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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-klnschlutz Nr. 8

Nr. 38.

Dienstag, den 5. März

ISIS.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 29. Febr. 1912.

Unter Hinweis aus daS Gesetz, betreffend die Beschulung blinder und taubstummer Kinder vom 7. August 1911 und die AussührungSanweisung dazu, abgedruckt im amtlichen Schulblatte Nr. 2 für 1912, Seite 13/26, ersuche ich die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher deS Kreises als- bald und mit möglichster Beschleunigung die nach Abschnitt IX der AussührungSanweisung vom 21. Dezember 1911 (Amt- licheS Echulblatt für 1912 Seite 15/26) vorgeschriebene Liste aller im schulpflichtigen Alter stehenden und mit dem Beginn der bevorstehenden Schuljahres (Ostern 1912) in das schul­pflichtige Alter eintretenden Kinder, welche unter daS Gesetz (§ 1) fallen und noch nicht in Anstalten untergebracht sind, auszustellen.

Diese Liste ist nach dem unter Abschnitt I. der AuSsührungS- anweisung erwähnten Muster A, und zwar in z w e i s a ch e r AuSsertigung auszustellen.

Nachweisung der am 1. April 1912 vorhandenen taubstummblinden Kinder.

Lfd. Nr.

Name und Vorname

des Ki

Geburtstag

ndes

Namen

der Elt

Stand

ern bezw. *

Wohnort

ßfleger

In welch

ist das Kind untergebracht?

er Anstalt

soll das Kind freiwillig untergebracht werden?

Bemerk­ungen.

HerSseld, den 1. März 1912.

Im Monat Februar d. Js. sind von hier aus den nachbezeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

1. entgeltliche:

am 8/2. dem Georg Rosenthal II in RanSbach,

13/2. Bürgermeister Peter Lehn in ReiloS,

16/2. Zollinspektor Fernau in HerSseld,

24/2. , Ziegelmeister Johannes Frahnert in Philippsthal

2. unentgeltliche: Keine I

B. Tagesjagdscheine: Keine! Der Landrat von GruneliuS.

HerSseld, den 2. März 1912.

Der Schweinemarkt in Hünfeld am Dienstag, den 5. d. MtS. ist auS veterinärpolizeilichen Gründen untersagt worden. I. 2744. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersfeld, den 4. März 1912.

Infolge der Arbeiten beim Bahnbau HerSseld-Heimbolds-

Um ein MillionenmSüel.

Amerikanische Novelle von W a l t h e r Kabel.

(Fortsetzung.)

Der Jrländer schüttelte den roten Kopf.Burton, daS ist unmöglich! Die Jacht wollt ihr stehlen? Habt Ihr Euch auch alle Schwierigkeiten überlegt?"

Schwierigkeiten ? Ihr vergeßt, daß ichKapitän derAriadne" bin und bei Miß Weather hoch in Ansehen stehe. WaS ich ihr Vorschläge, tut sie unbedingt. So ist bei unserer Ankunft hier der größte Teil der erst im Frühjahr angeworbenen Besatzung auf meine Veranlassung hier abgelohnt worden, weil die Jacht zunächst 2 Wochen zur Ausbesserung einer Bodenbeschädigung im Dock liegen mußte und die Leute während dieser Zeit nicht untätig mitgefüttert werden sollten, in Wirklichkeit, damit ich mir nachher die neue Mannschaft selbst aussuchen konnte. Und die habe ich nun auch schon beisammen, trotzdem sie nicht gerade nach dem Geschmack meiner Herrin sein dürste. Leider sind die braven Jungen aber nicht so leicht abkömmlich, und eS wird noch einige Mühe machen, sie glücklich an Bord zu bringen. Nun paßt gut auf, Morris! Wie Ihr wißt, sind keine 800 Meter von Eurer Farm in einer festen Barocke am Strande der Insel 24 Zuchthäusler au« FriSko einquartiert, die mit dem Lossprengen und Behauen von FelSstücken für den Bau der neuen JnselsortS beschäftigt werden. Ich habe nun auS- gekundschastet, daß sich auch 9 von meinen früheren Leuten und gerade die tüchtigsten Kerle darunter befinden. Auf einige werdet Ihr Euch sicherlich noch besinnen, fo auf den langen Eangnassy und den dicken Fred. Ich beabsichtige nun nichts andere-, all diesen vierundzwanzig Mann die Freiheit wiederzugeben und sie mit mir auf die Kreuzfahrt nach^Norden zu nehmen. Bill SiderS, der sich schon einige Wochen hier in einer Hasenkneipe aufhält, hat auch bereits die nötige Kleidung, Schiffskisten und Papiere besorgt, so daß es nur noch darauf ankommt, sie aus dieser verwünschten Baracke herauSzuholen. Dabei sollt Ihr mir helfen, Morris

Den OrtSvorständen bleibt eS überlassen, gegebenenfalls in Spalte 8 der Liste kurz darzulegen. weshalb sie ein Kind zur Unterbringung in einer Anstalt nicht für genügend entwickelt oder bildungsfähig halten.

Von den OrtSvorständen sind die doppelt aufgestellten Listen b i S l ä n g st e n s d e n 1 2. M S r z d. I S. a n die zuständige OrtSschulbehörde (Schulvorstand) abzugeben.

Diese hat sodann die Nachweisung mit ihrer Aeußerung unverzüglich an den Herrn KreiSschulinspektor in Caffel, Hohenzollernstraße 167, weiter zu reichen.

Die Formulare A, B und C sind in der Hof- und Waisen- hauS-Buchdruckerei in Cassel zu haben.

Zum gleichen Termin ist eine Nachweisung über daS Er­gebnis der Ermittlung der taubstummen und zugleich blin­den Kinder im Lebensalter von 615 Jahren getrennt nach Jahrgängen nach folgendem Muster vorzulegen.

I. 2524. Der Landrat

von Grunelius.

hausen wird der Landweg RanSbach-HeimboldSbausen vom AuSgange deS Ortes RanSbach bis zur Einmündung deS Landweges von AuSbach oberhalb Nippa für die Zeit vom 6. bis einschl. 8. d. MtS. für den öffentlichen Verkehr gesperrt. I. 2764. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Freitag zunächst RechnungS- sachen, die sich zumeist auf eine Reihe EtatSüberschreitungen bezogen. ES sprachen hierzu auS dem Hause die Abg. NoSke (Soz.) und Erzberger (Zentr.), regierungsseitig der Staats­sekretär deS Reichsschatzamtes Wermuth und der württem- belgische BundeSratsbevollmächtigte Generalmajor v. Grävenitz. Im weiteren gab die Pensionierung einer preußischen Stabs- apothekerS und eines Württembergischen Rittmeisters Anlaß zu einer längeren Debatte, an welcher die Abgeordneten Erzberger (Zentr.), Noske (Soz.) und Graf PosadowSky (Wild), ferner Staatssekretär Wermuth, Generalmajor V. Grävenitz und der preußische Generalleutnant Bacmeister teilnahmen. Dann

Macht nicht ein so dummeS Gesicht, Alter. Ich weiß schon, was Ihr wieder für Bedenken habt. Gewiß die Kamerad, n da drüben werden von drei bewaffneten Aufsehern überwacht, außerdem noch von mehreren Bluthunden, die nachts inner­halb der Pallisadenumzäunung frei herumlaufen. Auch sührt eine Telephonverbindung nach dem nächsten Jnselsort, damit die Wächter sofort Hilfe herbeirufen können, falls ihre Zöglinge einmal rebellieren sollten. DaS weiß ich alles, schreckt mich aber nicht ab. Ich brauche die Leute unbedingt. Und wenn nicht diese verwünschte, überhastete Abreise gekommen wäre, so hätte ich schon Mittel und Wege gefunden, mich mit Eang­nassy oder Fred in Verbindung zu setzen und mit ihnen daS notwendigste zu vereinbaren. Eo aber tut jetzt die größte Eile not. Uebermorgen srüh soll dieAriadne" den Hafen bereits verlassen, und bis dahin müssen die Leute an Bord fein I Und daher will ich versuchen, noch heute eine Nachricht nach der SträflingSbaracke zu senden."

DaS klingt ja so, als ob Ihr nur nötig hättet, ein Schreiben durch die Post dorthin bringen zu lassen," unter­brach ihn Morris ironisch.So einfach dürste daS doch wohl nicht sein, wenn ich auch zugcbe, daß eS nicht unmög- lich ist. Wie wolltet Ihr also die Sträflinge von Eurem Vorhaben verständigen?"

Darüber möchte ich ja gerade Euren Rat hören," sagte Burton unsicher.

Der Jrländer dachte eine Weile nach.Jst'S denn unbe- dingt notwendig, daß an einen der JungenS in der Baracke Nachricht geschickt wird?" fragte er nochmals.

Unbedingt!" erwiderte Burton.Wir können ihnen von außen mit Gewalt keinerlei Hilfe bringen. Einmal fehlen unS dazu die nötigen Leute, und dann darf man daS Telephon nicht vergessen, durch daS die Wächter bei dem ersten drohenden Anzeichen daS nächste Fort alarmieren würden. Leider ist nun die Telephonleitung unterirdisch gelegt, so daß wir sie nicht so schnell auffinben und daher auch nicht zerstören können. Nein, die Leute müssen allein handeln. Nur die Verhaltungs­maßregeln kann ich ihnen geben. Sie brauchen nur morgen abend ihre Wächter im günstigsten Augenblick gleichzeitig zu Überfällen und zu knebeln, dann die Hunde zu beseitigen, und

s tzie der Reichstag die allgemeine sozialpolitische Debatte zum AusgabepostenGehalt deS Staatssekretärs" deS Etats bei RcichSamteS des Innern nochmals fort, die jedoch nach scharfen Ausfällen der Abgeordneten Werner (Wirtsch.-Verein.) und Bruhn (Resormp.) gegen die Sozialdemokratie und nach einer Rede deS Zentrum-abgeordneten Dr. Pieper, in welcher dieser verschiedene sozialpolitische Wünsche äußerte, alSbald wiederum vertagt wurde. Die Sitzung schloß mit gereizten persönlichen Bemerkungen zwischen den Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) und Bruhn (Resormp.).

Der Kliez m (Tripolis.

Rom, 2. März. Um den phantastischen Gerüchten über die italienischen Verluste im gegenwärtigen Kriege entgegenzu. treten, die im AuSlande verbreitet sind, veröffentlicht daS KriegSministerium eine amtliche Liste der Toten und Vermißten. Daraus ergibt sich, daß bis zum 2. März 37 Offiziere und 499 Soldaten im Felde gestorben sind, und daß ein Offizier und 323 Soldaten vermißt werden. Die Mehrzahl der Ver­mißten gehört dem elften Bersaglieri-Regiment an. Die Ver­mißten sind sicherlich ebenfalls tot, doch hat sich ihr Ableben bisher amtlich nicht feststellen lassen.

Rom, 2. März. Die Tribuna schreibt, in der Presse, insbesondere in derjenigen deS AuSlandeS, sind widersprechende Nachrichten über die FriedenSbedingungen verbreitet, welche Italien, wenn eS von anderen Großmächten befragt würde, geneigt sein würde, der Türkei anzubieten. Sie habe guten Grund zu der Annahme, Italien fei heute geneigt, der Türkei ehrenvolle Bedingungen zu stellen, natürlich aber unter Fest- Haltung an der vollen Souverenität über Tripolis und die Cyrenaika. Auch die Absichten der italienischen Regierung gegenüber den Arabern seien sehr wohlwollend, und die TürkA lade gegenüber dieser Bevölkerung eine schwere Verantwortung auf sich, wenn sie ihre Realisierung unmöglich mache ober verzögere. Popolo Romano schreibt: Die FriedenSbe- dingungen Italiens find sehr einsach: Die Türkei ziehe ihre Truppen aus Libyen zurück, daS jetzt unter der Souveränität Italiens steht; dann wird Italien auch durchaus bereit fein, den türkischen Truppen die militärischen Ehren zu erweisen. Eine Entschädigung wird Eaid Pascha zweifellos gar nicht haben wollen.

Rom, 3. März. Wie die Agcnzia Stefani erklärt, entbehrt die Meldung der Wiener Neuen Freien Presse aus Konstan­tinopel, in Eliten auSgeschiffte italienische Truppen seien zurückgeworsen und gezwungen worden, sich mit Verlusten wieder einzuschiffen, jeder Unterlage. Augenscheinlich hat der Berichterstatter einen türkischen Sieg konstruieren wollen auS Der vorgetäuschten Maßnahme einer beabsichtigten Truppen­landung. Diese strategische Maßnahme hat den Italienern gestattet, Margheb einzunehmen und den Feinden große Ver-

sie find frei. Die Verwandlung in harmlose Seeleute geschieht dann hier in Eurem HauS. Bill SiderS und ich schaffen noch heute nacht die nötigen Kleidungsstücke her."

Und daS alles wollt Ihr einem Stück Papier anver- trauen, daS selbst bei der größten Vorsicht in falsche Hände geraten kann?" meinte bet Jrländer zweiselnd.Ich muß Euch ehrlich gestehen, Burton, die Sache sieht mir zu ge­fährlich auS, und ich möchte mich auf meine alten Tage doch lieber nicht an einem solchen Wagnis beteiligen, trotzdem Rosanna den Botendienst sehr gut übernehmen könnte. Denn sie geht in bet Baracke dort drüben ungehindert auS und ein, weil sie den Wächtern für die Küche auS unserm Garten daS Gemüse liefert und ihnen auch häufig auS FriSko Einkäufe besorgt. Aber, wie gesagt, ein unglücklicher Zufall und wir spazieren alle drei inS Loch."

Der Kapitän hatte hoch aufgehorcht.Also die Rosanna! Ja, so muß eS gehen!" meinte er eifrig.Eure Angst ist ganz überflüssig, Morris. Wenn Ihr meint, daß die Schwarze schlau genau ist, um einen der JungenS, am besten natürlich Eangnassy oder Fred, einen Zettel zuzustecken, so kann ich ihn gleich schreiben. Dann werdet Ihr sehen, daß keinerlei Gefahr dabei ist, weil eben ein Uneingeweihter den Inhalt gar nicht zu entziffern vermag. Ich werde mich unserer alten Zeichen- schrist bedienen, die wir früher während unserer hiesigen Tätig­keit benutzten und die allen geläufig war. Sagt mir also, wo ich Papier und Feder finde.

Nach kaum zehn Minuten war Burton mit seiner Arbeit fertig. Rosanna wurde hereingerufen, ihr daS Notwendigste mitgeteilt, und ebenso erhielt sie auch die genauesten Ver­haltungsmaßregeln, damit sie die richtigen Leute herauSfinden könne.

Ohk, Mister Burton soll mit mir zufrieden fin, sehr!' rief sie hocherfreut und verbarg schnell die zehn Dollar, die der Kapitän ihr in die Hand gedrückt hatte, in ihrer Kleiber- tasche.Ich werde mir einen Korb Birnen mitnehmen und eS schon so einrichten wissen, daß ich Eangnassy oder Fred den Zettel übergebe. Dir Aufseher lassen mich ja ruhig in der Baracke umhergehen. In einer Stunde bin ich zurück, Mister Burton."