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herM-er Armblatt
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Fernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 6. Sonnabend, den 13. Januar 1913.
Elftes Statt
HnMer teil.
Hersfeld, den 6. Januar 1912.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises erinnere ich an Einsendung der KreiShundesteuer- ZugangSliste für die Monate Oktober, November und Dezember v. Js. mit Frist bis spätestens zum 18. d. MtS.
Der Vorfitzende des Kreisausfchuffes:
A. No. 2. von GruneliuS.
Verfügung betreffend Viehzucht und Fleischversorgung.
Das Ministerialblatt der Königlich Preußischen Verwaltung für Landwirtschaft, Domänen und Forsten veröffentlicht nunmehr die unterm 8. Dezember 1911 an die Landwirt- schaftSkammern ergangene Verfügung betreffend Viehzucht und Fleischversorgung. Dieselbe lautet wörtlich:
„Am Berliner Zentralviehmarkt haben die Auftriebe von Echlachtschweinen im Lause der letzten Wochen bei einem für die jetzige Jahreszeit außergewöhnlichen Tiefstände der Preise ganz erheblich zugenommen. Diese Erscheinung und die ferner gemachte Beobachtung, daß der Anteil der unreifen und der leichten Schweine von 100 bis 150 Pfund Gewicht am Gesamtauftriebe auffallend groß ist, lassen befürchten, daß die Schweinehaltung in dem den.Berliner Markt versorgenden Gebiet in der Abnahme begriffen ist. Der weitere Umstand, daß der Auftrieb von Sauen, und zwar namentlich von jungen Tieren, die noch zur Zucht verwendbar sind, auf den letzten Märkten sehr zahlreich gewesen sein soll, legt die Befürchtung nahe, daß in dem fraglichen Gebiet auch die regelmäßige Aufzucht von Schweinen nachzulassen beginnt.
Von den Echlachtviehmärkten des Westens der Monarchie liegen mir Nachrichten über die Art deS Austriebes von Schweinen bislang nicht vor. Sollten dort ähnliche Erscheinungen beobachtet worden sein wie am Berliner Markte, so würden sich für die künftige Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch ungünstige Aussichten eröffnen, da im kommenden Jahr infolge der durch die mangelhafte Futterernte des letzten Sommers entstandenen Schwierigkeiten in der Erhaltung der Rindviehbestände, die Schweinehaltung noch mehr wie bisher berufen sein wird, die bei den Austrieben auf den Rindermärkten zu erwartenden Lücken in der Fleischversorgung auSzugleichen.
ES wäre in hohem Maße bedauerlich, wenn der Minder- ertrag der Kartoffelernte und die verhältnismäßig hohen Preise für Krastsuttermittel einerseits, der Tiesstand der Preise für Schlachtschweine und Ferkel andererseits die Landwirte veranlassen sollten, in ihrem Bestreben, auch in schwierigen Zeiten die Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen, nachzulaffen. Ich richte daher an die LandwirtschaftSkammer wiederholt das dringende Ersuchen, mit allen Kräften im Sinne der An- regungen in meinem Erlasse vom 11. August d. Js. — I. A. III. 9480 — aus die Landwirke ihreS Bezirks einzuwirken. ES wird sich empfehlen, die Landwirte darauf hinzuweisen, daß der Gesamtertrag der Kartoffelernte der Monarchie doch wesentlich günstiger ausgefallen ist, wie eS nach den Aussichten im Hochsommer dieses JahreS zu erwarten stand. Nach den jetzt erschienenen Ernteschätzungen deS Königlich Preußischen Statistischen LandeSamtes, die bekanntlich auf den Auskünften der schon seit Jahren tätigen Ernteberichterstatter ausgebaut sind, kann die Kartoffelernte dieses JahreS aus rund 2572 Millionen Tonnen gegenüber 3272 Millionen Tonnen im Jahre 1910, aus 3372 Millionen Tonnen im Jahre 1909 veranschlagt werden und beträgt 82 Prozent deS Mittels des JahrjünstS 1907 bis 1911. Dieser ErnteauSfall wird zum Teil durch die größere Haltbarkeit der diesjährigen Ernte infolge deS sehr geringen Prozentsatzes der erkrankten Kartoffeln (0,7 Prozent gegenüber 7,5 Prozent im Jahre 1910 und 4,1 Prozent im Jahre 1909) wieder ausgeglichen. Da außerdem durch Erleichterungen in der Zulassung von Mais und Getreide zu Brennereizwecken den Brennereien die Möglichkeit eröffnet worden ist, einen Teil der Kartoffeln durch anderes Rohmaterial zu ersetzen, so könnte erwartet werden, daß der AuSfall in der Kartoffelernte die Schweinehaltung nicht allzu erheblich zu beeinträchtigen braucht, zumal durch Verabreichung billigeren Erhaltungsfutters die Schweinehaltung vorübergehend erleichtert werden kann. Auch ist zum Beispiel in den Verhandlungen der ständigen Kommission des LandeSökonomiekollegiumS vom 18. November v. I. mit Recht betont worden, daß die Verwendung von Kraftfutter- Mitteln und Getreideschrot zur Schweinemast gleiche Ersolge verspricht wie die Mast mit Kartoffeln. Wenn auch zuge- geben werden muß, daß daS gegenwärtige Mißverhältnis zwischen Futtermittel- und SHweinepreisen und die immer noch andauernde Gcsahr der weiteren Verbreitung der Maul- und Klauenseuche, Schwcineseuche und Schweinepest die Bestrebungen für Erhaltung und Vermehrung der Viehbestände
erschweren, so sollte doch der Umstand, daß ein übereiltes sAbstoßen deS Bestandes verlustreich und daß die Einschränkung der Zucht auf die Dauer von den nachteiligsten Wirkungen ein muß, einsichtigen Landwirten die Ueberzeugung verschaffen, daß eS für ihre Interessen und für die Gesamtinteressen der Landwirtschaft richtiger ist, vorübergehend auch unter Opfern den Zucht- und Mastbetricb aufrecht zu erhalten."
Freiherr v. Schorlemer.
* *
HerSfeld, den 9. Januar 1912. Wird veröffentlicht.
Der Landrat von GruneliuS.
HerSfeld, den 9. Januar 1912.
Die Maul- und Klauenseuche in EtadtlengSfeld (Bezirk Dermbach) ist erloschen.
I. 195. Der Landrot.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 9. Januar 1912.
Die Maul- und Klauenseuche in Dermbach (Sachsen- Weimar) ist erloschen.
I. 194. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 8. Januar 1912.
Der Viehmarkt in Fulda am 25. Januar d. JS. ist aus veterinärpolizeilichen Grünem untersagt worden. I. 241. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 2. Januar 1912.
Gemäß der §§ 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in dem Zeitraume vom 1. Januar 1892 bis einschließlich 31. Dezember 18S2 geboren sind, 2. dieses Alter bereits überschritte», aber sich noch nicht vor einer Ersatzbehörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über ihr Militärverhältnis noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben,
sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. zur Rekrutieruugs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter entsprechenden sowie der etwaigen sonstigen Bescheinigungen, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr MilitärverhältniS enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren OrtSvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Herren GutSvorsteher deS Kreises haben demgemäß im laufenden Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu erlassen:
„Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht erteilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. JS. bei dem OrtSvorstände seines Wohnortes zur RekrutierungS-Etammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthaltsort zu haben, abwesend sind, hoben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebensallS bei Vermeidung der im Gesetze an« gedrohten Nachteile."
Die sodann genau nach der Instruktion deS Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) aufzustellenden Rekrutierungs-Stammrollen für 1892 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten u. s. w. und den beiden Rekrutierungs-Stammrollen der Jahre 1890 und 1891 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der Bezeichnung „HeereSjache" einzureichen.
Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgendes zu beachten:
Die Einträge sind, wie im § 46,2 der Wehrordnung vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten militärpflichtige inzwischen verstorben sein so bedarf eS der Ausnahme in die RekrutierungSstammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurkunde deS zuständigen Standesbeamten beigefügt wird. Sollten Militärpflichtige mehrere Vornamen haben, so ist der Rufname zu unterstreichen. Huf die Ausfüllung der Spalte 10 der Rekrutierungs-Stammrolle — zur Stammrolle gemeldet — ist besonders zu achten. Es ist in dieser Spalte in allen Jahrgängen bei jedem Militärpflichtigen, welcher in die Rehrutierungs-Stammrolle ausgenommen worden ist, in allen fällen durch Eintragung von „Ja“ oder „j^ein" ersichtlich zu
machen, ob die Hnmeldung zur Stammrolle erfolgt ist oder nicht.
Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung auS, daß die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständigauSgesüllt werden, insbesondere ist anzuzeigen, ob die Eltern deS Militärpflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand des Letzteren, sowie derjenige seines Vaters bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 I. II. Nr. 247, im KreiSblatt Nr. 13 veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem dieser gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen find unter Bemerkungen einzutragen. Zweifelhafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden. Die betreffende Spalte ist vielmehr altdann überhaupt nicht aus« zusüllen.
Ferner haben die Herren OrtSvorstände pp. deS Kreises die in ihren Gemeinden sich aushaltenden, zum einjährig- freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in daS militärpflichtige Alter eintreten, bezw. eingetreten find, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben resp, von der AuShebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gewißheit deS § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatzkommission ihreS Ge- stellungSorteS schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der AuShebung zu beantragen haben.
Der Zivilvorsitzende der Erfatzkommiffion.
I. A.:
W e s k e t KreiSsekretär.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Während der BerichtSwoche findet die H a u p t w a h l zum Reichstage statt. Wie bei den voraufgehenden Reich-- tagSwahlen so ist auch diesmal noch in zahlreichen Fällen durch die Hauptwahl keine endgültige Entscheidung herbcige- sührt worden, sondern diese ruht erst bei den S t ich w a hl en. Die Stichwahlparole ist jedem bürgerlichen Wähler eigentlich selbstverständlich oder sollte es doch wenigstens fein; sie kann und darf nur lauten: keine Stimme dem Sozial- demokraten!
In Belgien ist wieder ein BergarbeiterauS- stand auSgebrochen, der bereits 30 000 Ausständige umfaßt und wieder einmal beweist, auS welchen unbedeutenden Anlässen und leichtfertigen Gründen oftmals eine Arbeiterbewegung inS Leben gerufen wird, die nicht bloß die Interessen der Arbeitgeber, sondern in noch höherem Grade ihre eigenen Interessen schädigt. Zur Erleichterung ihrer kostspieligen VerwaltungS- nnd AbrechnungSgeschäfte haben die Bergwerksdirektoren die Verfügung getroffen, daß die Löhne fortan alle 14 Tage auSbezahlt werden statt alle acht Tage, wie eS bisher üblich war. DaS paßte aber den Bergarbeitern nicht, und so wurde diese ganz unwesentliche Abänderung in der LohnauSzahlung zum Ausgangspunkt einer regelrechten AuSstandSbewegung gemacht, die sofort einen für daS ganze Wirtschaftsleben deS Landes gefährlichen Umfang angenommen hat. Hunderttausende von Franken sind den Bergleuten schon in der ersten AuS- standSwoche verloren gegangen, und wenn eS nicht bald gelingt, die Arbeiter zur Besinnung zu bringen, so wird sich aus den unscheinbaren Anfängen bald ein allgemeiner belgischer KohlenarbeiterauSstand entwickeln.
Im italienisch-türkischen Krieg sind seit der Jahreswende keine Ereignisse von größerer Bedeutung vor- gefallen. Die FriedenSgerüchte, die kürzlich laut wurden, haben sich alS unzutreffend erwiesen. Von italienischer Seite wird erklärt, daß derartige Gerüchte oder gar über eingeleitete FriedenSvcrhandlungcn vollständig auS der Lust gegriffen seien, Italien habe keine derartigen Schritte unternommen, und in den offiziellen Kreisen RomS erklärt man, daß von FriedcnS» auSsichten keine Rede sein könne. Ebenso erklärt die flonftan» tinopeler Zeitung „Tanin", daß die Pforte ihren ursprünglichen Standpunkt nicht verlasse, nämlich den, keine Lösung anzu- nehmen die nicht die Souveränität deS ottomanischen R-.ichS über Tripolis und Benghasi zur Grundlage habe. Der Friede ist demnach noch eben so fern wie am ersten Tage deS KriegeS.
Die französisch-spa irischen Marokko-Verhandlungen sind inS Stocken geraten, da Spanien die Forderungen Frankreichs als unannehmbar zurückgewiesen Hot. In sranzösijchen und spanischen Blättern wird gegenseitig der Vorwurf der Unnachgiebigkeit erhoben. Der Pariser „Matin' jagt geradezu, daß die Verhandlungen eine kritische J?üafe durchwachten. Hoffentlich werde Spanien einsehen, daß Frankreich sich nicht in Verhandlungen einlassen könne, bei denen einige seiner berechtigten Interessen und Ansprüche geopfert würden. Und daS spanische ministerielle Blatt „Manana" versichert in einer auf einen wenig hoffnungsvollen Ton gestimmten Auslassung, der Tag sei nahe, an dem jede Vcr-