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herchl-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage”
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 54. Dienstag,Hn 7. Mai 1812.
Amtlicher teil
HerSseld, den 2. Mai 1912.
Der BefähigungSauSweiS deS Fleischbeschauers Wen! in Bengendors ist erloschen.
Ich habe seine Bestallung widerrufen und mit der Versetzung der Stelle biS aus Weiteres den Beschauer Burckhardt in WölserShausen beauftragt.
I. 5321. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 2. Mai 1912.
Den Herren OrtS- und GutSvorstehern deS Kreises werden in den nächsten Tagen die Karten über die diesjährige Anbau- Ermittelungen zugehen. Die Karten sind sorgfältig auszufüllen und eine derselben ist mir biS spätestens zum 20. Mai d. JS. zurückzusenden. Ich erwarte, daß der Termin genau ein- gehalten wird.
3. I. Nr. 5441. Der Landrot.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSseld, den 2. Mai 1912.
Ich bringe meine Rund-Versügung vom 22. März d. 38., I. I. Nr. 2642, wonach mir sämtliche OrtS-Polizei. Verordnungen zur Nachprüsung vorzulegen sind, in Erinnerung und sehe ihrer Erledigung biS zum 15. d. MtS. bestimmt entgegen.
I. 2642. Der Landrat.
3.
Wejjel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher Ceil
Reichstag.
Der Reichstag verhandelte am Freitag über die von seiner Geschäftsordnung-kommission vorbereiteten Aenderungen der Geschäftsordnung deS HauseS, welche sich aus die Einsührung der sogenannten kurzen Ansragen an den Reichskanzler und aus eine Reform deS VersahrenS bei eigentlichen Interpellationen beziehen; eS liegen hierzu abschwächende AmendementS von der Rechten vor. Im Beginne der Diskussion erklärte der Staatssekretär deS ReichSamteS deS Innern Dr. Delbrück namenS der verbündeten Regierungen, sie stünden aus dem Standpunkte, daß die vom Reichstag zu beschließenden Abänderungen seiner Geschäftsordnung weder eine Erweiterung seiner verfassungsmäßigen Rechte, noch eine Beschränkung der Verfassungsmäßigen Rechte deS Kaisers, der verbündeten Regierungen und deS Reichskanzlers herbeiführen und deshalb auch keinerlei staatsrechtliche Konsequenzen deS Reichskanzlers
teuer erkauft!
Roman von H a n S B l e y m ü l l e r.
(Fortsetzung.)
„Lieber Coufinchen, ich will dir mal waS sagen!" "Na I" lauscht« sie.
„Erstens scheint die Sonne nicht daS ganze Jahr; zweitens ist der Wald nicht immer grün, und Hirsche und Rehe darf man nicht immer schießen. Ich kann dir aber verraten, bis über die Knöchel im Morast stundenlang im schneidendsten Winde stehen und Holz verauktionieren, oder bei 10 Grad Kälte von einem Schlage zum andern stolpern, daS ist „Jägerlust."
Hedwig ließ sich nicht wersen. „Nun, bei schlechtem Wetter bleibst du doch zu Hause. Du hast doch deine Leute. Ach, so Tannenbäume um daS ForsthauS und Schnee drauf und im Zimmer Rehsclle und so mollig!"
„Jawohl, mollig!" seufzte Hartmann komisch und wischte Schweißperlen von der Stirn. „Fräulein Wede- mann, helfen Sie mir doch gegen den jugendlichen Unverstand."
„Ich denke mir'S im Winter furchtbar einsam im Walde!" sagte sie schlicht.
Hartmann sah sie fast dankbar an. „Sehr einsam ist eS dann," sagte er ernst.
,3a, weißt du, heirat mich doch," | te naiv Ruschel- köpfchen, „ich wollte dich schon von der Bärenhaut runterwälzen. Weißt du, da balgten wir uns einfach, wenn'S lang- weilig wird. Ach Gott, raufen tu ich zu gern." Dabei war sie vor Heinrich Hartmann hingetreten mit wahrer Mord- in den Augen und hätte am liebsten gleich hier eine kleine »algerei begonnen.
r 1^?, Iq6 w°l, sieh dir lieber den Wald an. Paß auf, " drinnen werden wir einen wundervollen AuS- bhd haben."
.. ^ h""t."icht zu viel versprochen. Ein Abgrund in dem me rotstämmigen Kiesern hinunterfliegen, unten ein schmale»,
gegenüber dem Reichstage haben könnten, darum vermöge sich auch die Regierung an den Beratungen über die geplanten Aenderungen nicht zu beteiligen, doch fei der Reichskanzler zur Beantwortung „kurzer Anfragen" nach Möglichkeit bereit. Alsdann verließen Dr. Delbrück und die übrigen anwesenden Regierung-vertreter die Sitzung, worauf der ZentrumSabge- ordnete Gröber kurz Bericht über die von der Kommission beschlossenen Abänderungen der GeschästSordnung erstattete und sie dem Plenum zur Annahme empfahl. In der Diskussion sprachen sich die Redner der Rechten, die Abgeordneten Kreth, v. Halem, Graf Westarp, Schultz-Bromberg und Graf Posa» dowSky, im Sinne der Konservativen AmendementS auS, welche auf eine Einschränkung der Tragweite der „kleinen Ansragen" zielen. Die Redner der anderen Parteien, die Abgeordneten Ledebour (Soz.), Lißt (Natl.), Dr. Müller- Meiningen (VolkSp.), Bell (gentr.) und Gröber (Zentr.) traten um so entschiedener für die unveränderte Annahme der Rom* missionSbeschlüsse ein. In der Abstimmung wurden sie denn auch unter Ablehnung der konservativen AmendementS unverändert genehmigt. Es folgte dann die Besprechung der neuen Bestimmungen über die Interpellationen nach, welche daS JnterpellationSrecht reformieren und insbesondere die Möglichkeit vorsehen, daß der Reichstag in einem Beschlusse eine Handlungsweise deS Reichskanzlers als seiner Auffassung entsprechend oder nicht entsprechend bezeichnen kann. Die Redner der Rechten machten auch hierin Opposition und versuchten nachzuweisen, daß dieser Teil der GeschästSordnungSanträge die Rechte deS Reichstages unzulässig auSdehne und dagegen die Rechte der Krone schmälere. Di: teilweise recht lebhafte Debatte über diese Bestimmungen endete am Freitag ohne Abstimmung, letztere soll erst am Mittwoch stattfinden. Am Sonnabend und Montag pausierte echt Reichstag.
Die Budgetkommission deS Reichstages lehnte am Freitag in der fortgesetzten Beratung der Militärvorlage die meisten der geforderten neuen Landwehrinspektionen ob, die neugesor- derte Pionierinspektion wurde bewilligt. Ebenso genehmigte die Kommission die Forderungen für die Infanterie, Kavallerie, Fußartillerie, den Train und der Pioniere. Dann trat Vertagung auf DienStag ein. Die Reichstag-kommission für die Deckung-Vorlage genehmigte am gleichen Tage die §§ 3, 4 und 5 mit einigen Abänderungen.
Der „Heilige Krieg" in Marotto.
u d s ch d a, 4. Mai. Nach einer hier eingetroffencn Meldung haben die Chiata und die Beni Uarain den Heiligen Krieg erklärt. An der KaSbah von M'jum und bei Buyacubet sammeln sich zwei Heerhaufen, um die Vereinigung der französischen Streitkräfte und ihren Vormarsch auf Tozza zu verhindern.
Paris, 4. Mai. Wie auS Tanger gemeldet wird, ist auch in Marakesch eine dumpfe Gärung vorhanden. Ein Funkspruch auS Mogador signalisierte eine lebhafte Bewegung
engeS Tal; ein Teich und recht- hin an den Berg gelehnt auS silberschimmernden, zarten Birken hervorblitzend, ein Jagdschlößchen.
Alle drei standen einen Augenblick versunken in den Anblick deS Idylls da unten. Die Freudinnen schmiegten sich aneinander.
„WaS ist daS für ein Haut?" fragte schließlich Martha Wedemann leise.
Der Forstmann wandte sein Auge nicht von dem Bildchen, und ebenso halblaut gab er zurück: „Birkeneck!"
„Ach Birkeneck!" schrie Hedwig aus. „So nahe, da wollen wir doch Tante mal überrumpeln."
„Er ist noch ein Stündchen!" sagte Heinrich warnend. Plötzlich aber fragte er Martha: „Können Sie noch mit, Fräulein Wedemann? Wenn wir nur biS hinunter kommen. Heimwärts werde ich sahren."
„Ach, himmlisch, loS!" jubelte Hedwig und packte ihn beim Arm. Und sie begannen den Abstieg. —
Mama, ein schwarze» Epitzenhäubchen über dem weißen, wolligen Haar, empfing, durch da» Hundegebell ausmerksam gemacht, die Gäste im Flur. Sie entschuldigte sich müde, sie habe gerade heute wieder einen starken Migräneanfall gehabt. Sie betrug sich sehr würdevoll und vornehm. Man spürte den geborenen Adel ihrem ganzen Wesen an. Die jungen Mädchen faßen ihr beide sehr befangen gegenüber in ihrem kostbar autgestatteten Zimmerchen, dessen Fenster reizenden Ausblick nach dem Teich und dem dunklen Waldrande drüben boten. Ein adrettes Dienstmädchen trug geräuschlos Tee und Biskuit auf. Heini hatte sich umgezogen und faß in bequemer Hau-joppe da, aber benahm sich höchst steif und nervös. Dem Rufchelköpfchen wurde vor Hunger beinahe übel; eS sehnte sich noch seinen belegten Brötchen, die ihnen daS Mädchen im Flur gleich abgenommen hatte, und rächte sich dafür, indem «S ein Plätzchen nach dem andern zerknabberte.
An Martha Wedemann hatte Frau verwitwete Oberförster Hartmann nur einige Male eine herablassende Frage gerichtet, die diese in ihrer bescheidenen Weise beantwortete. Heini war eigentlich ganz von Mama» tausenderlei kleinen BequemlichkeitS- wünschen in Anspruch genommen: er mußte ihr Tee eingießen,
unter den Soldaten des TaborS von Marakesch. Auch die Stadtbewohner seien sehr erregt, und die europäische Bevölkerung habe die Rückkehr nach der Küste ins Auge gefaßt. Der französische Abgeordnete Abel Ferry befindet sich augenblicklich in Marakesch. Die Lage in Arbaua soll dagegen besser geworden sein. Die Militärinstruktoren laufen keine Gefahr mehr, und die Haltung der Bevölkerung gebe vorderhand zu keinen Klagen Anlaß. Zahlreiche Verhaftungen hätten dennoch stattgefunden, die täglich fortgesetzt würden. Einige Hinrichtungen habe man auSgesührt, und der Nachrichtendienst stellte eine eingehend« Untersuchung über die letzte Revolution an.
PariS, 4. Mal. AuS Fez wird berichtet, daß die gegenwärtige scherisische Armee entlassen und sodann auf anderer Grundlage neu gebildet werden soll. Insbesondere sollen die scherifischemTruppen nicht auf einem einzigen Punkt vereinigt bleiben, wo sie dem Einfluß sranzosenfeindlicher Agitatoren leicht zugänglich seien, sondern auf verschiedene Gebiete verteilt und von französischen Truppenabteilungen umgeben werden.
C a s a b l a n c a, 4. Mai. Eine RekognoszierungSabteilung auS ElmasiS wurde durch ausständische ZaerS angegriffen, die aber energisch zurückgeworfen wurden und beträchtliche Verluste erlitten; die französische Abteilung hatte mehrere Tote und etwa 40 Verwundete. Außerdem wird eine Anzahl Soldaten vermißt.
Tanger, 4. Mai. Die vorgestern hier zur Verstärkung der französischen Flotte in Marokko eingetroffenen Panzerkreuzer „Sonbe" und „Moire" sind gestern wieder in See gegangen. Wie eS heißt, geht ihre Fahrt nach Mogador, bzw. Agadir zum Schutze der deutschen Interessen im SuS.
PariS, 5. Mal. DaS blutige Scharmützel bet El Mafi», die durch die aufrührerische Bewegung der Stämme verursachten AbdankungSgelüste Mulay Hafid- sowie die von den Spaniern getroffenen Maßnahmen werden von zahlreichen Blättern als bedenkliche Anzeichen dafür angesehen, daß die Lage in Marokko sich in beunruhigender Weise ver- schlimmere.
In der Action macht der Senator und ehemalige Minister Baudin für die gegenwärtigen Marokko-Schwierigkeiten hauptsächlich die französische Diplomatie verantwortlich, welche seit langen Jahren von einer geradezu krankhasten Willensschwäche befallen sei.
Nach Meldungen auS FeS hätte Mulay Hafid dem Gesandten Regnault gegenüber bereits feinen Thronerben namhaft gemacht, welcher gegenwärtig 12 Jahre alt ist. ES heißt, die sranzösische Regierung habe die ersorderlichen Maßnahmen getroffen für den Fall, daß Mulay Hafid seine Ab- dankungSabfichten auSsühren sollte.
PariS, 5. Mai. Nach einer Meldung deS Sonderberichterstatters deS Matin auS FeS soll General Moinier beschlossen haben, den Sultan und den Gesandten Regnault auf ihrer Reise nach Rabat von drei Bataillonen und einer
den Stuhl anders rücken, Kissen holen, Fenster öffnen und wieder schließen, und tat daS alle« mit unermüdlicher Geduld.
„Tonte, darf Heini mir mal feine Geweihsammlung zeigen?" fragte plötzlich Ruschclköpfchen schmeichelnd.
„Gewiß, mein Kind. Heini, ach rücke mir doch die Fuß. dank etwas näher. Eo, nun tu dem Kinde den Gefallen."
„Gott sei dank, daß wir rauS sind!" flüsterte Hedwig der Freundin zu, während Heini den Schlüssel zum Speisesaal holte, der die Geweihsammlung enthielt. Auch Martchen hatte tief aufgeatmet. Wie schwül war eS drin in dem vornehmen Raume gewesen, wie gemessen jedes Wort! Wie ganz ander» hatte sie sich da oben auf dem Berge da- Leben in diesem reizenden Jagdschlößchen gedacht! ES war ibr aber auch nicht entgangen, daß Heinrich HartmannS Gesicht, Haltung und ganze- Wesen etwa- GedrückeS angenommen hatten, seitdem man dieses HauS betreten hatte. DaS fiel ihr jetzt ganz besonders auf, als er mit einiger Anstrengung die gewiß längere Zeit nicht geöffnete Tür zum sogenannten Speisesaal öffnete. Und wie war sie erst beim Eintritt erstaunt, ernüchtert !
Ein weiter Raum, einige verschossene, hochlehnige Stühle, einige Familienbildnisie. Nichts erinnerte an die Bestimmung, die dieser Raum seinem Namen nach ehedem gehabt haben mochte. Mit Uebereifer führte Heini die jungen Mädchen nach der gegenüberliegenden Schmalseite, an der eine große Anzahl stattlicher Hirsch- und verwunderlicher Rehgeweihe gruppiert war, deren Jagdgeschichte er, wie Martha zu bemerken glaubte, mit verlegener Host erklärte. Sein Benehmen war ungewohnt, er sprach sehr unbeholfen, machte aufgeregte Bewegungen mit Armen und Beinen und wandte niemals sein Auge von der Wand weg. Sein an sich gesundroteS Gesicht war um einen Schein dunkler.
(Fortsetzung folgt.)
— Kiel, 3. Mai. Auf dem neuen Güterbahnhof ist heute Nacht bei Baggerarbeiten eine Wand eingestürzt, wodurch zwei Arbeiter getötet wurden; einer wurde schwer verletzt. Die Baggermaschine ist vollständig zertrümmert.