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hersWer Kreisblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 44.
Sonnabend, den 13. April
1913.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 4. April 1912.
Mit Bezug auf die Bestimmungen im § 15 der Dienst- anweisung für Gemeinderechner in den Landgemeinden vom 22. März 1898, wonach diese alsbald noch Schluß deS Rechnungsjahres (31. März) mit der Aufstellung der Jahresrechnung zu beginnen und die fertig gestellte Rechnung in zweifacher Ausfertigung spätestens bis zum 15. Mai dem Bürgermeister vorzulegen haben, weise ich die Herren Bürgermeister unter gleichzeitigem Hinweise aus mein AuSschreiben vom 13. Oktober 1906 — KreiSblatt Nr. 122 de 1906 hiermit an, streng darauf zu halten, daß die Jahresrechnung für 1911 zum gedachten Termine ihnen vorgelegt wird.
BiS zum 22. Mai d. Jr. ist mir anzuzeigen, daß die Rechnung rechtzeitig zur Vorlage gebracht worden ist.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die vorgelegte Rechnung alsbald unter Zuziehung der Schöffen der vorgeschriebenen Vorprüfung zu unterziehen und sie darauf mit den gezogenen Erinnerungen der Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) zur Prüfung, Feststellung und Entlastung vorzulegen.
Die Herren Bürgermeister wollen seiner dafür sorgen, daß die Abhörung und Feststellung der Rechnung durch die Gemeindevertretung (Gemeindeversammlung) tunlichst bald nach ihrer Borlage erfolgt und sie mir nach der vorgeschriebenen AuSlegung von 2 Wochen sofort mit den Belägen und PrüfungSVerhandlungen etc. zur Oberrevision vorgelegt wird, damit Letztere von mir so zeitig bewirkt werden kann, daß die geprüfte Rechnung bei Ausstellung deS Voranschlags für daS kommende Rechnungsjahr bestimmungsmäßige Verwendung finden kann.
Sodann spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß meine Verfügung sowohl von den Bürgermeistern wie auch von den Gemeinderechnern genau beachtet wird. Bisher ist daS nicht in dem Maße geschehen, wie daS durchaus erforderlich ist. Bei Ueberschreitung deS Termins, zu welchem die Rechnung fertig gestellt sein muß, (15. Mai) ist mir sofort zu berichten, unter Angabe der für die Ueberschreitung des TerminS maßgebend gewesenen Gründe. Ich mache hierbei gleichzeitig daraus ausmerksam, daß ich in eine Fristverlängerung nur dann einwilligen werde, wenn mir die vorgebrachten Gründe alS durchaus stichhaltig erscheinen. Gegen diejenigen Herren Bürgermeister und Gemeinderechner, welche die RechnungSaufstellung ohne triftige Gründe verzöge r n, muß ich die nach §115 der Landgemeindeordnung vorgesehenen Maßnahmen zur Anwendung bringen.
Der Vorsitzende des kreisausschufses:
I. A. Nr. 1986. von GruneliuS.
HerSfeld," den 10..April 1912.
Infolge Umbaues der Herfa- und Ptühlgrabenbrücke wird die Landwegestrecke LengerS-WölferShaufen für den Last- und Durchgangsverkehr bis z u m 2 0. M a i d. I S. gesperrt.
Für diese Zeit hat der Verkehr ab Lengers nach WölserS- Hausen über Heringen stattzufinden.
I, 4339. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, Kreissekretär.
HerSfeld, den 2. April 1912.
Der Viehmarkt in Fulda am 18. April d. Jr. ist aus veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden.
I. 4004. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher CeiL
Politischer Wochenbericht.
In hohem Maße nehmen die Vorgänge innerhalb der nationalliberalenPartei fortgesetzt daS Interesse der Oeffentlichkeit in Anspruch. Erfreulicher Weise scheint sich in immer größeren Kreisen der Partei die Ueberzeugung von der Unmöglichkeit eineS weiteren GewährenlafsenS deS national- liberalen Jugendverbandes Bahn zu brechen. Eo hat selbst der Vorsitzende deS VereinS der nationalliberalen Jugend in Kiel in diesem Sinne Stellung genommen. Er faßt sein Urteil über den JungliberaliSmuS in die Worte zusammen: „DaS Treiben deS JungliberaliSmuS ist bereits zu einer Gc- fahr geworden und muß bei weiterer Entwicklung in denselben Bahnen den Bestand der nationalliberalen Partei ernstlich gefährden", und gelangt zu dem Ergebnisse, daß der JungliberaliSmuS seine selbständige Politik ausgeben und auf den ReichSverband verzichten müsse. Hoffen und wünschen wir, daß diese Ansicht sich aus dem bevorstehenden Gesamtvertreter- tage der nationalliberalen Partei siegreich durchsetzen möge.
WaS die auswärtigen Dinge anbetrifft, so dürste für uns in Deutschland die Tatsache von ganz besonderem Interesse sein, daß der zunehmende ChauviniSmuS der Franzosen auch bereits die Aufmerksamkeit der Engländer
zu erregen beginnt. So hat jüngst eins der angesehensten Organe der englischen Presse, die „Saturday Review", in längeren Ausführungen zu diesem Tbema Stellung genommen. DaS Blatt stellt fest, daß der Herd der Beunruhigung und der Gefährdung des Weltfriedens in Frankreich liege. Niemand in England könne übersehen, daß im französischen Volke der ChauviniSmuS stetig zunehme, daß die französische Regierung ihn lebendig zu erhalten bemüht sei und ein Teil der französi- schen Presse daS vollkommen billige. Weitverbreitete Zeitungen machten auf den neuen Geist der Franzosen, aus den wieder- erwachten Stolz aufmerksam, den ihnen ihre Armee einflöße, und auf den offen angekündigten Wunsch, die verlorenen Provinzen zurückzugewinnen. Wer sich vergangener Zeiten erinnere, erkenne die Stimmung wieder, die 1869 und im Anfänge deS Jahres 1870 vorher,fchte. Solche Feststellungen von auswärtiger Seite besitzen für uns Deutsche hohen Wert. Sie bestätigen den Eindruck, den wachsame VaterlandSfreunde auch bei unS schon längst gewonnen haben, und legen unS die dringende Mahnung anS Herz, in patriotischer Einmütigkeit rechtzeitig olle Opfer zu bringen, die notwendig find, um unS die militärische Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent zu sichern.
Im Verlause deSitalienisch-türkischenKrirgeS ist soeben der Ausruf veröffentlicht worden, den Eidi Achmed el Scherif, der Scheich der S e n u f s i, erlassen hat, um die Gläubigen zum heiligen Kriege aufzurufen. Ein wilder und begeisterter Fanatismus, der feines Eindrucks auf die islamitische Welt nicht verfehlen dürfte, spricht auS diesem Echrist- stücke zu unS. Die panislamitische Bewegung, die durch die Fortdauer des Kriegs in immer stärkerm Maße wachgerusen zu werden droht, erregt in England starke Befürchtungen, und man gibt sich neuerdings von englischer Seite ernsthafte Mühe, auf die Türkei in einer dem Frieden günstigen Weise einzureden. Wieweit diese Bemühungen von Erfolg begleite, sein werden, entzieht sich noch der Voraussage. DaS entscheidende Wort liegt jedenfalls bei dem türkischen P a » l a m e n t, das kürzlich neugewählt ist und in Bälde zu seiner ersten Tagung Zusammentritt.
DaS ProtektoratSabkommen zwischen Fr ankreich und dem Sultan von Marokko ist nunmehr in Fez unterzeichnet worden. Der Sultan verpflichtet sich darin unter anderm, keinen Vertrag, der internationalen Charakter hat, ohne die vorherige Zustimmung der französischen Regierung abzuschlicßen. Vorgesehen wird ferner eine Reorganisation deS Finanzwesens. Ein besonderer Vorbehalt bezieht sich aus die mit Spanien und Frankreich noch zu trtffenbe Vereinbarung über die spanischen Interessen an der marokkanischen Küste sowie über die Jnternationalisierung der Stadt Tanger. Im übrigen enthält daS ProtektoratS- abkommen keine Ueberrafchungen.
3ur Konfirmation.
Immer brennender wird von Jahr zu Jahr die Sorge um die Jugend deS deutschen Volkes. Nicht darum ist diese Sorge so quälend, weil etwa heute die Kinderherzen besonders schlecht und empfänglich für daS Böse wären — sie werden nicht schlimmer und nicht besser fein alS zu ollen Zeiten. Aber die Einflüsse, die sich heute frei und ungeschent aus daS Kinderherz geltend machen, die besonders in der Zeit nach der Konfirmation in unseren Tagen dem jungen Menschenkind nahe treten, wirken so verhängnisvoll und vernichten die Jugendsaat. Man macht in gewissen Kreisen. gar kein Hehl mehr daraus, daß man die Früchte der christlichen Jugenderziehung absichtlich verderben will. Ja, diese Arbeit hat oft vor der Konfirmation schon begonnen und braucht nur fortgesetzt zu werden um ihre verderblichen Früchte zu zeitigen.
Da hat man wohl gefragt, ob der KonfirmationStag noch von Wert sei, ob man nicht besser täte, ihn auf eine spätere, reifere Zeit zu verschieben. Nur kurze Zeit kann die kirchliche Arbeit aus die jungen Christen einwirken und daS ergänzen, waS die Schule vorher gepflanzt hat. DaS Ende ihrer speziellen Arbeit an der Jugend ist dann schon der KonfirmationStag, nachher sind manche junge Christen — wenigstens die in den Städten — der kirchlichen Zucht entwachsen. Kann da der KonfirmationStag wirklich zum Segen werden? Die Antwort auf diese Frage geben wohl am besten die Häuser, in denen morgen Konfirmation gefeiert wird. ES werden doch — so ist zu hoffen — immer noch eine große Anzahl sein, in denen eS wie eine heilige Feierstimmung über dem ganzen Hause liegt. Wenn hier Eltern und Kinder vor dem Kirchgang sich inS Auge sehen, wenn die Hand deS VaterS und der Mutter betend auf dem Konfirmanden ruhen, darin spüren wohl beide, daß eS sich hier um mehr als eine nur äußerliche Feier handelt. Mehr denn je werden die Eltern an diesem Tage fühlen, daß die Leitung und B c - Wahrung deS KindeS in einer höheren Hand liegt, und mehr als sonst wird eS manchem Kinderherzen an diesem Tage zum Bewußtsein kommen, daß die Eltern nun nicht mehr alle Sorge ihnen abnehmen können, daß die liebevolle Leitung im Hause aufhört und ernste Aufgaben an sie selbst herantreten. Die KindheitSzeit tritt noch einmal mit allem Schönen vor daS Auge und eS ist gut, wenn in diese Erinnerung sich daS Gefühl einer herzlichen
Dankbarkeit gegen die Eltern, gegen daS Elternhaus, gegen Schule und Lehrer mischt. DaS wäre immerhin schon ein Segen deS KonfirmationStageS, wenn die D a n k b a r k e i t für erfahrene und empfangene Wohltaten an diesem Tage erwachte.
Aber größer ist doch der Segen, den die Christengemeinde fürbittend erhofft für die vielen Christenkinder, die hkt'te ihr Bekenntnis ablegen. Mag eS vielfach auch noch ein nicht völlig verstandenes Bekennen fein, mögen manche auch bald abfallen, so dürfen wir doch zum Herrn der Kirche die gewisse Zuversicht h a b e n, daß er, der die Seinen nicht vergißt, auch unsere Kinder zum fröhlichen, festen Glauben führen und bewahren wird. Daß seine Worte, sein Geist und Bild sich mit unauslöschlicher Kraft in ihren Herzen einpräge, daß Christus ihr Führer und Halt im Leben werde, das ist der größte und reichste Segen deS KonfirmationStageS. sch.
Winterwetter im Reich und im Ausland.
Hamburg, 11. April. In der letzten Nacht ist daS Thermometer hier auf 2 Grad unter Null gesunken. Gärten und Felder von Hamburg und Umgegend find mit einer Schneedecke bedeckt.
Kassel, 11. April. In der vergangenen Nacht find im Eddcr-Diemeltale Schneestürme niedergegangen. Die Höhen find mit einer Schneedecke von etwa 10 Zentimeter Stärke bedeckt. Auch daS Fuldatal ist durch Schneetreiben heimgesucht worden. Durch den eisigen Sturm find gleichzeitig zahllose Blüten vernichtet worden.
Köln, 11. April. Seit der srühen Morgenstunde ist hier starkes Schneetreiben, so daß die Landschaft einen völlig winterlichen Eindruck macht. Die ungewönliche Kälte dauert an. AuS dem Saartal und anbtrep Teilen der Nebenflüsse bei Rhein- wird ungewöhnlich niedrige Temperatur gemeldet. Bei Schnee und Hagel sank die Temperatur unter den Gefrierpunkt. Die Baumblüte ist bis tief in daS Essener Industriegebiet vernichtet, der Schaden in Gärten und Felder unberechenbar.
Wiesbaden, 11. April. In der Gemarkung Dotzheim bei WieSbaden wurde heute morgen der 24 Jahre alte verheiratete Arbeiter Fuchs erfroren ausgesunden. FuchS hatte sich gestern aus dem Heimwege abseits vom Wege auS Ermüdung schlafen gelegt und erfror in der Nacht.
H a n a u, 11. April. Im Epeffart, in den VogelSbergen und im Taunus haben Schneestürme arge Verwüstungen angerichtet. ES ist jetzt starker Frost eingetreten, welcher der Obstblüte empfindlichen Schaden jugefügt hat. Auch die großen Erdbeerpflanzungen im Taunus find stark betroffen worden.
Würzburg, 11. April. Im Rhöngebirge ist Sturm mit Schneefall bei 6 Grad Kälte eingetreten. Der Schnee liegt stellenweise 10 Zentimeter hoch. Seit gestern wird wieder auf dem Kreuzberg Skisport getrieben.
München, 11. April. Hier und in der Umgegend ist seit heute Mitternacht Schneesall eingetreten, daS Thermometer zeigte in den ersten Morgenstunden noch 4 Grad Kälte.
Innsbruck, 11. April. In vergangener Nacht trat heftiger Schneesturm im größten Teil von Tirol ein; im Tale liegt hoher Schnee wie mitten im Winter. In Bruncck wurden durch den Sturm die Dächer der Kaserne und deS Urfulinerinnen- Klosters stark beschädigt.
Brüssel, 11. April. In dem größten Teile BelgienS toben seit 48 Stunden Schneestürme, die große Verheerungen angerichtet haben.
Odessa, 11. April. Ungeheurer Schaden ist durch Schneestürme und Hagelschlag in Rußland in den letzten Tagen angerichtet worden. Besonders im südlichen Teil bei Landes haben viele Städte und Dörfer schwere Beschädigungen erlitten. Im Schwarzen Meer ist die Schiffahrt feit mehreren Tagen vollständig unterbrochen. In Südrußland sind 39 Personen dem Unwetter zum Opfer gefallen und erfroren.
$tr Krieg zwischen Wen unü Der Arkti.
Nachdem zwischen den fünf Großmächten der Wortlaut der in Konstantinopel zu stellenden freundschaftlichen Anfrage festgesetzt worden ist, dürfte der gemeinsame Schritt der Botschafter von Rußland, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Frankreich und England demnächst bei der Pforte erfolgen. Die Form der FriedenSaktion wird der kürzlich in Rom gewählten entsprechen, wobei wiederum oer Vertreter Rußlands, alt desjenigen StaateS, auf dessen Anregung der Schritt beschlossen wurde, die Anfrage zuerst stellen wird. Dem Ermessen bei einzelnen Botschafters ist eS übrigens überlassen, die Ansrage in schriftlicher oder mündlicher Form anzubringen. Ein fester Termin ist hierfür »och nicht in Aussicht genommen, doch dürste der nächste offizielle EmpsangStag beim türkischen Minister deS Auswärtigen, Affim-Bei, gewählt werden. Man darf annehmen, daß die Antwort der Pforte auf die Anfrage der Mächte nicht vor Beginn der türkischen Kammertagung erteilt werden wird.
Mailand, 11. April. Seit acht Tagen waren alle Privattelegramme auS Tripolis ausgeblieben, und die Span- nung bei Publikums war aufs höchste gestiegen. Briefliche