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HerMer Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 14. Donnerstag, den 1. Februar 1913»
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 31. Januar 1912.
Den Herren Bürgermeistern bezw. Gutsvorstehern deS KreiscS werden in den nächsten Tagen die für daS Kalenderjahr 1912 bestellten QuittungSkartenformulare, Invaliden-, Alters- und Krankenrenten- quittungen übersandt werden. Von den Letzteren konnte nur eine kleine Anzahl beigefügt werden, weil die neuen Rentenquittungen z. Zt. noch im Druck sind. Sobald jene Formulare von der LandeS-VersicherungS-Anstalt in Cassel hier eingetroffen find, wird der dort weitere Bedarf abgesandt werden.
I. 139. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
nichtamtlicher Lei!.
Die Linksmehrheit.
DaS Ergebnis der Wahlen von 1912 ist, daß Sozialdemokratin, Freisinnige und Nationalliberale so viel Mandate erlangt haben, daß sie zusammen mit ein paar liberalen Wilden gerade eine knappe Mehrheit bilden können. Soll deshalb im Reiche nur liberal regiert werden? Freisinnige Blätter erheben diesen Ruf wie etwas Selbstverständliches, daS sich auch leicht auSsühren lasse. Das ist ein Traum.
Wer die Dinge nimmt, wie sie sind, wird finden, daß von einem liberalen Sieg nicht die Rede sein kann, sondern nur von einem Sieg der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Partei ist die einzige, die den Stand ihrer Mandate erhöht hat, von 53 auf 110. Alle anderen Parteien haben Verluste, die liberalen geringere als die rechtsstehenden Parteien, aber doch eben auch Einbußen, die Freisinnigen von 8, die Nationalliberalen von 4 Mandaten.
Die freisinnigen Blätter, die eine entschiedene Linksschwenkung der Regierungspolitik verlangen, übersehen ferner, daß eine auS 110 Sozialdemokraten und 89 Bürgerlichen zusammengesetzte Mehrheit zu positivem Schaffen ganz untauglich ist. Die Sozialdemokraten haben die Liberalen ganz gewiß nicht deshalb bei den Stichwahlen unterstützt, um einer liberalen Politik die Wege zu ebenen, sondern um die Verwirrung und Entzweiung unter den bürgerlichen Parteien zu vergrößern. Die Sozialdemokratie müßte erst ihr ganzes Wesen von Grund auS verändern, wenn sie an der Förderung dieses StaateS und dieser Gesellschaft praktisch mitwirken wollte. Gleich bei der ersten großen Ausgabe deS neuen Reichstags, der Verstärkung unserer Wehrkraft, wird sich zeigen, daß sie getreu ihren internationalen Liebhabereien und ihrer Richtung
mein ist die Hache.
Detektiv-Roman von Theo von Blankense e.
(Fortsetzung.)
Allerdings kann diese Ansicht die richtige fein! Dann wundert mich aber nur, daß der eigentliche Mörder von Niemanden gesehen wurde."
Maran lächelte; dieser Punkt war eS, in welchem er eine größere Kenntnis zu besitzen glaubte.
„34 behaupte sogar, daß der Mörder noch von einer zweiten Person gesehen wurde. Diese aber schweigt auS einem bisher noch unerklärlichen Grunde!"
„Aber wer sollte daS fein ?"
„Denken Sie nach! Sie waren von Anbeginn durch die- fen unseligen Knopf aus die falsche Fährte verbissen."
„Sie glauben doch nicht, daß jenes Mädchen —?"
Haller vollendete seinen Satz nicht, sondern blickte nur den Untersuchungsrichter zweiselnd an.
Dieser nickte um so lebhafter und sagte:
„Ella Gerlach! Nennen Sie nur diesen Namen. Erinnern Sie sich deS Vorsallc» bei der Sektion?"
„Ja! Aber daS war wohl eine augenblickliche Schwäche beim Anblick deS grausam Ermordeten!"
„Schwäche?"
Maran zuckte zweiselnd die Achseln.
„DaS ist doch begreiflich, daß ein so junge? Geschöpf bei einem solchen Anblick erschüttert wird."
„Erinnern Sie sich nur etwas genauer, Herr Kommissar. Wann war eS, daß dieses schwache Mädchen zusammenstürzte? Als der Arzt Sie fragte, ob Sie den Täter verhaften würden, als Sie dann diese Frage bejahten und hinjusügten, noch diesen Nachmittag, da geschah eS!"
»Aber da» ist doch keinerlei Beweis!"
»Gewiß! Dann weiter! Ich hatte daS Mädchen bei ihrem Verhöre ausdrücklich befragt, ob sie Feinde deS Toten kenne, ob sie gegen irgend eine Person Verdacht hege!" »Ich erinnere mich!"
auf den Klassenkampf im Innern vollständig versagt. Ferner die Wirtschaftspolitik. Meint man, bog die Nationalliberalen ihre bisherigen Grundsätze zugunsten deS Schutzes der nationalen Arbeit, ohne selbst auSeinanderzusallen, über Bord wersen werden?
Scheidet aber die sozialdemokratische Partei, die ständige Verweigerin deS BudgetS, bei Erledigung der wichtigsten Vorlagen auS, waS bleibt dann noch von der Linksmehrheit übrig? Den 89 liberalen Mandaten stehen 93 deS ZentrumS und 71 der rechtsstehenden Parteien gegenüber. Und da soll von der Regierung links geschwenkt werden? Was man auch gegen ihre neutrale Haltung im Wahlkampf sagen möge, gewarnt vor direkter oder indirekter Unterstützung der Sozialdemokratie hat sie genug, und die Stellung über den Parteien, die der Reichskanzler im alten Reichstage zu bewahren suchte, wird er erst recht im neuen behaupten müssen.
Mehr KriegSlustschiffe.
Die zahlrerchen UnglückSfälle bei den Luftschiffahrten und die noch immer umstrittene Leistungsfähigkeit der Lustschiffe haben die Begeisterung für die Lustschiffahrt trotz der Erfolge des Grafen Zeppelin ungemein abgekühlt, und man steht im deutschen Volke und wohl auch in den Kreisen der Regierung der Bildung einer KriegSlustschisflotte wohl jetzt mit manchen Bedenken gegenüber. Man muß aber bedenken, daß eine einmal gemachte große Erfindung immer und immer wieder zu neuen Versuchen anspornt, und Fortschritte hervorbringt, und daß wahrscheinlich auS diesem Grunde die Luftschiffahrt doch berufen ist, die KriegSsührung der Zukunft ganz enorm zu beeinflussen. Wie könnte z. B. üer AllmachtSdünkel Englands zur See geradezu gebrochen werden, wenn eine starke deutsche Lustkreuzerflotte eines TageS vor London erscheinen und den Engländern zeigen würde, daß eS außer Panzerschiffen noch ganz andere Mittel gibt, um eine feindliche Flotte zu zerstören und eine Festung zu erobern. Eine solche Hoffnung darf nicht ohne weiteres als ein Traum erscheinen, da der neugebaute 2-Typ Luftschiffe darstellt, welche neben sehr großer Geschwindigkeit auch eine ganz bedeutende Tragfähigkeit für lange Zeit, also große Fahrten, besitzen. Nun hat aber auch Deutschlands größter Feind zu Lande, nämlich Frank- reich, mit seiner Luftschiffahrt und seinen Flugmaschinen schon viel größere Ersolge erzielt alS Deutschland. DaS größte sranzösische Lustschiff leistet in Dauerfahrten noch mehr alS die besten deutschen Luftschiffe. Die französische Heeresleitung hat deshalb auch bereits einen Lustschiffpark für daS sranzösische Heer geschaffen. Dieser Luftschiffpark der Franzosen weißt allerdings bis jetzt nur 2 sehr brauchbare KriegSlustschiffe auf, hat aber außerdem noch eine ganze Menge Flugmaschinen, welche für den Nachrichtendienst im Kriege von größtem Werte sind. Wir dürfen nun in Deutschland immer noch an der Hoffnung festhalten, daß wir in dem Zeppelinluftschiff
„Dann wissen Sie auch, wie daS Mädchen, wie Ella Gerlach mit einer Antwort zögerte, bis sie dann erst die beiden Fragen verneinte!"
Haller mußte auch dies bejahen, doch fand er diese Tatsache ebenso wenig überzeugend, daß er noch hinzufügte:
„DaS kann aber schwerlich alS belastend gelten l"
„Natürlich so im Einzelsalle nicht! Aber wenn sich diese BelastungSmomente mit noch anderen und schwereren zusammenfinden, so wird daraus ein Beweis."
„Ich will eS nicht leugnen! Aber wo ist dieser überwiegende Verdacht?"
„Auch daS sollen Sie hören!"
Untersuchungsrichter Maran erzählte jetzt, wie er in stetem Verdacht auf die Schuld und die Mitwissenschaft Ella Gerlachs die beiden Detektivs Stein und Norbert mit der Ueber- wachung dieses Mädchens beauftragt hatte. Er berichtete dann daS Ergebnis in jener Nacht, wo diese beiden am Fenster beobachtet hatten, wie Ella Gerlach dem Fremden Geld zur Flucht auShändigte, und dann die Jagd nach diesem Un- bekannten, die durch besten List erfolglos geblieben war.
Als Waran mit dieser Erzählung geendet, da schwieg Haller; die Eindrücke dieser Darstellung wirkten so gravierend und überzeugend auf ihn ein, daß er an eine Mitschuld Ella GerlachS, wenn auch mit Widerwillen glauben mußte.
„Ich denke, daß Sie wohl nicht länger mehr an der Geschichte zweiseln werden und mir nun zustimmen."
Haller zögerte noch mit einer Antwort.
Maran sagte:
„Stein und Norbert gewiß keine zu unterschätzenden Kräfte versicherten mir, daß die Pantomime, eine solche war eS ja, die sich vor ihren Augen abspielte, nicht ander» gedeutet werden konnte."
„Aber weshalb gestand eS der Unbekannte dem Mädchen gegenüber nicht zu? Wenn diese doch alle» ihm bewiesen hatte, ihm sogar Geld zur Flucht gab!"
„Wer gesteht freiwillig eine Mordtat ein? Niemand! DaS ist doch kein Einwand!"
„Dann ist eS doch sonderbar!" begann Haller nach längerem Ucberlcgen. „Ella Gerlach war in Gesellschaft Georg
wohl noch das beste Lustschiff der Welt besitzen, und die LeistungSsähigkeit der Luftschiffe „Schwaben" und „Ersatz Deutschland" hat ja auch gezeigt in welcher Richtung weitere Fortschritte im Bezug auf die Bauten von KriegSluftschiffen erstrebt werden müssen. Größte Schnelligkeit, sehr lange Dauerfahrten und die Fähigkeit, mit Maschinengewehren und einer Art leichten Torpedos den Feind zu Wasser und zu Lande und auch in der Luft angreifen zu können, find daher die großen Forderungen an moderne KriegSlustschiffe. Da diese Forderungen schon zu einem guten Teil erfüllt find, und der Bau von KriegSluftschiffen nur den 20. Teil der Kosten eines großen Kriegsschiffes zur See verursacht, so wäre eS ein nicht wieder gut zu machender Nachteil für Deutschlands KriegSrüstung, wenn in Deutschland nicht auch bald KriegSlustschiffe gebaut würden. Selbstverständlich wäre eS eine Torheit, sofort eine KriegSlustschisflotte bauen zu wollen, da das Problem deS KriegSluftschiffwcsenS noch nicht ganz gelöst ist, aber 2 KriegSlustschiffe müssen unbedingt jeder Jahr in Deutschland unter Erstrebung der gekennzeichneten Ziele gebaut werden, damit Deutschland trotz der großartigen Erfindung deS Grafen Zeppelin in Bezug auf die Luftschiff- sahrt nicht von Frankreich und England überflügelt wird. ES ist auch noch von den Flugmaschinen zu sagen, daß sie im Bezug auf Schnelligkeit die Luftschiffe übertreffen und für den Nachrichtendienst besonders leistungsfähig find. Die Flugmaschinen können bis aus weiteres aber keine KriegSfahrzeuge werden, da sie zu wenig Tragfähigkeit besitzen, und eS für den Kriegsfall notwendig ist, daß die Luftkrieg-schiffe und sonstigen Luftfahrzeuge sich etwa 1000 Meter hoch sofort in die Lust erheben können, damit sie nicht von seindlichen Geschossen vernichtet werden. Diese Erhebung in die genügende Höhe ist den Fluamaichin-r schon möglich und sür den Kundschafterdienst sehr wichtig, aber die Flugmaschinen hören in dieser Höhe vollständig auf, eigentliche KriegSfahrzeuge im Bezug aus einen Angriff zu sein, da sie Geschoffe in größere Zahl oder gar ein Maschinengewehr nicht mit sich führen können.
n« Zn- und Ausland.
Berlin, den 30. Januar 1912.
Der Kaiser weilte heute vormittag von Vall bis Va 12 Uhr beim Reichskanzler und begab sich alsdann mit dem Automobil nach dem Schloß zurück. Um 12 Uhr besichtigte der Kaiser im Weißen Saale deS Königlichen Schlöffe- die zum Heer und der Marine heranstehenden Kadetten. Der Monarch nahm hierbei die Meldung deS Prinzen Mahidol von Siam entgegen sowie diejenige deS österreichisch-ungarischen Militärattache«- Maj. Freiherrn v. Bienerth zur Ueberreichung deS MilitärschematiSmuS.
Der D a n k e r l aß d cS Kaisers für die dem Herrscher zum Geburtstag dargebrachten Wünsche ist im „StaatSan- zeiger" publiziert worden. Er lautet: Bei meinem Eintritt
CostaS. Warum sollte diese den Mörder gesehen haben?"
„Auch daS findet seine Antwort! Dieser Costa wollte fast unmittelbar nach seiner Ankunft bei Ella deren Onkel aufsuchen. Da hielt sie ihn aber zurück und wollte ihn nicht dorthin lassen. AuS welchem Grunde? Doch nur deshalb, weil sie um die Nähe eines Dritten, un» noch Unbekannten wußte."
„Dann müßte also dieser Fritz Merk für vollständig frei erklärt werden!"
„Gewiß! Dieser ist ebenso schuldlos wie Georg Costa; e» ist genau derselbe Fall ! Nur lebte Frau Gerd Eandtner selbst in dem Wahn, dieser könnte der Mörder gewesen sein. Dadurch wurden Sie aus die falsche Fährte gelenkt!"
„Allerdings!"
„Meine Spur wird ohne Zweifel nach dem Mörder führen."
„Hoffen wir eS! Damit die beiden Mordtaten ihre Vergeltung finden werden."
Ein weiteres Gespräch wurde dadurch unterbrochen, daß die Bureautüre deS Untersuchung-richters heftig aufgenffen wurde und Detektiv Stein eintrat.
„Ah, Sie sind eS, Stein! Sie bringen gewiß Neuekl" „Viel Neues oder auch nicht- ! Je nachdem!" war deffen Antwort, die er atemlos hervorstieß.
„WaS soll daS wohl bedeuten?" „Viel oder nicht-! Wie ich schon sagte!"
„Wie ist denn da» zu verstehen?"
„ES ist schon so! Ich bin hierher gerannt, so schnell eS möglich war. In einer Verkleidung habe ich mich in da» Zimmer Ella GerlachS eingeschlichen. Ich sagte ich fei beauftragt von der Wohnungskommission, Kontrollen vorzunehmen und untersuchte die Wasserleitungen. In einem unbewachten Augenblick gelang eS mir dann, in da» Zimmer Ella GerlachS zu gelangen. Dort wußte ich natürlich schon Bescheid von jener Nacht her. Ich suchte hastig in der Schublade, ou» welcher sie damals daS Geld geholt hatte. DaS geschah mit Ersolg. DaS heißt mit scheinbarem Erfolg. Gefunden habe ich ja etwas. Aber ob daS ein Resultat in dieser «-«elegen- Heit erzielen wird, daS ist noch sehr fraglich!"