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Reisfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 63. Sonnabend, den 25. Mai 1912.

Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 22. Mai 1912.

Die Tollwut unter den Hunden in der Stadt HerSseld ist alS erloschen anzusehen, nachdem inzwischen drei Monate verflossen, und weitere Erkrankungen nicht vorgekommen sind.

Meine Bekanntmachung vom 6. März 1912, I. 2906, KreiSblatt Nr. 29, mit welcher die Hundesperre angeordnet worden ist, hebe ich daher wieder auf.

I. 6228. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 22. Mai 1912.

Unter dem Rindviehbestande deS Christian Strüber in Friedlos ist die Maul- und Klauenseuche amtlich seflgcstellt worden.

I. 6221. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Drehseuchenpolizeiliche Anordnung.

Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des Viehseuchen-GesetzeS vom 26. Juni 1909 mit Ermächtigung deS Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:

§ 1. Die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 17. Mai 1912 (KreiSblatt Nr. 59) wird, wie folgt, erweitert.

1. Zum Sperrbezirk Abschnitt I. § 1 tritt die Gemeinde Friedlos.

2. Zum BeobachtungSgebiet: Abschnitt II. § 19 treten die Gemeinden ReiloS, Rohrbach, Mecklar, Meckbach und von der Stadt HerSseld Hoj Wehneberg sowie die Friedloserstraße.

3. Zu den Gemeinden, für welche die über daS Sperr- und BeobachtungSgebiet hinausgehenden Beschränkungen gelten, Abschnitt III. § 22 treten hinzu, außer den vorstehend unter 1 und 2 ausgeführten Gemeinden:

die Gemeinden Tann, Biedebach, Stadt HerSseld, KalkobeS, HeeneS, AllmerShausen, GitterSdorf, Hählgans, UntergeiS, Obergeis, Meisebach, Eichhos, Kohlhausen, Roßbach, KerSpen- Hausen, Hilperhausen, BingartcS, Unterhaun, Oberhaun, SiegloS, Eitra, Rotensee, PeterSberg mit Kühnbach, WilhelmShos, Ober­rode, Eorga mit Sölzerhöfe, KathuS und HermannShof.

§ 2. Die in § 1 erwähnte viehseuchenpolizeiliche Anord­nung findet aus die vorstehend genannten Gemeinden unbe­schränkte Anwendung.

HerSfeld, den 22. Mai 1912.

I. 6221. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 22. Mai 1912.

Um die Unterlagen für die Kirchensteuer-Veranlagung zu gewinnen, hat der Kirchenvorstand der hiesigen katholischen Gemeinde ersucht, die OrtSvorstände zu veranlassen, ihm folgendes mitzuteilen:

1. Die Namen sämtlicher innerhalb der einzelnen Ort- schaften deS KreiseS zur EtaatSeinkommensteuer und zur fingierten Normalsteuer veranlagten Katholiken unter Angabe der einzelnen Steuerbcträge.

2. Die Namen deS katholischen Teils gemischter Ehen, soweit die Ehemänner zur EtaatSeinkommensteuer oder fingierten Normalsteuer veranlagt find, ebenfalls unter Angabe der ein­zelnen Steuerbeträge.

Ich weise die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreijeS, soweit in ihren Ortschaften Katholiken wohnen (mit Ausnahme der Stadt HerSfeld) an, die geforderten Nach- weisungen sogleich aufzustellen und biS spätestens zum 30. d. M t S. an den katholischen Kirchenvorstand, Herrn Pfarrer MalkmuS, hier einzusenden.

Ueber daS Veranlaßte ist mir bis zum 3 0. d. M t S. zu berichten; auch Fehlanzeige ist erforderlich.

Der Termin ist pünktlich inne zu halten.

Ich weise auf meine Verfügung vom 7. 9. 1911, I. Nr. 2637 (KreiSblatt Nr. 106) Abs. 3 hin.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.

I. B.:

I. Nr. 1208. Fenn e r, Steuersupernummerar.____________

HerSseld, den 3. Mai 1912.

Der LandwirtschaftSkammer-AuSschuß für Oberhessen wird am 29. Mai d. Jr. in AlSseld (Oberhessen) eine Zuchtvieh­auktion für Simmenthaler Bullen und deutsche Edelschwein-

Eber abhalten. Ausgetrieben werden nur Tiere, die in die Herdbücher der Landwirtschaftskammer eingetragen sind und von Original- oder reinrassigen Tieren abstammen.

Interessenten ist besondere Gelegenheit geboten, gute Zucht­tiere zu erwerben. Die Auktion der Bullen beginnt vormittags 11 Uhr und diejenige der Eber nachmittag? 2 Uhr. Der Austrieb findet am 29. Mai vormittag? V29 bezw. 11 Uhr auf dem Lindenplatz in AlSfeld statt. VersteigerungSbestimmungen und Kataloge sind auf Wunsch vom 22. Mai ab durch den LandwirtschaftSkammer-AuSschuß in Gießen zu beziehen.

I. I. 5187. Der Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 22. Mai 1912.

Der Müller Johann Adam Leister in Kruspis beabsichtigt in seinem Mühlenbetriebe in der Gemarkung Kruspis, Hausnummer 26, anstelle deS in dem öffentlichen Gewässer befindlichen Mühlenrades eine

Turbinenanlage einzubauen.

Ich bringe daS Unternehmen zur öffentlichen Kenntnis mit dem Hinzufügen, daß Jedermann im Bereiche seiner Interessen innerhalb 14 Tagen gegen die Anlage bei mir schriftlich oder zu Protokoll Einspruch erheben kann.

Nach Ablauf diejer Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden auch im Falle deS Ausbleibens deS Unternehmers oder der Widersprechenden im mündlichen Verhandlungstermin am

»< Den ILN». X

vormittags 11 Uhr

im Sitzungszimmer deS Königlichen LandratSamtS hier erörtert werden.

Die Pläne zu der Anlage liegen zur Einsicht der Inte­ressenten in meinem Büro während der Dienststunden vor­mittags aus.

I. 6213. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenban z« Geisenheim a. RH.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Königlichen Lehranstalt

1) ein ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 29. Juli bis 3. August,

2) ein ObstverwertungSkursuS für Männer in der Zeit vom 6. bis 17. August, abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teil- nehm« Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungs­methoden einzuüben.

Der Unterricht umsaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine; Be­reitung von Essig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkoholfreier Getränke; Untersuchung von Reinhcfen, Kahm- hefen, Schimmelpilzen, ferner deS Mostes aus Zucker und Säure. Bereitung von MuS, Gelee, Marmeladen und Pasten; Herstellung und Aufbewahrung von Konserven und Obst- säften, Dörren deS Kern- und Steinobstes und deS GemüjeS. Obsternte, Sortierung, Aufbewahrung und Verpackung deS frischen Obstes. Gurken-, Kraut- und Bohnenfäuerung usw.

DaS Honorar beträgt für den KursuS zu 1): für Preußen 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark; für den KursuS zu 2): für Preußen 10 Mark, für Nichtpreußen 15 Mark.

Anmeldungen sind an die Direktion zu richten. Die Direktion.

* * HerSfeld, den 22. Mai 1912. Wird veröffentlicht.

I. I. Nr. 6195. Der Landrat.

3. «.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher CdL

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag hat noch kurz vor seiner Vertagung gute Arbeit geleistet. Die HeereSvorlage und die Flottenvorlage wurden ohne Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemokratin uud Polen in dritter Lesung angenommen. DaS Bild der Geschlossenheit und Einmütig- teil, daS die bürgerlichen Parteien in dieser nationalen Frage dargeboten haben, darf unS mit berechtigter Freude erfüllen, und zwar umsomehr, alS eS sich in leuchtender Weise von dem dunklen Hintergründe der sonstigen Parteizerklüstung und deS leider üblichen ParteihaderS abhebt. Und noch ein anderes Moment verdient mit Genugtuung hervorgehoben zu werden. Vor aller Welt ist damit aufs deutlichste die absolute Ohnmacht

der Sozialdemokratie in allen großen Fragen unserer nationalen Politik dokumentiert worden. Wo das Bedürfnis deS Vater­landes eS erheischt, wo dringende staatliche Notwendigkeiten sich geltend machen, da sieht sich die RevolutionSpartei doch noch immer einer geschlossenen Phalanx deS Bürgertums gegenüber, da vermag sie trotz ihrer 110 Mandate nichts. Die erneute Bestätigung dieser Tatsache dürste zwar den Uebermut der sozialdemokratischen Gernegroße kaum dämpfen, da? AuSland aber sollte seine Folgerungen daraus ziehen und sich keinen trügerischen Illusionen über die Schwächung unserer nationalen Widerstandskraft durch den revolutionären BazilluS der Sozialdemokratie hingeben. Gemäß dem richtigen finanzpolitischen Grundsätze, keine neuen Ausgaben ohne vor­gesehene Deckung zu bewilligen, haben BundeSrat und Reichs­tag auch für die ausreichende Deckung der neu bewilligten militärischen Ausgaben rechtzeitig Sorge getrogen. ES ist daS zunächst durch die in dritter Lesung erfolgte Annahme deS Gesetzentwurf- betreffend Beseitigung deS Branntwein- kontingenteS geschehen. WaS aber alsdann noch un- gedeckt bleibt, soll teils durch die Hinausschiebung einer Herab­setzung der Zuckersteuer, teils du-ch eine allgemeine B e - sitzst euer aufgebracht werden. Im Namen der verbündeten Regierungen erklärte sich ReichSschatzsekretär Kühn zur Einbringung eine? die allgemeine Besitzsteuer betreffenden Gesetzentwurfes bis zum 30. April 1913 bereit. Hoffentlich gelingt eS, diesen Gesetzentwurf so zu gestalten, daß er nicht zu einem neuen Zankapfel zwischen den bürgerlichen Parteien wird.

Die wilden Orgien, die der sozialdemokratische Preußenhaß jüngst in der Rede deS verblichenen Reichs« tagSvizepräfidenten Scheidemann gefeiert hat, haben sowohl im Reichstage selber wie im preußischen Landtage nachdrückliche und tr^nhf Zurückweisung erfahren. Wir können unS nur volliny«l».^ Antwort zueignen, die der reichSparteiliche Abgeordnete Schultz-Bromberg dem Vaterlandslosen Frechling erteilt hat:Sie können daS Maß der Beleidigungen auf den preußischen Staat bergehoch häusm. Sie werden doch daS Maß der Verachtung, daS wir für solche Beleidigungen empfinden, niemals erreichen." Hoffentlich ist manchem nationalliberalen Manne angesichts deS Auftretens Scheidemanns die Schamröte ins Antlitz gestiegen darüber, daß die eigene Partei sich dazu hergeben konnte, einen der­artigen Gesellen mit der Würde einer Vizepräsidenten deS Reichstages zu bekleiden. Nach ihrem Fiasko auf dem Boden deS Parlaments sucht die RevolutionSpartei nunmehr ihre Aktion gegen Preußen aus der Straße fortzusetzen und ergeht sich dabei in wüsten Drohungen. Jeden echten Preußen lassen diese Drohungen kalt. Wenn die Sozialdemokratie durchaus den Appetit verspürt, sich an dem granitnen Felsen der preußischen Monarchie die Zähne auszubeißen, uns kann ei nur recht sein.

In Ungarn ist eS auch dem neuen Ministerpräsidenten Dr. von Lukack bisher nicht gelungen, eine Klärung der parlamentarischen Lage herbeizuführen und die I u st h p a r t e i trotz weitesten Entgegenkommens für eine Annahme deS Wehrgezetzes zu gewinnen. Vielmehr hat Herr von Justh die Obstruktion feiner Partei angedroht und diese Drohung auch bereits zu verwirklichen begonnen. Der Mi­nisterpräsident scheint aber entschlossen, den Widerstand der Minorität auf alle Fälle zu brechen und die Obstruktion nötigen­falls durch eine Aenderung der Geschäftsordnung lahmzulegen.

ES ist ein merkwürdiges Schauspiel, daS wir allenthalben wohr- nehmen: oppositionelle Minderheiten suchen mit Mitteln, die dem Sinne und Geiste der Verfassung zuwiderlausen, den Gang der parlamentarischen Geschäfte zu stören und zu hemmen. Sie sägen damit naturgemäß eigenhändig den Ast ab, auf dem sie sitzen, und daS Endergebnis muß fein, daß der Parlamentarismus selber bei allen vernünftigen und ord­nungsliebenden Menschen gründlichst in Mißkredit gerät.

Im italienisch-türkischen Stiege haben die Italiener mit der Kapitulation der türkischen Garnison von RhodoS einen nicht unerheblichen Erfolg zu verzeichnen. Zum ersten Mal haben sich hier reguläre Truppen der euro­päischen Türkei mit den Italienern in einem regelrechten größeren Gefechte gemessen, und hierbei ist daS Waffenglück auf Seiten der Italiener gewesen. ES ist verständlich, daß dieses Ereignis in Italien stürmischen Jubel auSgelöst hat, während andererseits das militärische Selbstbewußtsein der Türken dadurch wesentlich geschwächt sein dürfte. Doch hat eS zunächst bei dieser moralischen Wirkung sein Bewenden, und eS bleibt noch s hr dahingestellt, ob und wieweit sich auch tatsächlich Aenderungen der KriegSlage daran knüpsen werden.

Wie in jedem Jahr, so hat auch diesmal der Frühling Unruhen aus dem Balkan gebracht, die in Albanien zum Teil wieder einen bedrohlichen Charakter angenommen haben. Die Unsicherheit der Lage im europäischen Orient aber wird gegenwärtig noch dadurch verschärft, daß der türkischen Regierung durch den Krieg mit Italien in mehrfacher Weise stark die Hände gebunden sind. Auch in M a r 0 k k 0 endlich dauert die Gärung fort, die sich in fortwährenden Unruhen der eingeborenen Stämme kundgibt und die französischen Truppen im Lande beständig in Atem hält. Diese Zustände haben eine erhebliche Verstärkung der französischm Kriegsmacht in Marokko sowie den Marsch deS Generals Lyautry nach Fez