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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage*
Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 17. z Donnerstag, den 8. Februar 1912.
Amtlicher CeiL
HerSseld, den 2. Februar 1912.
Gemäß § 8 Absatz 3 des Reglements zur Ausführung deS ReichS-JmpfgesetzeS vom 4. März 1875 — Amtsblatt Nr. 15 — ersuche ich die Herren OrtS- bezw. GutSvorstände deS KreiseS mir daS vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen, noch nicht geimpften Kinder, welche in dem Gemeinde- bezw. GutSbezirke nicht geboren, sondern dahin z u g e z o g e n sind, bis zum 15. Februar d. JS. bestimmt einzureichen.
I. 1383. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Die Eröffnung des Reichstags.
Die wichtigste Aufgabe deS neuen Reichstags, die Beratung der Wehrvorlagen, wird wohl erst im März in Angriff genommen werden. Wie zuverlässig verlautet, steht weder schon genau fest, in welcher Höhe sich die Forderungen aus Heer und Marine verteilen, noch sind die Vorarbeiten sür den finanziellen DeckungSplan ganz abgeschlossen. Deswegen enthält sich die Thronrede näherer Angaben über den Inhalt der zu erwartenden Wehr- und DeckungSvorlagen. Sie würde sonst den Beratungen deS BundeSratS vorgreisen, die noch nicht beginnen konnten.
In manchen Kreisen ist die Ansicht verbreitet, die Regierung hätte die nationale Erregung, die sich im Anschluß an die langen diplomatischen Marokkoverhandlungen gebildet hatte und sich namentlich gegen England richtete, bei den Wahlen kräftig schären sollen, dann wären nicht so viel Sozialdemokraten gewählt worden. Der Nachteil davon wäre gewesen, daß unsere Wehrverstärkung den Charakter einer Drohung bekommen und eine tiese Beunruhigung in ganz Europa mit empfindlichen Rückwirkungen aus unser Wirt- schaftSlebcn hervorgerufen hätte. Durch Wahlen, die sich im Zeichen eines nahen Kriegs vollzogen hätten, wäre unser Verhältnis zu England wahrscheinlich unheilbar verschlechtert worden. Solche Gerichte, wie diese, werden besser bei ruhigem Feuer alS unter lodernden Flammen bereitet. Schon jetzt ist zu bemerken, daß die kühle Entschlossenheit, mit der wir an die Verstärkung unserer Schutzwehr gehen, im Auslande starken Eindruck macht und besonders in England eine ernste, aus Zugeständnisse an Deutschland drängende Bewegung hervorgerusen hat.
Die anderen Aufgaben, die den Reichstag in der ersten Session beschäftigen sollen, treten an Wichtigkeit weit hinter der Wehrverstärkung zurück. ES sind Entwürfe in Vorbereitung über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe über
mein ist die Hache.
Detektiv-Roman von Theo von Blankensee.
(Fortsetzung.)
„Dal hat er schon bei seiner Festnahme versucht! Er wollte trotz der Aussage deS Schutzmanns behaupten, er hätte die Sachen gar nicht weggeworsen I"
„Dann werden wir durch das Verhör kein allzu großes Resultat erzielen."
„Nein I"
„Ich denke, wir könnten ihn mal vorfahren lassen I" „Gut!"
Haller drückte auf die elektrische Klingel neben der Türe, durch welche ein Schutzmann herbeigerusen wurde.
„Möchten Sie nicht selbst den Burschen verhören? Sie können mit diesem besser umgehen wie ich!"
„Wie Sie wünschen!"
Der Schutzmann trat ein.
„Führen Sie auS dem Polizeiarrest den Ferdinand Warnecke, genannt Buchdrucker Ferdl vor I" befahl diesem der Kommissar, worauf der sich wieder entfernte.
„Ich habe nun keinen Zweifel mehr und glaube bestimmt, daß kein Gerichtshof zögern wird, den Verhafteten zu verurteilen! ES spricht ja schon für seine Schuld der Umstand, daß er die Sachen wegzuwerfen versuchte. Warum tat er daS? Zweifellos nur deshalb, um die gefährlichen Sachen, die ihn verraten konnten, wegzubringen."
„SS scheint so!"
An der Türe wurde gepocht.
Aus einen Anruf deS Richter» traten 2 Schutzleute ein, welche den gefesselten Buchdrucker Ferdl begleiteten.
Der Gcsangene hatte die Lippen zusammengepreßt und sah mit trotzigem Blick um sich; er kannte dieses Zimmer und schon wiederholt saß er hier, auf demselben Stuhl. Er war sich wohl auch bewußt, daß eS vorerst kein Entrinnen mehr gab. Dadurch wurde er umso störrischer und auch tückischer.
„Setz Dich mal auf den Stuhl!"
den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit mit dem Zwecke, unseren Landsleuten draußen das Verbleiben im Verband der ReichSangehörigen zu erleichtern, ein Schutz- truppengesetz, ein Postscheckgesetz. Die Thronrede wird das Minderwichtige nicht im Einzelnen auszählen, überhaupt nicht in geschäftsmäßigem Tone gehalten sein, sondern am Beginne einer neuen Legislaturperiode in großen Zügen die allgemeine Lage behandeln. Wenn dabei zuversichtliches Vertrauen in die gesunden Kräfte deS Volkes und zugleich der Wille, den ReichSbau und die staatliche Ordnung mit fester Hand zu schirmen, zum Ausdruck kommt, so wird daS eine Enttäuschung von Hoffnungen sein, die im AuSlande durch die Wahlsiege der Sozialdemokratie erregt worden sind.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 6. Februar 1912.
Der Kaiser sprach heute vormittag beim Reichskanzler vor, hörte später den Vortrag deS Chefs deS MilitärkabincttS Generals der Infanterie Frecherm von Lyncker und folgte um
1 Uhr einer Einladung zur Frühstück-tafel beim Chef deS ZivilkabinettS Wirkl. Geh. Rat v. Balentini.
Die Notwendigkeit, dem Train im Kriege eine vermehrte Selbständigkeit zu geben und ihn instand zu setzen, unter Umständen auch ein Gefecht zu sühren, hat zu der B e w a s s - nung der Unteroffiziere und Mannschaften deS TrainS mit dem Karabiner, wie ihn die Kavallerie besitzt, geführt. Infolgedessen wurde eine besondere Schieß- vorfchrift für Train bearbeitet und vor kurzem an die Truppenteile auSgegeben. Durch die Schießausbildung erfährt der Train eine erhebliche Erweiterung seines DienstbetriebeS, aber er wird dadurch auch von der Beigabe anderer SicherungS- truppen befreit, wie dies früher die BegleiteSkadronS der Kavallerie waren, die dadurch eigentlich eine ihrer Waffe nicht entsprechende Verwendung erhielten. In Zukunft hat sich der Train selbst diese Sicherung zu verschaffen, so daß er für seine Tätigkeit hinter der Front auf sich selbst angewiesen ist und die erforderlichen Sicherheitsmaßregeln selbst durch Führung von Gefechten zu treffen hat.
In Bayern haben sich gleichzeitig zwei wichtige politische Ereignisse vollzogen: Am Montag haben die Neuwahlen zum Landtage stattgefunden und ist ferner daS Ministerium PodevilS zurückgetreten. Der Rücktritt deS Ministeriums erfolgte im Laufe deS genannten TageS nachmittags, also noch vor Abschluß des Wahlaktes, welcher Umstand natürlich allgemeines Aufsehen erregt. Ueber die Gründe dieses sensationellen Schrittes der Regierung kursieren in Münchner politischen Kreisen verschiedene Anschauungen. Die am meisten verbreitete Version ist die, daß daS Ministerium durch seine Demission noch vor der Beendigung der Wahlen die freie Entscheidung deS Prinz-Regenten einem jeden Druck deS WahlauSfalleS gegenüber gewahrt wissen wollte. Viel
Mürrisch folgte der Gefesselte.
„Diesmal leugnest Du wohl wieder!"
„Ick wüßte nicht, wat ick jestehen sollte!"
Haller nahm die schwarze GesichtSmaSke und spielte damit:
„Kennst Du diese?" „Ick wüßte nicht!«
„Und diese Brieftasche?"
„Die kenne ick och nicht!"
„ES hilft Dir ja nichts, Ferdl! Der Schutzmann hat ja gesehen, daß Du sie weggeworsen Host! Und außerdem war sonst Niemand dabei."
„Dann hab ick sie jefunden!"
„Ah! Wirklich? DaS hättest Du aber doch gleich sagen können I"
Der Gefangene sah den Kommiffar mißtrauisch an; er wußte nicht, ob diese Bemerkung nicht nur ihn irre führen sollte, oder ob ihm diese Behauptung geglaubt wurde.
Der Gefangene und auch der Kommissar wußten, daß sie sich in diesem Verhör gegenseitig bekämpsen mußten. Feind gegen Feind war diese Vernehmung, wobei der Gefangene stets im Nachteil war, da er nicht wußte auf welche Art er gestellt werden sollte.
Deshalb hegte auch der Buchdrucker Ferdl ein berechtigte« Mißtrauen in jede Frage und in jede Bemerkung.
„Und wo hast Du die Sachen gefunden?"
Der Gefangene antwortete nicht; er blickte trotzig vor sich hin.
„Na, willst Du daS nicht sagen?"
„Ick möchte man wissen, waS ick jetan haben soll! Ick lasse mir nicht so fesseln. Ick beschwere mit! Ick möchte doch jesälligst wissen, wat man mich verdächtign kann!"
„Aha! Also ungeduldig auch!"
„Dat wäre kecn Wunder nich I Sie Herr Kommissar täten sich och beschweren, wenn man Sie so behandeln täte!"
„Oho I DaS will ich meinen I Ich habe aber auch nichts angestellt!"
„Uff Ehre Herr Kommissar, ick bin och so unschuldig!" „Na, wie ist eS denn mit dem Schloff« Edel"
hat jedoch auch eine andere Annahme für sich, der zufolge sich die PodevilS'sche Regierung in Erwägung der Möglichkeit, daß die LandlagSwahlen dem Zentrum auch fernerhin die absolute Mehrheit im Abgeordnetenhause sichern könnten, sich für alle Fälle der dem Zentrum unbequemen Kabinett»- mitglieder, deS FinanzministerS v. Pfaff und deS Verkehrs- ministerS v. Frauendorffer, entledigen wollte. Die Annahme deS DemiffionSgefucheS des Kabinetts PodevilS seitens det Prinz-Regenten Luitpold war übrigens bis Dienstag noch nicht erfolgt. Jedenfalls wird aber der Rücktritt deS gesamten bayerischen Ministeriums noch kurz vor dem Wahl- auSgange vielfach als ein politischer Ersolg deS Zentrum» betrachtet, der bayerische Ministerpräsident, sowie Minister bei Königlichen HauseS und deS Aeußeren Freiherr v. Podevil» hatte diese Aemter seit 1903 inne. Dem Kabinett gehö-ten ferner an, der Kultusminister v. Wchner, der Justizminister v. Miltner, der Minister deS Innern Bretreich, der Kriegsminister General der Infanterie v. Horn, der Finanzminister Dr. Pfaff und der BerkehrSminister von Frauendorffer. — WaS nun die bayerischen Landtagswahlen anbelangt, so haben sie, soweit sich ihre Ergebnisse übersetzen lassen, zwar zu einer Schwächung der herrschenden ZentrumSpartei geführt, aber noch keineswegs ihre bisherige absolute Mehrheit in der Abgeordnetenkammer beseitigt. In der alten Kammer besaß sie 98 Mandate unter im ganzen 163 Mandaten, vnsügten also über eine absolute Mehrheit von 16 Stimmen. 19 Abgeordnete waren Mitglieder der Freien Vereinigung, die sich ihrerseits wieder auS 16 Konservativen und Anbängern deS BundeS der Landwirte, sowie auS 3 Bauernbündlern zu- sammensetzte, ferner gab eS 24 Liberale der beiden Schattierungen und 22 Sozialdemokraten. Bei den am 5. Februar vollzogenen Neuwahlen waren bis Mitternacht als gewählt bekannt 83 Zentrum, 32 Liberale, 6 Bauernbündler, 7 Konservative und Mitglieder deS Bundes der Landwirte und 29 Sozialdemokraten, demnach standen nur noch 6 Resultate auS. Selbst wenn sie den Vereinigten Gegner deS ZentrumS, den Liberalen, den Bauernbündlern und den Sozialdemokraten. günstig wären, so hätten diese letzteren Parteien zusammen noch immer nicht die absolute Mehrheit im neuen Landtage, wenngleich die ZentrumSpartei mindesten» einen Verlust von zwöls Mandaten verzeichnen muß. Allerdings ist aber ihre bisherige Mehrheit eine so geringe geworden, daß wichtigere Entscheidungen in der neuen bayerischen Volksvertretung wohl oft nur von ein paar Stimmen abhängen werden.
Daily Chronicle erörtert in einem Leitartikel die deutsch- englischen Beziehungen. DaS Blatt hält die jetzige Lage für wesentlich hoffnungsreicher, als sie noch vor kurzer Zeit war. In der ganzen Frage seien zwei Hauptsaktoren zu beachten. Ersten» herrsche in Deutschland der Glaube, daß England entschlossen sei, Deutschland an der Verwirklichung seiner kolonialen Wünsche zu hindern, und dieser Verdacht müsse zunächst beseitigt werden. Das Blatt erkennt an, daß eS an Grund zu diesen deutschen Klagen nicht sehle. ES erkennt
„Davon weeß ich nichts?" „Woher hast diese Sachen?" „Jefunden!" „Wo?"
„Ick kann mir nicht mehr erinnern. Draußen uff her Hasenheide!"
„So!"
Haller schien seinen Worten zu glauben, wenigsten» ließ« nicht da» Gegenteil erkennen.
Diel schien den Gesangenen zu befriedigen, da er sofort erzählte:
„Ick habe mir die Sachen man nur uffjehoben, bi» ick den rechtmäßigen Besitzer finden würde. Und von dem Schlosser Ede weeß ick nicht» I"
„Mit der Streb! Sophie hattest Du doch auch mal ein Verhältnis."
„Ick kenne diese nicht! Habe feenen blassen Schimmer. „Die Sophie! Natürlich!"
„Ick schmeichle mir, ich habe schon viele Liebchen jehabt, aber ne Sophie, die kenne ick nicht!"
„Möglich! Nun zu etwa? anderem! Wo warst Du dann am 8. Juli vormittag» kurz vor 11 Uhr?"
„Herr Kommiffar, ich führe keen Tajebuch nicht! Ick kann bet nicht wissen!"
„Und am 12. Juli ungesähr abends um 7 Uhr?'
„Kann Ihnen nicht dienen. Weeß bat nicht!"
„Aber das mußt Du doch wissen, wann Du diese Sachen gesunden hast!"
„Dat! Ick werde mal Nachdenken! Dat war am Freitag, wenn ick mich nicht irre.«
„Und wann?"
„ES war bat so um Mittag! Ick stolpere so dahin und wäre beinahe darüber jesallen."
„Um elf oder zwölf?"
„Ick bin nicht im Besitze eene» Chronometer» und kann bat nicht sagen."
Haller nahm einen Kalend« zur Hand.
„Freitag war der 8. Juli."
„Dat kann man möglich sein!"