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herzftlder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 57. Dienstag, den14. Mai twi

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 6. Mai 1912.

Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern des Kreises geben in den nächsten Tagen die BetriebSsteuer-Rollen zu.

Die BetriebSsteuern find bis zum 10. Juni d. Js. an die KreiSkommunalkasse abzulicsern.

I. No. 1029. Der Landrat

von Grunelius.

HerSscld, den 8. Mai 1912.

Die Maul- und Klauenseuche in ErSrode, Kreis Roten- burg, ist erloschen.

I. 5666. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Das Betreten der Domänen» Wiesen and Ländereien ist bei Strafe verboten. Eltern haften für ihre Kinder. BingarteS, den 8. Mai 1912.

Der Gutsvorstand.

nichtamtlicher Teil.

Hit Sijtruui der deutschen Wehrrefurm.

Der Reichstag hat vergangene Woche die neue HeereSvor- läge, welche die bekannten Verstärkungen und Neusormationen deS deutschen HeereS enthält, in zweiter Lesung nach verhält­nismäßig nur kurzer Debatte mit großer Stimmenmehrheit nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen, lcdialich die Polen und die Sozialdemokraten stimmten gegen die Vorlage. Demnach darf die projektierte Verstärkung deS deutschen HeereS und die hiermit zusammenhängenden militärischen Neuerungen als gesichert gelten, denn die noch auSstehende 3. Lesung der Militär- vorlage ist ja nach Lage der Verhältnisse lediglich parlamen­tarische Formsache. Die deutsche Volksvertretung hat demnach durch diese Abstimmung in einer für daS deutsche Reich wich, tigen nationalen Frage volles Verständnis für die herrschende europäische Situation gezeigt, welche Deutschland ungeachtet seiner allbekannten ausgesprochenen Friedensliebe zur fortgesetz­ten Vervollkommnung seiner Wehrhastigkeit und militärischen Schlagsertigkeit zwingt, um sich von möglichen kritischen Ereig- Nissen nicht überraschen zu lassen, sondern allzeit aktionSbereit dazustehen. Nur mit großer Genugtuung kann diese Ein­mütigkeit wenigstens der bürgerlichen Parteien des Reichstages in der so bedeutsamen HeereSangclcgcnheit festgestellt werden,

teuer erkauft!

Roman von HanS Bleymüller.

(Fortsetzung.)

Die Wirtin zur Krone war, als sie den Wagen rollen hörte, die Hände an der blauen Schürze trocknend, geschäftig nach der Türe gelaufen, um die späten Gäste zu bewillkommnen ; die in ihrem behäbigen Gesichte bereits zusammengeströmte Freundlichkeit zerteilte sich aber schnell, als ihr, noch im Flur, Marthchen entgegenkam.

Wie könnt ihr denn nur so lange im Walde rumlausen! Du mußt doch wissen, daß eS zu Hause alle Hände voll zu tun gibt. So paar junge Mädchen schalt sie.

»Wir waren in Birkeneck!" erklärte Martha abgespannt. DaS war wohl da« Birkenecker Geschirr? Wer hat denn gefahren?" fragte Mutter Wedemann mißtrauisch.

Herr Hartmann selber."

Frau Wedemann sagte nichts. Martha folgte ihr in die Küche. Vorsichtig forschte die Mutter, im Aufwaschen fort­während :Wie sieht es denn dort auS?" Martha schilderte. Ihre Mutter hörte mit Befriedigung die Enttäuschung auS dem Berichte. Bedeutend freundlicher klang ihre Stimme: ,3a, Marthchen, da? mußt du doch wissen, du bist doch in der Stadt gewesen, daS ist bei solchen Leuten so. Neue Wagen, teure Pserde, eingebildete Krankheiten, und dahinter ist nichts! Jst'S nicht so? Solide bleibt solide! Da lobe ich mir doch so einen Mann wie den Hüttich. Wenn der auch nicht so scharwenzeln kann, aber in der Farbe ist doch zum wenigsten Grund. Er war heute wieder da!" Mutter Wede­mann stürzte einen Tops aus daS Brett.

Marthchen sagte nicht?.

Er hat auch nach dir gefragt."

Marthchen sagte gelangweilt:So?"

Mutter Wedemann ärgerte sich. Tasten und Teller klapperten in dem fettigen Wasser.

«So ein Mann, wie der dasteht! Ich bin neugierig, ob der noch heiratet!" heuchelte die Mutter.

und wenn die fozialdemokratifche Fraktion in trauter Gemein- schast mit den deutschseindlichen Polen hierbei wiederum die an ihr schon gewohnte negative Haltung in nationalen Dingen bekundet hat, so erfährt hiermit die Zustimmung der bürgerlichen Parteien deS Reichstages zur Heeresverstärkung nur eine um jo hellere Beleuchtung und man wird vielleicht hoffen dürfen, daß eine solche geschlossene Stellungnahme der nationalen Mehrheit deS deutschen ReichSparlamentS zugunsten der Heeresorganisation auch auf daS AuSland, möge eS dem Deutschen Reich jreundlich oder feindlich gesinnt sein, nachhal­tig Eindruck machen werde. Zwar fehlt eS in den patriotisch gesinnten Kreisen deS deutschen Volkes nicht an Stimmen, welche meinen die jetzt beschlossene deutsche HeereSverstärkung hätte noch wuchtiger nach außen gewirkt, wenn sie noch voll, kommener ausgefallen wäre und namentlich eine über die Zahl von rund 29 000 Mann hinauSgehende Vergrößerung deS FriedenSpräsenzstandeS deS deutschen HeereS ausgewiesen hätte. Indessen, eS muß da auch mit den Finanzen deS Reiches gerechnet werden, und sie erlauben zurzeit noch keine writer- gehende militärische Verstärkung, als sie in der HeereSvorlage ausgesprochen wird; immerhin kann daS deutsche Volk schon mit dem waS im Rahmen der jetzigen Vorlage zu erreichen ist, zufrieden sein.

Nun harrt allerdings noch der zweite Teil der in Angriff genommenen deutschen Wehrreform, die Marineverstärkung, noch seiner parlamentarischen Erledigung, die hierauf bezügliche Bor­lage unterliegt einstweilen der Vorberatung der Budgetkommission deS Reichstages. Aber eS besteht schon jetzt nicht der geringste Zweifel daran, daß auch die Marinevorlage die Zustimmung aller nationalen Parteien deS Reichstages finden und daß sich für sie eine ebensolche imponierende parlamentarische Mehrheit herausstellen wird, wie bereits für die HeereSverstärkung, wo­mit alSdann daS Deutsche Reich zu Lande wie zu Wasser mit einer nicht unerheblich verstärkten Rüstung dastehen wird. Jedenfalls werden beide Wehrvorlagen bis zu Pfingsten vom Reichstage definitiv verabschiedet sein, über welches Verhältnis- mäßig rasche Tempo, welcher daS HauS in ihrer Behandlung eingeschlagen hat, sicherlich in den weitesten Kreisen der Nation ungeteilte Befriedigung herrschen wird. Freilich bleibt auch nach der Verabschiedung der Wrhrvorlage noch immer Unklarheit betreffs der Frage der Kostendeckung bestehen, denn die Verhandlungen der besonderen Reichstagskommission, welche mit der Erörterung der DeckungSvorlage, also der regierungs­seitig gemachten Vorschläge, auS den Ergebnissen der Auf­hebung derLicbeSgabe" an die Brenner, wenigstens eine teilweise Deckung der Wehrvorlagenkosten zu erzielen, vertraut ist, haben ein höchst unbefriedigtes Resultat gezeitigt, die Deckungsvorlage gilt infolgedessen beinahe schon alS gescheitert. Aber eS wird schließlich auch hierüber eine Verständigung zu­standekommen, und eS tut nichts, wenn diese Frage einstweilen vertagt werden muß, denn die Hauptsache bleibt doch, daß die eigentliche Wehrreform rasch zustande kommt, waS ja er­freulicherweise alS gesichert zu betrachten ist.

Warum denn nicht?" warf Marthchen gleichgültig hin. Ihre Mutter war schon zufrieden, daß sie überhaupt etwa- dazu sagte, und begann nun redegewandt die Annehmlichkeiten des Lebens einer zukünftigen Frau Hüttich in dem schönsten Lichte darzustellen, in dem Licht eines freudigen Schwieger­mutterblickes.

Marthchen ließ das alles völlig teilnahmlos über sich ergeben, weck sie einfach zu müde war, aufzustehen, bis die Mutter mit Enttäuschung gewahrte, daß ihre vermeintliche Hörerin, den Kops auf den verschränkten Armen, am Tisch eingeschlasen war.

Du kommst recht spät I" empfing verdrießlich Frau Ober- förster a. D. Hermine Hartmann geb. von Amberg ihren Sohn, alS dieser kurz vor 9 Uhr daS von roter Ampel magisch übergossene kleine Gemach betrat.

Doch habe ich Fritz tüchtig lausen lassen!" erwiderte Heinrich entschuldigend, indem er ihr gegenüber in einem für feine Gestalt lächerlich kleinen Stühlchen auS bronziertem Rohr Platz nahm.

Hast du dich bei den MüllerSleuten ausgehalten?' fragte mit impertinent hochsahrendem Tone die edelgeborene Mutter.

Bei HartmannS?" fragte Heinrich scharf entgegen.Nein, ich habe die Mädchen am Gasthaus abgesetzt, um möglichst zeitig wieder hier sein zu können."

Frau Hartmann suhr sich mit dem zarten Epitzentaschen- tuch über den Mund, ein spitze? Lächeln verbergend.Recht, daß du sagst .Mädchen' und nicht.Damen'!" ES war nicht deutlich, ob sie hüstelte oder lachte.

Heinrich kannte den hochmütigen Sinn und den spöttischen Ton feinet Mutter nur zu gut. Er wußte, wie diese über- legene Vornehmheit ihr in jüngeren Jahren, vor zehn Jahren noch, vorzüglich gestanden hatte, wenn sie sich oben in West- preußen inmitten der glänzenden Gesellschaft geladener GutS- nachbarn mit vollendeter Sicherheit bewegte.

Indessen die Zeiten und die Verhältnisse hatten sich ge­ändert, das vornehme Wesen hatte mehr gekostet als daS Ge­halt eines Oberförsters, mehr noch als die Stellung eines solchen, und gar die Pension eines überschuldeten Oberförsters

Reichstag.

Im Reichstage wurden am Sonnabend bei der Beratung deS Militäretats die alten Beschwerden über Bevorzugung deS AdelS im OffizierkorpS, Zurücksetzung der Juden, mißbräuchliche Verwendung deS Militärs, Eoldatenmißhandlungen usw. noch einmal erörtert. Namentlich aber beschäftigten sich mehrere Redner eingehend mit der politischen Tätigkeit der Krieger­vereine. Der ZentrumSabgeordnete Dr. Trendel trat für schärfere Bestrafung der Spionage ein, wurde in seinen Aus­führungen aber vom Vizepräsidenten Paasche unterbrochen, da diese Frage beim Justizetat zu erörtern sei. Der Abge­ordnete Dr. Müller (Meiningen) empfahl zwei fortschrittliche Resolutionen, von denen die eine systematische Jugendpflege fordert und die andere den Reichskanzler ersucht, eine Ver­kürzung der Dienstzeit für die körperlich und geistig besser Vorgebildeten in die Wege zu leiten. Der Kriegsminister von Heeringen bestritt die Berechtigung der meisten Be­schwerden und wiederholte seine schon gestern abgegebene Erklärung, baß die Kriegervereine nicht ihm, sondern dem Minister deS Innern unterstehen. Eine Berücksichtigung der Wünsche wegen Herabminderung der Dienstzeit glaubte er nicht in AuSsicht stellen zu können. Zum Schluß bat er, nicht die schmutzige Wäsche deS HeereS vor aller Oeffentlichkeit zu waschen; denn wenn auch der Deutsche wisse, waS er an seiner Armee habe, so könnten dadurch doch im AuSlande Zweifel an der Vorzüglichkeit der Armee hervorgerusen werden.

Die Budgetkommission deS Reichstag? begann am Sonnabend nach Erledigung der Reste deS MilitäretatS die Beratung der Novelle zum Flottengesetz. Der Referent v. Thünefeld (Ztr.) hielt die Novelle für geeignet, die zutage getretenen Mißstände bei unserer Flotte zu beseitigen und ihre Kriegsbereitschaft zu erhöhen. Der Mehrbedarf an Offizieren und Mannschaften betrage 8274 Mann.

Ein sozialdemokratischer Abgeordneter bemerkte, die Vorlage habe nicht nur eine militärische, sondern vielmehr eine politische Bedeutung. Jede Vermehrung der Flotte habe eine bestimmte Wirkung auf daS AuSland, aber auch auf die Finanzlage deS Reiches. Da müsse die BedürfniSfrage aufgeworfen werden und ferner die Frage, ob durch die Flotte unser Handel geschützt und gesichert werde. Die Vorlage sichere nicht den Frieden, vielmehr gefährde sie ihn. Deshalb lehnten die Sozialdemokratin sie ab.

Der Führer der Nationalliberalen widersprach dem sozial- demokratischen Bonedner. Die Vorlage sei so maßvoll, daß man von einem aggressiven Charakter gar nicht spreche» könne. Niemand, auch England nicht könne Anstoß an der Vorlage nehmen. Er und seine Freunde würden ihr zustimmen. Ein Mitglied der Fortschrittspartei erklärte, die Vorlage ver­ursache ihm schwere Sorge. Unser Verhältnis zu England werde durch sie kaum günstiger. Aber unsere Flotte leide an einem Moment der Schwäche dann, wenn im Herbst die

a. D. Dieser anspruchsvolle Wesen hatte seinem Vater daS Leben gekostet.

Er liebte seine Mutter, aber dieser völlige Nichtanpafsen- können an die finanziellen Verhältnisse kam ihm manchmal geradezu grauenhaft krankhaft vor. Er wußte, daß sie auS gänzlich verarmten Verhältnissen kam. Er wußte auch, daß er selber arm war.

Noch nie aber war ihm der Dünkel seiner Mutter so schmerzlich gewesen alS heute abend. DaS WortMüllerS- leute" war mehr als ein Spott, er faßte eS auf als eine persönliche Beleidigung, und nur feine Erziehung hinderte ihn, diesen Ausdruck energisch zurückzuweisen.

Einige Sekunden rieb er überlegen die Hände, dann sagte er mit kaum bemeisterter Erregung:Liebe Mama, erlaube mit eine Erklärung, die zu wiederholen ich hoffentlich niemals wieder gezwungen werde. Unmöglich kannst du hier in deinem traulich eingerichteten Heim die Tatsache vergessen haben, daß . . . hm. . . daß die übrigen Räume dieses Schlößchen? einer gleichen traulichen Einrichtung entbehren. Bitte, höre mich weiter, da wir schon einmal von dieser heiklen Sache sprechen müssen. Mit wenig Worten: wir sind atm, sehr atm. Ich sage dir nichts Neues. Von dir geht beständig die Anregung auS, durch eine Heirat ... hm ... mehr Gemütlichkeit in dieses reizende ForsthauS zu bringen, du ver- stehst mich ?" Mama hatte daS bleiche Gesicht nach der Wand gewendet und gab sich den Anschein, als höre sie überhaupt nicht zu.

Durch diese Nichtachtung unbeirrt, fuhr Heinrich ernst fort:Nachdem nun schon einmal unsere Verhältnisse so liegen, daß der Geldpunkt nicht übersetzen werden darf, so muß ich dir doch erklären, daß er sür mich niemals nur ganz allein in Betracht kommen wird.

Er wurde wärmer.

Ich will daS reiche Mädchen, daS ich nun einmal wählen muß, auch achten, ja lieben können."

(Fortsetzung folgt.)