Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage
Fernsprech-ktnschlutz Nr. 8
Nr. 33.
Donnerstag, den 14. März
ISIS
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3Va %igen Staatsanleihe von 1882 werden vom 1. Dezember d. 31. ab neue ZinSscheinbogen auSgegeben. Die Ausgabe geschieht durch Bermittlung der Kgl. KreiSkasse in HerSseld und ReichSbank-Nebenstelle in HerSseld.
Den Vermittlungsstellen sind die Erneuerungsscheine (Talons) mit Verzeichnis einzuliefern. Formulare zu Verzeichnissen werden unentgeltlich abgegeben.
HerSseld, den 8. Dezember 1911.
I. 15 794. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den' 2. März 1912.
Im deutschen Reiche sind zur Zeit folgende Regierungsbezirke und BundeSstaaten, die nicht in Regierungsbezirke geteilt sind, mit Maul- und Klauenseuche verseucht:
KönigSberg, Gumbinnen, Allenstein, Danzig, Marienwerder, Berlin, PotSdam, Frankfurt, Stettin, KöSlin, Stralfund, Posen, Bromberg, BreSlau, Liegnitz, Oppeln, Magdeburg, Merfeburg, Erfurt, SchleSwig, Hannover, HildeSheim, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Aurich. Münster, Minden, ArnSberg, Gaffel, Wiesbaden, Koblenz, Cöln, Düsseldorf, Trier, Aachen, Sigmaringen, Oberbayern, Niederbayern, Pfalz, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Untersranken, Schwaben, Bautzen, DreSden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau, ReckarkreiS, Schwarzwaldkreis, JagstkreiS, Donaukreis, Konstanz, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Starkenburg, Oberhessen, Rheinhessen, Mecklenburg- Schwerin, Sachsen-Weimar, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Lübeck, Birkenseld, Braunschweig, Sachsen-Meiningen, Sachsen- Altenburg, Coburg, Gotha, Anhalt, Echwarzburg-SonderShausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuß ältere Linie, Reuß jüngere Linie, Schaumburg-Lippe, Lippe, Lübeck, Bremen, Hamburg, Unter-Elsaß, Oberelsaß, Lothringen.
I. 2710. Der Landrat.
3. 8.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 11. März 1912.
AuS gegebener Veranlassung weise ich erneut auf die mit Verfügung vom 25. Mai 1908 I. 4825 — Kreisblatt Nr. 66 — abgedruckten Bestimmungen über die Gewährung zinsfreier Darlehen an Pferdezuchtvereine und Pferdezucht- genossenschaften zur Beschaffung von Deckhengsten hin.
I. 2531. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 6. März 1912.
In den Gemeinden ErSrode und Lichtenrode, Kreis
Eine berühmte frau.
Novelle von E. R i e d c l.
(Fortsetzung.)
Der Angeredete schüttelte kaum merklich den Kopf und entgegnete freundlich, aber bestimmt: „Betty ist hierin ihres freien Willens, und ich habe kein Recht, in einer rein persönlichen Sache eine Entscheidung zu erzwingen. WaS sie tut, ist gut. Aber" — er faßte freundlich die Hände seiner Frau — „vielleicht überlegt sie eS sich noch, wie?"
„Ach war," fiel Röfi ein, „überlegen! Das gibt'S nicht. Ihr werdet mich nicht eher los, als bis ich bestimmten Bescheid habe. In 14 Tagen ist die Hochzeit, und da ist keine Zeit mehr zu verlieren."
„Ja, das stimmt. Aber der Vorwurf, wenn eS einer fein soll, trifft Euch selbst. Ihr hättet eS früher sagen sollen. Die Zeit ist sehr kurz bemessen."
Betty sah gequält von einem zum andern. WaS sollte sie tun? Irma war immer am freundlichsten gegen sie gewesen.
„Irma würde sich so freuen I Du weißt, sie hält so viel von dir und nun willst du ihr nicht einmal die Freude machen!" versuchte Rösi wieder zuzureden, und jetzt traf sie daS Richtige. „Geh, sei kein Frosch I ES sieht dich ja kein Mensch da oben, bloß der alte Organist; der frißt dich nicht."
„Nun gut. Ich tu'S."
„Bravo! Siehst du, daS wußte ich doch I Also morgen Va4 Uhr bist du bei unS. Da bringe ich dich zu deinem Lehrmeister."--
Die Trauung von Irma Burkhardt, der Tochter deS allgemein beliebten und geachteten JustizratS, hatte eine Menge Schaulustige in die Kirche gelockt. Gerade der Berliner nimmt an derartigen familiären Ereignissen mehr Anteil als irgend ein anderer Großstädter. Natürlich war die holde Weiblich- seit besonders stark vertreten. Für sie bilden ja die Toiletten,
Rotenburg, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich fest, gestellt worden.
I. I. Nr. 2742. Der Landrot.
3. «.:
Wessel, KreiSsekretär.
Landespolizeiliche Anordnung, betr. die Maul- und Klauenseuche im Streife Hünseld.
In Erweiterung meiner landespolizeilichen Anordnung vom 2. März 1912 A. III. Nr. 1368 all — Amtsblatt Nr. 9 n Seite 102/3 — betr. die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche im Streife Hünseld bestimme ich solgendeS:
DaS BeobachtungSgebiet im § 11 wird auf die Gemeinden Holzheim und KruSpiS im Streife HerSfeld ausgedehnt. (A. III. Nr. 1598.) ,
Caffel, den 8. März 1912.
Der RegierungS-Präsident. gez. v. Bernstorss.
* •
HerSseld, den 11. März 1912. Wird veröffentlicht.
I. 3082. Der Landrat.
3. A.
Wessel, KreiSsekretär.
. Bekanntmachung.
Die Zustellung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen erfolgt in diesem Jahre in der Zeit vom 25. 3. 1912 ab in den Ortschaften, welche nicht zum Landbestellbezirk HerSseld gehören, durch die Post, in den zum Landbestellbezirk gehörigen Ortschaften durch die OrtSbehörden, in der Stadt HerSseld durch Ordonnanzen.
Die noch nicht zur dienstlichen K.nntn:S gebrachten Woh- nungS-Veränderungen (Aenderungen der Hausnummern) sind sofort zu melden.
Die Mannschaften des BeurlaubtenstandeS haben den Anweisungen auf der den Kriegsbeorderungen beigesügten Postkarte strengstens Folge zu leisten. Vor allem ist die Postkarte, welche alS Quittung dient, am 1. April abzusenden. Bei Ab- sendung der Postkarte nach Unterschrift ist die alte Kriegs- bcorderung oder Paßnotiz sofort zu vernichten.
HerSfeld, den 7. März 1912.
Königliches Bezirkskommando.
nichtamtlicher teil.
Wurm muh IMIM eint starte Wtjrmchl |ah?
„Wir sollen stets bereit sein, unsere Rüstung lückenlos zu erhalten, denn nur auf unserer Rüstung beruht unser
die es bei solchen Gelegenheiten immer zu sehen gibt, den Brennpunkt deS Interesses.
Im Schiff der Kirche wurden zwar im Flüsterton, zu dem der erhabene Ernst eines Gotteshauses auch oberflächliche Menschen unwillkürlich zwingt, aber doch immerhin lebhaft genug die Familienverhältnisse deS Brautpaares besprochen, so daß sich auch weniger Eingeweihte mit Muße und in aller Stille orientieren konnten. Man konnte hören, daß die Familien, die hier in verwandschastliche Beziehungen traten, geachtet und beliebt waren, daß daS Brautpaar schön und der Bräutigam Amtsrichter in Königsberg fei.
Jeder gab seine Wissenschaft mit unverkennbarer Wichtigkeit und Genugtuung den weniger Eingeweihten zum besten und erntete dafür zustimmendes Kopsnicken und den Ruhm, der Familie besonders nahe zu stehen.
DaS Flüstern und Raunen verstummten, als die Orgel präludierte und der Brautzug durch daS Schiff der Kirche dem schön geschmückten Altar zuschritt. Der Heilige Akt begann, und der Geistliche, der die Braut schon konfirmiert hatte, redete in herzlichen Worten zu dem jungen Paare. Er verwies sie in freundlichem Ernst daraus, daß die Krone deS Lebens errungen fein will in unermüdlicher treuer Erfüllung aller Pflichten gegen uns und unsere Nächsten und ermähnte sie, die Liebe, die wahre, reine Liebe, die alles erduldet und trägt, zwischen sich und über sich herrschen zu lassen. DaS Jawort war gesprochen, die Ringe unter dem Läuten der Glocken ge- wechselt, da setzte die Orgel von neuem ein. Eine tiese klang- volle Frauenstimme begann erst leise, fast zaghaft: „Sei getreu biS in den Tod, so will ich dir die Krone deS Lebens geben." Hunderte von Köpsen reckten sich nach dem Chor hinaus, wo Betty stand. Sie war von der Predigt noch stark ergriffen. Die Stunde erinnerte sie an ihre eigene Trauung, so daß ihr ganzes Fühlen und Denken in einem einzigen innigen Gebete gipseltr. Vergessen war die Scheu, die sie angesichts der vielen Menschen wieder erfaßt hatte, und die Augen schließend, gab sie die ganze Innigkeit ihrer Seele zum Ausdruck.
„Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir." Wie eine himmlische Botschaft erklangen diese Worte. Voll und reinschweb-
Fuedc!" Ernste Beherzigung verdient diese Warnung, die unser oberster Kriegsherr gelegentlich deS KaisermanöverS 1910 in Königsberg dem deutschen Volke zurief, heute mehr denn je. Die Erfahrungen deS letzten Sommers, der uns ganz unvermutet hart an den Rand eines KriegeS brächte, haben undeutlich die Notwendigkeit vor Augen geführt, den alten Grundsatz: „Bereit sein ist alleS" zu unserer Richtschnur zu nehmen.
Nach schweren inneren Kämpfen und einem blutigen Kriege gegen unsern Erbfeind Frankreich ist eS unS gelungen, die deutsche Einheit zu erringen und aus der Grundlage dieser Einheit eine achtunggebietende Stellung in der Welt und hohes wirtschaftlicher Em^arblühen zu erlangen. So groß diese Errungenschaften au , sind, so darf doch daS deutsche Volk die Hände nicht in den Schoß legen, wenn eS sein politischer Gewicht und seinen Platz aus dem Weltmärkte behaupten will. ES ist begreiflich, daß Deutschland, welche- jahrhundertelang weder im Rate der Völker noch im wirtschaftlichen Leben eine ausschlaggebende Rolle spielte, von denjenigen Staaten, deren Streife eS durch seinen, lediglich seinen Siegen zu verdankenden Aufschwung störte, mit Mißgunst betrachtet wird. In diese mischt sich bei den Heineren Nachbarn, allerdings ganz unbegründeter Weise, aber von den interessierten Nebenbuhlern absichtlich geschärt, ein Gefühl der Beängstigung. Schwierigen Verhältnissen steht hiernach daS Deutsche Reich gegenüber; eS kann wirklich von sich sagen: „Feinde ringsum" — trotz der friedlichen Gesinnung, die eS seit seiner Einigung vor nunmehr 4 Jahrzehnten bei jeder Gelegenheit in selbstlosester Weise an den Tag gelegt hat.
„Wir stehen in der Mitte von Europa, auf bem ungünstigsten strategischen Platz, der sich auf der Starte aller fünf Weltteile ausfindig machen läßt. Unsere Rüstungen find von der Normen Ligkcir dikrie.!: uns nach verschiedenen Fronten verteidigen zu müssen." Durch diese Worte, welche der damalige Reichskanzler Fürst Bülow vor drei Jahren im Reichstage auSsprach und die ihren Eindruck nicht verfehlten, brächte er in zutreffender Weise dem deutschen Volke die Gefahren seiner Lage in Erinnerung. Seit einem Menschenalter muß unsere StaatSleitung mit der Möglichkeit einer von mehreren Seiten gleichzeitig gegen unS erfolgten Angriffs rechnen und diese Möglichkeit bei allen ihren militärischen wie politischen Maßnahmen berücksichtigen. Unsere militärische Lage ersuhr diese ungünstige Wendung, alS die in den achtziger Jahren begonnene Annäherung Rußlands an unsern alten Gegner Frankreich zu einem regelrechten Bündnis sich auSgestaltete und unS zwang, die bis dahin lediglich nach Westen gerichtete Aufmerksamkeit zu teilen und auch dem Osten zuzuwenden. Sie verschlimmerte sich auch weiterhin, alS auch England mit seinem bisherigen Widersacher Rußland sich einigte und offen alS Freund deS dem Deutschen Reiche feindlich gegenüber- stehenden ZweibundeS Frankreich—Rußland austrat. Von zwei Seiten her zu Lande durch mächtige Militärstaaten eingeschnürt, von denen namentlich Frankreich eine ebenso starke
ten die Töne durch die Kirche, so daß Betty überrascht dem Klänge ihrer eigenen Stimme lauschte.
Auch ihr Mann, der mit unter den Hochzeit-gästen im Altarraum saß, hob überrascht den Kopf. Eine dunkle Röte überflog sein ernstes Gesicht bei diesen wunderbaren Klängen und erstaunt fragte er sich: Ist das BettyS Stimme? Er hatte sie wohl zu Hause in ihrer kleinen Wohnung schon manch liebe- Mol bei der Arbeit vergnügt trällern hören und sich an dem Wohllaut ihrer Stimme erfreut. Er wußte auch, daß sie ein seines musikalisches Gehör hatte; aber diese Tonsülle und technische Sicherheit überraschte ihnl Ja, was hatte er doch für eine unvergleichliche Frau und wo hatte sie daS her? Davon hatte sie noch nie etwas merken lassen!
Erst als sich die um ihn Sitzenden von ihren Plätzen erhoben, merkte er, daß Betty längst ausgehört hatte zu fingen, und doch war eS ihm, als sei die geweihte Stätte noch an- gefüllt mit den Tönen, die ihrer Kehle wie edles Metall entströmt waren. AlS das Brautpaar beglückwünscht war, drängten sich verschiedene der Geladenen um Kurt Bohrmann und beglückwünschten auch ihn. Mit feuchten Augen dankte ihm die liebliche Braut und bekannte: „Ich habe ja gar nicht gewußt, daß in Bettys Kehle ein solcher Reichtum steckt. Warum haben wir daS nicht früher ersannt ?"
ES klang eine leise Anklage au- den Worten, doch Kurt entgegnete: „Gottlob! Sonst wäre sie vielleicht heute nicht meine Frau."
DaS HochzeitSmahl verlief, wie die meisten derartigen Mahle zu verlaufen pflegen. Ernste und heitere Tischreden wechselten mit gut gelungenen Vorträgen, unter denen RöfiS derbe Berliner Köchin, in reinstem Berliner Jargon vorgetragen und mit urwüchsigen Berliner Redensarten vermengt, vor allen Dingen für eine fröhliche Stimmung bahnbrechend war.
Dem Bahrmannschen Ehepaar wurde heute nächst dem Brautpaar die meiste Beachtung geschenkt. Man „entdeckte" eS eigentlich erst heute, obgleich eS den meisten Gästen doch schon seit Jahren bekannt war. Besonders Betty traf hier mit vielen Verwandten und Bekannten aus früheren Jahren zusammen und war erstaunt über die freundliche Offenheit, mit der man ihrem Gesang Bewunderung zollte. An so etwas