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Herrjelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 151.
Sonnabend, den 23. Dezember
1911.
Die heutige Nummer umfaßt 8 Seite«.
Erstes Blatt.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 20. Dezember 1911.
Gemäß der Vorschrift im § 82 der KreiSordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird das Ergebnis der Kreistagssitzung vom 20. Dezember 1911 nachstehend veröffentlicht:
Punkt 1 der Tagesordnung.
Die Rechnung der KreiSkommunalkasie für daS Rechnungsjahr 1910 wurde auf eine Einnahme von 345 090,59 Mark und eine Ausgabe von 339116,22 Mark mithin auf einen Kaffenbestand von 5974,37 Mark festgestellt.
Dem Rendanten wurde Entlastung erteilt, nachdem die unumgänglichen Überschreitungen deS AuSgabetitelS IX mit 87,29 Mark und deS AuSgabetitelS XI mit 948,45 Mark genehmigt und die RevifionSbemerkungen durch die gegebenen Erläuterungen als erledigt angesehen waren.
Im Anschluß an die Erledigung der RevisionSbemerkungen wurde beschlossen, daß die im ordentlichen Etat bewilligten Mittel, soweit sie nicht verbraucht sind, zunächst auf die Dauer von 2 Jahren in RestauSgabe geführt werden dürfen und dann als erspart nachzuweisen sind.
Die für die Rindviehzucht und die Körungskommission sowie die zur baulichen Unterhaltung der Büroräume bewilligten Gelder, soweit sie nicht verbraucht fi::d, find dauernd den für die betreffenden Zwecke gebildeten Fonds zuzuführen, und zwar die Mittel für die KörungSkommission und die Rind- Viehzucht einem Fonds für landwirtschaftliche Zwecke.
Die Ueberschüsse vom Rechnungsjahr 1910, soweit über sie nicht bereits für besondere Zwecke verfügt ist, sollen dem Betriebsfonds zugeführt werden.
Punkt 2 der Tagesordnung.
Der ausgestellte Kostenanschlag über die Unterhaltung der Landwege im hiesigen Kreise für daS Jahr 1912 wurde nach erfolgtet Prüfung, bei der sich Anstände nicht ergeben haben, aus den Betrag von 36 000 Mark wiederum festgestellt.
Punkt 3 der Tagesordnung.
Die erforderlichen Mittel zum Ankauf deS Grund und BodenS für daS Anschlußgleis an die Kleinbahn HerSfeld- HeimboldShausen in dem Gelände hinterm Siechen, in ungefährer Höhe von 34 000 Mark wurden bewilligt. Sie sollen in Höhe von 21955,50 Mark auS den dem Kreise von der Eisenbabnbaukasse hier erstatteten Barvorschüssen a. Konto Kleinbahn HerSseld—HeimboldShausen bestritten werden; der Restbetrag soll auS der KreiSanleihe für den Bahnbau gedeckt werden.
Punkt 4 d er Tagesordnung.
Die Kosten zur Herstellung deS FußgängerstegS an der Fuldabrücke für die Kleinbahn HerSfeld—HeimboldShausen wurden zur Hälfte mit 3380 Mark aus KreiSmitteln bewilligt, nachdem sich die Stadt HerSseld bereit erklärt hat, die andere Hälfte der Kosten zu tragen und jederzeit gangbare Verbindungswege nach beiden Seiten im Anschluß an bestehende öffentliche Wege zu schaffen.
Punkt 5 der Tagesordnung.
Nachdem der BezirkSverband der Regierungsbezirks Caffel sowie die Gemeinden Niederaula, MengShausen und SolmS und der KreiSverband die veranschlagten Kosten für die Hoch- wafferfreie Herstellung deS Verbindungsweges Niederaula- MengShaufen anteilSweije bewilligt haben, wurde beschlossen daS Projekt zur Ausführung zu bringen, sobald der BezukS- Verband die bewilligte Unterstützung zur Verfügung stellen wird.
Der Anteil deS KreifeS zu den Ausführung-kosten m Höhe von 5000 Mark soll aus den Ueberfchüffen vom Jahre 1910 bestritten werden.
Punkt 6 der Tagesordnung.
Die im Anschluß an die Bahnhofsstraße nötige Verbreiterung deS Landwegs Unterneurode—RanSbach im Orte RanS- bach soll aus der linken Seite deS Weges derart vorgenommen werden, daß der ganze Weg eine Kronenbreite von 6 m erhalt, Die Kosten deS Ausbaue-, welche aus 2200 Mark veranschlagt find, wurden bewilligt. Sie sollen auS den Ueber« schüssen deS Rechnungsjahres 1910 bestritten werden.
Im weiteren wurde beschlossen, die Gemeinde RanSbach tut unentgeltlichen Gestellung deS erforderlichen Grund und BodenS zu dieser Wegeverbreiterung zu verpflichten.
Punkt 7 der Tagesordnung.
Der Kostenbetrag für den Umbau einet Dramage rm Landwegezug HerSfeld— WiPperShain—Rippe im Orte Comove 4»on Station 10,4 bis 10,5 + 10 mit 268,66 Mark wurde aus den Ersparnissen vom Rechnungsjahre 1910 bewilligt.
Punkt 8 der Tagesordnung.
Dem Antrag aus Bewilligung der Kostenbeiträge für V Einrichtung und Unterhaltung deS in HerSfeld l^r lunge Burschen der Stadt und des KreifeS gegründete«^erems «Burschenheim" wurde entsprochen. ES wurden aOO Mmr
als einmaliger Beitrag und 150 Mark als laufender Jahresbeitrag bewilligt. Der Jahresbeitrag von 150 Mark wurde widerruflich gewährt. FürS erste mal sollen diese Kosten auS den Ueberfchüffen deS Rechnungsjahres 1910 gedeckt werden.
Punkt 9 der Tagesordnung.
Der wiederholten Anregung deS Herrn Regierungt-Präsi» deuten, die Kosten der polizeilichen NahrungSmittelkontrolle auf den KreiS zu übernehmen und den ausgewandten Kostenbetrag aus die Polizeiverwaltungen deS Kreises am Schlüsse deS Rechnungsjahres umzulegen, damit die z. Zt. für kleinere Polizeiverwaltungen bestehenden Härten beseitigt werden, wurde stattgegeben.
Punkt 10 bet Tagesordnung.
Die Errichtung einer W nderhauShaltungSjchule im Kreise, in der in Lehrgängen von mindestens 8-wöchiger Dauer schulentlassene Mädchen oller Beruf-stände in den wichtigsten hauSwirtschastlichen Verrichtungen unterwiesen werden sollen, wurde beschlossen.
Gleichzeitig wurden zur Bestreitung der Kosten der ersten Einrichtung der Haushaltung-schule 1000 Mk. und für den in den Monaten Januar bis März 1912 abzuhaltenden ersten KursuS 400 Mk. aus den Ueberfchüffen des Rechnungsjahres 1910 zur Verfügung gestellt.
Für mittellose Mädchen kann das Schulgeld durch den KreisauSschuß herabgesetzt oder auch ganz erlassen werden, sofern sie sich durch besonderen Fleiß und Geschicklichkeit auSzeichnen und sich deffen würdig zeigen.
Punkt 11 der Tagesordnung.
Der bisherige SchiedSmann für den SchiedSmannSbezirk Sorga-Oberrode, Ackermann Johannes Witzel in Sorga, wurde für einen weiteren Sj^rigen Zeitraum als SchiedSmann wiedergewählt.
Punkt 12 der Tagesordnung.
AlS Sachverständige zur Abschätzung der durch die Truppenübungen entstandenen Flurschäden an Stelle der verstorbenen beiden Sachverständigen Bürgermeister a. D. Nutzn in ASbach und Bürgermeister A. Reinhard in Landershausen wurden gewählt:
der Gutsbesitzer Otto Reinhard in Lander-Hausen und
der Rentner H. Bätz in HerSfeld.
Punkt 13 der Tagesordnung.
Zum stellvertretenden Mitgliede der Gebäudesteuerver- anlagungSkommiffion an Stelle deS verstorbenen Bürgermeisters A. Reinhard in Lander-haufen wurde einstimmig der Bürgermeister Rüger in SchenklengSfeld gewählt.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
A. 8048. von Gruneliu -.
HerSfeld, den 13. Dezember 1911.
Die ReichS-VersicherungS-Ordnung hat mit Rücksicht auf die vom 1. Januar 1912 ab erfolgende Einbeziehung der Hinterbliebenenfürsorge in die Invalidenversicherung die Geldwerte der Beitragsmarken erhöht und zwar für eine Woche
in Lohnklaffe I. von 14 Pfg. auf 16 Pfg.
„ » n. « 20 « „ 24 „
„ „ III. „ 24 „ „ 32 „
„ * IV • „ 30 „ „ 40 „ und
„ „ V. „36 „ „ 48 „
Das ReichS-VersicherungSamt hat mit Erlaß vom 11. November 1911 die Formen der neuen Marken, die als Ein-, Zwei- und Dreizehnwochenmarken bei den ReichSpostanstalten und bei unseren MarkenverkaufSstellen zu haben sind, fest- gestellt.
Für die Zeit nach dem 1. Januar 1912 sind ausschließlich die neuen Marken zu verwenden.
Dagegen find zum Zwecke der nachträglichen BeitragS- leistung (§ 29 Absatz I. §§ 1442 bis 1444 der ReichSver- sicherungSordnung) für die V o r dem 1. Januar 1912 liegenden Zeiten die alten auf Grund der § 130 des Jnvalidenver- sicherungSgesetzeS auSgegebenen Marken (Bekanntmachung betreffend'die für die Invalidenversicherung zu verwendenden Beitragsmarken, vom 27. Oktober 1899. Amtliche Nachrichten des ReichS-VersicherungSamtS 1900 Seite 183) zu verwenden. Mit Rücksicht hierauf werden entsprechend den Anordnungen der obersten Postbehörden die Postanstalten diese Marken noch biS zum 30. Juni 1912 einschließlich ver- taufen. Vom 1. Juli 1912 ab sind alte Marken nur noch von den Versicherungsanstalten zu beziehen.
Bis zum 31. Dezember 1913 einschließlich können die alten Marken bei den MarkenverkaufSstellen gegen neue Marken unter Berücksichtigung deS veränderten Geldwerts umgetauscht werden.
Auf Grund der neuen Bestimmungen über die freiwillige Husatzverficherung können vom Jahre 1912 ab alle Ver- sicherungkpflichtigen und alle VersicherungSberechtigten zu jeder Zeit und in beliebiger Zahl Zusatzmarken einet beliebigen Ver. sicherungSanstalt in die QuittungSkarte einkleben. Sie erwerben dadurch Anspruch aus Zusatzrente für den Fall, daß sie Invalide werden. Der Wert der Zusatzmarken beträgt 1 Mars und sie können, ebenso wie die Beitragsmarken von der Post und den MarkenverkausSstellen bezogen werden.
Die OrtSpolizeibehörden deS Kreise- ersuche ich, dieses in der Gemeinde aus ortsübliche Weise wiederholt bekannt machen
zu lassen. Etwaige vorhandene und dort auShängende Bekanntmachungen der LandeS-VersicherungS-Anstalt in Caffel über die Höhe der zu verwendenden Beitragsmarken find in- bezug auf die neuen Markenwerte in den einzelnen Lohnklaffen entsprechend zu berichtigen.
I. 16118. Der Landrat
von Gruneliut.
HerSfeld, den 19. Dezember 1911.
Nach Mitteilung der Landes-Verficherungs-Nnstalt in Caffel wird eS mit Rücksicht auf die durch die Einführung der Reichs-VersicherungS-Ordnung erforderlichen umfangreichen Vorbereitungen zur Herstellung der neuen Formulare vorauS- fichtlich nicht möglich fein, die Ausgabestellen noch in diesem Jahre mit den neuen Quittung-formularen zu versehen. Den Druck der neuen Muster wird jedoch die LandeS-VersicherungS-Anstalt so beschleunigen lassen, daß die Versendung der bestellten Quittung-karten spätesten- in den ersten Tagen deS Januar erfolgen kann.
Die OrtSpolizeibehörden sowie Gutsvorsteher bei KreifeS wollen hiervon Kenntnis nehmen.
I. 16 480. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 15. Dezember 1911.
Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebestande bei Valentin Rudolf in Friedlos ist erloschen.
I. 16189. Der Landrat.
I. A.:
. Wessel, KreiSsekretär.
♦ Huckfrid, den 15. Dezember 1911.
Unter der Schafherde deS Schäfers Steinberg in Dicker-- Haufen, Kreis Homberg, ist die Räude amtlich festgestellt worden.
I. 16 189. Der Landrat.
3. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
Zugelaufen.
Ein Hund. Meldung deS Eigentümers bei dem Maurermeister Klee zu OberlengSfeld.
nichtamtlicher teil.
Frohe Botschaft.
Wiederum hat deS Jahre- schönste- Fest seine Pforten geöffnet, durch welche jung und alt, hoch und niedrig in unabsehbarem Zuge strömt. Weihnachten! Wer möchte nicht im Jubel diese- Feste- froh werden! Weg mit den Sorgen des Geschäft-, weg mit dem Lärm bei ParteikampfeS; freuen wollen wir unS wieder wie Kinder an dem, was unS geschenkt ist. Ist- nicht wie eine Erlösung, wenn in all die Unruhe und Verwonenheit hinein die Kunde kommt: Er gibt etwa- Feste-, woran man sich hasten kann, die göttliche Liebe, die sich zu unS Menschen Herabgelaffen und in einem Menschenkind Gestalt gewonnen hat, an dem wir sehen können, waS wir sein sollen, und durch daS wir werden können, was wir sein möchten! JesuS Christus, wie verschieden ist er betrachtet worden in den Jahrhunderten I Die einen haben diese, die anderen jene Seite seine- Wesm- und Wirken- besonder- lieb gehabt. Aber allen war er doch da- Abbild der göttlichen Herrlichkeit, alle wurden doch an ihm deS gnädigen und heiligen GotteS gewiß. Keine wissenschaftliche Forschung wird je die gewaltigen, einzigartigen Wirkungen dieser Per'- sönlichkeit bestreiten können, sie liegen offen da vor jedermann- Augen, der die Weltgeschichte kennt. Und gerade nach einem grundlegenden Gesetz aller wissenschaftlichen Forschung müssen wir von der Größe der Wickung aus die Größe der Ursache zurückschließen. Warum konnte dieser Mann solch eine Bewegung hervorrufen, die durch alle Weltteile und alle Jahrhunderte fortzittert? Auf diese Frage gibt eS doch nur eine befriedigende Antwort, nämlich die, welche unS die Zeugen feine- LebenS, Sterben- und AuferstehenS gegeben haben. Er war der Mensch, der sich in besonderem Sinne GotteS Sohn nennen durste, er hat die Menschheit erlöst vom Druck der Schuld und unS die Gemeinschaft mit dem unsichtbaren Gott alS etwas so Große-, so Erstrebenswertes vorgelebt, daß wir ihm zujubeln: Du Erlöser, fei auch mein Erlöser, mache mich frei von allem, waS das Beste in mir nicht zur Entfaltung kommen lassen will. Aus dich hin will ich- wagen, zu kämpfen, zu leben, zu leiden I
JstS nicht eine frohe B ots ch äst, die die Kirche zu Weihnachten zu verkündigen hat? Wie können wir uns nur immer wieder vorreden lassen, die Kunde von Jesu- fei etwa- Hemmende- und Drückende-? Geht doch von ihm Leben, Liebe, Zuversicht und Freudigkeit auS. Darum singt die christliche Kirche mit Recht: „O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit, Welt ging verloren, Christ ist geboren. Freue, freue dich o Christenheit I" s.