Wahlvorsteher, Protokollführer und Beisitzer »Srfen kein unmittelbares Staatsamt bekleiden.
5. Am Tage der Wahl ist daraus zu achten, das; nach Beendigung der Berhaudlnugeu die Wählerliste und die Gegenliste von dem Wahlvorstaude — also von dem Wahlvorsteher, dem Protokollführer und den Beisitzern — § 18 Absatz 2 der Reglements — vorschriftsmäßig unterzeichnet werden.
6. Werden bei -er Feststellung deS Wahlergebnisses Stimmzettel für ungültig erklärt, so find diese mit fortlaufende« Nummern zu versehe«, dem Protokolle Veizufügeu und die Gründe anzvgedev, aus deue« die UnMIigkeitserklärung erfolgt ist.
Soweit die Ungültigkeitserklärung des Stimmzettel» aus der Beschaffenheit des Umschlages abgeleitet werden sollte, ist auch der Umschlag auzuschlietzen — § 20 Absatz 1 und 2 d-S Reglements.
7. Der Zutritt zu dem Wahllokal steht jedem Wähler — also jedem wahlberechtigten Deutschen ohne Rücksicht aus den Wahlbezirk — frei. — § 26 Absatz 3 deS Reglements.
8. Der Wahlvorstaud hat in der Nähe des Zuganges zu dem Nebenraum oder Rebeutisch (§ 11 Absatz 4 der Reglements) ei«e Perso« (OrtSdiener pp.) avsza- stellen, welche -eu Wählern je einen amtlich abge- stempelten Umschlag überreicht, in die sie ihre Wahl- zettel im Jjolierraum stecken.
Wähler, welche darch körperliche Gebrechen behindert find, ihre Stimmzettel eigenhändig in den Umschlag za lege« und diese« Sem Wahlvorsteher zn überreiche«, dürfe« sich der Beihülfe einer Ber- traveasperso« bedienen. — § 15 deS Reglements.
9. Der Wahlvorsteher hat streng darauf zu halten, daß die Wähler in dem Nebenraum oder an dem Revea- tisch nur so lange verweilen, als «abedivgt erforderlich ist, um die Stimmzettel in den Umschlag zu stecken. — § 15 Absatz 4 deS Reglements.
10. Lommvvalbeamte, welche — wenn auch nur nebenamtlich ein ««mittelbares Staatsamt bekleiden, find nicht mit den Kuuttionen eines Wahlvorstehers, Beisitzers oder Protokollführers zu betraue«. Jnbezug aus die Ernennung von Staudesbeamtea und Staudes- beamteu-Stellvertteteru zu Wahlvorstehern bezw. Bei- fitzern und Protokollführern bemerke ich, daß nur diejenigen — vom Staate zu remunericrenden-EtandeS- beautte«, im Sinne des § 9 deS BundeSgesetzeS vom 31. Mai 1869 ein unmittelbares StaatSamt bekleiden, welche als solche von der Staatsbehörde auf Grund der Echlußbestimmung im § 7 deS Reichs-Personen- standS-Gesetzes vom 6. Februar 1875 ernannt find.
11. Der Wahlvorsteher hat am 12. Januar 1912 vormittags Punkt 10 Uhr — die Wahlhandlung damit zu eröffnen, daß er die Protokollführer und die Beisitzer mittelst Handschlages an Eidesstatt verpflichtet und so den Wahlvorstaud bildet. — § 12 Absatz 6 des Reglements.
Die Wahlhandlung ist von vormittags 10 Uhr bis nachmittag» 7 Uhr vvuuterbrochea fortzusetzen. Punkt 7 Uhr abends ist sie darch den Wahlvorsteher aus- drücklich für geschloffen zu erklären. — § 17 Absatz 1 deS Reglements.
12. Der Wahlvorsteher und der Protokollführer dürfe» ffth während der Wahlhandlung nicht gleichzeitig ent- fernen. verläßt einer von ihnen vorübergehend daS Wahllokal, so ist mit seiner zeitweiligen Vertretung ein anderer Mitglied deS Wahlvorstande» zu beauftragen.
Zu keiner Zeit dürfen weniger als drei Mitglieder des WahlvorstandeS gegenwärtig sein. — § 12 Absatz 2 deS Reglements.
13. Alle bei der Wahl abgegebenen Stimmzettel und Umschläge, die nicht nach §.20 der Reglement» dem Protokolle beizusügen find, hat der Wahlvorsteher in Papier einzu - schlagen und zu versiegeln und so lange aufzubewahren, bis der Reichstag die Wahl desinitiv für gültig erklärt hat. — § 21 deS Reglements.
I. I. Nr. 17 117. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 29. Dezember 1911.
Daß Verzeichnis der gemäß § 1 her Wahl-Ordnung für die Handwerkskammer zu Caffel vom 17. August 1899 (RegierungS-AmtS-Blatt S. 266) wahlberechtigten Handwerker-
Sie eilten dorthin.
Der Mond schien hell, deshalb konnten fie eine Gestalt sehen, die bei einem Reh kniete, um eS auszubrechen.
„Halt!" rief der Förster. „Nicht rührm sonst schießen wir."
Der Wilderer hatte im Eiser nicht wieder geladen. Er mußte sich deshalb ergeben, ward sein Gewehr lo» und da» Wildbret. Und wer war er? Niemand anders als Wols Rix. Er wurde angezeigt und erhielt als Strase für diesen Fall, da man ihm ändert nichts nachweisen konnte, 6 Monate Gefängnis.
Da» vergaß Wolf Rix Hinrich» nie! vor vielen Ohren schwur er dem Förster fürchterliche Rache für den Tag, an dem er wieder frei sein würde.
* *
Um jene Zeit kaufte sich in dem benachbarten Sonnenseld der Baron Adolf von Wildau an. DaS Ehepaar von Wildau besaß eine zwanzigjährige Tochter. Ottilie von Wildau, ein Mädchen von klastischer Schönheit, klug, häuslich, einfachen Sinne» und von großer Herzen»güte. Kaum hatte Leopold fie gesehen, so rief er au»:
„DaS ist mein Ideal; das ist da» Weib, welches ich schon lange in meinen Träumen gesehen habe; diese» Mädchen muß mein Weib werden."
DaS geschah gleich nach dem ersten nachbarlichen Besuche, den die von WildauS machten. Aber auch in WaldemarS Seele stiegen gleiche Gedankm auf. Während Leopold seine Empfindungen fest in fich verschloß und nur mft seinem Jagdgefährten dieselben besprach, teilt fich Baron Walbemar seiner Mutter mit und diese sagte:
„Lieber Saldemar, da» wäre mit lieb, wenn Du Ottilie von Wildau zur Gattin gewinnen könntest. ®8 ist ein reizende» Geschöpf, dabei lieb und gut, einfach und häurlich. Ich rate Dir, wirb um fie mit aller Kunst, ehe Dir Dein Stiefbruder zuvorkommt, denn ich habe gesehen, daß auch ihm die junge Dame nicht gleichgültig ist."
Aar schon vorher die Spannung zwischen den beiden Brüdnn unerträglich gewesen, so artete sie jetzt in offene Feindschaft au», all die beiden Brüder abwechselnd sich um
Innungen pp. liegt während der nächsten acht Tage zur Einsicht der Beteiligten im GeschästSlokale deS Königlichen Land- ratsamtS während der Dienststunden aus.
Etwaige Beschwerden über die Aufstellung deS VerzeichniffeS sindj binnen 14 Tagen bei mir anzubringen.
I. 17128. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 24. Dezember 1911.
Die landeSpolizeiliche Anordnung vom 28. Oktober d. JS.
A. III. 5035 a, mit welcher verschärfte Maßnahmen für daS auS dem stärker verseuchten Fürstentum Lippe-Detmold auS- zuführende Klauenvieh angeordnet waren, ist durch die landeS- polizeiliche Anordnung vom 6. Dezember 1911, A. III. 6006, Amtsblatt Seite 468, wieder aufgehoben worden.
I. 16070. Der Landrat.
I. A. :
Sessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 30. Dezember 1911.
Die Maul- und Klauenseuche aus Rittergut O b e r r o d e ist erloschen.
Der GutSbezirk Oberrode ist auS dem S p e r r b e z i r k, und die Gemeinden PeterSberg und Sorga sowie der GutS- bezirk WilhelmShof sind auS dem BeobachtungSgebiet auSgc- schieden worden.
I. 17 187. Der Landrot.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
Die Termine der im Jahre 1912 an der Königl. Lehranstalt in Geisenheim stattfindenden Obstbau- und Baumwärterkurse, welche auS dienstlichen Gründen verlegt werden mußten, sind nunmehr wie folgt festgesetzt worden: 1. Obst- baukursuS vom 19. Februar bis 2. März, 2. Baumwärterkursu» vom 4. bis 16. März, 3. Obstbou-NachkursuS vom 15. bis 20. Juli, 4. Baumwärter-NachkursuS vom 22. bis 27. Juli.
Die Direktion der Königlichen Lehranstalt.
nichtamtlicher teil.
Der preußische Etat für 1912.
Nach einer offiziösen Berliner Meldung schließt der Ent- wurs deS preußischen HauShaltSetatS für 1912 in Einnahmen und Ausgaben mit 4 301 242 250 Mark ab. Von den Ausgaben entfallen 5,3 Prozent auf daS Extraordi- narium gegen 5,2 Prozent im Etat für 1911. Zur Her- stcllung deS Gleichgewichts sind 19 Millionen als außerordentliche Einnahmen eingestellt, die im Wege der Anleihe zu beschaffen ist, gegen 29 900 000 Mark im Jahre 1911. Zur vorübergehenden Verstärkung der Betriebsmittel der General- staatSkasse sind, wie im Vorjahre, Schatzanweisungen bis zur Höhe von 100 Millionen Mark vorgesehen. AuS den Reichsüber- schüsscn der Eisenbahnverwaltung ist ein Betrag von 57 425 608 Mark zur Verstärkung deS LusgleichSfondS etatisiert, etwa 25 Millionen mehr als im vorigen Jahr. An Pensionen für Zivilbeamte sind über 11 Millionen Mark mehr vorgesehen alS im Vorjahre, an gesetzlichen Witwen- und Waisengeldern 1271 000 Mark mehr, an Pensionen und Hinterbliebenenbezügen für VolkSschullehrer und Lehrerinnen 1361508 Mark mehr. D ie UnterstützungSsondS für die Beamten sind insgesamt um 3 Millionen Mark erhöht, auch die UnterstützungSsondS für die Arbeiter sind angemessen erhöht. Es besteht die Absicht, zur Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse schon für daS laufende EtatSjahr bei dem Unter» stützungSfondS im Wege der Etatsüberschreitung Mittel flüssig zu machen; allerdings kann die Auszahlung der Mehrbeträge erst erfolgen, nachdem sich die Staatsregierung der Zustimmung deS Landtags vergewissert hat. ES dars aber damit gerechnet werden, daß schon von der zweiten Hälfte des Januar ab UnterstützungSmehrbeträge von über einer Million Mark zur Verfügung stehen. Zu Unterstützungen für Beamte, die zu oder vor dem 1. April 1907 in den Ruhestand versetzt sind, und für Witwen und Waisen dieser und der vorher verstorbenen Beamten find 500 000 Mark mehr, zu Unterstützungen für ausgeschiedene VolkSschullehrer und -Lehrerinnen und von Witwen und Waisen von VolkSschullehrern 200 000 Mark mehr alS im Vorjahre in Ansatz gebracht; ferner zu Unterstützungen von Witwen und Waisen der vor dem 1. April 1907 verstorbenen oder pensionierten VolkSschullehrer 50 000 Mark mehr. Bei der Eisenbahnverwaltung sollen neben den im Extraordinarium ausgebrachten Mitteln etwa 190 Millionen
Ottilie von WildauS Gunst bewarben, öfters in Sonnenseld Besuche machten und eS ganz öffentlich zur Schau trugen, daß ihre Visiten eigentlich nur Fräulein Ottilie galten.
Ottilie von Wildau war ganz und gar Naturkind, deshalb ward es auch bald ersichtlich, daß ihre Gunst mehr dem einfachen, hübschen Leopold zuteil ward, als dem gezierten, die krummen Wege liebenden Waldemar. Zwar bot dieser alles aus, seinen Bruder in der Gunst der zugleich sehr reichen Erbin auSzustechen, aber eS nützte ihm nichts; Ottilie von Wildau blieb ihren ersten Empfindungen treu. Die neue Zose, die eS mit Baron Waldemar hielt, war sogar so niedrig, Fräulein Ottilie von Wildau bei einem Besuche auf Sreiffenstein auf Baron Leopolds Verirrung wegen bei Duells und seine Entlastung auS dem Offiziersdienste aufmerksam zu machen.
„Ottilie", gab da ihre Mama zur Antwort, „welcher junge Mann hätte heutzutage nicht seine Vergangenheit?"
Und Ottilie von Wildau ließ fich nicht beeinflussen.
AlS Waldemar sah, daß die schlau in Szene gesetzte Intrigue garnichtS genützt, ward er maßlos zornig und haßte seinen Bruder noch viel mehr.
Baron Thomas schüttelte den Kops und hatte große Sorge um seine Söhne. Zwei Mal habe ich ohne Ausregung, ohne aus dem Gleichgewicht der Seele zu kommen, um ein Weib angehalten und geheiratet; und meine Söhne möchten sich eines Mädchens wegen am liebsten die Hälse brechen. Es ist unerhört.
Eines TageS war Ottilie von Wildau mit ihren Eltern wieder im Schlöffe Greiffenstein zu Besuch. Die junge Dame sah entzückend au» und trug im Gürtel eine prachtvolle Marschal-Niel-Rose.
Waldemar von Greiffenstein flehte sie während eines Spaziergänger im Park um die Rose an, erhielt fie aber nicht. Er wurde zornig und ging; eine halbe Stunde später aber sah er die Blume in Leopolds Händen und beobachtete ihn heimlich, wie er die Rose ganz verzückt küßte.
DaS war für den heißblütigen Waldemar zu viel.
Er tobte und schimpfte auf eitle Weiber, auf selbstsüch
Mark für die bestehenden Bahnen durch Anleihe bereitgestellt werden. Die Staatsschuld beläuft sich auf 9 428 874 000 Mark, gegen 1911 weniger 102 803152 Mark. Die Verminderung ist durch Rückkäufe von Schuldverschreibungen und durch Einlösung unverzinslicher Schatzanweisungen herbeigesührt. Von der Gesamtschuld entfallen aus die Eisenbahnverwaltung 7 223 670 000 Mark und aus die Bergverwaltung 167 459 741 Mark. Die ordentlichen Einnahmen aus den Domänen betragen 29 418 300 Mark, das sind 7 188 500 Mk. weniger alS im Vorjahre, aus den Forsten 138 259 000 Mark, weniger 432 000 Mk., auS den direkten Steuern 423 068 600 Mark, mehr 18 603 300 Mark, auS Zöllen und indirekten Steuern 125 939 000 Mk., mehr 6 089 000 Mk., auS der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung 290 073 320 Mark, mehr 5 183 930 Mark, aus der Eisenbahnverwaltung 2 331 053 000 Mark, mehr 149 269 000 Mark. Die Betriebs- usw. Kosten der Eisenbahnverwaltung betragen 1926 981 391 Mark, mehr 111 716 683 Mark.
Der Krieg um gripolie.
Ueber einen neuen Kampf bei Derna berichtet der italienische Telegraph:
Wie vom 26. Dezember aus Derna gemeldet wird, marschierten am Vormittag dieses Tages 4V2 Bataillone Jn- santerie mit sechs Feldgeschützen und vier Maschinengewehrabteilungen den Dernafluß auswärts, um die Ausbesserungsarbeiten an der Wasserleitung zur Stadt zu schützen. Die Truppen stießen bald auf den Feind, der über bedeutende Streitkräste mit 75-Millimeter°Gefchützen versügte und sich in einen lebhaften Kampf einließ, während dessen die italienischen Pioniere die Ausbesserungsarbeiten vornehmen konnten. Da sich alsbald aus der rechten Seite der italienischen Truppen ein seindlicher Angriff entwickelte, machten die seit Beginn des KampseS bereitgehaltenen Reservetruppen einen Gegenangriff, um den Feind zum Stehen zu bringen und den mit der Deckung der AusbesserungSarbeiten betrauten Truppen Luft zu schaffen. Dieser Gegenangriff brächte die türkischen und arabischen Truppen zum Weichen und gestattete eS den Italienern, nachdem die Pioniere ihre Arbeiten auSgeführt hatten, sich in ihre Verschanjungen zurückzuzichen gemäß den Instruktionen, die sie erhalten hatten. Aus italienischer Seite sind drei Tote und 77 Verwundete zu verzeichnen.
Gegenüber den italienischen Ableugnungen der Meldungen über einen türkischen Sieg in Tobruk teilt die Ottomanische Botschaft in Berlin folgende? offizielle Telegramm deS Kommandanten in Tobruk mit:
In der Nacht vom 22. Dezember griffen wir die befestigten Stellungen des Feinde- an. Trotz deS Feuers der Kriegsschiffe und der Batterien der Forts drangen wir in das Fort ein, dessen Besatzung vernichtet wurde. Munition, LebenSmittel, Kriegsmaterial und ein Maschinengewehr wurden in unser Lager gebracht. Im Verlause deS Angriffs schnitt einer unserer Flügel die Rückzugslinie deS Feindes ab, der sich nach der Küste hin zerstreute. Während deS Rückzuges verlor der Feind die Hälfte seiner Streitkräste. Der Kamps dauerte den ganzen Tag und die Nacht. Unter den Gefallenen auf gegnerischer Seite befanden sich drei Offiziere. Unsere Verluste betrugen sieben Tote und einige Verwundete. Der Scheik Meri, der mit seinen fünf Söhnen an der Spitze seines Stammes gekommen war, sand ebensall- den Tod. Der Mut unserer Offiziere und Mannschaften war musterhaft. Leutnant Nedjib Bey betrat als erster daS Fort, zerstörte die Maschinengewehre und nahm das eine, daS in unser Lager gebracht wurde.
Jh$ ]n- und Ausland.
Den Beginn derNeujahrSfeicr amKaiserlichen
Hose bildete auch in diesem Jahre daS große Wecken. Während auf dem Königlichen Schlosse die drei Standarten gehißt wurden, traten die Spielleute der zweiten Garde-Infanterie« Brigade und die Hoboisten des vierten Garde-RegimentS z. F. auf dem inneren Schloßhose gegen 8 Uhr an und setzten nach dem Anschlagen der Tambours mit dem Niederländischen Dankgebet ein, dessen zweiten VerS die Mannschaften sangen. Gleichzeitig bliesen die Trompeter deS zweiten Garde-Ulanen« RegimentS den Choral „Nun danket alle Gott" von der Galerie der Schloßkuppel in den trüben, neblig-feuchten Neu- jahrSmorgen. Im Schlenderschritt marschierten dann die Musiker zu Portal I hinaus und zum Brandenburger Tor
tige Brüder, die jeder brüderlichen Liebe bar, und schwur, er wolle diesen Fall schon wider alle? wett machen.
Friedrich Grön, der noch immer auf dem Schlosse funktionierte, hörte es und bot seine Dienste an, aber Waldc- mar, der dadurch wieder zur Besinnung gebracht wurde, sah ihn hochmütig an und sagte:
„WaS denken Sie denn, Friedrich?" Also, soweit war e» schon mit ihm gekommen, daß ihn ein Diener durchschaute und sich erbot, ihm gegen feinen Bruder rachsüchtig ju helfen ?
„Es ist Zeit," sagte er sich, vornehm den Kops in den Nacken werfend, „daß Du Dich mäßigst, umkehrst, und nicht einmal jemand den Glauben hinterlässest, all habest Du Dir jemals etwas ernstlich aus dem Fräulein von Wildau gemacht. ES gibt ja noch andere schöne und reiche Erbinnen."
Bon diesem Augenblicke an beachtete Waldemar Fräulein Ottilie nicht mehr.
Aber Friedrich Grön, der ihn stets beobachtete, sah nur zu deutlich, daß dies alles eitel Verstellung war und daß in Waldemar? Herzen ein Vulkan brannte, der feine Tätigkeit noch nicht eingestellt hatte.
Er hatte nur zu sicher beobachtet, wie denn bald daraus ein neuer unliebsamer Borsall bekundete.
Baron Leopold, der sich in seiner bedächtigen, ruhigen Weise, worin er dem Vater gleich kam, überlegend und erwägend lange noch nicht gegen Ottilie erklärt hatte, ging mit Oberförster HinrichS eines Morgens in die Forste, die auch Baron Waldemar in nervöser Unruhe mit Hund und Flinte durchstreifte.
Die 3 Personen mußten sich durch Zufall begegnen und zwar nicht weit vom Schlosse.
Baron Waldemar besaß einen prächtigen, echten Schweißhund, Nero, der eine enorme Summe Geld gekostet. Der alte Oberförster bot untertänig einen guten Morgen, worauf Baron Waldemar brummmd antwortete. Aber bet alte Oberförster war zähe in seinem Benehmen. Er verwickelte Baron Waldemar in ein Gespräch, während Baron Leopold Nero lockte und koste.
(Fortsetzung folgt.)