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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. "Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark Na

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Hersfelder Nreisblaü

Gratisbeilagen:Illustriertes Zomtagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 22. Dienstag, den 20. Februar 1912»

Amtlicher teil

Hersseld, den 13. Februar 1912.

Der Oberstabsarzt a. D. Dr. Gengler in Erlangen hat eine Reihe von Vogelmerkbüchlcin mit naturgetreuen Abbil­dungen über die mitteleuropäischen Vogelarten herausgegeben. Mit diesen Merkbüchlein will der Herausgeber einesteils dem Vogelschutz dienen, andererseits aber auch durch die Dar­stellung von Leben und Treiben unserer einheimischen Vögel Kenntnis über diese verbreiten.

Die Büchlein können durch die Verlagsbuchhandlung Strecker u. Schröder in Stuttgart bezogen werden. Der Preis beträgt für:

50 Exemplare ä 25 Psg. = 12,50 Mk.

100 a 24 24,00

500 ä 22 = 110,00

1000 ä 20 = 200,00

2000 a 18 = 360,00

Den Schulverbänden deS KreiscS wird die Beschaffung deS Büchleins für die Schüler-Bibliothek und auch als Unter- richtsmiltel empfohlen.

I. 15863/11. Der Landrat.

J. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Die Termine der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Husbeschlaggewerbes wc'den hierselbst an den Sonnabenden des 16. März, 8. Juni, 7. September und 7. Dezember d. Js. in der Schmiede deS SchmiedemeisterS Hellwig, Wörthstreße 4, vormittags 9 Uh., (^gehalten werden.

Meldungen zu diesen Prüfungen sind unter Porto- und bestellgeldsreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. biS spätestens 14 Tage vor dem PrüfungStermine an den Unterzeichneten zu richten.

Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:

1. der Geburtsschein,

2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief und dcrgl.)

3. eine schristliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich fchon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.

ES werden nur solche Schmiede zugelassen, die das 19. Lebensjahr vollendet haben und die den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.

Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden. Cassel, am 12. Januar 1912.

Der Vorsitzende der Prüfungskommission gez. Buch, Veterinärrat, Hohenzollernstraße 14.

* *

Mein ist die Rache.

Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.

(Fortsetzung.)

17. Kapitel.

Am Morgen des folgenden TageS trafen sich Untersuchungs­richter Maran und Kommissar Haller im Bureau.

Maran fragte den Kommissar sofort:

Haben Sie etwaS Neues erfahren können?"

Nein! Der Buchdrucker Ferdl leugnet nach wie vor und bleibt beharrlich aus seinen Angaben bestehen!"

Ich verdenke ihm daS auch nicht", sagte Maran.Der Mann ist unschuldig! Gewiß! Warum sollte er die Sachen nicht gesunden haben."

Pah ! Ist der unschuldig ! Dann ist auch dieser Bruder unschuldig!"

Der Untersuchungsrichter lachte:

Na! Einer muß eS doch wohl gewesen sein! Oder glauben Sie, daß vielleicht beide unschuldig sind I"

Vielleicht auch I"

Haller war mißgelaunt. Je mehr er sich in die Sache vertiefte, um so unwahrscheinlicher wurde eS, daß der Buch­drucker Ferdl der Mörder war. Hier fühlte er, daß er wiederum einen Unrechten im Verdacht hatte. Um diesem Unwillen Lust zu machen, fragte er den Untersuchungsrichter:

Und was ist mit Erich Gerlach? Ist dieser noch nicht eingeliesert?"

Ich denke, in dieser Nacht!" war die Entgegnung. Gestern teilte mir Stein mit, daß in dieser Nacht noch der Gesuchte gestellt würde. Ich erwarte jeden Augenblick Nachricht!

DaS würde mich allerdings sehr interessieren!"

Glauben Sie mir, vielleicht heute noch sitzt der Mörder auf jenem Stuhl unS gegenüber!"

Wir werden sehen!"

Apropos I Lindström ist von seinem auswärtigen Dienst wieder zurück!"

HerSfeld, den 15. Februar 1912. Wird veröffentlicht.

I. 1065. Der Landrat.

I. «.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Aus der Rede des Reichskanzlers vom 18. Februar.

Was sich gewandelt hat.

AlS es vor fünf Jahren gelungen war, die sozial- demokratische Fraktion auf die Hälfte ihrer Sitze zu reduzieren, ging ein Jubel durch das gesamte liberale und konservative Bürgertum. Und jetzt? Der Feind von vor fünf Jahren hat 110 Sitze errungen, und der Liberalismus hat wieder ge­jubelt, obwohl er selbst geschwächt aus der Schlacht heim­gekehrt ist. Ich begreife es ja, daß Sie vom liberalen Standpunkt aus eine Genugtuung darüber empfinden, daß Sie die Konservativen und daS Zentrum geschwächt haben, aber der Schaden der politischen Gegner ist noch lange nicht der Triumph der eigenen Sache, zumal wenn ein solcher Tertius gaudens vorhanden ist wie in diesem Fall. Ja, weshalb haben Sie denn j.tzt gejubelt? Ueber den Sieg einer Partei, deren Niederlage Sie vor fünf Jahren so laut begrüßt haben? Was hat sich denn in der Zwischenzeit geändert? Etwa die Sozialdemokratie? Ich vermute, die Herren würden es mir arg verdenken, wcna ich sie für wandelbar, wenn ich sie für fähig hielte, von ihren Dogmen auch nur ein Titcl- chen aufzugeben, von ihren Dogmen deS Klossenkampfes, der Todseindschaft gegen die bürgerliche Gesellschaft und gegen unsere monarchische Staatsordnung. Ob die Revisionisten oder die Radikalen das Übergewicht erlangen werden, müssen wir doch erst einmal abwarten.

Den Entschluß deS Fortschritts, Großblockpolitik zu treiben, und die Krisen in der nationalliberalen Partei, deren Zeugen wir in den letzten Tagen waren, kann ich nicht aus eine grundsätzliche Wandlung der Sozialdemokratie zurückführen. Was sich gewandelt hat, daS ist der Liberalismus. Er ist weiter nach links geglitten.

In diesem Hohen Hause sitzt mancher alte Parlamentarier. Ich glaube nicht, daß einer unter ihnen schon eine jo un­sichere und zerfahrene Parteitage erlebt hat wie die gegen­wärtige. Von den einst von Benningsen und Richter geführten beiden liberalen Fraktionen dieses Hohen Hauses hat sich weitaus die Mehrzahl der Mitglieder bereit gezeigt, dem Abgeordneten Bebel, dem Urheber des Wortes von der Tod- scindschaft und vieler ähnlicher, daS oberste Amt zu übertragen, über das der Deutsche Reichstag verfügt. Dieselben liberalen

So!"

Wir könnten doch sehr gut diesen entscheiden lassen! Wenn mein Gesuchter eingeliesert und verhört ist, dann legen wir ihm diesen Fall vor 1 Sie können Ihre Sache vortragen, ich die meine! Das ist waS für den alten Detektiv! Uebrigens schadet das auch nichts !"

Gut I Mir kann eS einerlei sein !"

Ein heftiges Pochen unterbrach daS Gespräch und ehe Maran rufen konnte, wurde auch schon die Türe aufgetiffen und Norbert trat ein.

Das ist mein Mann!" rief MaranWaS gibt eS zu melden? Ist er endlich eingeliesert!"

Norbert keuchte vor Aufregung; in solcher Hast war er die Treppe emporgeeilt, daß er erst Atem schöpfen mußte:

Erich Gerlach wurde heute morgen in das Polizcigefäng- nis eingeliesert!"

Wirklich!" rief Maran erstaunt auS.

Heute Nacht war er nach einer gefährlichen Jagd über Dächer, von Stein und mir ergriffen worden!"

WaS sagen Sie jetzt? jubelte Maran, der sich als Sieger' über Haller sah.

9lun I Er ist eingeliesert worden! Aber ob er der Mörder ist!"

Wir werden ja sehen! Nun erzählen Sie aber, Norbert, wie die Sache sich erledigte."

Norbert lieferte nun einen möglichst ausführlichen Bericht über die Vorgänge der Nacht.

Als er geendet, fragte ihn der Untersuchungsrichter:

Haben Sie dem Gefangenen Vorhalt gemacht? Haben Sie ihm gesagt, aus welchem Grunde er verhaftet wurde?"

Nein!" war die Entgegnung. Er hat bisher noch nichts erfahren!"

Um so besser! Jetzt lassen Sie ihn sofort hier vor- führen I"

Gewiß!"

Norbert verließ daS Bureau wieder, um den Gefangenen zum Verhör bringen zu lassen.

Sie werden doch dabei zugegen sein!" wandte sich der

Abgcordüeten und einige mehr haben dann den AuSfchl°3 dafür gegeben, daß ein anderer fozialdemokratischer Abgcordnet" zum Vizepräsidenten gewählt wurde, der Worte gegen uns" Kaiserhaus gebraucht hatte, die nicht vergessen werden können- War das die rechte Antwort auf die ruhige, vertrauensvoll^ Sprache der Thronrede? Oder sollte damit die BegriffSver" wirrung der Mitläufer der Sozialdemokratie bei den letzten Wahlen sanktioniert werden?

Kein Schwanken und kein Wanken.

Sollten wir wegen der 110 sozialdemokratischen Mandate die Regierungspolitik neu orientieren? Wieviel Uneinigkeit deS Bürgertums hat dazu gehört, daß Sie auf diese Zahl kamen! Oder etwa aus Furcht wegen der 4 Millionen Wahl­stimmen ? In dem Stimmzettelhausen, auf den Sie so stolz sind, steckt sehr viel Glaube an die Ungefährlichkeit der Sozialdemokratie. Wenn diese einmal von großen Worten zu gesährlichen Taten schreiten wollte, so würde eS mit dem Brüsten mit der großen Zahl bald vorbei sein. Jede große, daS Volk bewegende Frage stellt Sie vor die Alternative, entweder auf einen Teil Ihrer Wähler oder auf einen Teil Ihres ausschweifenden Programms zu verzichten. Der Glaube, daß Ihre 4Vs Millionen Wähler die Todfeindschaft gegen diesen Staat und diese Gesellschaft teile, wäre ein Zweifel an der gesunden Kraft deS Volkes, den dessen Fortschritte aus allen Gebieten nicht rechtfertigen und den niemand, der dicS Volk liebt und achtet, bekommen kann.

Nein, ich kann auS den gegenwärtigen Zuständen nur die Folgerung ziehen, daß die Regierung fest auf ihren eigenen Füßen stehen muß, daß eS da kein Schwanken und kein Wanken gibt.

Keine Huldigung vor dem Götzen der r - in - n Zahl.

Daß unser Wahlrecht Mängel aufweist, wird von niemand bestlitten. Die Riesenwahlkreise, die in keinem Verhältnis zum Durchschnitt stehen, mögen ein solcher Mangel sein. Aber es gibt auch noch andere Mängel. So z. B. die Moral oder Unmoral der Stichwahlen. Wir haben eben erlebt, daß eine bürgerliche Partei gleichzeitig mit der Sozialdemokratie in vielen Wahlkreisen Hand in Hand ging und in anderen Wahlkreisen es als Verrat am Bürgertum, Verrat am Staate brandmarkte, für die Sozialdemokratie zu stimmen. Ferner die mangelnde Vertretung der Minoritäten. Ueberhaupt die Schäden, die von der Uebertreibung deS nackten ZahlenprinzipS Herkommen. Wenn man da bessern will, gut. Nur schade, daß, wer an diesem Wahlrecht noch andere Schwächen entdeckt als zahlenmäßige Ungleichheiten und sie offen bekennt, leicht wie ein Kapitalverbrecher be- handelt wird, wogegen, wer dem Götzen der reinen Zahl huldigt, ein VolkSbeglücker ist.

Erweiterung der ParlamentSrechtc?

Ferner wollen Sie die verfassungsmäßig bestehende politische Verantwortlichkeit des Reichskanzlers unter eine rechtlich wirk­same Aufsicht des Reichstags stellen. In der Geschichte deS

UnterjuchungSrichter an den Kommissar.Sie wird die Sache doch selbst sehr interessieren und wenn Sie doch nicht zu viel o.rjäumen!"

Nein! Ich werde hier bleiben!"

So 1 Jetzt werden Sie wohl weniger zweifeln! Wenn ein Menfch wie dieser Gerlach sich mit solchen Mitteln einer Festnahme widersetzt, dann kann doch nicht mehr viel zu zweifeln sein!"

ES scheint so!"

Haller war ruhig geworden; er wollte erst daS Ergebnis deS Verhörs abwarten, dann konnte er sprechen. DaS weitere würde sich dann wohl ergeben.

Sie sind also damit einverstanden, daß wir alS letzte Autorität Lindflröm anrufen!"

Gewiß! Er mag entscheiden!"

Gut!"

Da hörten sie aus dem Flur schon die näherkommenden Schritte.

ES war Erich Gerlach und 2 Schutzleute.

Dann saß dieser aus demselben Stuhle wie vor wenigen Tagen der Buchdrucker Ferdl und mußte sich wie dieser über die gleiche Tat verantworten.

Maran ließ einen prüfenden Blick über den Verhafteten gleiten, um sich über dessen Person klar zu sein, ehe er sein Verh-r begann.

Sie sind doch Erich Gerlach?"

Dieser nickte.

Wissen Sie, weshalb man Sie verhaftet hat?"

Man hat mir nichts gesagt!"

Aber Sie wissen eS!"

Trotzig schwieg der Verhaftete; er sah gleichgültig zu dem offenen Fenster hinaus, durch daS die sonne ihre sengenden Strahlen hereinsandte.

Weshalb antworten Sie nicht ? Sie machen dadurch Ihre Sache keineswegs besser!"

Ich denke, daS geschieht auch nicht, wenn ich spreche." 5m!"

Der Untersuchungsrichter sah Gerlach nachdenklich an.

Dieser fühlte sich durch den scharfen Blick beunruhigt und