legung dieser Vergütung werden die Gesamtkosten (für den Umfang deS Bezirks der Casieler Kammer, Reg.-Bez. Cassel) aus 1100 Mk. veranschlagt. In Frage kommen die Garnisonen Cassel, Hanau, HosgeiSmar und Fulda.
Herfa, 11. Febr. Der Schacht der Gewerkschaft Herja hat Ende Januar 1912 eine Teuse von rund 230 Meter er. reicht. Zum 1. März 1912 gelangt eine Zubuße von 250 Mk. für den Kux zur Einzeichnung.
Cassel, 12. Febr. (Strafkammer.) Nette Ber- wandtschaftSverhältnisse herrschen in den Familien R. und S. auS dem Dorfe M. bei HerSfeld. Heute erschienen die Arbeiter Johannes R. und Wilhelm S., die Stiesge- schwister find, vor der Straskammer, um sich wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Die Angekl. leben mit ihrer gesamten Verwandtschaft in bitterster Feindschaft. Wahrscheinlich nicht in guter Absicht besuchten sie eines Tages ihre Großmutter, die bei anderen Geschwistern lebte. Das Haus, in dem ^die Großmutter wohnte, gehörte dem Onkel der Angekl., dem Landwirt St. Die 83jährige Frau klagte nun ihren beiden Kindern, daß sie so schlecht behandelt werde. Sie sei am Vortage so geschlagen worden, daß sie ein wundes Bein und ein großes Loch' im Kopfe davongc- tragen habe. Und das alles, weil sie ein Stück Fleisch zur Suppe haben wollte. Bald kam es zwischen der gesamten Verwandtschaft zu Streitigkeiten. Der Lärm wurde so groß, daß der Onkel St. von seinem HauSrechte Gebrauch machen mußte. Die beiden Angekl. gingen aber nicht so, leicht. ES entwickelte sich eine Rauferei zwischen Onkel und Neffen. Der Onkel wurde durch Stockhiebe blutig geschlagen. Schließlich gelang eS dem St. doch, die beiden Ruhestörer zur Türe hinaus- zudrängen. Auf dem Hose eröffneten die beiden Neffen nun- mehr ein regelrechtes Steinbombardement aus das Haus. In kurzer Zeit waren sämtliche Fensterscheiben und verschiedene Türen zertrümmert. St. ging schließlich auf die Straße und rief um Hilfe. Daraus begann die eigentliche Schlacht. AuS dem belagerten Hause erschienen sämtliche Schwäger und Schwägerinnen. Sie waren mit Mistgabeln, Stangen usw. bewaffnet. Selbst ein schwerkranker Bruder kam, nur mit einem Hemd bekleidet, wohlbewaffnet zur Kampsstätte. Die Angekl. hatten sich aber auch vorzüglich bewaffnet und wehrten mit Ersolg den Angriff ab. Einer erwischte die Mistgabel seines Gegners und verletzte damit St. am Kopse und an der Hand. Dabei flogen noch ununterbrochen saustdicke Steine hin und her. Zwei volle Stunden dauerte diese furchtbare Schlacht. DaS ganze Dors war Zuschauer, aber keiner getraute sich vermittelnd einzugreisen. Nach der Schlacht zerbrach S. die ominöse Mistgabel aus der Dorsstraße mit den Worten: DaS war die Schlacht von Siggelsbach! Ich bin der Sieger! Die Angekl. geben wohl den Tatbestand im allgemeinen zu, wollen aber die Sache als halbgefährlich hinstellen. Der Angekl. S. wollte die ganze Schlacht in einem epileptischen Dämmerzustände mitgemacht haben. Der ärztliche Sachverständige erklärt allerdings, daß S. schwer epileptisch sei. DaS Gericht verurteilte den R. zu 2 Mon. 28 Tagen Gef. und den S. zu 1 Mon. Ges.
§ Bebra, 10. Februar. In der heute hier tagenden, sehr zahlreich besuchten Wahlkreisversammlung deS Bundes der Landwirte sprach Herr v. Bodelschwingh-Schwarzenhasel über das Thema: „WaS lehren unS die letzten ReichStagS- wahlen?" Herr Buhl-Unna über die hessische Bauernpartei. Aus Vorschlag des Bezirksvorsitzenden, Herrn Gutsbesitzer Niemeyer-Tann, gelangt die solgende Entschließung gegen die Stimme eines als Gast anwesenden Herrn zur Annahme. Die zahlreich besuchte Versammlung deS BundeS der Landwirte spricht die Erwartung auS, daß die hohe StaatSregierung den AuSfall der ReichStagSwahlen zum Anlaß nehmen werde, nunmehr erkennbarer als bisher in den Kamps gegen die Sozialdemokratie und ihre linksliberalen Helfershelfer einzutreten.
Bom Eichsfeld, 11. Februar. Der Kaufmann Georg Hübenthal aus GeiSmar (Eichsfeld) war seit einigen Tagen in einer Fabrik zu Hagen i. W. tätig. Er war an dem Fahrstuhl. bcschästigt, hat sich aber zu weit in den Schacht hinein- gebeugt, sodaß ihm der niedergehende Fahrstuhl den Kops vom Rumpfe trennte. Seine noch in Geismar wohnende Familie war eben im Begriff, zu ihm zu sahren, als die Trauerkunde eintraf.
Frankfurt a. M, 13. Febr. (D er Schützensest- zu g.) Einige interessante Mitteilungen über den Schützenfestzug, der während des BundeSschießenS hier stattfinden wird, macht am Montag abend in einer allgemeinen Handwerkerversammlung im „Storch" Kunstmaler Heß, der mit dem künstlerischen Arrangement eines Teiles des Festzuges beauftragt ist. Seinen Ausführungen zufolge wird der Festzug, an dem übrigen- auch die erste Gesellschaft Frankfurts und die Kreise der Hautefinance ein reges Interesse nehmen, alle bisherigen derartigen Veranstaltungen an Umfang übertreffen. Der Zug wird sich, nach den vorläufigen Abmachungen, in drei große Abteilungen gliedern. In der ersten Abteilung wird die Entstehung deS Schießwesens von der Urzeit an bis in die neueste Zeit hinein Darstellung finden. Kunstmaler Forell hat es
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dauert bis Sonnabend den 17. febr.
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übernommen, hier die Wagen und Gruppen nach künstlerischen Motiven herzustellen. In der zweiten Abteilung wird das Schützenwesen unserer Stadt wirkungsvolle Verkörperung finden, und in der dritten Abteilung werden die Innungen, Vereine und Korporationen mit Prunk- und Festwagen vertreten sein. Wie Herr Obermeister Jung im Anschluß an die Ausführungen des Vorredners mitteilte, kostet der Festzug über 100,000 Mk. Man rechnet auf eine Million Besucher.
Heringen, 11. Febr. Der Ueberschuß der Gewerkschaft Wintershall auS den im 4. Vierteljahr 1911 zum Verjandt gebrachten Rohsalzen und Fabrikaten beläuft sich aus 504 271 Mark. Der Ueberschuß des ganzen JahreS 1911 beträgt
1 378 797 Mark. Die AuS- und BorrichtungSarbeiten in der Grube verliefen ohne Störung, ebenso war der Betrieb der Fabrik, der Mühle und der sonstigen Anlagen geregelt.
Hanau, 13. Febr. Der Stadt Lauterbach in Oberhessen vermachte die verstorbene Witwe Calmberg 50 000 Mark für WoblfahrtSzwecke.
Zerbst, 13. Febr. Gestern abend ließ sich zwischen Zerbst und Jütrichau der Sekundaner Voigt von einer Rangiermaschine überfahren. Er war sofort tot. Voigt soll die Tat auS gekränktem Ehrgesühl begangen haben, weil ihm sein PensionS- Vater wegen einer Kneiperei eine Ohrfeige gegeben hatte.
Halberstadt, 13. Febr. Gestern stießen auf der Chaussee Halberstodt—WilhelmShöhe insolge deS dichten Nebels zwei Automobile zusammen. In dem einen Automobil, dem hiesigen Kaufmann Knopf gehörend, befanden sich sechs Herren aus Hausneindorf. DaS andere, in dem der Bürgermeister von Weferlingen mit dem Direktor der Grube „G^ückaus" zn Helmstedt saß, kam von Derenburg und jauste dem Halber- städter Wagen direkt in die Flanke. Alle Personen erlitten schwerere oder leichtere Verletzungen. Die Automobile wurden stark beschädigt.
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— (Rückkehr des Oberleutnants Graetz auS Asrika.) Oberleutnant Paul Graetz, der in seinem Motorboot den afrikanischen Kontinent durchquerte, ist wieder in Berlin eingetroffen. Zeitiger, alS der kühne Pionier gewollt, ist er heimgekehrt. Am 17. Januar reiste er, wie der „Berl. Lokalanz." berichtet, von Elisabethville, einem im Kongostaat vor Jahresfrist begründeten Städtchen, daS bereits 2000 Einwohner zählt, nach Deutschland ab. Den letzten Grund seiner vorzeitigen Rückkehr bildete die Unmöglichkeit, Träger zu gewinnen, die sein Boot über die Johnstonefälle transportieren sollten. ES wären hierzu etwa 100 BoyS nötig gewesen. Aber abgesehen davon, daß bei dem hohen Lohn, den der einzelne Träger erhält, die Transportkosten sehr große gewesen wären, hatte die englische Regierung die Anwerbung untersagt, da die Johnstonesälle im Gebiete der Schlafkrankheit liegen. Der Forscher ließ sein Boot in Kalinga am Luapulaflusse, der die Grenze zwischen dem Kongostaate und Rhodesia bildet, zurück. Ueber den Erfolg seiner Reise äußerte sich Oberleutnant Graetz sehr befriedigt. Viele Hunderte kinematographische Aufnahmen machte er mit Hilfe deS an seiner Seite bei einem Jagdunsall durch einen wilden Büffel getöteten Gefährten, eines Pariser Photographen. Besondere Genugtuung äußerte der Offizier darüber, daß er dem Matuavolke näher gekommen ist, einem Menschenschlag, der mitten in PapyruSsümpfen lebt und aus der niedrigsten Stufe menschlicher Kultur steht. Viele Kisten ethnographisch wertvoller Gegenstände auch von diesem Stamm herrührend bringt er heim. Noch im Frühjahr dieses JahreS gedenkt er wieder nach dem deutsch gewordenen Teil deS KongogebieteS aufzubrechen, um dieses von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten auS zu erforschen. Graetz betonte, daß er, soweit er unterrichtet ist, die ungünstigen Berichte über dieses neugewonnene Territorium für tendenziöse Mache halte. Ihm wurde versichert, daß die Schlafkrankheit, die man immer alS Schreckgespenst heraufführe, dort gar nicht existiere. Was die Ausführung seines neuen Planes betrifft, so will er den Wasserweg benutzen, und zwar will er vom Kongo aus den Sanga hinauf bis nach Kamerun vordringen.
— (B e r l i n e r L c b e n.) Die deutsche ReichShauptstact besitzt jetzt daS größte und eleganteste Cffö der Welt. DaS Cafs, daS den eigenartigen Namen Piccadilly führt, ist am Potsdamer Platz gelegen und faßt rund 2700 Perlonen.
Welche enormen Unkosten ein derartiges Unternehmen verursacht, erhellt daraus, daß der Besitzer jährlich 320 000 Mk. Miete zahlen muß. — DaS Leben gestaltet sich recht teuer in Berlin; besonders die Lebensmittel steigen im Preise. Der Zentner Kartoffeln hat soeben den PreiS von 10 Mk. erreicht. Dabei ist die Qualität in diesem Jahre vielfach garnicht besonders gut. — Anläßlich eines Kellnerstreiks kam eS vor dem Rosen- Cafä im Norden Berlins zu nächtlichen Ausschreitungen, wobei ein Schutzmann einen ihm angreifenden 20jährigen Arbeiter durch Säbelhiebe und Revolverschüsse tödlich verletzte.
— Reichenbach, (Vogtland); 12. Febr. Heute vormittag hat sich eine furchtbare Bluttat im Stadtteil Ober- Reichenbach zugetragen. Der dort wohnende Korbmachergehilfe Heinrich Dillinger hat seine Familie, bestehend auS Frau und fünf Kindern im Alter von 3—13 Jahren, ermordet. Die Leichen wurden im Bette liegend mit Schußwunden im Kops ausgefunden. Dillinger wurde aus seiner Arbeitsstelle festgenommen. Er hat die Tat bereits eingestanden. Man fand bei ihm einen Revolver und verschiedene Patronen vor. Die Leichen wurden in das städtische Krankenhaus gebracht. Bei der Ueberführung gab daS jüngste Kind noch Lebenszeichen von sich. WaS den Mann zur Tat getrieben Hot, ist noch nicht ermittelt.
— (Schneestürme und Kälte in Nordamerika.) Ein surchtbarer Schneesturm ist über den ganzen Staat New-Iork niedergegangen. Besonders in Rochester, SyracuS, OSwego und Middleton ist der entstandene Schaden sehr groß. Eisige Kälte herrscht wieder in den Vereinigten Staaten. Die Freiheitsstatue in New-Iork ist von einer dicken Eisschicht umgeben. Der Dampfer „La Provence" ist im Eise stecken geblieben, auch der Dampfer der Cunardlinie „Campania" liegt fest. In New-Iork selbst konnte die Straßenbahn aus verschiedenen Linien nicht verkehren. DaS EiS deS Hudson ist über zwei Fuß dick. Der Schnee liegt bis Alabama. Die Bahnzüge sind vielsach eingeschneit, die Passagiere befinden sich in Gefahr, zu erfrieren. Der Michigansee ist zum ersten Male in einem Bierteljahrhundert zugefroren. Am Sonntag fiel das Thermometer bis aus etwa 35 Grad Celsius. Unter der armen Bevölkerung ist große Not entstanden. Zahlreiche Menschen sind erfroren.
— S a n R e m o, 13. Febr. AlS heute stütz 40 Volks- schüler aus den KaiS am MeereSufer spazieren gingen, stürzte plötzlich ein Teil deS Kais ein und begrub etwa zwanzig Schüler unter feinen Trümmern. Bisher wurden fünf Tote und acht Verletzte aus dem Schütte herausgezogen.
— Mariazell, 12. Febr. Unbekannte Täter über» fielen in der vergangenen Nacht den Bauernhof Fallstaiger und töteten den Bauer und die Bäuerin. ES fielen den Räubern nur 2 Kronen an barem Gelde in die Hände.
— Lemberg, 9. Febr. Laut Blättermeldungen wurden bei der Revision der rumänischen Bank Central Sojuc Desraudationen in Höhe von 8 Millionen ausgedeckt. Die Desraudationen soll der Direktor der Bank begangen haben.
Letzte Nachrichten.
Rom, 13. Februar. Zu der Einsturzkatastrophe in San
Remo wird noch berichtet: Vierzig Kinder der Gemeindeschule besanden sich auf einem Ausflug in eine benachbarte Ortschaft und gingen die Uferpromenade entlang, die die Stadt zum Andenken an Kaiser Friedrich gestiftet hat. Plötzlich senkte sich daS Zementtrottoir und eS entstand ein breiter zehn Meter langer Spalt. Etwa zwanzig Kinder stürzten hinein und wurden unter den Trümmem begraben. Fünf wurden als Leichen hervorgezogen. Acht weitere schwer verletzte Kinder wurden in daS Krankenhaus gebracht, mehrere andere leicht verletzte zu ihren Familien. DaS Unglück ist durch daS Wasser verursacht worden, das durch die Ufermauer drang. Zehn Tage hatte letzthin die Brandung getobt.
Budapest, 13. Februar. Der Landesverein ungarischer Eisenwerke und Maschinenfabriken hat beschlossen, sämtliche Arbeiter, etwa 26 000, auSzusperren.
Letzte Fernsprechmeldungen.
Berlin, 14. Febr. Bei der heutigen Präsidentenwahl im Reichstage wurden 374 Zettel abgegeben. Von diesen waren 173 weiß und 193 lauteten aus den Abgeordneten Kacmps (Fortschr. V.), welcher somit gewählt ist. 8 Stimmen waren zersplittert.
Berlin, 14. Febr. Bei der Wahl deS 2. Vizepräsidenten wurden 371 Stimmzettel abgegeben. Von diesen waren 165 weiß und 194 lauteten auf den Abg. Dowe (Fortschr. V.), welcher somit gewählt ist.
Wasserversorgung
Der Mnüt M-tzf.ld Weis Hersseli».
Die zur-Herstellung der Wasserleitung nötigen
Arbeiten und Lieferungen
sollen vergeben werden und zwar:
1 Hochbehälter von 80 ebm Inhalt, 1700 m Rohrleitung 60—125 iuiu Durchmesser, 10 Hydranten und Hausanschlüsse.
Die Bedingungen und Angebote sind gegen porto- und bestell- geldfreie Einsendung von 3.00 Mk. von Reg.-Bausekretär Jfing in Fulda, Buttlarstraße 15 a, zu beziehen.
Angebote sind mit entsprechender Aufschrift versehen
bis j«m 20. Februar nachmittags 3V$ Uhr
an das Bürgermeisteramt Motzfeld bei Schenklengsfeld einzu- senden, wo die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfinden wird.
Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage und behält sich die Ge- meinde freie Wahl unter den Anbietern vor.
Motzfeld, den 10. Februar 1912.
Der Bürgermeister. Scheer.
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