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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 40.

Dienstag, den 2. April

ISIS.

Amtlicher teil.

LandespolizeUiche Anordnung, betr. die Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.

Mit Rücksicht auf die Feststellung der Maul- und Klauen­seuche in Friedlos, Kreis HerSseld, durch den beamteten Tier, arzt bestimme ich in Erweiterung meiner landcSpolizeilichen Anordnung vom 9. Oktober 1911 A. III. Nr. 4843, Amts­blatt Nr. 41 Seite 354/5 folgendes:

I. Zu dem Sperrgebiet im § 1 tritt die Gemeinde Friedlos.

II. Das BeobachtungSgebiet im § 11 wird auf die Ge­meinden ReiloS, Rohrbach, Mecklar und Meckbach ausgedehnt. III. Das Verbot deS ViehverladenS § 8 wird auf die Eisenbahnstation Friedlos ausgedehnt. (A. III. Nr. 2026II.) Cassel. den 28. März 1912.

Der RegierungS-Präsident. (Unterschrift.)

HerSseld, den 16. März 1912.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 11. Februar 1873 (KreiSblatt Nr. 12) betreffend die Vertilgung der Raubennester, werden hierdurch die Herren OrtSvorstände deS Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den Ortspolizeiverwaltungen zu- stehenden Mitteln Vorzugehen resp, dem Polizeianwalt zwecks der gerichtlichen Bestrafung nach dem § 368,2 des Stras- gesetzbucheS zur Anzeige zu bringen.

Die Königliche Gendarmerie wird tun, waS ihre Pflicht ist. Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für tunlichst« Verbreitung der hierunter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge gezahlt werden.

I. 3322. Der Landrat

von GruneliuS.

* *

* Die Vertilgung der Kohlweisslinge.

Jeder Landwirt und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen und Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Feldern und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast aus­nahmslos gerade diejenige deS Kohlweißlings. DaS Geschäft der Raubenvertilgung bleibt deshalb vorzugsweise der mensch­lichen Tätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur rechten Zeit unter An­wendung der richtigen Mittel eingreifen wollte.

Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großen Mengen an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.

Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der unteren Seite kreuzblütiger Gewächse (Raps, Meerretig rc.). Nach 1014 Tagen schlüpfen die Räupchen aus

mpor!

Eine Ostergeschichte von Berthold Rosenthal.

(Nachdruck verboten.)

Der junge Maler Franz Bergmann arbeitete eifrig vor seiner Staffelei. Er malte einen Blumenstrauß, der seitlich von ihm auf einem Tischchen stand. Der ganze Vorwurf war bei aller Schlichtheit sehr geschmackvoll hergerichtet. Die Blumen waren nicht extra sorgfältig in einer kunstvollen Vase geordnet, sondern sie drängten sich in malerischem Durchein­ander über den Rand eines gewöhnlichen, bunt glasierten TongesäßeS empor, wie man eS eben in der Eile aus der Küche holt, wenn man mit so lieber und zarter Ausbeute von einem Spaziergang zurückkehrt. Der Strauß selbst be­stand nur aus solchen Kindern FloraS, wie sie der deutsche Wald zur Osterzeit bietet. Da glänzten das zarte Schnee­glöckchen und die zierliche Anemone in keuschem Weiß, und die gelben Himmelschlüssel blickten so heiter und selbstbewußt drein, alS wüßten sie ganz genau, was ihr Name bedeutet, und hier und da lugte ein blaues Veilchengesichtlein neugierig zwischen den größeren Schwestern hervor. Alles überragten die schlanken Weidengerten mit ihren silbergrauen Kätzchen und ihren träumerisch herniederhängenden goldigen Blüten- dolden, und den Hintergrund bildeten junger Fichtentrieb und daS muntere Hellgrün der früh erwachenden Birke.

Immer wieder glitten die Blicke der MalerS prüfend nach den Blumen hinüber, und beinahe hastig suchte er die Ein- drücke der Farben und Umrisse auf seiner Leinwand srstzu- halten. Aber so viel er auch an dem fast vollendeten Ge­mälde veränderte, so oft er auch aufS neue die Farben aus seiner Palette mischte, um diese oder jene Nüance naturgetreu wiederzugeben, so bewies doch seine düstere Miene, wie wenig er selbst mit dem Erfolge seiner Mühe zufrieden war. End­lich ließ Bergmann unmutig den Pinsel sinken und betrachtete kopfschüttelnd daS Resultat seiner Arbeit.

will mit nicht gelingen, den Strauß so wiederzugeben, wie ich ihn sehe", flüsterte er seufzend,den keuschen Früh-

und beginnen an den sie beherbergenden Gewächsen ihre zerstö­rende Tätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb vier Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.

Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und eS beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesenauskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Ver- puppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind es, welche in warmen, mehr trockenen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.

Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vor. genommen werden, so muß sich diese erstrecken:

1. auf das wiederholte Aufsuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich wie gesagt, auf der untern Seite kohlartiger Gewächse und stets in größerer Zahl auf einer kleinen Fläche vorfinden.

2. auf das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermonate, besonders während deS Januars und Februars und ganz besonders

3. auf das Fangen der der ersten Generation angehörenden Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vorsommer fliegen.

Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Generation gar nicht bewältigt werden können.

Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen ver­nichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einfängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel ange­griffen und im Keime erstickt.

Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecken zu erkennen, welche sie auf der Mitte der Vorderflügel haben. Dem Männchen fehlen dieselben.

Das Wegfangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Einmal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühjahr nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieblingsbeschäftigung für die Jugend. Schaffe nur jeder Landwirt und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er setze für Einlieferung einer ge­wissen Anzahl dieser Frühlingsschmetterlinge Prämien aus. ES würde sich ohne Zweifel selbst lohnen, Tagelöhner mit dem Ein­fängen der Schmetterlinge zu betrauen.

Stadt- und Landgemeinden und die landwirtschaftlichen Ver­eine sollten die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl ange­messen prämiieren. Geschehe dies allgemein, so würde man des schädlichen Insekts bald Herr werden.

HerSfeld, den 29. März 1912.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Dippach erloschen ist, werden die Orte Philippsthal mit Thal­hausen, Leimbach und Heringen o/Werra wieder a u S dem BeobachtungSgebiet ausgeschieden.

I. 3905. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 27. März 1912.

Unter den Schweinen des Heinrich Deisenroth in Hilmes ist die Rotlaufseuche erloschen.

I. 3761. Der Landrat.

8. A.:

Wessel, KreiSfekretär.

HerSseld, den 26. März 1912.

Aus Anordnung des Herrn RegierungS-Präsidenten werden

lingSzauber, den diese Blumen auSströmen, vermag ich nicht aus die Leinwand zu bannen. Vielleicht gelingt es mir morgen; heute habe ich keine Stimmung dazu. Wie soll man auch Lust zum Schaffen haben, wenn man für alles ehrliche Streben weiter nichts erntet als Hohn, Tadel und Mißersolg?"

Finster blickte der junge Künstler auf die mächtigen Kisten, in denen noch verpackt seine Gemälde ruhten, so wie sie von der Ausstellung zurückgekommen waren. Kein einziges hatte er verkauft! Natürlich, die große Masse richtete sich sklavisch nach den Urteilen der Kritiker, und die hatten für Franz Bergmanns Eigenart gar kein Verständnis. Wie waren sie erst neulich wieder in ihren Rezensionen über ihn hergesallen; er war ordentlich, als hätten sie sich allesamt gegen ihn verschworen. Der Maler holte einen Pack Zeitungen herbei und überlaß mit Ingrimm noch einmal die Kritiken.

Dilettantenhafte Technik", wiederholte er halblaut,pein­liches Mißverhältnis zwischen Wollen und Können, Unselb­ständigkeit, künstlerische Unreise. Keiner hat ein freundliches Wort für mich; aber ihr könnt meine innere Stimme nicht mit eurem boshaften Geschwätz beirren I" Der junge Mann rief die letzten Worte, als ständen die Kritiker vor ihm. Mit impulsiver Wut ballte er die Zeitungen zusammen und schleu­derte sie heftig in einen Winkel seines Ateliers.

Dann setzte er sich in einen Sessel, den Kops in beide Hände stützend, spann er seine trüben Gedanken weiter. WaS sollte auS ihm werden, wenn es ihm nickt gelang, sich gegen die Kritik endlich durchzusetzcn? Das kleine Ver­mögen, daS er von seinen Eltern geerbt hatte, würde für seine bescheidenen Ansprüche wohl noch ein paar Jahre langen, aber waS dann?

Gequält seufzte Franz Bergmann auf, denn noch viel schlimmere Sorgen alS die materiellen lasteten aus seiner Seele. ES gab in seinem Leben Stunden der schlimmsten Entmutigung, in denen der Zweifel an sich selbst, an seinem Talent, wie ein hämisches Gespenst vor ihn hintrat. Und doch warum hätte ihn sein Herz seit srüher Jugend zu dieser Kunst hingezogen, wenn die Natur ihm daS Talent da«

die Viehmärkte am 2. und 14. Mai d. ZS. in HerSfeld auf velerinärpolizeilichcn Gründen untersagt.

I. 3726. Der Landrat.

J. «.:

Wessel, KreiSjekretär.

Berichtigung.

Die in voriger Nummer in der Bekanntmachung betr. FrühjahrSkontrollversammlungen im Kreise HerSfeld irrtümlich bei HerSseld I aufgeführten Gemeinden Friedlos, ReiloS, Mecklar, Meckbach mit Kneipmühle, Gerte- rode, Rohrbach, Tann gehören zu dem Kontrollort Friedlos und haben daselbst Sonnabend den 13. April 1912, 10Vi Uhr vormittags zu erscheinen.

nichtamtlicher Ceil.

Bismarck.

(Zum 1. April).

ES ziert die Nation in der Gegenwart und stärkt die Hoffnung auf die Zukunft, wenn sie ihre großen Männer ehrt," so hat einmal unser alter Kaiser Wilhelm der Große inbezug auf Bismarck gesagt. Unter den Großen aber steht der Name des ersten deutschen Kanzlers mit an erster Stelle. Deshalb ist auch der 1. April als BiSmarckS Geburtstag zu einem nationalen Gedenktage geworden, an dem seine gewal­tige Reckengestalt wieder lebendig unS vor die Augen tritt.

Blicken wir zurück auf die Zeit, wo Fürst BiSmarck zuerst in die Geschicke unseres DUerlandcS eingriff. Wallt nicht allen guten Deutschen, wenigstens den älteren, noch heute daS Blut in heißem Grolle auf, wenn jene trüben Tage bei alten deutschen BundeS in der Erinnerung aufsteigen? Da war eS, in jenen Tagen des tiefsten politischen Elends unseres im Innern jeriffenen, im Auslande mißachteten, verlachten, verhöhnten Volkes, wo uns der gottbcgnabete, gottgerüstete Rächer und Retter erstand. Da trat er heraus für unS auf den Plan, da stürzte er mit der Kraft und dem Mut und dem Feuer eines KriegSgotteS sich hinein in den Kamps, den Jahre lang dauern­den Titanenkamps gegen die inneren und äußeren Feinde unserer Einheit, unseres Glückes, unserer Macht, unserer Größe. Und nicht lange hat eS gewährt, da ist in manches deutschen Mannes Brust der Traum unserer Väter aus- neue erwacht, das alte fast vergessene Lied ausS neue erklungen, der alte schöne Traum vom einigen Batcrlande, daS alte mächtige Lied vom deutschen Kaiserreich.

Fürst BiSmarck war eS, der zuerst mit Seherblick erkannte, daß die deutsche Flagge nicht durchReden und MajoritätS- beschlösse", sondern nur durchBlut und Eisen" gelöst wer­den könne; er war eS, der uns in heißem Ringen gegen eine widerstrebende Volksvertretung die Rüstung schmiedete zum kommenden Kampse; er war es, der schließlich mit wuchtigem

zu versagt hätte? Warum konnte er Formen und Farben so intensiv nachsühlen, wenn eS ihm nicht gegeben war, sie künstlerisch zu gestalten? Und er hatte keinen Menschen, der ihm mit Liebe und Verständnis half, sich in dem Wirrsal der eigenen Seele zurechtzufinden, keinen, der ihm die Wege weisen konnte zu seinem Ziele.

Keinen? Ein Lächeln glitt über daS müde Antlitz bei jungen Künstlers. Wie konnte er die zarte Teilnahme ver­gessen, die ihm Else Leitner entgcgenbrachte? Sie wurde nicht mübe, ihm zuzuhören, wenn er ihr von seinen Plänen und Ideen erzählte; ja, sie ermunterte ihn dazu, sich auSzu- sprechen, wenn ein neuer Mißersolg sein Gemüt bedrückte. In ihren braunen Augen laS er ein wohltuendes Mitleid, und ihre weiche, klangvolle Stimme schien ihm oft ein Fluidum neuer Kraft auf seine ermattete Seele zu übertragen. Sie schwebte wie ein guter Engel über seinem Leben, und mit liebender Verehrung blickte er zu ihr empor.

ES war Abend geworden und durch daS Glasdach senkte sich bläuliche Dämmerung in daS Atelier. Der einsame Träumer bemerkte eS nicht, er dachte auch nicht mehr an feine Sorgen, denn feine Gedanken weilten bei der Geliebten. Wenn sie ihm zur Seite stände, dann würde das Ringen um den Erfolg ihm leichter werden, ihre Liebe würde ihn stark machen zum Siege über sich selbst und über die andern. Und liebte sie ihn wieder? Noch war kein Wort von Liebe zwischen ihnen gesallen, aber die stumme Sprache ihrer braunen Augen, die liebevolle Teilnahme, die sie ihm entgegenbrachte, die be­deutete mehr alS Freundschalt. An ihm lag eS, wenn er nicht mutig sein Glück erfaßte, wenn er nicht daS erlösende Wort sprach, auf daS sie vielleicht sehnsuchtsvoll harrte.

Bergmann richtete sich empor und seine Züge gewannen einen frohen, entschlossenen Ausdruck. Heute hatte ihn ja ihr Vater, der Kommerzienrat Leitner, wieder zur Gesellschaft ein- geladen, vielleicht bot sich ihm heute Gelegenheit, an Elfe die entscheidungSvolle Frage zu richten, ob sie die Seine werden wolle.

Aber würde der Kommerzienrat seine Zustimmung geben? Er hatte den jungen Maler zwar immer mit Freundlichkeit behandelt, doch hatte er in seinem Benehmen dabei immer