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herrfelder Kreisblatt
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Nr. 58. Donnerstag, den 16. Mai 19158.
Amtlicher Teil
Hersseld, den 7. Mai 1912.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.
AuS gegebener Veranlassung weise ich besonders darauf hin, daß bei Aufforderung von Löschmannschaften zur Bekämpfung von Waldbränden dafür zu sorgen ist, daß die Mannschaften mit den notwendigen Werkzeugen ausgerüstet sind.
Die AuSsicht einen Waldbrand schnell zu unterdrücken, ist von vornherein besser, wenn die zur Hilfe eilenden Mannschaften geeignete Werkzeuge, vor allem Aexte, Spaten, Schaufeln, eiserne Rechen und Hacken, mit sich führen.
§ 44 Ziffer 4 deS Feld- und Forstpolizei-GesetzeS vom 1. April 1880 bestimmt, daß mit Geldstrafe biS zu 50 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft wird, wer bei Wald- bränden von der Polizeibehörde oder den Forstbeamten zur Hilfe aufgefordert, keine Folge leistet, obgleich er der Auf- sorderung ohne erhebliche eigene Nachteile genügen konnte.
Zugleich mache ich auch auf die Polizei-Verordnung vom 25. Februar 1908, Amtsblatt Seite 53, betreffend das Ab- brennen von Glasflächen pp. aufmerksam und ersuche aus die Durchführung ebenfalls ein besonderes Augenmerk zu haben. I. 5512. Der Landrat.
9. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Hersfeld, den 6. Mai 1912.
Gemäß der Vorschrift im § 82 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird das Ergebnis der am 27. April d. Js. stattgefundenen Kreistagssitzung nachstehend veröffentlicht:
Punkt 1 der Tagesordnung.
Die Wahl des Fabrikanten Herrn Hermann Braun hier als Kreistagsabgeordneter an Stelle des am 23. Oktober 1911 verstorbenen Maschinenfabrikanten Herrn Benno Schilde hier wurde für gültig erklärt und Erstgenannter in sein Amt eingeführt.
Punkt 2 a der Tagesordnung.
Der Antrag des Kreisausschusses auf Gründung einer Stelle für einen Kreisbaubeamten bezw. Anstellung eines Kreisbaubeamten für den Kreis Hersfeld wurde einstimmig angenommen. Diesem Beamten soll insbesondere die Prüfung der Baugesuche, die Abnahme der Rohbauten in den Landgemeinden und außerdem die technische Aufsicht über die Kreisbahn Hersfeld- Heimboldshausen übertragen werden.
Punkt 2 b der Tagesordnung.
Der Antrag des Kreisausschusses über die Anstellung eines weiteren Kreisausschußsekretärs für den Kreis Hersfeld wurde ebenfalls einstimmig angenommen.
Punkt 3 der Tagesordnung.
Die einzelnen Einnahme- und Ausgabeposten des
yeimgMMenr
HimmelsahrtSnovellette von K. Wahl.
(Schluß.)
„Komm zurück vom Fenster, Friede!," sagte sie von Sorge getrieben, mit möglichst gleichgültiger Stimme, „laß uns zusammen spielen. Komm hierher, an dm Tisch, ich hole daS Puffbrett und setze Gewinne aus, Schokolade und Feigen. Komm."
Er schien sie kaum zu hören, seine Augen hasteten aus der Straße; da — — lang gezogen — fern und doch wie in drohender Warnung--rollte der Donner durch die Luft. „Friede! I" bettelt Lena.
Ein angstverzerrtes Gesicht wandle sich ihr zu.
„Fürchte dich doch nicht, Liebling, ich bin ja bei dir!" rief Lena, ihn mit ihren Armen umschlingend. „Komm zurück vom Fenster!"
Immer dunkler, immer düsterer wurde eS im Zimmer; die graue, bleierne Schwere von draußen kam hereingekrochen und hüllte hier innen alles in Dunkelheit. Und nun durchzuckte der erste Blitzstrahl den finsteren Raum, dem gleich daraus ein kurzer, harter Donnerschlag folgte--und noch immer kein Regen, nur der Sturm peitschte durch die Straßen.
Friede! bebte am ganzen Körper, er wollte sich erheben, doch vergebens war sein Bemühen, seine schwachen Stifte versagten bei der ihn schüttelnden Angst.
Da — ein neuer, greller Blitz, der die Finsternis sekundenlang unheimlich hell durchleuchtete, und mit ihm zugleich ein tosender, knatternder Schlag--eS war, als erbebte die Erde und sollte daS Haus auSeinandergeriffen werden. Und jetzt endlich prasselte der Regen mit elementarer Gewalt hernieder.
Lena hatte sich über den Bruder gcworsen, ihm den Blitz zu verhüllen. Nun richtete sie sich auf--Friede! lag still mit geschlossenen Augen im Stuhl.
„Friede! I" tief Lena. Er antwortete nicht. „Friede!!" tief sie nochmals, ihn rüttelnd.
Er hörte nicht.
in seinen Hauptteilen hierunter abgedruckten Haushaltsetats des Kreises Hersfeld für das Rechnungsjahr 1912 wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen und alsdann genehmigt. Daraufhin wurde der ordentliche Etat in Einnahme und Ausgabe auf 207 164,78 Mark und der außerordentliche Etat auf 1514 828,77 Mark festgestellt.
Die zur Erhebung gelangenden Kreissteuern wurden neben Beibehaltung der Kreiswegesteuer auf 39 % aller direkten Steuern festgesetzt.
einnabme.
Aus Vorjahren . ' . Vermögensverwaltung
Aus gemeinschaftlichen Einrichtungen und Anstalten des Kreises .
Dem Kreise überwiesene Gebühren Dotationen etc. . .
Unterhaltung der Landwege .
Kreisabgaben.....
Zurückerstattung von Vorschüssen und Durchlaufende Posten.
Insgemein.....
Kreisbahn Hersfeld-Heunboldshausen (siehe außerordentlicher Etat)
Summa der Einnahme
Titel
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
Betrag
Mk. >Pf.
1541
53
1955
80
20
_
5143
—
10253
—
13560
—
152405
25
5100
_
7646
20
9540
—
207164‘ 78
Titel
Husgabe.
Betrag
Mk.
Pf.
1.
Aus Vorjahren > -» . .
-—
—.
2.
Vermögensverwaltung
850
80
3.
Kreisverwaltungskosten .
38450
4.
Jmpswesen.....
1090
—
5.
Maaß- und Gewichtsrevisionen
—
—
6.
Für gemeinnützige Einrichtungen und
und wohltätige Zwecke
36286
98
7.
Leistungen an den Bezirksverband .
33851
80
8.
Landwegeunterhaltung
50342
91
9.
Kreisschulden......
39665
—
10.
Vorschüsse und durchlaufende Posten
5100
—
11.
Insgemein .....
1527
29
Summa der Ausgabe
207164
7 8
Punkt 4 der Tagesordnung.
Die Ordnung über die Besoldungsgrundsätze für die Beamten der Hersfelder Kreisbahn wurde in der vom Kreisau'schuß vorgeschlagenen Weise genehmigt.
Punkt 5 der Tagesordnung.
Der Antrag des Kreisausschusses, betreffend die Regelung der Ziegenbockhaltung im Kreise Hersseld wurde in der vom Kreisausschuß vorgeschlagenen Weise
Sie netzte seine Stirn mit Wasser, hielt ihm stark duftende Essenzen an die Nase--er rührte sich nicht.
Und weiter tobten draußen die entfesselten Elemente,
In haltloser Angst rang sie die Hände.
„Einen Arzt! Wenn ich doch einen Arzt zur Stelle hätte!" ES blieb ihr keine Wahl, sie mußte Hilse holen.
Wie sie war, rannte sie auf die Straße. Der Regen fiel ihr so schwer entgegen, daß sie säst zurücktaumelte. Der Fahr- damm war überschwemmt, der Sturm jagte daS wir in einem Bach dahinfließende Wasser vor sich her.
„Nur weiter", dachte Lena, deren Augen keine drei Schritte weit den Regen durchdringen vermochten.
Da prallte sie mit einem Passanten zusammen. Er trug eimn Schirm und war in einen Lodenmantel gehüllt.
„Pardon!" hörte Lena und — „Walter!" schrie sie aus, dem Unbekannten inS Gesicht sehend.
„Fräulein Lena, wie sehen Sie aus ! WaS ist passiert
„Mein Bruder! Ich muß zum Arzt! Wenn er mir stirbt --er liegt allein im HauS!"
„Kehren Sie um, Lena, ich gehe--wo wohnt der Arzt?"
„Dort drüben über die Straße fort, daS dritte HauS."
„Ich hole ihn, und wenn nicht den, einen andern-- hier meinen Schirm, Lena, eilen Sie — Sie sind ja ganz durchnäßt!'
Sie stürzte zurück. Friede! lag noch unverändert. Sie rief ihn nochmals an — umsonst. Sie versuchte, ihn in die Arme zu nehmen, um ihn vom Fenster sortzutragen, aber — bebend vor Auflegung, fand sie nicht die Kraft dazu.
Ihre Blicke flogen durchS Fenster — — wie lange sie wohl so warten mußte in der marternden Untätigkeit! Da huschten jtuci Gestalten vorüber. Sie flog zur Tür. ES war Walter mit dem Arzt.
„Nun, wo haben wir denn den Patienten?" fragte Doktor Ritter eintretend.
Er beugte sich über den Kranken und lauschte. Dann richtete er sich auf.
„ES ist eine tiefe Ohnmacht, Fräulein Lena, ängstigen Sie sich nicht!"
genehmigt, hiernach wird die den Gemeinden nach dem Gesetz vom 12. Juni 1909, Gesetz-Sammlung Seite 675, obliegende Verpflichtung zur Anschaffung und Unterhaltung von Ziegenböcken widerruflich auf den Kreis übernommen, soweit die Gemeinden die Kosten der 1. Anschaffung dem Kreis mit 1,60 Mark pro Ziege erstatten. Für Benutzung der Ziegenböcke soll eine Gebühr von 1,25 Mark erhoben werden.
Zu den Unterhaltungskosten und zu den Kosten für Ergänzung des Ziegenbockbestandes wird ein JahreS- Zuschuß von 1500 Mark und zu den Kosten für die Beaufsichtigung der Bockhaltung sowie zur Verteilung von Prämien für besonders gute Haltung der Ziegenböcke ein Zuschuß von 500 Mark aus Kreismitteln bewilligt.
Punkt 6 der Tagesordnung.
Die von den Gemeinden Heimboldshausen und Friedlos eingenommenen Wanderlagersteuer-Beträge von 120 Mark beziehungsweise 30 Mark sollen diesen Gemeinden auf ihre zu entrichtenden Kreisabgaben vorweg in Anrechnung gebracht werden.
Punkt 7 be-r Tagesordnung.
An Stelle der am 1. Juli d. Js. ausscheidenden Mitglieder des Kreisausschusses:
1. des Herrn Gutsbesitzers Adolf Reinhard in Unterweisenborn,
2. des Herrn Bürgermeisters Döring in Sieglos wurden
1. Herr Rentner H. Bätz von Hersseld,
2. Herr Bürgermeister Döring von Sieglos gewählt bezw. wiedergewählt.
Punkt 8 d T aa,es o rdnun g.
Mit Prüfung der K-'e^commuhalsaffe^ für das Rechnungsjahr 1911 wurden die Herren:
1. Rentner L. Auel, hier,
2. Bierbrauereibesitzer H. Engelhardt, hier beauftragt.
Punk t 9 d er Ta ge s o rd n un g.
Zu Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten des Kreises Hersfeld zur Mitwirkung bei der demnächst stattstndenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1913 wurden gewählt:
A. Für den Amtsgerichtsbezirk Friedewald.
1. Apotheker Grede in Friedewald,
2. Bürgermeister Budesheim daselbst,
3. Gutsbesitzer Aug. Hoßbach in Hof Weisenborn,
4. Bürgermeister Gebauer in Heringen,
5. Bürgermeister Brandenstein in Heimboldshausen,
6. Bürgermeister Mohr in Wölsershausen,
7. Bürgermeister Sippel in Bengendorf.
B. Für den Amtsgerichtsbezirk Hersfeld.
1. Apotheker L. Becker hier,
2. Rentner L. Auel hier,
Lena taumelte — sie verlor fast die Besinnung, da die grauenhafte Angst von ihr genommen war. Doch Walter schützte sie vor dem Fall und bat mit weicher Stimme:
„Wechseln Sie Ihr Kleid, Sie werden sich sonst erkälten. Ich bleibe hier bei Ihrem Bruder."
Folgsam schritt sie hinaus.
Während draußen daS Unwetter allmählich vorüberzog, schmiegte sie ihre Glieder in ein warmes, weiches Wollkleid.
AlS sie wieder inS Zimmer trat, war der Arzt bereits gegangen, und Friede! lag auf dem Sofa. Walter saß bei ihm, die Hand deS Knaben in der seinen haltend.
„Da ist er wieder, Fräulein Lena! Er glaube, er habe geschlafen."
Die Hand deS Bruders streckte sich ihr entgegen.
„Sieh doch mal, Lena, wer hier ist! Und denke doch, Herr Bern hat mir versprochen, daß er bei unS bleibt-- den ganzen Tag!"
Lena trat näher, verwirrt und verwundert.
„Ja---aber — die Landpartie, ich denke-- wie kommen Sie denn überhaupt hierher?"
Walter lachte.
„DaS ist ein eigener Ding Fräulein Lena, daS muß ich Ihnen erzählen."
Er zog die Besangene neben sich auf einen Stuhl. Und während Friede! mit glücklichem Gesicht zu den beiden hin- schaute, berichtete er:
„Ich hab' nämlich heute ganz gründlich die Zeit verschlafen. AIS ich erwachte und mich noch so recht schlaftrunken reckte, da — — begannen schon die Glocken zum Kirchgang zu läuten! Ich sprang auf, öffnete daS Fenster und kuschelte mich inS Bett zurück. Himmel, war daS schön und feierlich, daS sonnendurchflutete Zimmer, die Lust so klar und rein und dazu der Glockenklang--ganz andächtig wurde mir zu Mut. Und wie ich mir nur noch daS Bild der Liebsten vor die Seele zaubern will, um mit ihr in dieser weihevollen Stunde zu sein, da — — blicke ich plötzlich in Ihr lieber Gesicht, Lena! Sie waren so traurig und hatte die Hände ineinander gefaltet. Ich versuchte, mit Erna? Gestalt zu vergegenwärtigen — aber vergebens, ihr Bild zerrann--