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HeMöer Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 53. Donnerstag, den 3. Mai 1913.
Amtlicher teil.
Landespolizeiliche Anordnung. betr.: die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.
Meine landeSpolizeilicke Anordnung vom 2. März d. Js.
A. III. Nr. 1365 betreffend die Bekämpsung der im Kreise HerSfeld ausgetretenen Maul- und Klauenseuche, Amtsblatt Nr. 9 a €. 104, wird hierdurch wie folgt abgeändert:
1. AuS dem BeobachtungSgebiet im § 11 scheiden aus die Gemeinden und GutSbezirke: KalkobeS, Meisebach, Eichhos, BingarteS, Asbach, Unterhaun, Kohlhausen, PeterSberg mit Kühnbach, WilhelmShof und Oberrode. (A. III. Nr. 2396 a.) Gaffel, den 23. April 1912.
Der RegirrungS-Präsidrnt. Gras von Bernstorss.
* *
HerSseld, den 25. April 1911.
Wird veröffentlicht.
I. 5063. Der Landrat.
I. A.:
W e s s c l, Kreissekretär.
HerSseld, den 1. Mai 1912.
Die Maul» und Klauenseuche in Friedlos ist erloschen.
Der Gemeindebezirk Friedlos scheidet auS dem Sperrgebiet auf.
Die Gemeindebezirke ReiloS, Rohrbach, Mecklar, Meckbach und Stadt HerSseld mit Hos Wehneberg werden auS dem BeobachtungSgebiet auSgeschieden.
I. 5310. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSseld, den 26. April 1912.
Ich setze die Verfügung vom 18. Dezember 1878 I. 12674 — KreiSblatt Nr. 102 — wonach mir alljährlich am Schlüsse einer jeden Kalenderjahres über daS Vorhandensein beziehungsweise die Unterbringung verwahrloster Kinder zu berichten ist, wieder außer Krajt und ersuche die Herren Bürgermeister und Gut-vorsteher ihren Terminkalender zu berichtigen.
I. 4052. Der Landrat
von GruneliuS.
niebiamtlkber teil.
Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Montag den Etat der Reichs- eisenbahnen in der Spezialberatung fast debatteloS und befaßte sich dann mit den Positionen zu diesem Etat. Als hierbei über einen sozialdemokratischen Antrag zu einer der vorliegenden Positionen mittels „Hammelsprunges" abge-
Quer erkauft!
Roman von HanS B l e y m ü l l e r.
(Fortsetzung.)
ES fiel dem jungen Mädchen gar nicht aus, daß er, ohne sich zu verabschieden, in die Gaststube trat. In der Küche empfing Mutter Weddemann ihre Tochter in der ausgeräum» testen Stimmung. „Mach fix", stieß sie flüsternd heraus. „Herr Hüttich bleibt zum Abendessen bei uns. Wir müssen unS doch erkenntlich zeigen; 'S ist doch ein zu braver Mensch. Na, die den mal kriegt!" sagte sie mit einem lauernden Blick auf die Tochter.
Marthchen hatte kaum zugehört. Sie war auf einen Stuhl zusammengejunken. „Mädchen, wie kannst du dich aber auch so überanstrengen!" schalt nun die Wirtin. „Geh naus und bring die Haare ein bißchen in Ordnung. Zieh auch daS schwarze Kleid mit dem roten Sammetstehkragen an, daS kleidet dich gut!"
„Ach Mutter, laß mich in Frieden! Ich bin todmüde. Ich glaube, ich werde krank!"
„Na heute doch nicht etwa?" ries Frau Weddemann ganz erschrocken, „Ein paar Stunden wirst du dich doch noch zusammennehmen können?! Marthchen, Marthchen", setzte sie bedeutsam hinzu, „eine Stunde entscheidet manchmal über das Glück einer Mädchens." Marthchen aber hatte das kaum gehört.
„Ich kann wirklich nicht mehr. Gute Nacht!" Sie schleppte sich, trotz der verzweiselten Versuche und Vorstellungen der Mutter, die Treppe hinauf in ihre Kammer.
Sie war wirklich von der ungewohnten Arbeit im Sonnen» brande todmüde und empfand dazu noch einen stechenden Kopfschmerz. Raum hatte sie sich auSgestreckt, so schwanden «hr noch kurzem, schmerzhaften Wirbel die Gedanken, und sie siel m einen bleiernen Schlaf. —
Die Magd war mit sich selbst sehr unzufrieden. Sie hnite einen recht dummen, unüberlegten Streich gespielt.
stimmt wurde, ergab sich abermals, wie schon in der Sitzung vom vergangenen Sonnabend, die Beschlußunfähigkeit deS HauseS, sodaß die Sitzung aufgehoben werden mußte. Ver» nünstigerweise beräumte jedoch Präsident Dr. Kämpf, um den einmal angebrochenen Tag zu keinem verlorenen für den Reichstag zu machen, eine halbe Stunde später eine neue Sitzung an, in welcher der Kolonialetat zur zweiten Lesung stand. Es sank zunächst eine allgemeine, die gesamte Sitzung auSfüllende kolonialpolitische Debatte statt, in welcher die Abgeordneten Henke (soz.), Erzberger (Zentr.), v. Böhlen- dorff-Kölpin (konj.) und v. Richthosen (nat. lib.) sprachen. Bemerkenswert war, daß Abgeordneter Erzberger sich entschieden gegen die kolonialfeindliche Rede deS Abgeordneten Henke wandle und speziell besonders dessen Angriffe auf die Tätigkeit der Missionare in den deutschen Kolonien scharf zurückwieS.
Abgeordnetenhaus.
Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag bei Wetterführung der Beratung deS Etat- deS Ministeriums deS Innern die begonnene Besprechung der nordschleswigschen Frage fort. Die Abgeordneten Schiffern (nat. lib.), Johannsen (sreikons.) und v. Arnim-Züsedom (kons.) bekämpften scharf die nationalpolitische Agitation der Dänen in NordschleSwig, während der Abgeordnete Ströbel (soz.) meinte, das große Preußen habe doch von den 150000 Dänen NordschleSwig- nichts zu fürchten; selbstverständlich nahm der dänische Abgeordnete Kloppenborg daS Dänentum in NordschleSwig ganz besonders in Schutz. Abg. Duns von der Volkspartei erklärte, auch seine Partei lehne natürlich die dänischen Bestrebungen zur Loßreißung NordschleSwig- von Preußen und vom Reiche ab, fei aver gegen die kleinliche gewaltsame Unterdrückung dänischer Sprache, Kultur und Gesittung in diesem Teile der preußischen Monarchie. Nach Erledigung dieser Aussprache erörterte daS HauS noch kurz die Zigeunerplage und bewilligte zunächst den AuSgabeposten „Ministergehalt", worauf noch eine Reihe weiterer Positionen deS genannten Etat- angenommen wurden.
Str Krieg zwischen Wien und Der Türkei.
Konstantinopel, 30. April. AuS Smyrna wird gemeldet, daS Schiff „ToxoS" der hiesigen Gesellschaft „Hadjidaud", daS von Smyrna nach Saloniki abdampft«, wollte dem ihm gesetzlich zur Durchfahrt durch den Hafen von Smyrna beigegebencn Schlepper nicht folgen und der- suchte, trotzdem eS durch Kanonenschüsse gewarnt wurde, durch den mit Minen abgesperrten Weg zu fahren, stieß aber vor Venikale mit einer Secminc zusammen und sank. Dem Tanin zusolge befanden sich im Schiff 152 Passagiere, nur 92 aber wurden gerettet, darunter mehrere Verwundete. Zahlreiche Reifende und die ganze Mannschaft deS Schiffe- sind umgekommen.
Verstand denn Ernst gar keinen Spaß? Und warum war er denn gegen das Wirtemädchen so ausgebracht? DaS war eS, sie hatte gute Augen. Da- paßte aber gar nicht in ihre Pläne.
Sie wußte, daß Ernst sich um sie bemühte, der Trops! Wird man einen armen Tagelöhner freien, wenn man selber nicht- hat und dabei doch ganz andere Partien machen kann? Und die kann ein hübsche- Mädchen — „ein auffallend hübsches Mädchen" hatte mal einer auS der Stadt gejagt — alle Tage machen. Welchen Mann dors ein hübsche- Mädchen nicht begehren? Sie hat sich ihr Ziel gesetzt. BiS jetzt hat sie noch wenig erreicht, darüber macht sie sich keine Illusionen. Die alte Heuschrecke ist ungesährlich, im Gegenteil notwendig alS dunkler Hintergrund. Aber jetzt zieht eine ernstliche Gesahr heraus. Da kann man den guten Jungen vielleicht verwenden. Und wenn man nur den Anschein erreicht, daS übrige läßt sich schon auSmalen. Wenzel Hüttich, der reichste Grundbesitzer, wird sich sür die Ehre bedanken, mit einem Tagelöhner um die Wette zu laufen. Man muß ihm das beibringen. Aber jetzt hatte sie den Ernst ja völlig aufgebracht gegen da- Mädchen. DaS durste nicht bleiben.
Zunächst galt eS, Ernst wieder für sich zu gewinnen, denn der war mächtig wild und grob auch gegen sie geworden. Aber sie mußte schon, wie man Gimpel sängt.
DaS zweite Fuder sollte geladen werden. Ehe sie den Wagen bestieg, machte sie sich so lange an ihrer Harke zu schaffen, biS er hinblickte. Er sah sofort wieder weg. Aha, eS hatte gewirkt, sie kannte ihn. Sie verlor ihn nicht auS den Augen nnd hatte beständig ein liebenswürdiges Lächeln bereit, sobald er zu ihr aussah, waS ja geschehen mußte beim Hinausgabeln. Sein Gesicht heilte sich denn auch ganz langsam aus. Allmählich fing er auch wieder zu sprechen an. Beim Hinausreichen sagte er einmal: „Faß zu!" Dann: „Gib acht!" Und sie antwortete dann mit weicher, ver- traulicher Stimme: „Gleich Ernst!" Sie wußte gar wohl, daß ein bloßeS „Gleich" nicht die Wirkung hatte, als wenn sie den Namen mitnannte.
DaS Grummet war auf dem Boden verstaut. Ernst
Mailand, 30. April. Der Dampfer „Balduino", der von Derna nach Genua mit 1500 entlassenen Soldaten in See war, ist bei Reggio Kalabria gestrandet. Unter der ausopsernden Hilse der Strandbewohner wurden alle gerettet. — Der vor kurzem auS Tripolis gemeldete mysteriöse arabische, von italienischen Truppen und Schiffen siegreich abgeschlagene arabische Landung-Versuch stellt sich jetzt alS ein bedauerlicher Irrtum heraus. DaS beschossene Boot gehörte zum italienischen Transportschiffe „Vincenzo Florio", und durch daS irrtümliche italienische Feuer wurden beide BootS- injaffen, Schiffsoffiziere Gargiulo und Cottini, getötet.
London, 30. April. Dem Daily Chronicle werden folgende interessante Einzelheiten über die tapferen Araber- schönheiten in TripoliS auS Konstantinopel berichtet: WaS die wilde sanatische Begeisterung der arabischen Krieger in den Sandwüsten von TripoliS und Benghasi bedeutend erhöhe, sei daS Mitkämpsen einer großen Zahl von Mädchen der sogenannten Amerijeh» und von ganzen Regimentern topserer halbnackter Araberknaben. Nach den Vorschriften der Islams find die Greise und Kinder in der Not vom Kriegsdienst nicht ouSjuschließen. In den Lagern besänden sich daher zahlreiche Männer von mehr alS 80 Jahren und Knaben von nicht mehr als 8 Jahren. Die Kleinen tragen Flinten, die oft länger sind alS sie selbst. Die Amarijehs oder An- seuerinnen sind junge Araberschönheiten im Alter von 16 bit 18 Jahren. Ihr Name stammt von ihrem Berus: sie habm die Pflicht, den Mut der Wankenden anzuseuern und die Tapseren zu begeistern; sie bringen auch den Durstigen in den vorderen Reihen Wasser, schaffen die Verwundeten int Lazarett und reißen die Sterbenden vom Schlachtfeld, damit üe nicht in die Hände der Feinde sollen. Gar manche Amarijeh ließ in der S tübung 'hres Heldwn'nberujt ihr Leben. Ein rührender Borsall ereignete sich jüngst bei einem der Kämpfe unweit TripoliS. Der Geliebte einet Amarijeh wurde tödlich verwundet. AlS daS Mädchen sah, daß er nicht mehr entrinnen konnte, legte sie sich an seiner Seite nieder. Sie beging nicht Selbstmord, doch alS die Feinde kamen, fanden sie das Paar tot und im letzten TodeSkuß sest umschlungen aus.
An$ 3m- und Ausland.
Berlin, 30. April.
In der Budgetkommission erklärte bei der Beratung der Wehrvorlagen der Kriegsminister zur Duellfrage, daß er in der Erregung über die scharsen Aeußerungen deS Abgeordneten Erzberger seiner Erwiderung eine außerordentlich scharf klingende Raffung gegeben habe, die zu seinem Bedauem viele Mißverständnisse veranlaßt habe. Er habe die ihm von der Presse in den Mund gelegte Aeußerung „paßt nicht in die gesellschaftlichen Kreise deS Offizierskorps" überhaupt nicht gebraucht und würde sich mit der Herabsetzung der von reinen
wartete vergeblich, daß die Magd herunterkommen sollte. Sie beobachtete ihn von der Luke auS. „Ach Ernst, komm nur mal heraus. Ich hab' mir da jedenfalls einen Splitter unter den Nagel gestoßen." Und er stieg wirklich hinaus und untersuchte lange. Plötzlich faßte sie seine Hand und fragte, sich an ihn drängend: „Bist du mir böse wegen vorhin?" DaS kam zu überraschend. Er wurde feuerrot. Jetzt galt'S, nicht locker lassen. „Nimm'- nicht für ungut! Da, nimm dir ein Kuß! Heute darfst du'Sl" Und mit verführerischem Lächeln — die weißen Zähne schimmerten durch die vollen roten Lippen — lehnte sie sich an seine Schulter. Ihm wirbelten die Sinne, und indem er sie fest an sich zog, neigte er sich herab, — da klang Wenzel HüttichS Stimme im Hose: „Na, was macht ihr denn so lange da oben?" Ernst fuhr zurück und stammelte: „Gleich, gleich!" Hüttich tros einige Anordnungen. Die Meiern solle heute nicht aus ihn mit dem Essen warten. Die Magd hatte sich nicht blicken lassen. Sie stieß einen Fluch auS und kletterte hinter Ernst her die Leiter herab.-----------
Durch die Stille der Nacht klangen die Glockenschläge von dem fernen Kirchturm. Eis Uhr.
Da wurde Martha Weddemann gewahr, daß sie mit offenen Augen wach lag. Sie mußte schon eine Weile so gelegen haben. Sie erinnerte sich jetzt, daß sie Stimmen unten vor der Hau-tür und wegcilende Tritte vernommen hatte.
Ihr Kopf begann wieder zu schmerzen. Durch da- geöffnete Fenster drang srische Luft herein. Sie erhob sich, kleidete sich notdürftig an und lehnte sich inS Fenster. Im oberen Dorfe kläfften einige Hunde. Sie starrte in daS Dunkel. Ihre Augen brannten.
Da war ihr'-, als wenn auS dem Dunkel heraus zwei Augen sie seltsam anstarrten. Sie schlug entsetzt die Hände vorS Gesicht.
Da waren sie wieder, diese Augen, deren Sprache sie nicht verstand. Und da wachte die Qual deS Tage- wieder auf.
Verachtet! Ihren guten Willen, ihr Mitleid. ES trieb sie ja doch nichts weiter als Mitleid und Dankbarkeit. Hatte