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herrfel-er Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 55.
Donnerstag, den 9» Mai
1912.
Amtlicher teil
HerSseld, den 3. Mai 1912.
In der KreiStagSsitzung am 27. April d. 38. ist die Erhebung einer allgemeinen Kreissteuer in Höhe von 39 % der sämtlichen direkten StaatSsteuern für daS Rechnungsjahr 1912 beschlossen worden.
Neben dieser allgemeinen KreiSsteuer sind, wie bisher von den Landgemeinden und GutSbezirken des Kreises mit Ausnahme der früher mit Landwegebauaufgaben nicht belasteten Gemeinden Hersfeld, Frielingen, Heddersdorf, Kalkobes und Niederjossa noch 7200 Mark alS Vorausleistung zur Unterhaltung der Landwege aufzubringen. Dieser Betrag stellt weitere 4,10 % der sämtlichen direkten Steuern dar.
Auf die Stadt HerSseld und die vorgenannten 4 Landgemeinden sowie den Forst und DomänensiSkuS entfallen hiernach für daS EtatSjahr 1912 39 % der sämtlichen direkten StaatSsteuern als KreiSsteuer, während alle übrigen Gemeinden und GutSbezirke 39 % und 4,10 % = 43,10 % zu entrichten haben.
DaS Veranlagungsschreiben wird den Herren OrtSvor- ständen in Kürze übersandt werden. ES ist darin von einem Teile der im Interessengebiet der Bahn HerSseld—HeimboldS- hausen gelegenen Gemeinden auch die aus sie entfallende Vorausleistung zu den Kosten deS Grunderwerbs dieser Bahn angejordert worden.
Ich ersuche alsbald nach Empfang des Veranlagungsschreibens die Gemeindekasse mit Zahlungsanweisung zu versehen.
Die KreiSsteuer ist wie bisher einschließlich der Vorausleistungen in vierteljährlichen Raten und zwar bis zum 15. Mai, 15. August, 15. November und 15. Februar an die Kreis- kommunalkasse hier einzuzahlen. Bei jeder Zahlung ist das VeranlagungSschreiben zur Erteilung der Quittung hierauf mitvorzulegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. No. 2785. von Gruneli uS.
HerSseld, den 3. Mai 1912.
Ich bringe meine Versägung vom 16. März d. JS. I. Nr. 1526, im KreiSblatt Nr. 36, betreffend Einreichung der Hundesteuerhebeliste für daS Rechnungsjahr 1912 für die rückständigen Herren Bürgermeister und Gutsvorstände in Erinnerung und sehe der Vorlage der Listen nunmehr bestimmt bis zum 10. d. MtS. entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
3. A. Nr. 2727. von GruneliuS.
HerSseld, den 2. Mai 1912.
Der § 91 Abs. 5 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestimmt, daß mir von dem Gemeindebeschluß über die erfolgte Feststellung der Gemeinderechnung sofort eine Abschrift einzureichen ist. Nach
Quer erkauft!
Roman von Hans B l e y m ü l l e r.
(Fortsetzung.)
Auch Hedwig hatte mit großen Augen sich verwundert in dem großen kahlen Raume, der durch den gänzlichen Mangel an Fensterschleiern doppelt nüchtern erschien, umgesehen und zeigte herzlich wenig Interesse an den Erläuterungen deS Vetters.
Plötzlich unterbrach sie ihn: „Weißt du, Vetter Heini du könntest unS doch mal deine Bude zeigen!"
i Jetzt wurde aber der junge Mann dunkelrot. Eine Sekunde starrte er schweigend dem Kuschelköpfchen inS Gesicht, nicht in die Augen, dann zog er plötzlich seine Uhr und sagte besorgt: „Hedwig, ich glaube, wir müssen an den Heimweg denken. Wenn ich mich recht besinne, wollte Fräulein Wedemann zeitig wieder daheim sein?" setzte er mit einer sragenden, leichten Verbeugung zu dieser hinzu.
„Ach ja!" würgte diese hervor. Ihr kam der schneidige junge Mann Plötzlich so gequält vor, so unfrei, daß sie diese Wendung wie eine Erlösung auS einer peinlichen Lage begrüßte. Sie wandte sich dem EaalauSgange zu, wohin Heinrich Hartmann sogleich folgte. Hedwig begriff zwar nicht, daß die Besichtigung einer Junggesellenbude so sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Die Lippen deS kleinen MundeS wölbten sich trotzig, aber mit Rücksicht auf ihre Freundin fügte sie sich diesmal.
Durch ein Flurfenster rief Heinrich in den Hof hinab: -Da» Breck anspannen I" Hedwig war unterdessen Marthchen «achgekommen und hatte sich gedankenlos bei ihr „eingehenkt." "ttzt erst fiel Martha Wedemann die Oede deS weißgetünchten, großen FlurraumeS auf. Alle Anzeichen deS BewohntseinS schienen um da» Zimmerchen der vornehmen alten Dame zusammengedrängt zu sein. Neben der Eingangtztüre L?iksrm befand sich ein Garderobentischchen mit hohem Spiegel.
Absatz 4 des genannten Paragraphen ist der FeststellungS- beschluß herbeizusühren, ehe die Rechnung während der vorgeschriebenen Zeit von zwei Wochen zur Einsicht der Gemeindeangehörigen auSgelegt wird. Diese Bestimmung ist schon wiederholt außer acht gelassen worden. Indem ich die Herrn Bürgermeister auf diese gesetzliche Bestimmung besonders Hinweise, erwarte ich bestimmt, daß mir der betreffende Gemeindebeschluß bis spätestens zum 15. Juni d. JS. in Abschrift vorgelegt wird.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. No. 2725. von GruneliuS.
HerSseld, den 3. Mai 1912.
Der LandwirtschastSkammer-AuSschuß für Oberhessen wird am 29. Mai d. JS. in AlSseld (Oberhessen) eine Zuchtviehauktion für Simmenthaler Bullen und deutsche Edclschwcin- Eber abhalten. Aufgetrieben werden nur Tiere, die in die Herdbücher der LandwirtschaftSkammer eingetragen sind und von Original- oder reinrassigen Tieren abstammen.
Interessenten ist besondere Gelegenheit geboten, gute Zuchttiere zu erwerben. Die Auktion der Bullen beginnt vormittags 11 Uhr und diejenige der Eber nachmittags 2 Uhr. Der Austrieb findet am 29. Mai vormittags V2Ö bezw. 11 Uhr auf dem Lindenplatz in AlSseld statt. VersteigerungSbestimmungen und Kataloge find aus Wunsch vom 22. Mai ab durch den LandwirtschaftSkammer-AuSschuß in Gießen zu beziehen.
I. I. 5187. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 6. Mai 1912.
Der Landwirt Johannes Horst zu Hilpcrhausen ist als Fleisch- und Trichinenbeschauer für die Gemeinde Hilperhausen bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. 5587. Der Landrat.
I. A.:
Wesfel, Kreissekretär.
HerSseld, den 2. Mai 1912.
Im deutschen Reiche sind folgende RegierungS-Bezirke und BundeSstaaten, welche nicht in Regierungsbezirke eingeteilt sind, mit Maul- und Klauenseuche verseucht:
Königsberg, Gumbinnen, Allenstein, Danzig, Marienwerder, Berlin, PotSdam, Frankfurt, Stettin, KöSlin, Etralsund, Posen, Bromberg, BreSlau, Liegnitz, Oppcln, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, SchleSwig, Hannover, Hildesheim, Lüne- burg, Stade, Osnabrück, Aurich, Münster, Minden, ArnSberg, Cassel, WieSbaden, Koblenz, Düsseldorf, Cöln, Trier, Aachen, Sigmaringen, Oberbayern, Niederbayern, Psalz, Oberpsalz, Obersranken, Mittelsranken, Untersranken, Schwaben, Bautzcn, DreSden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, NeckarkreiS, Schwarz- waldkreiS, JagstkreiS, Donaukreis, Konstanz. Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Starkenburg, Oberhessen, Rheinheffen,
Der Gegensatz wirkte doppelt stark, als die jungen Mädchen zum Abschiednehmen daS erwärmte Gemach, in dem der aromatische Duft des TeeS schwebte, wieder betraten. Frau Oberförster erhob kaum daS Haupt aus den schwellenden Kissen, befahl Hedwig mit runder Stimme einen Gruß an die Eltern, sagte nachlässig kühl: „Adieu, mein Kind!" zu Marthchen und mahnte Heinrich, sobald als möglich zurück zu fein. Er rückte noch ein wenig an Kissen und Fußbank, fragte nach etwaigen Wünschen, die Mama kopfschüttelnd verneinte, und verabschiedete sich mit einem höflich-zärtlichen Handkuß.
AlS er hinauStrat, tanzte gerade Rujchelköpfchen wie besessen um die abwehrend lächelnde Freundin, wobei sie triumphierend ein verschnürtes Päckchen schwang. Hedwig hotte ihr „Futter" unter ihrem Hute glücklich wieder vorge- gesunden.
Im Hose hielt jenes Dienstmädchen den Rappen. Hedwig achtete nicht darauf, sie musterte mit entzückten Blicken 'daS reizend gebaute Jagdschlößchen mit seinen Türmchen und Erkern.
Heinrich hatte wie zufällig MarthaS Augen gestreift. Die hatten ihn so groß, so fragend, so verwundert, jo bedauernd angeschaut. Er kam sich surchtbar unmännlich vor gegenüber diesem Blick der fremben Augen. Er richtete sich stramm aus: „Nun bitte, meine Damen, aufgeseffen!"
Bald rollte daS Gejährt in scharfem Tempo auS dem Hofe. Hedwig saß rückwärts gewendet, sie konnte sich noch immer nicht loSreißen von dem Hause, von dem Marthchen eine seltsame, drückende Scheu mitnahm.
Die Mädchen saßen sich gegenüber, aus dem Bock vor ihnen kutschierte Heinrich in tadelloser Haltung. Verstohlen betrachtete Marthchen seine bis auf den martialisch gedrehten Schnurrbart weichen GesichtSzüge. Sie wußte nicht warum, aber der junge Mann da vor ihr tat ihr furchtbar leid. Den drückte sicherlich eine geheime Qual. Jetzt war'S ihr auch, als ob seine voraus auf den Weg gerichteten Augen recht traurig, zum mindesten sehr ernst blickten.
Vielleicht war'» Einbildung.
Hedwig» Ruschelköpfchen war nur immer hin und her
Mecklenburg-Schwerin, Sachjen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz' Oldenburg, Lübeck, Birkenjeld,Braunjchwcig,8achsen-Meiningen, Sachsen-Ältenburg, Coburg, Gotha, Anhalt, Schwarzburg- Sondershausen, Echwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuß älterer Linie, Reuß jüngerer Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen, Hamburg, Unter-Elsaß, Ober-Elsaß, Lothringen.
3. I. Nr. 5383. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, Kreissekretär.
Das Betreten der Domimen- Wielen und Ländereien ist bei Strafe verboten. Eltern hasten für ihre Kinder. Bingarte», den 8. Mai 1912.
Der Gutsvorstand.
Gefundene Gegenstände:
Ein Vorhängehaken. Meldung bei Eigentümers bei dem Ortsvorstand in KathuS.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Die Budgetkommission deS Reichstags, die bereits in der vorigen Woche die Anforderungen der HeereSvorlage in bezug auf die Kommandobehörden usw., ferner die Ergänzungen für die Infanterie, Kavallerie, Fußartillerie, Pioniere und den Train bewilligt hatte, genehmigte gestern für die Feldartillerie 30 neue Batterien, Etatserhöhungen an Mannschaften und Pferden bei über 100 Batterien sowie die Umwandlung der reitenden Abteilungen von 2 Batterien zu 6 Geschützen in solche von 3 Batterien zu je 4 Geschützen. Bei den Verkehrs- truppen ist neben einer Verstärkung deS Krastfahrbataillon» eine Funkenkompagnie und eine Fliegertruppe vorgesehen. Die derzeitige französische Ueberlegenheit im Fliegerwesen wurde anerkannt, aber die Militärverwaltung konnte mitteilen, daß die Fortschritte auch in Deutschland besonders in der Qualität erfreulich sind. Die Kommission stellte sich auf den Standpunkt, daß die nationale Fliegerfpende nicht unter daS Budgetrecht bei BundeSratS und bei Reichstags fällt. Aus der Debatte ist folgendes hervorzuheben:
Auf Anfrage hin teilte Generalmajor Wandel mit: Da der niedrige Etat, der nur 4 bespannte Geschütze für die jährende Artillerie Vorsicht, besonders ungünstig ist für die Grenzschutzbatterien, ist bereits im Vorjahre die Umwandlung von 24 Batterien auf den mittleren Etat durchgejührt. Jetzt sollen weitere 60 jährende Batterien herausgesetzt werden. Da etwa zwei Drittel der Pferde auS MobilmachungStieren zu
geflogen. Sie schwärmte: „Großartig! Gottvoll! Entzückend ! usw. Dabei patschte sie aufgeregt auf die Rückenlehne. Endlich rief sie: „Fahr doch schneller, Heini! Ach, wenn man so dahinfliegt! Du, laß mich mal sahren!"
Ehe er etwa? erwidern konnte, war sie von ihrem Eitz aufgesprungen und stand schon mit einem Bein auf dem Vordersitze.
„Nicht doch!" rief i'eini, mußte aber doch die Zügel anziehen, um ein HinauSstürzen des jchncllcntjchlofsencn Mädchens zu verhindern. Sie ließ nicht ab.
„Rück zu! Gib her die Zügel!" Sie nahm, sie riß sie ihm aus der Hand und setzte sich mit einem stolzen, zufriedenen : „So" auf, echt. Er breitete sorgsam die Decke über ihre Knie.
Man hatte die Hälfte deS Berges zurückgelegt. Der Rappe kletterte leicht, aber dem Sausewind nicht schnell genug. „Die reine Schneckenpost. Ich will dir!" rief sie plötzlich und dabei riß sie auch schon die Peitsche aus dem Halter. Heinrich fuhr erschrocken zu, aber indem Hedwig mit bet die Zügel haltenden Hand zurückfuhr, sührte sie einen klatschenden Hieb gegen die Flanken bei ahnungslosen PserdeS.
Der Ruck im Gebiß, der ungewohnte und unerwartete Schlag — daS Pserd ptallte zurück, versuchte zu steigen und jagte dann in wilden Sprüngen bergan. Der Wagen flog beständig von der einen Seite bei WegS zur andern, bald drohte er an den aufstrebenden Felsen zu zerschellen, bald über den gähnenden Abgrund zu stürzen.
Hedwig hatte mit einem Schrei Peitsche und Zügel fallen lassen. Zum Glück fing Heinrich die Zügel auf, und seinem Geschick gelang ei denn, bai rasende Pferd zum Stehen zu bringen. Ohne ein Wort zu sagen, mit fest auseinander gepreßten Lippen und finster zusammengezogener Stirn stieg er vorsichtig ab, klopfte daS Pserd leicht und sprach ihm beruhigend zu. Martha, vor Schreck leichenblaß, war besonnen genug, zurückzulaufen und die Peitsche zu holen. Heinrich nahm sie mit stummem Dank an und steckte sie an ihren Ort. BiS auf die Höhe führte er da» Pferd am Kopfe. (F. f.)