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Herrselder Kreisblatt

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Fernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 66» Donnerstag, den 6. Juni 191^

Amtlicher teil.

Herrfeld, den 5. Juni 1912.

Infolge der Arbeiten beim Bau der Wasserleitung der Gemeinde Niederaula wird die Landstraße HerSseldSchlitz im Orte Niederaula und zwar vom Straßenkreuz bei der Obermühle bis zur Abzweigung des Landwege- nach Hatten- bach für den öffentlichen Verkehr auf die Dauer dieser Woche polizeilich gesperrt.

Der Verkehr kann in dieser Zeit auf einem gut auSgebauten Feldwege, genannt über'm Wehrsteg, erfolgen.

J. Nr. I. 6736. Der Landrat.

I. A.:

Nessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 3. Juni 1912.

Die Herrn OrtSvorsteher, die meine Verfügung vom 22. P. MtS., I. Nr. 1208 (KreiSblatt Nr. 62) betreffend Mitteilung der Steuerveranlagung der katholischen Einwohner an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 10. d. MtS. hieran erinnert.

Auch find bis zum 10. d. MtS. die noch nicht erstatteten Fehlanzeigen an mich einzureichen.

Ich ersuche um pünktliche Jnnehaltung dieses TerminS.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.

I. Nr. 1414. I. B.: Fenner.

HerSseld, den 31. Mai 1912.

Mit Genehmigung der königlichen Regierung habe ich auf Grund deS § 103 deS ZuständigkeitS-GesetzeS vom 1. August 1883 dem Königlichen Förster O. R. Reinhardt in KalkobeS die auShülfSweife Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in den Gemeindebezirken HerSfeld, KalkobeS, HeeneS, AllmerShausen, sowie im Gut-bezirke Meisebach über­tragen.

I. 6516. Der Landrat.

I. A.:

Nessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 30. Mai 1912.

Nachdem der Umbau der Herfabach- und Mühlgraben­brücke bei WölserShausen inzwischen beendet ist, wird die mit Verfügung vom 10. April d. I»., I. Nr. 4339, angeordnete Sperre der Landwegestrecke LengerSWölserShausen wieder aufgehoben.

I. 6397. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

Quer erkauft!

Roman von HanS Bley Müller.

(Fortsetzung.)

Bon den Unbeteiligten schauten viele auf den Ernst Hage­dorn, auf den von allen den Beziehungen zur Heimat, von denen der Geistliche sprach, keine zu passen schien, bis in der Rede endlich auch der Gräber Erwähnung getan wurde. Der verwaiste Bursche tat manchem leid, und am meisten, daS hatte wohl niemand geahnt, seinem bisherigen Herrn, der an ihm hing, wie ja er hatte sich- heute morgen beim Kirchgang selbst gestanden wie nur ein Vater an seinem Sohne hängen kann. Hüttich schneuzte sich mehrmals so geräuschvoll, daß ihn der Prediger endlich mit einem Blicke streifte.

Ernst Hagedorn aber selbst hörte und sah nichts. Der Gedanke, hinter sich die ganze Gemeinde und kaum einen Schritt vor sich den Altar und den Pfarrer zu haben, hatte ihn gänzlich verwirrt.

Desto mehr aber machten die Worte, die an die Vater­landsverteidiger gerichtet wurden, Eindruck auf jemand, der dem ganzen Gedankenkreis eigentlich ziemlich ferne stand. Dieser Jemand war ein junge» Mädchen, daS aufs tiefste erregt die großen, weit geöffneten, schier verklärten Augen auf den Geistlichen unverwandt richtete. Nach vorn geneigt, da» Antlitz marmorbleich, lauschte Martha Wedemann den Worten deS Evangeliums:Niemand hat größere Liebe denn dir, daß er sein Leben läßt für seine Freunde." DaS Wort hatte fie wie ein Strahl der Erleuchtung getroffen. ES hatte fie daS Wort angesaßt, gepackt, sie vergaß ganz, daß es anderen Personen galt. Und ihre Stimmung war geradezu eine überirdische. WaS der Psarrer sonst noch sagte, über, hörte fie ganz, immerdar klangen in ihrer Seele die Worte: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben läßt sür seine Freunde. Und sie konnte nicht- andere- denken und dazu sagen al»:Ja, e» ist so, e» ist gewißlich wahr. Amen."

nichtamtlicher Ceil.

Zusammenschluß der Gemüsezüchter Deutschlands.

Vom Deutschen Pomologen-Verein in Eisenach ist ein Zusammenschluß der Deutschen Gemüsezüchter in die Hand genommen und am 20. Februar d. J. während der land­wirtschaftlichen Woche in Berlin von einer Versammlung von Gemüsezüchtern auS ganz Deutschland die Gründung eines Verbandes Deutscher Gemüsezüchter beschlossen worden. Die Frage, ob ein Zusammenschluß der Deutschen Gemüsebauer notwendig ist, muß entschieden bejaht werden. Die Regierung der BundeSstaaten und die gesetzgebenden Körperschaften müssen auf die volkswirtschaftliche Bedeutung deS Gemüse­baues ausmerksam gemacht werden, damit sie den Schutz der inländischen Gemüsebauer in die Hand nehmen. Der Not- standtaris z. B. wird unS eine Konkurrenz deS klimatisch günstiger liegenden AuSlandeS für diesen Sommer in Früh­kartoffeln zuziehen ohne diese den Käufern zu verbilligen, denn nur daS AuSland und der Zwischenhandel werden sich den Zoll in die Tasche stecken. In diesem Winter sind unsere Zwiebeln schon schwer dadurch getroffen worden, daß eS den Händlern durch die billigen Frachten ermöglicht wurde, unge­heure Mengen ungarischer und rusiischer Zwiebeln in die Anbaugebiete hinzuwersen und von hier auS weiter zu handeln. Die deutschen Zwiebeln wurden vernachlässigt, obgleich sie an Güte den ausländischen überlegen waren.

Die Regierung an den landwirtschaftlichen Hochschulen muß den Gemüsebau wissenschaftlich mehr alS bisher unter­stützen, vor allem Anbauversuche, die sür den einzelnen zu kostspielig und zeitraubend find, z. B. neue Sorten, Kultur­methoden, Düngung und Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten des Gemüse-, in die Hand nehmen. Die Ge­müsezüchter müssen aus ihrer abwartenden Stellung den Händlern gegenüber aufgerüttelt werden, damit sie nicht aus die ihnen vom Händler bei Abschlüffen gestellten Bedingungen einzugehen gezwungen sind, sondern solche selbst stellen oder doch nur aus Bedingungen eingehen, die vom Verbände fest­gesetzt sind. Dabei sind als besonders warnende Beispiele die Abschlüsse der Liegnitzer Weißkohlbauern zu erwähnen. Diese schließen seit einigen Jahren mit den Händlern die Lieferung von Weißkohl ab und zwar eine bestimmte Zentnerzahl. Die Mißernte der Vorjahres ermöglichte ihnen nicht die abge­schlossene Menge zu liesern, aber die Händler bestehen aus ihren Schein. Neben dem Schaden, der ihnen durch den billigen Abschluß erwachsen ist, haben sie noch zahlreiche Prozesse mit den Händlern zu führen, die den Preisuntcr- schied für die nicht gelieserte Menge einklagen. Während die Gemüsezüchter glauben, sie brauchten nicht mehr als die ihnen zugewachsene Menge zu liesern. Entschieden ist noch nichts.

Erst die Aufforderung zum Gebet sür die jungen, auS- ziehenden Männer brächte sie sozusagen wieder zur Besinnung, und schwerlich hat in jener Stunde Gott ein ernster ge­meinter und inniger gesprochen? Gebet vernommen alS daS dieses jungen Mädchens.

Wenzel Hüttich und Ernst Hagedorn gingen zusammen von der Kirche zurück. Am grünen Tor angelangt, zog Hüttich den Burschen mit sich inS Gespräch:Ein paar Worte!" sagte er gedrückt zu ihm und winkte ihm nach seiner Stube.

Scheu und verlegen standen sich dort die beiden Männer gegenüber. Hüttich schluckte mehrmals und sagte dann halblaut:

Deinen Lohn hast du. Wenn du wieder frei bist, ziehst du wieder bei mir an.....Du hast keine Leute mehr..... Ich will sie dir ersetzen, so gut ich kann." Er trat ein wenig beiseite. Hinter ihm auf dem Tische stand eine neue Echließkiste; Hüttich deutete draus hin:Dahin, nimm da? mit, und wenn die Kiste leer ist, schickst du sie zurück." Er hob selbst die Kiste vom Tisch und drängte sie dem Burschen in die Arme. Dieser zitterte, daß daS Schlöß­chen deS Behälters klapperte, und würgte nur die Worte hervor:Ach, Herr Hüttich! Danke! Danke!" Hüttich wehrte ob, legte ihm beide Hände auf die Schultern, sah ihm einen Augenblick voll in? Gesicht, dann wandte er sich schnell nach der Stube und sagte ganz leise:Gott sei mit dir, Ernst!" Und Ernst wankte hinaus, unsähig, ein Wort deS Abschieds zu sagen. Draußen kam die alte Meiern auS der Küche, sie drückte ihm den Arm und flüsterte gerührt:Na laß dir'- gut gehen, und schick die Kiste bald wieder, ich will'S schon besorgen." AIS er durchS Hoftor wie ein Träumender schritt, schrie ihm eine hämische Stimme auS dem Hose nach:DaS ist aber ein mutiger Soldat!" Und die Kleinmagd lachte ihm ein:Adjel" nach. Er achtete eS nicht. Er trug die ziemlich gewichtige Rekrutenkiste nach seiner Hütte. Kaum aber war er oben angelangt, so kam ihm ein Bursche nach­geschrien, wo er stecke. Die Burschengesellschast fei schon lange beisammen. Ernst setzte feine Last gleich im Flur ab und folgte dem Boten. ES war ihm gar nicht wie laute

Auch eine Zeitung sür den Gemüsebau ist notwendig, die alle neuesten beruflichen Ersahrungen verbreitet, über den Stand des angebauten und aus Lager gelegten Gemüses statistische Erhebungen veröffentlicht, und die verschiedenen Anbaugebiete miteinander verbindet, um eine Uebersicht der Preise zu ge­winnen. Bcrussgenossenl DaS Vorbild, daS andere große Bereinigungen unS gegeben, die auS der Not der Zeit ge­boren, muß unS vorbildlich sein, den Deutschen Gemüsebau zusammen zu fassen in den Verband Deutscher Gemüsezüchter, der bei Gelegenheit der ersten Deutschen Gartenbauwoche in Bonn am 6. Juli tagen wird,

Biedermann, Gutsbesitzer in Waldau, Schlesien.

Fürstliche Besuche.

Königin Wilhelmine von Holland und ihr Gemahl, Prinz Heinrich, haben soeben in PariS einen mehrtägigen offiziellen Besuch abgestattet. Die hohen niederländischen Gäste sind in der französischen Hauptstadt mit ebenso großer Auszeichnung wie Herzlichkeit ausgenommen worden, und namentlich der anmutigen Königin Wilhelmine bat die Pariser Bevölkerung hierbei geradezu begeisterte Ovationen bereitet. Nicht ohne Absicht betonen die Pariser Blätter diese glänzende und warme Aufnahme der niederländischen Herrschaften in der französischen Hauptstadt und weisen zugleich aus die bei dem offiziellen Festmahl im Elysee zu Ehren der hohen Gäste zwischen dem Präsidenten FallisreS und der Königin Wilhelmine gewechsel­ten Trinksprüche hin. Speziell unterstreichen sie die Worte in dem Trinksprüche FallisreS, welche sich auf die Unabhängigkeit der Niederlande bejaht, sowie die Aeußerung der Königin Wilhelmine in ihrer Antwort aus den Toast deS Präsidenten, daß sie auf daS in ihren Adern fließende französische Blut stolz sei. Die Pariser Blätter meinen, daß diesen Worten der holländischen Königin eine sehr glückliche symbolische Bedeutung innewohne, sie brächten eS erneut zum Bewußtsein deS fran­zösischen wie deS holländischen Volkes, daß Holland gerade wie seine Königin zur Hälfte französisch sei. Offenbar liegt dieser politischen Ausbeutung deS holländischen König-besuche» in PariS feiten? der Pariser Preffe daS Bestreben zu Grunde, Holland als auf dem Wege zu einer intimen Annäherung an daS benachbarte Frankreich befindlich hinzustellen und hiermit die Deutschen zu ärgern. Indessen kann diese sranzösischerseitS beliebte Hervorkehrung einer eventuellen franzöfisch-holländischen Entente Deutschland und daS deutsche Volk kalt lassen, deutscherseits wird man nach wie vor dem kleinen fleißigen holländischen Nachbarvolk wohlgesinnt bleiben, und sollte eS der französischen Politik doch gelingen, Holland in ihr Fahr­wasser zu lenken, so dürsten eS vermutlich die Holländer bald empfinden, bei wem ihre Interessen besser gewahrt und geach­tet werden, ob bei Frankreich oder bei Deutschland. Neben dem stattgesundenen hohen niederländischen Besuche in Pari- machen augenblicklich noch andere Fürstenbesuche von sich reden

Gesellschaft, aber er wußte, daß er sich an einem solchen Tage nicht fern halten durste, ohne sämtliche Burschen ernst­hast zu beleidigen.

Im Gastzimmer derKrone" herrschte ein wüster Lärm. Die letzten Jahrgänge der Reservisten erzählten Heldentaten und erteilten den Rekruten allerhand gute, wenigsten- nützliche Lehren, machten sie wohl ein wenig graulich. Dafür aber tranken diese sich einen großen Mut an und gebärdeten sich, alS gäbe eS keine größere Lust alS die, Soldat zu sein. Dazwischen schrien und juchzten die jüngsten Burschen wie die Unsinnigen, und dazu herrschte in dem Hause trotz VentilationS- vorrichtung ein Qualm und eine Hitze, daß man sich wundern mußte, wie dort Menschen leben konnten. Soldatenlieder wurden gesungen, oder vielmehr gegröhlt, und der unvermeid­liche Skat wurde gespielt.

Ernst spielte Skat, hauptsächlich um aus andere Gedanken zu kommen. Er hatte gar nicht bemerkt, wie die geschäftige Martha auch ihm Bier vorgesetzt halt», und sie hatte ihn in der Eile auch nicht angesehen. Der Lärm, Sticheleien, Bier und Spiel regten ihn bald auf. Er wurde laut und lauter, gab hitzige Gegenreden und hieb mit der Kartenhond auf den Tisch. Gerade als er wieder einmal so aufgeschlagen hatte, wurde ein srischeS GlaS neben feine Hand gefetzt.Ist daS mir?" brüllte er über die Schulter. Da tauchte über ihm daS bleiche, ernste und doch freundliche Gesicht Marth- chenS aus.Willst du noch?" fragte sie langsam.Du warst heute übrigen- noch gar nicht bei deinen Kaninchen!" setzte fie halblaut hinzu.Willst du nicht Ade zu ihnen sagen?" Die Worte waren wohl berechnet, aber ihre Wir­kung schienen sie doch zu verfehlen, denn der Bursche sagte nur unwirsch:Ach waS!" Aber mit feinem Gefühl be­merkte sie, daß sie ihn getroffen hatte. Glücklicherweise war daS Spiel gerade am Ende. Ernst kraute sich im Haar und meinte, er habe die Spielerei für heute satt. Er erhob sich und zwängte sich durch die Stühle nach der Tür. Niemand war ausgefallen, daß er au- dem Fenstcrkafien seine Mütze an sich genommen hatte. Nur Marthchen hatte ihn beob­achtet und eilte sofort in den AuSschank, von wo auS sie den Hof überblicken konnte. Richtig, er ging noch dem Stalle zu