Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^«»«*»
herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Alnschlutz Nr. 8
Nr. 144.
Donnerstag, den 7. Dezember
1911
Amtlicher Ceil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3%igen Staatsanleihe von 1891 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Oktober 1911 bis 30. September 1921 nebst den Er- neuerungSscheinen für die folgende Reihe werden v o m 1. September d. Js. ab ausgereicht und zwar
durch die Kontrolle der StaatSpapiere in Berlin S. W. 68 Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrafenstraße 46 a,
durch die preußische Zentralgenoffenschastskaffe in Berlin C. 2, am Zeughause 2,
durch sämtliche preußische RegierungShauptkassen, KreiSkassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen,
durch sämtliche ReichSbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene ReichSbank- Nebenstellen, sowie
durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine ReichSbankanstalt befindet.
Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhebung der neuen ZinSscheinreihe berechtigenden ErneuerungS- scheine (Anweisungen, TalonS) den AuSreichungSstellen ein* zuliesern sind, werden von diesen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedars eS zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Tr- neuerung-jcheiue abhanden gekommen sind. (I. 1912.)
Berlin, den 5. August 1911.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. von BischosfShausen.
♦ ♦
♦
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die erforderlichen Formulare von der hiesigen RegierungShauptkasse, den KreiSkassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen deS Bezirks verabreicht werden. (K. 1017.)
Caffel, den 14. August 1911.
Königliche Regierung, gez. W u ß o w.
LandespoNzeMche Anordnung, betreffend die Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche im Kreise HerSfeld.
Mit Rücksicht auf die Feststellung der Maul- und Klauenseuche in Hilperhausen durch den beamteten Tierarzt bestimme ich in Erweiterung meiner landeSpolizeilichen Anordnung vom 9. v. MtS. — A. in. 4843 — Amtsblatt Nr. 41, Seite 354/5 — folgendes:
1. Zu dem Sperrgebiet im § 1 tritt die Gemeinde Hilperhausen.
Der verlorene Sohn.
Historische Original-Novelle von Carl C a s s a u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Gut, MoseS JSrael, daß Du gekommen bist," empfing ihn Florian.
„Jehova fei mit Euch! Was habt Ihr sür den armen MoseS?"
„Arm, MoseS? Mach kein Geträtsch!"
„AlS die Welt groß ist, bin ich ein armer Mann!„
„Willst Du mein HauS taufen, MoseS?"
„Dieses HauS, Herr Florian ThomasiuS?"
Ja!"
"llnb wollt Ihr wohnen mit Eurer Frau Liebsten, wenn Ihr Heim führt die schöne Jutta, der Ihr habt vor gemacht so viel Liebes-GeseireS."
„Sie will mich nicht, MoseS!" ,
„Habe doch vernommen, daß Ihr seid ein hochgestudlerter Mann; könnt eine Anstellung bekommen; wo wollt Ihr dann wohnen?" „ .
„Sie wollen mir keine Anstellung geben, bin ein Paria, MoseS — biete!"
„Mit allem RamS driun und dran?"
„Mit allem RamS — biete."
„So muß ich erst sehen! Kaust man doch nicht eine Katze im Sack."
„Recht! Käte zeige ihm alles! Wenn er kaust und ich gehe, ich sorge wohl für Dich!"
Und der Jude sah alles mit seinen Augen an. Vor dem Bilde deS Rektors blieb er stehen.
„Auch dar Bild!" — Der Mann war ein Ehrenmann das weiß Jehova! Soll auch das Bild gehören zu dem RamS?"
„Auch das Bild! KannS doch nicht mitschleppen wenn ich in die Welt gehe!"
2. DaS BeobachtungSgebiet im § 10 wird auf die Gemeinden KerSpenhausen, Roßbach, Kohlhausen, Holzheim (KreiS HerSfeld) und Siegwinden und Müsenbach (Kreis Hünseld) ausgedehnt. (A. III. 5652 a)
Caffel, am 23. November 1911.
Der RegierungS-Präsident: Graf v. Bernstorsf.
HerSfeld* den 28. November 1911.
Wird veröffentlicht.
I. 15263. Der Landrat.
I. A.:
W e s s e l, KreiSsekretär.
Hersfeld, den 29. November 1911.
An der Husbeschlag-Lehrschmiede in Weißenborn, Kreis Rotenburg a/F., soll am 11. Dezember 1911 oder 2. Januar 1912, je nach Eingang der Meldungen ein LehrkursuS beginnen. Anmeldungen sind an den Lehrschmiedemeister Giegel daselbst zu richten.
I. 15376. Der Landrat.
I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, den 4. Dezember 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 15. v. MtS. A. 6978 betreffend Waisenpflege noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. Mts. erinnert.
I. A. Nr. 6978. Der Landrat
vonGruneliuS.
—............ ......... .................. 1 ..—,,—..............
HerSfeld, den 30. November 1911.
Am SO. Dezember 1911 von vormittags 10 Uhr ab findet im Sitzungszimmer im hiesigen LandrotS- amtsgebäude eine Kreistagsfitznng mit nachfolgender Tagesordnung statt:
1. Prüfung und Feststellung der Rechnung der KreiS- kommunalkaffe für daS Rechnungsjahr 1910 und Erteilung der Entlastung an den Rechnung-führer.
2. Begutachtung des Landwegebau-EtatS für daS Jahr 1912.
3. Beschlußfassung über die Bewilligung von Mitteln zum Ankauf deS Grund und BodenS, welcher zum Bau eines Anschlußgleises in daS Gelände „hinterm Eichen" an die Kleinbahn HerSfeld—Heimboldshausen erforderlich wird.
4, Bewilligung der auf 6760 Mk. veranschlagten Kosten zur Herstellung eines Fußgängerstegs an der Fulda- brücke für die Kleinbahn HerSfeld—Heimboldshausen in der Gemarkung HerSfeld.
5. Beschlußfassung über die Herstellung deS hochwasierfreien Verbindungsweges Niederaula—MengShausen.
„Nun, so will ich geben Euch fünftausend Mariengulden in volltönigem Silber, Herr I"
„Du träumst, Alter!"
„So will ich tun ein UebrigeS und will geben sechstausend, aber keinen Deut darauf und ab.
„ES ist wenig, aber — eS sei Dein! Wann bringst Du mir daS Geld?"
„Morgen zur Nacht!"
„Laß eS noch ein paar Tage geheim bleiben und mich hier wohnen!"
„Das wird eine Ehre für mich sein!"
„Wohl denn!"
Er ließ MoseS hinaus, verschloß die Bordertür und ging in den Baumgarten, wie jeden Abend. Plötzlich stieg am östlichen Himmel eine gelbe Rakete auf. Sofort eilte er inS HauS, öffnete die Schreibbüchse, welche er so lange am Gürtel getragen, nahm einen länglichen Körper heraus, griff nach Zunder, Stein und Stahl und stieg in den Stadtgraben hinab, wo einige verkrüppelte Weiden standen.
Eine schwanke Gerte befestigte er an dem Körper, schlug Feuer, ließ den brennenden Zunder auf dem Körper liegen und hängte alles so in eine Weide. Dann schlich er inS HauS und lächelte höhnisch, alS einige Minuten später eine rote Rakete aus dem Wallgraben in die Lust fuhr. Leise murmelte er:
„ES ist entschieden! — Uellsen, du hast eS allein zu büßen!"
Am andern Morgen ging Florian Thomasiu- schon in der Frühe zum Tore hinaus und in den dicken Forst, welcher sich mehrere Meilen lang an der Nordwestseite der Stadt hinzog. Zur Vorsicht wählte er den Weg durch daS GudeStor. Aus dem Waldpsade begegnete ihm ein Bauer.
„Mein Gott, seid Ihr eS selbst, gnädiger Herr? fragte Florian.
„Warum nicht? Wer kennt mich?" gab jener zurück. „Wie stehtS mit der Stadt?"
Sie traten in ein Tannendlckicht und flüsterten lange, dann hörte man Gold klingen und Florian kehrte um; der Bauer wandte sich ebenfalls.
6. Bewilligung der Kosten zur Verbreiterung deS Landwegs zwischen dem Orte Ransbach und dem Bahnhof daselbst.
7. Bewilligung eines Kostenbetrages von 300 Mark zum Umbau einer Drainage im Landwegezug HerSfeld— WipperShain—Nippa im Orte Conrode von Station 10,4 bis 10,5+10.
8. Bewilligung von Kostenbeiträgen sür die Einrichtung und Unterhaltung deS in HerSfeld sür junge Burschen der Stadt und deS Kreises gegründeten Verein- „Burschenheim".
9. Beschlußfassung wegen Uebernahme der Kosten der polizeilichen Nahrungsmittel-Kontrolle aus den KreiS.
10. Bewilligung von Kosten zur Einrichtung einer Wander- hauShaltungSschule im Kreise.
11. Neuwahl eines SchiedSmannS sür den SchiedSmannS- bezirk Eorga—Oberode (§ 3 Absatz 2 und § 11 der EchiedmannSordnung).
12. Neuwahl zweier Sachverständiger zur Abschätzung der durch die Truppenübungen entstandenen Flurschäden an Stelle der verstorbenen Bürgermeister a. D. Nutzn in Asbach und Bürgermeister A. Reinhard in Landerr- Hausen. (§ 14 der GesetzeS vom 13. Februar 1875 und § 14 der AuSführungSinstruktion vom 30. August 1897).
13. Neuwahl eines stellvertretenden Mitgliedes der Gebäude- steuerveranlagungSkommisfion an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Reinhard in Landershausen. (§ 9 Absatz 2 des Gesetzt vom 21. Mai 1861.)
Der DorfitzendeMs Kreisausschusses:
I. A. 7591. v o -i WtztzM l i,u S.
HerSfeld, den 28. November 1911.
Nachdem nunmehr der Herr RegierungS-Präsident mit der landeSpolizeilichen Anordnung vom 23. d. Mts. A. III. Nr. 5652 a, die in der heutigen KreiSblatt-Nr. zum Abdruck kommt, die Vorschriften zur Bekämpsung der Maul- und Klauenseuche in Hilperhausen erlassen hat, setze ich meine vorläufigen Anordnungen vom 18. November 1911 I. 14871 (KreiSblatt Nr. 137) wieder außer Kraft.
Meine Anordnungen vom 13. Oktober 1911 I. 12824, KreiSblatt Nr. 122, werden dagegen auf die Sperrbezirke Hilperhausen und Oberrode und die zum BeobachtungSgebiet gehörigen Orte: KerSpenhausen, Kohlhausen, Roßbach, Holzheim, WilhelmShof, Eorga und PeterSberg ausgedehnt. I. 15263. Der Landrat.
I. A..-
Wessel, KreiSsekretär.
Mittags war Florian wieder in der Stadt, speißte in den 3 Weltkugeln deS Johann Sode, trank mehrere Kannen Bier, ärgerte Wolfgang Wedde, indem er Jutta den Hof machte, und zog sich darauf in seine Behausung zurück.
Herr Bardo von Meding hatte sich"eben schwerfällig auf den wallonischen Hengst geschwungen, als die Trompeten schmetterten und ein Trupp Schweden einbrach, rasch daS AmtShauS auSraubte und Herrn Bardo mit sich sortsührte.
Ein gleichzeitiger Handstreich aus alle Tore UcllsenS mißlang, weil die Wache guten Ausguck hielt und dir Eisengatter schnell genug herunterraffelten.
Die Lärmtrommel zog schnell mehr alS 600 streitbare Männer auf Wall und Mauern, die Kartaunen und Feld- schlangen wurden gefüttert, wie Herr AmbrosiuS Eintor spaßhaft bemerkte, damit sie extra gut „speien" könnten und alleS zum blutigen Empfang des Feindes bereit gemacht.
Aber eS kam zu nichts, denn der Raubhaufen führte Herrn Bardo von Meding nur vor das GudeStor und verlangte Auslieferung des Obristen Stahlhanfke gegen den Herzoglichen Amtmann, widrigenfalls man denselben stöcken und pflöcken würde.
Aus sotane Aufforderung wollte Herr AmbrosiuS Eintor sich mit einem Hausen aus die Beutemacher stürzen, da aber erschien am Galgenberg ein zweiter größerer Haufen. Hierauf beschloß der Rat die Auswechselung. '
Obrist Stahlhanfke jauchzte laut auf, als er aus dem Pri- son entlassen ward; drohend streckte er die Hand gegen die Stadt aus, als er auf Herrn Bardos Hengst saß, dann ver. schwand er mit dem Haufen.
Keiner ahnte, daß Florian zu den Schweden in Beziehung stand. Es blieb aller ruhig und zur Nacht zahlte MoseS ihm daS Geld aui.
Andern Morgen- früh aber schon hieß eS in der Stadt überall:
„Die Schweden kommen, die Schweden kommen!"
Die Bürgerschaft war schnell auf den Beinen, sammelte sich unter ihren Rottenmeistern bezog Wachen und Wälle und machte sich zur Gegenwehr bereit.
Die Schweden dagegen hielten aus dem KönigS-und Gal-