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hersselder Kreisblatt

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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 63.

Donnerstag, den 30. Mai

1912.

Amtlicher teil.

Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau. Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft.

Cassel, den 11. Mai 1911.

Die Bestimmungen in der ReichSversicherungSordnung sind für die Neu-Ausstellung der Unternehmer-Verzeichnisse und für die Neu»Abschätzung der Betriebe von wesentlichem Einfluß.

Da nun die ReichS-VersicherungSordnung für die Unfall­versicherung erst am 1. Januar 1913 in Kraft tritt, hat der GenossenschastSvorstand (ProvinzialauSschuß) beschlossen, die Neu-Aufstellung der Unternehmer-Verzeichnisse, die eigentlich in diesem Jahr stattzufinden hätte, zunächst um 1 Jahr zu ver­schieben und die Beiträge für daS Jahr 1912 noch nach den bisherigen Unternehmer-Verzeichnissen zu erheben.

DaS ReichSversicherungSamt hat hierzu feine Genehmigung erteilt.

Die Neu-Ausstellung der Unternehmer-Verzeichnisse ist somit in diesem Jahre nicht erforderlich, dagegen muß zur Berichti­gung der jetzigen Unternehmer-Verzeichnisse hinsichtlich der eingetretenen Betriebsveränderungen in der bisherigen Weise verfahren werden.

gez.: Frhr. Riedesel.

An sämtliche SektionS-Vorstände. (HerSfeld.) *

Heff.-Raff. laudw. Berufsgenossenschaft

Sektion Hersfeld.

I. S. Nr. 595.

HerSfeld, den 20. Mai 1912.

Abschrift zur Kenntnis.

Der erforderlichen Anzeige über die eingetretenen BetriebS- Veränderungen sehe ich zum Herbst d. JS. rechtzeitig entgegen.

von GruneliuS.

HerSfeld,,den 23. Mai 1912.

Diejenigen Herrn Bürgermeister deS Kreises, welche mit der Berichterstattung über die erfolgte Ausstellung der Ge- meinderechnung pro 1911 gemäß meiner Verfügung vom 4. April d. Jr. I. A. Nr. 1986 KreiSblatt Nr. 44 noch im Rückstände (find, werden mit Frist bis zum 1. k. MtS. an Erledigung erinnert. Geschieht die Erledigung bis dahin nicht, so werde ich die nach meiner obigen Verfügung ange­drohten Strafen festfetzen müssen, sofern nicht stichhaltige Gründe für die Verzögerung vorgebracht werden.

Der Vorsitzende des, Kreisausschusses:

I. A. Nr. 1986. von GruneliuS.

HerSfeld, den 22. Mai 1912.

Die diesjährige Abgeordneten-Versammlung deS Feuer- wehr-KreiS-VereinS findet am Sonntag, den 2. Juni d. JS. in Sorga, im Saale des Gastwirt- Daube statt.

Die Herren Bürgermeister deS Kreise- haben dafür zu

Quer erkauft!

Roman von HanS Bley Müller.

(Fortsetzung.)

Unschlüssig lehnte sie, den Rock noch immer in den Händen, am Tische. Mutter Hagedorn mochte ihre Stimmung begreifen. Sie war selbst unangenehm betroffen von der Unfreundlichkeit ihres Sohnes. Entschuldigend sagte sie:Bei seinem schlechten Wetter kommen die Männer manchmal mit schlechter Laune heim. DaS ist nicht anders." Aber Marthchen wollte be- dünken, als ob nicht das Wetter, sondern ihre Gegenwart den Burschen verdrossen habe. Sie glaubte bemerkt zu haben, daß gerade ihre gutgemeinte Behülflichkeit den Ernst so rauh gemacht habe. Er stieß sie geflissentlich zurück, immer zurück. Er wollte sich eben nicht von ihr helsen lassen.

Sie verabschiedete sich freundlich, wenn auch mit gepreßter Stimme, von der Kranken. Ob sie morgen selber wieder­kommen würde, wußte sie noch nicht. Beim Fortgehen hörte sie den Burschen mit seinen Lieblingen, den Kaninchen, sprechen. Wie weich, singend, zärtlich daS klang I So konnte er auch reden? Mit Menschen hatte sie ihn noch nie so zärtlich sprechen hören. Nur wenige Worte hatte er für seine Mutter übrig gehabt, wie wortreich und sreundlich war seine Unterhaltung mit den Tieren I Sie war schier glücklich, diesen weichen Klang erlauscht zu haben, und doch erfüllte eS ihr Herz mit Bitterkeit, daß er solche Zärtlichkeit nur für unvernünftige? Vieh hatte, an Tiere verschwendete.

Beinahe wäre sie über die nasse Pserdedecke im Flur zu Falle gekommen. Draußen rauschte noch immer der Regen. Sie schlug den Ueberrock über dem Kopse zusammen und lief den schlüpfrigen Weg bergab, begleitet von dem Gericscl deS schmutzigen WaldwasscrS. , ,

Ernst blieb so lange im Stalle, bis er daS Mädchen ort- gehen hörte. Als er in die Stube zurückkam, rief ihn seine Mutter zu sich. Er trat zu Füßen und legte beide Hände übereinander aus die Bettstatt. m

Halblaut und schwer kamen die Worte von dem Munde

sorgen, daß von jeder Feuerwehr mindestens ein Abgeordneter in Uniform an der Versammlung teilnimmt.

Die Reisekosten sind den Abgeordneten auS der Gemeinde- kasse zu erstatten.

I. 6275. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e I, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 23. Mai 1912.

Die Herren OrtS- und Gutsvorständc, welche meine Ver­fügung vom 27. November 1876 J. Nr. 11906 (im Kreis- blatt Nr. 96), betreffend Heranziehung von Personen zur Erfüllung ihrer Militärpflicht, noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 1. Juni d. JS. erinnert.

I. M. Nr. 1192. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 24. Mai 1912.

Den Bürgermeistern und GutSvorstehern gehen in diesen Tagen die Gemeindesteuerlisten zu.

Ich ersuche, sie sogleich öffentlich auszulegen und nach § 80 deS Einkommensteuergesetzes zu verfahren.

Die Listen sind dann bis zum 25. Juni d. Js. an mich zurückzureichen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommiffion:

I. Nr. 1291. von GruneliuS.

nichtamtlicher LeN.

Bin neuer Siefenlreit in Wand.

Kaum ist der Riesenstreik der Kohlenbergarbciter in Eng­land durch einige kleine Zugeständnisse an die Arbeiter beendigt worden, so ist auch schon wieder im britischen Reiche ein neuer großer Streik auSgebrochen. Die in England sehr zahlreich vorhandenen Transportarbeiter sind in einer Anzahl von mehr als einer halben Million Arbeitern feit dem 28. Mai in den Generalstreik eingetrcten. Da die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern bis zum 27. Mai zu keiner Verständigung geführt hatten, hat daS Streikkomitee beschlossen, daß vom 28. Mai ab die gesamten Transportarbeiter in ganz England die Arbeit niederzulegen haben. In Bezug auf die Zahl der Streikenden erreicht ja der TranSportarbeiterstreik die Größe deS BergarbeiterstreikeS nicht, aber da die Transport­arbeiter im Verkehr überall tätig sind, so wird dieser Streik daS VerkehrSleben und auch daS wirtschaftliche Leben in Eng­land sehr empfindlich treffen, zumal auch die Hafenarbeiter sich den Streckenden angeschlossen haben. Der Streik hat in London begonnen, und die Strciksührer haben folgerichtig den

der alten Mutter.Ernst mein Junge Gott will'S Ob wir unS morgen srüh Wiedersehen, weiß ich nicht. Aus alle Fälle ist es besser, ich sage dir heute, waS ich noch zu sogen habe. Warst du beim Herrn Pfarrer?"

Er will morgen nachmittag kommen", preßte der Bursche, dem sehr schwül war, heraus.

Nachmittag erst? Na I Ich will meine Sünden beichten. Aber heute muß ich selber nochmal Buße predigen, wenn ich auch kein Pfarrer bin."

Ihre Stimme hatte einen seierlichen Ernst angenommen. Der Sohn trat aufgeregt und gedrückt zugleich von einem Fuß aus den andern.

Mein Junge! Ich denke, wir verstehen unS ohne viele Worte. Du hast deiner Mutter viel Liebe erwiesen, und dafür dankt sie dir aus ihrem Sterbebette." Sie reichte ihm die Hände hin und umschloß die zaghaft entgegengestreckte Rechte.Aber du machst deiner Mutter auch schwere Sorge, und deinetwegen möchte sie noch Hierbleiben. Wer weiß aber, ob sie dir viel helsen könnte!" Die Stimme versagte ihr. Der Bursche schwankte, feine Brust wogte aus und nieder. Die Kranke raffte sich zusammen:Du kennst deine Schwäche. Denk an deinen Vater! ES gibt ihrer viele, die dich ver­führen. Aber ob eS noch jemand gibt, der um dich besorgt ist, wenn meine Augen sich zugetan haben--? Ernst, mein Junge, ich will dir nicht wehe tun. Du kannst schließlich nichts dafür, daß du schwach bist. Aber du bist eS, und darum brauchst du mal einen guten Engel. Ach, wenn ich erst beim lieben Gott bin, will ich ihn immer wieder bitten, daß er dir diesen guten Engel schicken soll. Aber dich, Ernst, will ich bitten, solange ich noch aus Erden bin, daß du den guten Engel, den dir Gott schicken wird, nicht zurückstößt."

Jetzt mutmaßte der Bursche eine Anspielung, und er wars unwillig den Kops auf. Die Bewegung war dem be­sorgt aus ihm ruhenden Blick der Mutter (nicht entgangen. Sie drückte seine Hand fest an ihre Brust und sagte eindringlich: Es gibt noch gute Menschen auf der Welt, Ernst, sei du nicht undankbar gegen sie! Die guten Menschen schickt unS Gott, und wer sie zurückstößt, ist von Gott und aller Welt verlassen.

Streik aus das ganze Land auSzudehnen verstanden, dann* ihre Forderungen durchgesetzt werden können. Die Streikenden haben auch erhebliche Geldmittel zur Versügung und können den Streik etwa 4 Wochen auShalten. Die Hauptfrage bei diesem neuen Streik in England besteht nun darin, ob in den anderen großen Städten Englands und zumal in den Häfen die Transportarbeiter wirklich der Aufforderung ihrer Lon­doner Kameraden Folge leisten und für ganz England in den Generalstreik eintreten. Sollte dies der Fall fein, so wird der Generalstreik der Transportarbeiter in England zu so großen öffentlichen Notständen jühren, daß die Regierung und daS Parlament einschreiten dürsten. Der ganze Streit in der englischen Arbeiterfrage dreht sich bekanntlich darum, daß die englischen Arbeiter nach einem Mindestlohn und nach einem NormalorbeitStag streben. Die Arbeitgeber haben sich aber außerstande erklärt, solche Forderungen prinzipiell an- zunehmen, und deshalb werden wohl die Arbeiter- undLohn- kämpse in England in immer größeren Dimensionen sich wiederholen, denn eS ist nicht daran zu denken, daß die Arbeiter so leicht von ihren Forderungen abgehen. Die praktischen Engländer können im Hinblick aus die verderblichen Wirkungen der großen StreikS aber auch noch zu dem Hilfs­mittel der Gewährung kleiner Zugeständnisse an die Arbeiter greifen, und dann tritt gewöhnlich in der zweiten oder dritten Woche deS Generalstreiks der häufige Fall ein, daß ein größerer oder kleinerer Teil der streikenden Arbeiter die Arbeit wieder aufnimmt. Dadurch wird aber die Wirkung des General­streiks gewöhnlich derartig abgefchwächt, daß der Generalstreik nach einigen Wochen aushören muß, da der Etreikfond auf« gebraucht und keine Aussicht vorhanden ist, durch die Fort- f-tzung des StreikS ^n Zweck desselben zu erreichen. Hunger und Notstände in den Familien der Arbeiter treiben dann den Rest der Streikenden wieder zur Arbeit. Man muß aber zugeben, daß in unserem hochentwickelten Kulturleben, in wel­chem daS Hochhalten der Menschenrechre und die Humanität doch auch eine Rolle spielen sollen, diese Generalstreiks mit ihren entsetzlichen Folgen und bösen Leidenschaften ein sehr dunkler Schatten im modernen Leben find, und daß gerade der größte Industriestaat der Welt, nämlich England, am meisten von den RiesenstreikS heimgejucht wird, mag zwar in gewisser Hinsicht als natürlich erscheinen, diese Tatsache beweist aber auch, daß neben den Triumphen der Industrie ein un­versöhnlicher sozialer Gegensatz klafft, der zu revolutionären Tendenzen in den breiten VolkSmassen treiben muß, wenn nicht daS Mittel einer Linderung und Verständigung in diesem schweren Gegensatze, der ja auch in anderen Industrieländern vorhanden ist, gesunden wird. Natürlich steht auch in Eng­land hinter den Streikenden als intelektueller Urheber der Einfluß der Sozioldcmokratie.

In trieg Mischen Wien unü her Mei.

Aus dem tripolitanischen Kriegsschauplätze ist eS zwischen

Der Bursche wandle sich zur Seite. Seine Stirn wo* finster. Da ließ die alte Frau feine Hand fahren, preßte ihr? Hände vorS Gesicht und rief laut weinend:ES wäre mi* eine Beruhigung gewesen, wenn du mir mit in den Himme^ hinein daS Versprechen gegeben hättest, dem Willen deines Mutter zu folgen. Aber wie du dastehst, will ich kein Vcr' sprechen von dir. Ernst, mein armer Junge!"

Da brach mit einem Male der Trotz deS Burschen. Er stürzte am Bettrande nieder, haschte nach ihren Händen, zog sie ihr von den weinenden Augen und drückte sie an seine Stirne.

Und so lagen sie noch, als eS schon völlig finster ge­worden war.

* * *

Es hatte die ganze Nacht in Strömen geregnet. Als die Leute aber auswachten, jagte die blendende Sonne die letzten Wolken nach Frankreich. Der Bach rauschte stark. An jedem Zweiglein funkelte ein Demant. Eine wunderbare Frische und Klarheit lag über der Natur.

Am Vormittag mußte Martha Wedemann sich zur Be- dienung von Gästen bereit halten, da der Vater in den Garten gegangen war, Aepsel abzutun. Lieschen hatte das Frühstück hinaus zu Hagedorn getragen und wiederkommend berichtet, der Ernst sei daheim gewesen. Man war beunruhigt, doch Lieschen hatte noch mit der alten Frau gesprochen. Die sähe aber schlecht aus, sagte sie.

Ernst war von seinem Herrn heimgeschickt worden. Auf- Feld könne er bei der Nässe doch nicht fahren, und waS im Hose zu tun fei, daS könne schon mal warten, er sei in diesen Tagen daheim notwendiger, hatte der gutmütige Hültich gesagt.

Ernst lief im ganzen Hause umher, von der Stube in den Stall, von da nach dem Boden, wieder in den Stall, sah mal in die Stube hinein die Mutter lag still und kletterte wieder nach dem Boden.

(Fortsetzung folgt.)