Ferner haben die Herren Ortsvorstände pp. deS Kreise? die in ihren Gemeinden sich aushaltcndcn, zum einjährig» freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in daS militärpflichtige Alter eintreten, bezw. eingetreten find, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben resp, von der AuShebung noch nicht zurückgestellt worden sind, daraus aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit deS § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatzkommission ihres Ge- stellungSortes schristlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Der Ziviloorsttzende der Ersatzkommission.
I. A.:
Wessel, KreiSfekretär.
nichtamtlicher CeiL
Politischer Wochenbericht.
Der Ausmarsch der Parteien zu den R e i ch t a g S w a h l e n ist nun vollzogen und die Kandidotenausstellnng nahezu beendet. DaS Bild. daS der Wahlkamps bietet, ist vielfach ein recht unerquickliche?. Tausendfach wicdcrlegte Lügen, besonders hinsichtlich der ReichSfinanzreform, kehren in den Flugblättern und Wahlreden deS Liberalismus und der Sozialdemokratie immer wieder.
Der österreichische Minister deS Aeußern Graf Ahrenthal hat in dem Bereinigten ViererauS- schnß der österreichisch-ungarischen Delegationen eine bemerkenswerte Rede gehalten, die ein Muster von Klarheit und Sachlichkeit ist. Seine vorsichtige Stellungnahme zu den Fragen, die der italienisch-türkische Krieg auf- wirst, seine kurzen Erklärungen über Marokko decken sich vollständig mit den Anschauungen der deutschen Regierung. Die Gesamtheit seiner Ausführungen hat in Deutschland nur sympathische Ausnahme gefunden, und ebenso haben die herzlichen Worte, die der Kriegsminister Ritter von Auffen- berg für die deutsche Armee, „ben treuen starken Freund in schimmernder Wehr", dessen Rückendeckung man während der AnnexionSkrisiS nicht hätte entbehren können, bei unS ein freundliches Echo hervorgerufen.
Die marokkanische Frage, soweit sie die Stellung SpanienS betrifft, ist noch immer ungelöst. Frankreich hatte zu Beginn dieses Jahrhunderts Spanien daS Recht der Besetzung deS nördlichen Küstenstrichs von Marokko eingeräumt für den Fall, daß die Auflösung deS bisherigen Regiments im Echerisenreiche eintreten sollte. AlS der französische Zug nach Fez erfolgte, und der Eindruck sich befestigte, daß der Aufenthalt französischer Truppen im Innern Marokkos nicht nur vorübergehend sein werde, erachtete Spanien den in den geheimen Abmachungen mit Frankreich vorgesehenen Zeitpunkt alS gekommen und ging zur Besetzung vonLarrasch über. Die Angelegenheit blieb in der Schwebe, biS die deutsch- französischen Unterhandlungen zum Abschluß gelangten. Alsdann wurden zwischen Frankreich und Spanien unter Beteiligung Englands Verhandlungen ein geleitet, die noch fort- dauern nnd hoffentlich zu einem beide Teile befriedigenden Ende führen.
Neben dem Sompse um Tripolis hatte die Türkei wieder eine innere Krisis durch einen K a b i n et t S w e ch s e l durchzumachen. Zwar ist da» neue Ministerium mit Eaid Pascha alS Großwesir gebildet, aber daß diese fortwährenden Ministerwechsel der in der Entwicklung befindlichen jungen Türkei nicht förderlich sein können, liegt aus der Hand. Aus diesen Punkt lenkt auch Freiherr von der Goltz die Ausmerk- samkeit der Ottomanen, indem er in einer längeren von der „Neuen Freien Presse" veröffentlichten Betrachtung schreibt: „Nur eins kann also der jungen Türkei in der schweren Krise, die fie jetzt durchwacht, ernsthaft gefährlich werden — das ist sie selbst. Wenn durch fortgesetzte Ministerwechsel und Par- teienhadcr die Ausmerksamkeit der Regierung durch die Schwierigkeiten der inneren Lage gefesselt und ihre Kraft nach außen gelähmt wird, dann find der Jntrige und der fremden Intervention die Tore wieder geöffnet, wie ehedem. Davor zu warnen, ist der Zweck dieser Zeilen." DaS immer noch junge neue Regiment in der Türkei bedarf eines einigen Zusammenwirkens aller aufbauenden Kräfte, um gefährliche Erschütterungen ihrer inneren Bestandes und ihrer Stellung nach außen zn verhüten.
Die chinesische Revolution, die sich zunächst gegen die seit 2Va Jahrhunderten herrschende Mandschudynastie und daS Mandschuregiment überhaupt richtete, aber mehr und mehr einen republikanischen Charakter annahm, nimmt ihren Fortgang, und diejenigen, die an dem Bestände der soeben erst
wäßigeS, eintöniges Ticktack hören. Die Sonne schien durch die hohen Fenster und huschte am Boden hin, fletterte den Tisch und die Wände hinaus und trieb ihr lustig Spiel mit dem metallenen Tintenzeug, dem glitzernden Löscher und dem Spiegel an der Wand, der ihre Strahlen wiederspiegelte in der Wafferkaroffe aus dem kleinen Waschtisch.
Kommissar Haller galt als ein tüchtiger und geschätzter Beamter der Kriminaljustiz. Er besaß eine zähe Ausdauer und versolgte stets eine einmal gefundene Spur bis zur end- gültigen Lösung; er war ein unermüdlicher Arbeiter, gefürchtet von allen, die sich vor dem rächenden Arm der Gerechtigkeit hüten mußten. Seine große, kräftig gebaute Gestalt mit Dem Blondhaar und dem bartlosen Gesicht war für seinen Beruf ungemein geeignet. Seine Stärke und ungewöhnliche Krast hatte sich schon oftmals bewährt, wenn eS galt, in Kamps zu treten mit dem tageSlichtscheuen Gesinde! der Großstadt, daS vor keiner Tat zuröckjchreckt und schon oftmals die Waffe gegen den gesürchteten Kommissar erhoben hatte, der sich aber noch jedesmal vor solchen Gefahren gerettet hatte. Sein Gesicht aber, in dem zwei blaue Augen sorglos und oft listig aufleuchteten, trug die Züge eines Komödianten; diese Rolle mußte er auch oftmals spielen, wenn er in mannig- sachen Verkleidungen den Spuren der Verbrecher nachforschte, biS er sie überführen und ausliesern konnte.
Vom GefängnShof Heraus klang daS Klirren von Schlüsseln. In dem mit Steinpflastern ausgelegten Hose widerhallten die klappernden Schritte der Gefangenen, die den Morgen- spaziergang machten. Mancher von diesen dort unten dachte jetzt vielleicht an Kommissär Haller, der in seinem Bureau jetzt emsig arbeitete, und der vielleicht die Ursache ihrer Gefangenschaft war. Wie viele dieser Sträflinge haßten Haller, die nur in diesem die Schuld ihrn Gefangenschaft sahen, nicht aber in ihrer eigenen Tat.
Ruhig arbeitete unterdessen bei Kommissär weiter, die brennenben, sengenden Strahlen der Julisonne bekümmerten ihn nicht.
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Die Telephonklingel rasselte und surrte; so gellend klang dieser schrille Leuten, daß Haller vom Stuhle auffuhr und
proklamierten Republik China zweifelten, haben recht behalten. Tang Echao 9)i, der die bisherige Regierung aus der Friedenskonferenz vertrat, ist zurückgetreten, und die Konferenz hat damit aufgehört, zu bestehen. Die neuen Feindseligkeiten begannen damit, daß die Republikaner gleich nach dem Aushören deS Waffenstillstandes um Mitternacht deS ersten Januars von Wutschang auS einen scharfen Angriff aus Hankau unternahmen. Wer in dem nun wieder begonnenen Kampfe schließlich Sieger bleiben wird, ist, da bei beiden Parteien biS jetzt daS KriegSglück schwankend war, natürlich nicht vorauSzusagen.
Zur Reichstagswahl.
In wenigen Tagen wird daS deutsche Volk zur ReichS- tagSwahl an die Urne treten. Der Wahlkamps hat eine einzelne, klar formulierte, große Frage, die von den Wählern ein einfaches Ja oder Nein verlangt, nicht in den Vordergrund gerückt. Darin liegt die Schwierigkeit bet Aufgabe, vor die die Nation gestellt ist. Sie soll durch den Streit um die Finanzresorm, durch die toiberfireitenben Ansprüche der Parteien und wirtschaftlichen Gruppen, durch Mißmut und Unzufriedenheit aller Art hindurch den Weg finden, den die gedeihliche Fortentwicklung unseres Vaterlandes verlangt. Die Agitation, die seit Jahr und Tag den Kamps der Parteien in alle Kreise und Verhältnisse hineinträgt, hilft der Wählerschaft nicht zur Klarheit. AuS dem Gewirr von leidenschaftlichen Erörterungen über die Parteien und ihre Gruppierung, über Koalitionen, die zu schließen, und Fronten, die zu nehmen sind, hat sich kein leitender Gedanke entwickelt, der alS Richtschnur dienen könnte.
Und doch liegen die Dinge einfacher, als es den Anschein hat. Wer unbefangen die Entwicklung Deutschlands in den letzten vier Jahrzehnten überschaut, wird finden, daß ihr Gesamtergebnis zu pessimistischen Betrachtungen keinen Anlaß gibt. Der innere Ausbau deS ReichS ist triftig gefördert. Die in der Verfassung vorgesehenen Institutionen haben sich zu leistungsfähigen Organen entwickelt und fast aus allen der verfassungsmäßigen Einwirkung des ReichS zugänglichen Gebieten ersolgreich gewirkt. Die Einheit deS Rechts und die Einheitlichkeit deS Gerichtsverfahrens sind durchgesührt. Die noch vom Fürsten BiSmark inaugurierte Politik deS Schutzes der nationalen Arbeit hat Landwirtschaft, Handel und Industrie zu hoher Blüte entwickeln helfen und die in der Nation schlummernden Kräfte zu machtvoller Betätigung geweckt. Die sozialen Verschiebungen, die dem schnellen wirtschastlichen Aufschwung folgen mußten, haben sich ohne Erschütterungen vollzogen dank einer weitgehenden gesetzlichen Fürsorge für die arbeitenden Klaffen und die wirtschaftlich Schwachen überhaupt.
Trotz der erheblichen Aufwendungen, welche die sozialpolitische Gesetzgebung dem Reiche und dem Volke auserlegt hat, ist für die Schlagfertigkeit deS HecreS ständig gesorgt und eine leistungsfähige Flotte geschaffen worden. Und wenn die Finanzpolitik des Reichs nicht immer den Anforderungen cenügt hat, die die sachgemäße Erfüllung aller dieser Ausgaben an sie stellte, so können wir heute sagen, daß auch die Finanzen deS ReichS auf einer festen Grundlage stehen, die unS ohne ernstere Sorgen kommenden Ausgaben entgegensehen läßt. DieS alles aber ist erreicht worden, weil der staatsrechtliche Aufbau deS ReichS gesund ist, und weil die innere Kraft unseres Volkes durch den Kamps der Parteien wohl ab- gelenkt, aber nicht zerstört werden konnte.
Freilich liegen aber auf diesem erfreulichen Bilde unserer Entwicklung auch tiefe Schalte«:. Noch heute steht ein großer Teil unseres Volkes unter der Botmäßigkeit der Sozialdemokratie unseren nationalen Ausgaben ablehnend und verständnislos gegenüber. Noch heute sieht die Sozialdemokratie daS Heil ihrer Anhänger in der Absonderung von den übrigen Klaffen der Bevölkerung und in der Zertrümmerung der bestehenden StaatS- und Wirtschaftsordnung. Hier Wandel zu schaffen, ist und bleibt eine unserer wichtigsten Ausgaben.
Die geschichtliche Vergangenheit unserer Volkes soll unS noch ein anderes nicht vergessen lassen. Vierzig Jahre hat daS deutsche Volk an seinem Hause gebaut und für seine wirtschaftliche Entwicklung gesonnen und geschafft. Mit seinem wirtschastlichen Emporsteigen ist sein FriedenSbedürfniS gewachsen, und manche haben angesangen zu glauben, daß die eigene Betätigung einer sriedliebenden Gesinnung genüge, um der Welt den Frieden zu erhalten. Die zeitweilige schwierige Weltlage hat unS im vergangenen Jahre gezeigt, daß dem nicht so ist. Ein wirtschaftlich aufstrebendes Volk, in dem alle Völker der Welt in steigendem Maße einen Konkurrenten ihres HandelS und ihrer Industrie erstehen sehen, ist beS FricdenS, den eS für seine wirtschaftliche Entwicklung braucht
mit einem wilden Fluche an baS Telephon hineilte.
Er nahm die Hörmuschel auS dem Haken, legte fie an daS Ohr und rief in das Telephon:
„Hier Polizeiamt! Kommissar Haller! Wer dort!
Er horchte!
Aber nichts hörte er als daS eigentümliche Sausen und Summen, daS wie gedämpfte Stimmen auS weiter Ferne an- zuhören war. DaS surrte!
„Wer dort?" rief Haller zum wiederholten Mal. Wieder keine Antwort.
Schon wollte er die Hörmuschel weglegen, da kam auS der Ferne ein eigentümlich dumpfer Laut; ein Schlag! Dann glaubte er ein Gurgeln und Röcheln zu hören.
WaS war daS?
DaS Interesse deS Kriminalisten war erwacht. Er preßte die Hörmuschel so fest, daß ihn daS Ohr schmerzte, alS vermöchte er so mehr zu hören. Er lauschte.
Da kam eine Stimme.
Röchelnd, leise!
Aber er hörte doch deutlich die Worte, er verstand jeden Laut.
„Bin — ermor — bet — erschla — gen — Rache — schwarz — schwarz — Kops--"
Dann war alleS still! Totenstill!
Nichts regte sich. Haller hörte den Schlag seines erregten Herzens I Nur aus der Ferne klang wieder daS Sausen und Summen deS Telephons.
„Wer dort? Was ist geschehen? Wo? Sprechen Sie!"
In Angst hatte Haller in baS Telephon gerufen und bebte einer Antwort entgegen.
Schweigen wie in GrabeSruh! Die fremde Stimme, die auf so seltsame Weise einen Mord gemeldet hatte, schwieg, schwieg vielleicht für immer.
In starrer Erwartung stand Haller immer noch am Telephon. WaS erwartete er noch? Antwort 1 Aber inzwischen war vielleicht da» Opfer lange schon tot. Er war so am Telephon Zeuge eines Morde» und konnte nicht helsen, wußte nicht einmal, wer betroffen war.
Und nochmals rief er in da» Telephon:
und zu erhalten bestrebt sein muß, nur sicher, solange sein Heer und seine Flotte genügen, um seine Grenzen und seine See- intereffen wirksam zu schützen.
Daraus folgt:
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, unsere bisherige Wirtschaftspolitik, die Politik der Handelsverträge und deS Schutzes der nationalen Arbeit weiterzuführen.
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, unsere Sozialpolitik, die Bürgschaft einer friedlichen Entwicklung im Innern, ruhig und besonnen fortzusetzen.
Wir brauchen einen Reichstag, der bereit ist, Heer und Flotte dauernd im Zustand höchster Leistungsfähigkeit zu erhalten und Lücken in unserer Rüstung zu schließen.
Bei der Lösung aller dieser Aufgaben pflegt die Sozialdemokratie ihre Mitarbeit zu versagen. Darum ist die endliche Ueberwindung dieser Partei, deren Bestehen eine Gefahr bedeutet für die nationale Geschlossenheit unseres Volkes wie für die Erhaltung deS politischen, geistigen und sittlichen ErbeS unserer Väter, eine Lebensfrage für unser Vaterland.
Wer sich daS alles vor Augen hält, wird sich klar darüber sein, daß kein pflichtbewußter deutscher Mann am 12. Januar an der Wahlurne fehlen darf. Er kann auch nicht im Zweifel darüber sein, gegen wen er Front zu nehmen hat.
Wie Bismarck über das Handwerk urteilte.
Zu einem der beliebtesten Bierabende im Hause BiSmarckS waren neben hohen Würdenträgern und Mitgliedern deS neuen Reichstages, der 1881 bei der Wahl eine wesentliche Verschiebung nach rechts gezeitigt hatte, auch Vertreter deS Handwerks geloben, u. a. der Tischlerobermeister Brande» und der Drechslerobermeister Heyer-Berlin. Diese beiden Obermeister zog der Fürst besonders in die Unterhaltung. Wollte er doch auS ihrem Munde die Wünsche beS Handwerks vernehmen. Einige Monate vorher war der Regie- rungSassesior Dr. Siesert auS BreSlau an baS Berliner Polizeipräsidium berufen und ihm daS Dezernat über daS JnnungSwesen übertragen worden. AlS pflichteifriger Beamter hatte er sich vorgenommen, die HandwerkSorganisation grünb- lichst zu studieren. Zu diesem Zweck besuchte er die damals zuweilen im Bürgerjaale deS Rathauses stattfindenden Versammlungen der Berliner JnnungSvorstände und die Vor- standrsitzungcn der Bäcker im alten Mehlhause und der Schuhmacher. Er verschmähte eS nicht, in den niedrigen Räumen deS alten GewerkShaufeS im dichten Tabaksrauch bei Weißbier und „Strippe" (Stummel) die Nacht hindurch zu fitzen. Heyer und Brandes erzählten nun dem Fürsten BiSmarck, der kurz vorher das Ressort deS HandelSministerS nach dem Abschied des Herrn v. Achenbach übernommen hatte, von dem prächtigen und talentvollen Assessor Dr. Siesert, der Großes schaffen könne, wenn er nur an den richtigen Platz gestellt würde. Zwei Tage später, kurz nach 10 Uhr abends wurde an der Wohnung des Herrn Dr. Siesert die Klingel stark gezogen. Dem öffnenden Mädchen erklärte ein gallo- nierter Diener, er komme vom Fürsten Reichskanzler und müsse den Herrn Assessor sprechen. Dieser, schon im Bette liegend, wirst sich notdürftig in die Kleider und erfährt nun, daß der Reichskanzler ihn in einer halben Stunde erwarte. Nie zuvor hatte Siesert sich so schnell angezogen; die Droschke mußte Galopp fahren und rechtzeitig stand der Herr Assessor vor dem großen Kanzler. Das srcundliche Entgegenkommen deS Fürsten und die Leutseligkeit der Fürstin ließen dir Beklommenheit Sieserts schnell weichen. Der Fürst,- auS der langen Tabakpseise rauchend, fragte Siesert, ob er Pfeife oder Zigarre wünsche. Er entschied sich für die Pseise. Im nu hatte Pinnow, der Diener, die Pfeife gestopft und Siesert überreicht, während die Fürstin den brennenden FidibuS barbot. Aus die Frage, ob Siesert Biertrinker sei, folgte ein erfreuliches Ja. BiSmarck wies nach einem Humpen von gleicher Größe wie der vor ihm stehende, den Pinnow schnell gefüllt vor Siesert hinpflanzte. Viele Fragen hatte er dem Kanzler zu beantworten. Die Fürstin amüsierte sich sehr, wenn Siesert bei Erzählung seiner Besuche von Jnnungs- vorständcn und den Verhandlungen mit denselben diesen einen seinen humoristischen Anstrich gab. Nachdem Siesert ausführlich über seine Eindrücke berichtet hatte, sprach Fürst BiSmarck eingehend mit ihm über die gesetzlichen Maßnahmen, die zur Hebung deS Handwerkes erforderlich waren. Nach 3 Uhr früh war die Konferenz beendet. Assessor Dr. Siesert sollte bald Gelegenheit haben, an berufener Stelle bei der Gesetzgebung mit tätig sein zu können. Etwa 14 Tage später wurde Dr. Siesert zum RegierungSrat ernannt und wieder einige Wochen daraus inS Handelsministerium berufen. Die Ernennungen zum Geh. RegierungSrat und
„Wer dort?"
Jetzt kam ihm Antwort zu. „Sie wünschen?"
Haller befand sich in solch hochgradiger Aufregung, daß er erst nach Worten suchen mußte.
„Ich — wer — wer ist am Telephon?"
„Hier ist Ccntrale! Welche Verbindung wünschen Sie?" „Mit wem war ich soeben verbunden?" „Mit Niemandem?"
Aber ich bin doch vor kurzem angesprochen worden!"
„DaS muß ein Irrtum sein! Oder eS hat sich ein frembet LeitungSdraht mit dem ihrer Leitung berührt."
„Aber welcher?"
„Kann nicht kontrolliert werden! Welche Nummer wünschen Sie?"
„Keine?
WaS hätte Haller erwidern sollen?
Er hatte eine Meldung erhalten l Er wußte nicht von wem und konnte auch nicht antworten. Zudem fühlte er selbst, wie zwecklos eine solche Antwort fein müßte!
Von der Telephoncentrale wurde abgeläutet.
(Fortsetzung folgt.)
— Königsberg (Preußen), 31. Dez. In StraSburg (Westpreußen) erhielten die Töpfer RogowSki und Sommer in einem Lokale versehentlich statt Schnaps Baldrianessenz. Beide Töpfer sind gestorben.
— (Nach zwei Jahren als Leiche ausgesunden.) AuS Innsbruck wird berichtet: Die Leiche deS seit Sommer 1909 am Mimminger Mittelgebirge vermißten Studenten Erich Spielvogel aus München wurde gestern zu- sällig in einer schwer zugänglichen Felsschlucht ausgesunden. DaS Skelett wurde mühevoll geborgen und nach Mimming gebracht.
— (Selbstmord auf einem Unterseeboot.) Aus dem Unterseeboot „U 12" erschoß sich der Matrose Alt- Haus, angeblich, weil ihm ein HeiratSurlaub verweigert worden war.