, und daß Italien im Mittelmeere sogar 8 große Schlachtschiffe und 7 gepanzerte Kreuzer unterhalte, während England im Mittelmeere keinen einzigen Dreadnougth habe, und in Malta und in Gibraltar nur je 4 alte englische Panzerkreuzer vorhanden wären, die von einem einzigen österreichischen Dreadnougth in Grund und Boden geschossen werden könnten. Man hält e» daher in England sür durchaus notwendig, daß die englische Mittel­meerflotte mindestens durch 4 Dreadnougth» verstärkt wird und daß auch die englischen Garnisonen auf Gibraltar und auf Malta eine Verstärkung empfangen. Ganz gruselig wird eS aber den Engländern, wenn sie sich eine Vereinigung der Dreadnougth- der Dreibundmächte Deutschland, Oesterreich und Italien vorstellen. Dann hat auf einmal der Dreibund ebensoviel Dreadnougth- wie England, und daS ist für England eine ganz unerträgliche Situation. Nun, Europa hat eS ja über 100 Jahre ertragen, daß England allein eine wirklich große Flotte besaß, und so wird sich wohl auch England nach und nach daran gewöhnen müssen, daß auch die anderen Mächte starke Flotten besitzen und noch mehr auSrüsten. Zum Kriege wird eS deshalb noch lange nicht kommen.

Der Fernflug BerlinWien.

In dem großen flugjportlichcn Wettbewerb, den zwei be­freundete Nationen seit den frühen Morgenstunden de» letzten «Sonntags miteinander ;um k '-trag bringen, hat ein deutscher Aviatiker den Sieg davongetragen. Der Ingenieur Helmuth Hirth hat mit einer Gesamtflugzeit von 7 Stunden 20 Minuten die Strecke von der Reichshauptstadt bis zur Kaiserstadt an der Donau zurückgelegt. WaS diese Zeit bedeutet, mag man aus der Tatsache ersehen, daß der schnellste Eisenbahnzug zum Durchmcsscn der gleichen Strecke eine Zeit von 11 Stunden benötigt. Ein herzlicher Empfang ist dem Flieger bei seinem Eintreffen aus dem Flugfeld zu Aspern von den österreichischen Fliegern und den Veranstaltern deS Fluges zuteil geworden. Und aufrichtig sind auch die Glückwünsche gewesen, die dem kühnen Flieger von allen Seiten dargebracht worden find. Und mag auch zunächst auf der Seite der Oesterreicher ein leise- Bedauern vorgeherrscht haben, daß eS nicht einem der Ihrigen gelungen ist, als Sieger au- der Konkurrenz Hervor­zugehen, der gewaltigen Leistung, die trotz mannigfacher Widerwärtigkeiten und mehrfacher ungünstiger Witterung»- verhältniffe geschaffen wurde, erwiesen sie doch gern und freudig die Ehre.

Sie können sogar mit Recht ein wenig stolz auf die Leistung deS Deutschen sein, die Wiener. Denn Helmuth Hirth verdankt seine erste Unterweisung im Fliegen dem ver-

Wetter nicht sürchtc, wenn es die Jagd gelte, habe sie ja gesehen; aber . . . nun ja, entweder solle er jeden Tag kommen, oder sie müsse annehmen, daß er mehr an seinem Berufe hinge, als an ihr, waS sie nicht vertragen könne. Sie könne ja auch annehmen, daß Mama Hartmann dahinter stecke, und Heinrich ihr zu Diensten habe fein müssen. Heinrich hatte Ruhe und Humor genug, die leidenschaftliche Sprache zu entschuldigen mit Enttäuschung, Muße zum Grübeln und ein wenig Eifersucht auch. Er küßte sein Mäd­chen und leistete feierlich auf den Knien Abbitte, und Ruschelköpschen war von diesem Anblick so entzückt, daß ei seinen Groll vergaß und besaht:Bleib mal so liegen. Weißt du, du hast mir überhaupt noch gar keine richtige Liebeserklärung gemacht. Da steht immer in Romanm so himmlisch davon. Schieß mal loS. . . ."

Ach Hede, höre, willst du mit nicht erst ein Kiffen be­sorgen ? Die Sache könnte etwa- lange dauern, bis ich rau» habe, wie lieb ich dich eigentlich habe."

So alberten sie denn weiter. Aber ihm schien, alS ob Hedwig dieser Szene säst eine ernsthaste Bedeutung beimeffe, und alS er heimging, trug er zum ersten Mal ein bitterr- Gefühl der Erniedrigung mit sich. So gewiß der ganze Auftritt mehr als ein kindliche- Spiel gewesen war, so ge- wiß dünkte ihm zu sein, daß sie ein unwürdige- Spiel mit ihm getrieben haben, wogegen sich nachträglich sein Manne»- stolz ausbäumte. Je näher er aber seiner stillen Behausung kam, desto persönlicher wurde seine Stimmung. Wie düster, wie tot war'S dadrinnen! Wie sehnte er sich nach Lust, Heiterkeit, Frische! Alle- daS konnte ihm Hedwig bieten, daS suchte er dort in der Mühle und hatte eS gesunden, dafür wollte er den höchsten Preis zahlen. Wenn fein liebet Mädel nur lachte! DaS übrige würde sich schon mit der Zeit finden. Und fortan mußten die Forstläuser ihn oft zertreten, und schriftliche Arbeiten erledigte er nacht», aber jeden Tag küßte er seine Nixe, und diese Nixe lachte, so oft er bei ihr war. Auch ließ sie eS sich niemals nehmen, Heini bis zur Ecke de- Gasthauses zu begleiten, so sehr auch ihre Mutter zeterte mit Hinweis auf die immer noch heimliche Verlobung.Ich liebe keine Heimlichkeiten, und wir brauche»